Beiträge von MANUkey

    Tr?umen mit Diderot

    Der Gedanke der Aufkl?rung, dass wir uns eine bessere Zukunft erschaffen k?nnen, ist noch jung und hat noch immer ?berall auf der Welt z?ndende Wirkung.


    Die Anf?nge der Aufkl?rung liegen im 17. Jahrhundert. Seither haben ihre Ideen immer wieder K?mpfe um religi?se Toleranz, Freiheit der wissenschaftlichen Forschung, Demokratie und pers?nliche Freiheit ausgel?st. Noch heute wird um Aufkl?rung und Fortschritt gerungen, und das Schlachtfeld hat mittlerweile sogar unsere Keimzellen und Neuronen erreicht.

    Den Gedanken, sich die Technik zunutze zu machen, um ?ber die Grenzen des menschlichen K?rpers und Gehirns hinauszugehen, nannte der Biologe Julian Huxley, Bruder von Aldous Huxley, "Transhumanismus". Huxley war der ?berzeugung, dass sich der Mensch, wenn er es wolle, durch so genannten Evolutionshumanismus selbst ?bertreffen k?nne. Die Vorstellung vom Transhumanismus, der die menschliche Form und nicht einfach nur unsere gesellschaftlichen Institutionen verbessert, geh?rte allerdings schon von Anfang an zur Aufkl?rung: von Denis Diderot, Jean de Condorcet, William Godwin und Robert Boyle bis hin zu Benjamin Franklin und Tom Paine.

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    Denis Diderot

    Im Jahre 1769 schrieb Diderot, Herausgeber der "Enzyklop?die", drei phantastische Essays, die als "D'Alemberts Traum" bekannt sind und in denen er imagin?re Dialoge zwischen ihm selbst, seinem Freund d'Alembert, einer kultivierten jungen Dame und einem Arzt wiedergibt. Darin meint Diderot, dass das Bewusstsein, da es ein Produkt von Hirnsubstanz sei, zerlegt und wieder zusammengef?gt werden k?nne. Die Wissenschaft wird Tote wieder zum Leben erwecken. Tiere und Maschinen k?nnen zu intelligenten Gesch?pfen umgeformt werden, und die Menschheit kann sich selbst in eine gro?e Typenvielfalt umwandeln, "wobei es unm?glich ist, ihre Metamorphosen und ihren k?nftigen endg?ltigen K?rperbau vorherzusagen."

    Es sieht so aus, als w?rde sich Diderots Voraussicht in diesem Jahrhundert best?tigen. In dem Ma?e, in dem sich Pharmakologie, k?nstliche Intelligenz, Nanotechnik und Biotechnologie in den n?chsten Jahrzehnten einander ann?hern werden, wird sich die Lebensdauer der Menschen gut auf ?ber 100 Jahre verl?ngern. Unsere Sinne werden sich erweitern und intensiver als heute Bilder, T?ne und Empfindungen aufnehmen. Wir werden uns deutlicher an mehr Einzelheiten aus unserem Leben erinnern k?nnen. Wir werden Herr sein ?ber M?digkeit, Erwachen und Aufmerksamkeit und uns mit mehr praktischer Intelligenz ausstatten. Wir werden st?rkere Kontrolle ?ber unsere Gef?hle haben und weniger unter Depressionen, Zw?ngen und Geisteskrankheiten leiden.

    Unsere K?rper und Gehirne werden von Computern umgeben und mit denselben verschmelzen. Die Computer selbst wiederum werden mindestens so leistungsf?hig wie unsere Gehirne. In dem Ma?e, in dem Maschinen mit unserem Geist verschmelzen, werden wir tats?chlich zerlegt und wieder zusammengef?gt. Wir werden diese Technologien nutzen, um uns selbst, unsere Kinder und Tiere in nicht vorhersehbare Arten intelligenten Lebens umzuwandeln.

