Hallo Hokioi,
vielen Dank für die ausführlichen antworten. Jetzt ist mir einiges klarer. Ich möchte noch einige Gedanken formulieren, die mir beim Lesen deiner Texte gekommen sind.
Wirtschaftswachstum: Bäume wachsen nicht in den Himmel. Wirtschaftswachstum ist die heilige Kuh des Kapitalismus. Es muß Wachstum geben, damit alle Produzenten immer mehr produzieren können und immer mehr Gewinne machen. Gleichzeitig wird dieses Wachstum benötigt, damit sich der Staat immer weiter verschulden darf.
Nunist das Wirtschaftswachstum auch in den Schwellenstaaten angekommen und wie du gut rausgearbeitet hast, wächst der Bedarf an Energie schneller als nachgeliefert werden kann. Dieses System hat eine mathematische Obergrenze und diese wird langsam erreicht. Das ist der grundlegende Fehler im System, der gleichzeitig auch das K.O.-Kriterium darstellt.
In den Menschheitsgeschichte findet man immer wieder Zivilisationen, die lange Zeit überdauert haben, und dann aufgrund von grundlegenden Systemfehlern von eben auf gleich verschwunden sind.
Zur Zeit sehe ich es so: Es gibt auf der Welt einige Lobbygruppen , die zwar Hand in Hand arbeiten, aber dabei auch darum konkurrieren für sich den größeren Teil des Kuchens zu gewinnen. Diese Gruppen agieren überstaatlich und manipulieren weltweit die Staatswesen um sich selbst zu bevorteilen. Die Interessen dieser Gruppen stehen zum Teil gegeneinander.
Da hätten wir zum ersten die Hochfinanz und ihr Bankwesen. Diese erzielen Erträge durch Manipulation des Geldwertes. Dann haben wir die Ölproduzenten, die quasi die ganze Wirtschaft am laufen halten. Dann die Waffenproduzenten/-Händler, die aus Krieg ihren Gewinn und gleichzeitig den Beweis der Notwendigkeit ihrer Existenz ziehen. Dann die allgemeinen Energieversorger und die Konsumgüterproduzenten. Alle wollen so viel Gewinn wie nur möglich machen. Nun ist die weltweite, jährliche Produktivität begrenzt. Also kämpfen diese Gruppen gegeneinander. Man kann das sehr schön am Irakkrieg zeigen. Eigentlich ist doch der Irak besiegt und eigentlich müßte Frieden und Wiederaufbau herrschen und die Ölproduzenten müßten jetzt ihren Gewinn einfahren, durch das erbeutete Öl und die Konsumgüterproduzenten und das Bauwesen hätten einen wachsenden Markt. Also könnte das Geldverdienen los gehen!
Nun hat sich vom Militärischen Komplex die Bereich der privaten Sicherheitsdienstleister abgespalten. In Kriegszeiten machen die die Schmutzarbeit, die die Armee nicht machen darf und verdient gut daran. In Friedenszeiten werden die dann nicht gebraucht. Es sei denn, sie erzeugen einen latenten Bürgerkriegszustand, wie im Irak. Dann muß jeder, der ein bißchen Geld verdient die Gewinne in privat finanzierte Sicherheit stecken. Gleichzeitig wird auch die Armee im Lande gebunden und der Munitionsverbrauch geht weiter. Zwar machen die Ölproduzenten keine Gewinne, aber die Gewinne der Waffenlobby sind eben deutlich höher. also bleibt der Ausnahmezustand erhalten, obwohl im Irak eigentlich nichts produziert wird, sondern von allen Seiten nur die Steuern der amerikanischen Staatsbürger verbraucht werden.
Ein Organismus kann aber nur einen begrenzte Zahl an Parasiten aushalten. Werden die Parasiten zu viele, stirbt der Wirt. Ein Vorgang, den wir jetzt in der Weltwirtschaft beobachten. Überlegen wir doch folgendes. "Kriege" werden gezielt organisiert. Müßten wir die Rüstung nicht bezahlen, hätten die Bürger mehr Geld, bzw. sie müßten weniger arbeiten. Ohne Kriege gäbe es auch nicht den sinnlosen Wiederaufbau. Die Gesamtwirtschaft der Welt wäre kleiner und würde weniger Energie verbrauchen.
Vor dem Einsetzen der Industrialisierung waren die Länder autark und die Menschen versorgten sich aus der Landschaft, in der sie lebten. Die Ölindustrie monopolisierte die Energieversorgung und das Transportwesen und ließ alle alternativen vernichten. Das maximierte den Gewinn und dieses Vorgehen wird sogar als wissenschaftlich in den Wirtschaftsfakultäten gelehrt. Und nun stellen sich zwei Dinge raus: Dieses System kann nicht beliebig wachsen, es kann nicht stagnieren oder schrumpfen, es kann sich nicht Mal aus eigener Kraft ändern.
Erschwerend kommt noch dazu, dass immer alles in Geld gemessen wird. Geld ist aber nur einen Verrechnungseinheit, hat sich aber zu einem eigenständigen Wert verwandelt. Aus der Zinseszinsrechnung wächst diese Geldmenge kontinuierlich an. Und während Güter produziert und verbraucht werden, wächst die Geldmenge immer weiter. Logischerweise ist dann irgendwann das Geld nichts mehr Wert und wird nur noch durch den Glauben der Menschen an die bunt bedruckten Papierstücke am Leben gehalten. Schauen wir uns nur aktuell den Verfall des Dollars an. Und so verlieren alle, die um den größeren Teil des Kuchens kämpfen, um für sich selbst "mehr" Macht zu sichern, denn ihr "Gewinn" besteht aus großen Zahlen auf Computerspeichern. sicherlich sind die beindruckend groß, aber eben nur Zahlen auf Computerspeichern. Das Wirtschaftswachstum existiert nur noch in den Zahlen auf den Konten, während die Bürger immer weniger physisch konsumieren und immer mehr produzierte Werte für die Zerstörung verwendet werden. Die Parasiten nehmen zu viel und haben gleichzeitig ein System installiert, dass sich zum Schluß selbst kaputt macht und nicht gestoppt werden kann. Ja, sie haben damit sehr viel Gewinne gemacht und ganz viel Macht angehäuft. Aber was wird aus dieser Macht, wenn plötzlich alles Stil steht?
Gruß, EO