    In den letzten dreihundert Jahren haben sich konservative Religionsanh?nger, autorit?re Politiker und romantische Verteidiger einer idyllischen Vergangenheit dem Gedanken, dass die Menschen kreative Verantwortung f?r die Verbesserung des Werks des Intelligenten Sch?pfers - ob Monarchien oder Fortpflanzungsbiologie - ?bernehmen sollten, immer wieder widersetzt. In der aktuellen Debatte ?ber die Zukunft der menschlichen Evolution haben sich diese mannigfaltigen Stimmen von links und rechts in einer biokonservativen Allianz gegen Technologien zur Lebensverl?ngerung und Verbesserung des Menschen zusammengetan. F?r die Biokonservativen sind die Versuche, ein deutlich l?ngeres Leben, ges?ndere K?rper und schnellere Gehirne zu erwerben, eine hochm?tige Flucht fort von Gott, falsches kapitalistisches Bewusstsein, neo-eugenischer Brave-Neue-Welt-Ismus oder ein Faustscher Pakt mit dem technisch-industriellen Zeitalter. Von diesen Kritikern der Aufkl?rung wird der Wunsch, mehr als menschlich zu werden, als Bedrohung der "W?rde des Menschen" angesehen und als Katastrophe verdammt.

    Wie schon von Diderot ausgemalt, steht im Mittelpunkt dieser aufkommenden Biopolitik die Debatte dar?ber, ob Verstand nur dem Menschen eigen und "menschlich" eine sinnvolle moralische Kategorie ist. F?r die Anh?nger der Aufkl?rung ist Verstand ein Gut der Materie und "menschlich" eine sich st?ndig weiterentwickelnde Kategorie mit verschwommenen Grenzen. Unser Zufallsgeschenk des Verstandes teilen wir in unterschiedlichem Ma?e mit unseren s?ugenden Vettern und j?ngsten Vorfahren. Wenn wir und unsere Mitb?rger uns mehr als menschlich machten - wo auch immer die Trennlinie verlaufen mag - und wenn unsere Gesellschaft durch intelligente Tiere oder Maschinen erweitert w?rde, w?re dies kein unhaltbares Gr?uel, sondern eine Bereicherung unserer Vielfalt. Biokonservative lehnen diese k?nftige Vielfalt ab, weil nur Menschen Rechte haben k?nnen und unsere Kultur und Politik auf die Einheit und Reinheit der menschlichen Rasse angewiesen ist.

    Zwischen den verwirrenden Extremen des naiven Techno-Utopismus einerseits und biokonservativer Verbote neuer Technologien andererseits stellen sich viele legitime Fragen zu den Risiken von St?mperei. Eine Herausforderung besteht darin, daf?r zu sorgen, dass die Verbesserungstechnologien m?glichst vielen Menschen zug?nglich gemacht werden, damit wir nicht durch das Entstehen einer verbesserten Elite zersplittert werden. Allerdings mag universeller Zugang zur Verbesserung in unserer ungleichen Welt unm?glich erscheinen. Aber es besteht durchaus Grund zu Optimismus.

    Einige Verbesserungstechnologien werden vermutlich preiswert sein. Gentherapien oder Mittel gegen das Altern und zur Wiederherstellung von K?rper und Geist k?nnten so preiswert angeboten werden wie Kondome, Moskitonetze und Impfstoffe. Allerdings wissen wir nat?rlich, dass den Armen dieser Welt noch nicht die ben?tigten Kondome, Moskitonetze und Impfstoffe zur Verf?gung stehen, sodass es gef?hrlich und dumm erscheinen kann anzunehmen, dass sie ein Recht auf Lebensverl?ngerung und Brain-Booster haben. Doch vor zehn Jahren, als antiretrovirale Therapien gegen HIV noch 40.000 Dollar im Jahr kosteten, konnte sich auch noch niemand vorstellen, dass wir heute Milliarden von Dollar in einem globalen Fonds haben w?rden und diese Behandlungen so auch den ?rmsten der Armen angeboten werden k?nnen. Die Antwort auf die Forderung nach globalem Zugang zu HIV-Therapien bestand nicht im Verbot antiretroviraler Mittel im Norden, sondern darin, die Pharmaindustrie zu zwingen, humanit?re Aspekte zu ber?cksichtigen, preiswertere Therapien zu entwickeln und in die Gesundheitssysteme des S?dens zu investieren. Nun brauchen wir dasselbe Vorgehen zur Sicherung des Zugangs zu Verbesserungstechnologien, von 100-Dollar-Laptops zu Gentherapien und kybernetischen Implantaten.

    Auch wenn Verbesserungstherapien nicht billig sind, werden sie dank ihres gesellschaftlichen Nutzens im Gro?en und Ganzen schlie?lich doch kostenwirksam sein. Diderot w?nscht d'Alembert eine gute Nacht mit den Worten: "Geben Sie dem Menschen - ich sage nicht die Unsterblichkeit, sondern nur die doppelte Lebensdauer, und Sie werden sehen, was dabei herauskommt." Da die Baby Boomer in den Industriel?ndern jetzt ?ber siebzig werden und die Zahl der Kinder, die ihren Platz in der Arbeitswelt ?bernehmen, zur?ckgeht, geraten unsere Gesundheits- und Rentensysteme ins Wanken. Wenn altersbedingte Krankheiten und Behinderungen durch Therapien hinausgez?gert werden k?nnen, die die Alterung aufhalten und das Gehirn reparieren, wird das Ergrauen der Gesellschaft weitaus weniger traumatisch. Eine wirtschaftliche Konsequenz w?rde darin bestehen, ein oder zwei Prozent mehr vom Bruttoinlandsprodukt f?r die Entwicklung von Anti-Aging-Therapien und Gew?hrleistung ihrer allgemeinen Zug?nglichkeit aufzuwenden.

    ?hnlich verh?lt es sich bei kognitiven Defiziten wie Demenz, Sucht und Geisteskrankheit. Auch hier wird der universelle Zugang zu kognitiven Verbesserungstherapien zu einer nahe liegenden M?glichkeit. Aber die Neurotechnologien bergen auch gro?e Risiken in sich. In Diderots Dialogen sinniert sein schlafender Freund d'Alembert dar?ber, dass sich der Mensch in eine "gro?e, inaktive, unbewegliche Ablagerung" verwandeln k?nnte. Mit anderen Worten k?nnten wir zuf?llig oder absichtlich Gaben verlieren, die wir hoch sch?tzen, wie Einf?hlungsverm?gen, Kreativit?t, Ehrfurcht und ruhiges ?berlegen. Einige Suchtmittel wie Methamphetamin polen das Gehirn so um, dass es sich nur auf den n?chsten Fix konzentrieren kann, w?hrend Hormone und Neurotransmitter unsere Gef?hle und Interessen manipulieren k?nnen. Wir brauchen Richtlinien und Regeln, die die menschliche Evolution aus der Sackgasse radikaler Selbstsucht und Sucht erzeugender Versunkenheit hin zu gr??erer Geselligkeit, Selbstbewusstsein und Vernunft lenkt. Sogar selbst gew?hlte Hirnmanipulation k?nnte uns alle weniger menschlich machen. Statt dessen m?ssen wir einander ermutigen, die von uns gesch?tzten Tugenden st?rker herauszubilden.

    In Diderots drittem Dialog geht es um eine andere biokonservative Angst, die Kreuzung von Menschen und Tieren. Das Verwischen der Trennlinie zwischen Mensch und Tier verletzt tief sitzende Tabus und ruft die Visionen vom Minotaurus und der "Insel von Dr. Moreau" wach. Der amerikanische Pr?sident Bush und die Church of Scotland fordern ein Verbot von Hybriden. Ein solches Verbot w?rde aber der biomedizinischen Forschung, in der Tiere mit menschlichen Genen und Geweben zur Erforschung von Heilungsm?glichkeiten f?r viele Krankheiten genutzt werden, heftigen Schaden zuf?gen.

    Es gibt aber auch berechtigte Bedenken gegen die Mensch-Tier-Hybridforschung. An welchem Punkt erwerben die Kreuzungen Rechte von Menschen? D'Alemberts Arzt schl?gt die Z?chtung eines Ziegenmenschen zur Befreiung des Menschen von der Schinderei vor. Aber warum w?re es moralischer, Ziegenmenschen st?rker zu versklaven als andere Menschen? Vielleicht hat Diderot diesen Einwand vorhergesehen, als er in der letzten Zeile des Dialogs erw?hnte, dass ein franz?sischer Kardinal einmal angeboten habe, einen Orang-Utan zu taufen, wenn dieser nur sprechen w?rde.

    Tats?chlich ist die spanische Regierung im Begriff, grundlegende "Menschenrechtsgesetze" auf gro?e Affen auszudehnen. Gegner argumentieren, dass Affen keine Rechte haben d?rften, weil sie weder Gedanken noch Kultur von menschlichem Niveau h?tten. Was w?re nun aber, wenn Affen durch Genmanipulation geistige F?higkeiten auf menschlichem Niveau erhielten? G?be es dann noch immer Einw?nde gegen die Gew?hrung von B?rgerrechten? Nun, da die Genome von Menschen und Affen vollst?ndig entschl?sselt sind und wir die wichtigsten genetischen Unterschiede zwischen den Gehirnen erkannt haben, ist dies eine durchaus denkbare M?glichkeit. Der moralische Status eines solchen Affen w?re eine der deutlichsten Trennlinien zwischen den Verfechtern des Menschengeschlechts und den Aufgekl?rten.

    Diderot sieht auch die M?glichkeit eines empfindungsf?higen und beseelten Klaviers, das die F?higkeit bes??e, sich fortzupflanzen. Wenn Diderot diese Aussicht auch nicht zu besorgen scheint, ist von allen Risiken, die die neuen Technologien mit sich bringen, Maschinenintelligenz wohl das gr??te. In Diderots Dialog ?u?ert die kultivierte Dame die Ansicht, dass, da das Gehirn ?ber Nerven mit dem K?rper verbunden sei, alle Gehirne ?ber empfindliche F?den wie ein riesiges Spinnennetz miteinander und mit dem Rest des Universums verbunden seien. Der Doktor erwidert, dass es, wenn es derart ausgedehnte Intelligenz g?be, "das Aussterben der guten und b?sen Geister" bedeuten w?rde und "die konstantesten Naturgesetze w?ren von nat?rlichen Agentien durchbrochen." Die F?higkeit zu apokalyptischem Chaos durch eigensinnige Intelligenz, die aus unserem exponentiell gr??er werdenden Netz von Maschinen erw?chst, kommt den Risiken von Klimaver?nderung und Bioterrorismus zweifellos gleich. Wenn wir ?ber diese potenziell apokalyptische "Singularit?t" die Kontrolle behalten wollen, m?ssen wir mit unserem Netz, unserer Exocortex verschmelzen und unsere Intelligenz auf eine Vielzahl von K?rpern und Maschinen verstreuen, um kl?ger und schneller zu werden und die Weber des Netzes zu bleiben und nicht seine gefangenen Opfer zu werden.

    Wenn wir die liberale Gesellschaft verteidigen und Wissenschaft, demokratische Gesinnung und besonnene Regelungen nutzen, um diese Herausforderungen zu meistern, versuchen wir einen Weg in eine unvorstellbar transzendente Zukunft, in der wir dieses Puppenstadium der Menschheit hinter uns lassen. Der tr?umende d'Alembert stellt sich vor, dass sich der Mensch aufl?st und unz?hlige Kokons bildet, die jeweils bestimmte menschliche Eigenschaften besitzen - Beamte, Philosophen, Dichter - und ihre eigenen individuellen Schmetterlinge geb?ren. "Wer wei?, welche neue Gattung sp?ter aus einer so gro?en Anh?ufung von empfindsamen lebenden Punkten wieder hervorgehen kann?" Wir k?nnen eine neue Art mit gro?er Vielfalt werden, die durch unsere gemeinsame W?rdigung der Kostbarkeit des Selbstbewusstseins in einem riesigen, dunklen Universum in Br?derlichkeit vereint ist. Dies ist die positive Vision der Aufkl?rung, dass jeder von uns in vollstem Umfang sein technisch m?gliches Potenzial erreicht und alle als eine tolerante, reiche, demokratische Gesellschaft zusammenleben.

    Trotzdem fragt der Skeptiker, wozu das Ganze? Warum den Weg in die Posthumanit?t riskieren? Welche Vorhaben w?rden wir mit unseren unsterblichen K?rpern, grenzenlosen Hirnen und au?ergew?hnlichen Sinnen verfolgen? So, wie unsere Vorfahren aus der Steinzeit unsere gro?en St?dte, unsere K?nste und Maschinen oder unsere geistigen Traditionen nicht vorhergesehen haben konnten, k?nnen wir uns heute nicht die Gr??e der Leistungen unserer posthumanen Nachkommen vorstellen. Die kultivierte Dame stellt sich in dem Dialog vor, das Gehirn eines Genies auseinander zu nehmen, aufzubewahren und sp?ter wieder zusammenzusetzen, um "das Ged?chtnis, die Vergleiche, die Urteilskraft, die Vernunft, die Begierden, die Abneigungen, die nat?rliche Begabung, das Talent wiederentstehen" zu sehen. Vielleicht nutzen unsere Nachkommen die Nanotechnik, um ganze Planeten in intelligente, beseelte Materie zu verwandeln, jedes Atom ein Prozessor in einem planetengro?en Gehirn, sich des Sturzes jedes Spatzes bewusst und in der Lage, die Erinnerungen jedes Lebens zu bewahren. In einer solchen Welt k?nnte unsere pers?nliche Identit?t Milliarden von Jahren weiterbestehen.

    Als d'Alembert erwacht, fragt er, "wenn alles ein allgemeiner Fluss ist, wie ihn mir das Schauspiel des Universums ?berall zeigt: was werden dann hier und anderswo die Dauer und die Wandlung einiger Millionen Jahrhunderte nicht alles hervorbringen? Wer wei?, wie das empfindende und denkende Wesen auf dem Saturn ist?" Vielleicht machen sich unsere Nachkommen daran, die anderen weit verstreuten Formen von Intelligenz in unserer Galaxie zu suchen und beginnen, das Universum so zu gestalten, dass seine rasante Ausdehnung bis zum W?rmetod gestoppt wird. Oder wie Michio Kaku meint, bauen sie vielleicht ein neues, angenehmeres Universum und wandern dorthin aus.

    Ganz gleich, wie die Vorhaben unserer Nachkommen aussehen werden, sie - und vielleicht auch einige von uns - werden auf unser heutiges Leben mit dem Erstaunen, dem Mitleid und der Dankbarkeit zur?ckblicken, die wir f?r unsere Vorfahren aus der Steinzeit empfinden. So, wie unsere Vorfahren ihre H?hlen verlie?en, um Bauernh?fe und St?dte zu bauen, m?ssen wir nun bewusste rationale Kontrolle ?ber unser biologisches Schicksal ?bernehmen und wachsen, um nach den Sternen greifen zu k?nnen.

    Artikel-URL: http://www.heise.de/tp/r4/artikel/24/24329/1.html

    Gespr?ch mit dem Juristen Fredrik Roggan, der die Verfassungsbeschwerde gegen das NRW-Verfassungsschutzgesetz vorbereitet, nach dem den Verfassungssch?tzern das heimliche Hacken von privaten Computern ?ber das Internet erm?glicht wurde
    Gegen das vom Landtag in Nordrhein-Westfalen beschlossene neue [extern] Verfassungsschutzgesetz, das den Verfassungssch?tzern auch das Eindringen in private Computer ?ber das Internet gew?hrt, will Telepolis-Autorin [extern] Bettina Winsemann (Twister) Verfassungsbeschwerde einlegen (und hat daf?r auch ein Spendenkonto eingerichtet). Das Gesetz ist als Testlauf zu verstehen, auch in anderen Bundesl?ndern und auf Bundesebene Sicherheitsbeh?rden ?hnliche Kompetenzen zu geben. Das wollte man bereits ohne rechtliche Grundlage auf Bundesebene machen und hatte auch schon richterliche Genehmigungen daf?r erhalten, bis einem Ermittlungsrichter beim BGH bei einem Antrag Mitte November dann doch Bedenken kamen ([local] Der Gro?e Bruder im privaten Computer). Die Verfassungssch?tzer aus NRW d?rfen nun prinzipiell auch in ganz Deutschland Computer heimlich hacken oder Trojaner einschleusen.

    Bettina Winsemann hat Dr. [extern] Fredrik Roggan mit der Verfassungsbeschwerde beauftragt. Roggan ist Bundesvorsitzender der [extern] Humanistischen Union, Lehrbeauftragter an der Universit?t Potsdam und der FHVR Berlin, (Mit-)Herausgeber des "Handbuchs zum Recht der Inneren Sicherheit".

    Gespr?ch siehe hier

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    Solltet ihr Mal ?rger mit der Polizei haben und bei euch zum Beispiel eine Hausdurchsuchung anstehen, ist es wichtig, nichts falsch zu machen. Da sind einige kompetente Tipps sicher hilfreich. Und insbesondere auch die Erkl?rung, warum wir alle (= Internetnutzer) heutzutage recht schnell in eine solche Situation rutschen k?nnen.

    Videomitschnitt des Vortrags "Sie haben das Recht zu schweigen" von Udo Vetter (lawblog.de) auf dem 23. Chaos Communication Congress. ... all ? Durchsuchung, Beschlagnahme, Vernehmung - Strategien f?r den Umgang mit Polizei und Staatsanwalt

    Wer online lebt und arbeitet, tut dies unter den Augen der Strafverfolger. Der Vortrag schildert, wie Durchsuchungen, Vernehmungen und Ermittlungsverfahren ablaufen. Er erkl?rt, wie man sich gegen?ber Polizei und Staatsanwaltschaft richtig verh?lt.

    http://video.google.com/videoplay?doci…docidfeed&hl=en

    L?nge: 1 Std. 8 Min.

    Die Pr?sidentin der Kultusministerkonferenz will Eignungstests zur Pflicht f?r Lehramtstudenten machen. Ute Erdsiek-Rave sagte, damit k?nnten angehende Lehrer fr?h herausfinden, ob der Beruf f?r sie geeignet ist. So lasse sich der Praxisschock verhindern.

    "Eine verpflichtende Eignungspr?fung sollte am Ende der Bachelorphase stehen, bevor die Studenten in den Masterstudiengang gehen, der direkt auf den Beruf vorbereitet", sagte die SPD-Politikerin Ute Erdsiek-Rave dem SPIEGEL. Sie ist Bildungsministerin in Schleswig-Holstein und noch bis Mitte Januar 2007 Pr?sidentin der Kultusministerkonferenz (KMK).

    Hintergrund ist eine Studie der Universit?t Potsdam, nach der 30 bis 40 Prozent der Lehramtsstudenten f?r den Beruf nicht geeignet sind, etwa weil sie zu sch?chtern sind. Mit diesem Problem will sich die KMK im M?rz besch?ftigen.

    Abhilfe schaffen k?nnte, so die KMK-Pr?sidentin, auch ein Selbsttest, den die Potsdamer Wissenschaftler entwickelt haben: "Wer Lehrer werden will, k?nnte mit einem solchen Test schon am Ende der eigenen Schulzeit herausfinden, ob der Beruf f?r ihn geeignet ist."

    Zu den Ursachen, warum so viele ungeeignete Menschen Lehrer werden wollten, geh?rten "falsche Vorstellungen von dem Beruf. Der hat einerseits leider ein negatives Image - andererseits erwarten auch viele, dass der Job nicht so schwer ist und man viel Freizeit hat", sagte Erdsiek-Rave im SPIEGEL-Interview. In der Praxis seien viele angehende Lehrer "geschockt, wie schwer und zeitintensiv die Arbeit tats?chlich ist".

    Q

    [size=18]Der Lochtrick
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    Wie Skype & Co. Firewalls umgehen

    Peer-to-Peer-Software ist der Albtraum eines Netzwerk-Admins. Um m?glichst direkt Pakete mit dem Gegen?ber austauschen zu k?nnen, bohrt sie mit raffinierten Tricks L?cher in Firewalls, die eigentlich keine Pakete von drau?en reinlassen sollen.

    Hinter einer Firewall, die das System vor den Gefahren aus dem Internet sch?tzen soll, sitzen immer mehr Rechner. Im Idealfall realisiert diese Firewall-Funktion ein Router, der auch noch die lokale Netzwerkadresse des PC passend auf die ?ffentliche IP-Adresse umsetzt (Network Adress Translation, NAT). So kann kein Angreifer von au?en den PC erreichen - Verbindungsaufbau ist nur von drinnen nach drau?en m?glich.
    Problematisch wird das nat?rlich, wenn zwei Rechner jeweils hinter so einer NAT-Firewall sitzen und trotzdem direkt miteinander reden sollen - beispielsweise weil ihre Besitzer via Voice over IP miteinander telefonieren wollen. Das Dilemma ist offensichtlich: Egal, wer von den beiden wen anruft - die Firewall des Gegen?bers wehrt den vermeintlichen Angriff ab und wirft die Datenpakete einfach weg; ein Gespr?ch kommt nicht zustande. So w?rde das ein Netzwerkadministrator jedenfalls erwarten.

    Aufgebohrt

    Doch wer schon einmal die popul?re Internet-Telefonie-Software Skype eingesetzt hat, wei?, dass die hinter einer NAT-Firewall genauso reibungslos funktioniert, als hinge der PC direkt am Internet. Denn die Erfinder von Skype & Co. haben sich f?r dieses Problem etwas einfallen lassen.
    Selbstverst?ndlich muss jede Firewall auch Pakete ins lokale Netz hereinlassen - schlie?lich will der Anwender Webseiten betrachten, E-Mails lesen und so weiter. Dazu muss die Firewall die zugeh?rigen Datenpakete von au?en an den Arbeitsplatzrechner im LAN weiterleiten. Sie tut dies aber nur, wenn sie zu der ?berzeugung gelangt, dass ein Paket die Antwort auf ein ausgehendes Datenpaket darstellt. Dazu f?hrt ein NAT-Router Tabellen, welcher interne Rechner mit welchem externen gesprochen hat und welche Ports die beiden dabei verwendet haben.
    Der Trick der VoIP-Software besteht nun darin, der eigenen Firewall vorzugaukeln, es existiere eine Verbindung, der sie die sp?ter eingehenden Datenpakete zuordnen soll. Zugute kommt Skype dabei die Tatsache, dass die Audiodaten f?r VoIP ohnehin ?ber das verbindungslose UDP verschickt werden. Anders als bei TCP, das in jedem Paket zus?tzliche Verbindungsinformationen transportiert, sieht eine Firewall bei UDP nur die Adressen und Ports von Quell- und Zielsystem. Stimmen die bei einem eingehenden UDP-Paket mit den Daten eines NAT-Tabelleneintrags ?berein, leitet sie das Paket guten Gewissens an den internen Rechner weiter.

    Vermittlung

    Eine wichtige Aufgabe beim Gespr?chsaufbau mit Skype ?bernimmt ein Vermittlungsserver, mit dem beide Kommunikationspartner in st?ndigem Kontakt stehen. Dies geschieht ?ber eine TCP-Verbindung, die die Clients selber aufbauen. Der Skype-Server wei? somit st?ndig, unter welcher Adresse ein Skyper aktuell im Internet zu erreichen ist. Die eigentlichen Telefonverbindungen laufen wenn irgend m?glich nicht ?ber den Skype-Server. Stattdessen tauschen die Clients diese Daten direkt aus.
    Angenommen Alice will ihren Freund Bob anrufen. Ihr Skype-Client teilt diesen Wunsch dem Skype-Server mit. Der wei? dabei schon einiges ?ber Alice: An der ankommenden Anfrage sieht er, dass Alice derzeit unter der IP-Adresse 1.1.1.1 zu erreichen ist und ein kurzer Test enth?llt, dass ihre Audiodaten immer von UDP-Port 1414 kommen. Diese Informationen ?bermittelt der Skype-Server an den Skype-Client von Bob, den er laut seiner Datenbank derzeit unter der IP-Adresse 2.2.2.2 erreicht und der bevorzugt den UDP-Port 2828 verwendet.

    (f?r Bildbeschreibung siehe Artikel)

    heise Security - Know-how - Wie Skype & Co. Firewalls umgehen

    danke, don, f?r die bilder, doch sind sie, wie du schon sagst, nicht so der hit.
    die p?zisen aufnahmen werden wir wohl vorerst nicht zu gesicht bekommen. ich bin ?berzeugt, dass es aufnahmen gibt. ich hatte vor einiger zeit mal einen artikel gefunden (find ihn leider nicht mehr), worauf die abgewante seit gezeigt worden sein soll, auf der ein viereckiges etwas zu sehen war. im artikel ging es um ein geb?ude auf dem mond...

    manu gr??t

    genau auf den punkt, phobo!

    doch k?nnten sie wahre gr??e beweisen, indem sie ihr "haben" einsetzen und vielen das haben zu erm?glichen, doch die elite ist gern unter sich. wie du schon sagst:

    Zitat von phobo

    und da jeder f?r sich selbst etwas wert sein will, es aus sich selbst aber nicht sein kann, jedefalls l?uft so das selbstbegrenzende programm...

    ...nur, dass es sie noch weniger befriedigt, weshalb sie es in umgekehrter aufmerksamkeit (martial) ausarten lassen... der moralische boden fehlt...

    denke ich...

    man versucht den k?rper zu strafen, da man an die wahre person nie herankommen w?rde...

    manu gr??t

    man suggeriert:

    es lebe die oberfl?chlichkeit!

    mehr zu wollen ist ein muss!

    durch das vorgeben, was gebraucht wird und das annehmen dieser unterbreitungen verliert mensch den blick auf das, was uns individuell weiterbringt. hinzu kommt, was da ist, muss genutzt werden und so wird man schnell in versuchung gebracht das erworbene in irgend was zu "inverstieren", angebot lachen an jeder ecke...

    selbst "hilfsorganisationen" scheuen nicht vor solchen vor-augen-f?hrungen:

    verzeihung,
    ihr sparschwein hat
    gerade eine
    kranken-
    schwester
    verschluckt.

    sparschwein f?llen
    oder zukunft sichern

    kinder
    not
    hilfe

    (los liebe kinder, knackt eure sparschweine, zum wohl...)

    Hi Neonator

    Auch von mir ein WILLKOMMEN hier bei uns!

    Das sch?ne an der Liebe Gottes ist, es geht nicht(s) ohne Sie. Seine Liebe steckt in allem und so wird der Tag kommen, an dem sich die Menschheit besinnt, dass wir alle/alle eine/eine Aufgabe hier haben.

    ES GIBT NUR EINEN WEG IN DIE ZUKUNFT UND DER IST GEMEINSAM!

    Was die vielen Themen hier angeht, so kann ich mich EO (waterbrunn) nur anschlie?en:

    Lass es flie?en!

    Eine sch?ne Geschichte dazu ist:

    Man hat sich entschieden das Sein zu hinterfragen; nun er?ffnen sich einem ungeahnte Bereiche, die noch ein umfangreicheres Wissen bergen.
    Man steht vor einem Geb?ude, dass schier unendlich hoch ist und die Stufen des Aufganges sind riesig und weit.
    Man steht vor Erhabenheit starr da und bewundert die Vielfalt des Ganzen.
    Man schaut zur?ck, eine ebene Fl?che.
    Man schaut nach vorn, eine Fl?che von Ebenen.

    Man wei?, dass All-Wissen-Haben f?r sterbliche schwerlich m?glich ist und so ist man geradezu ?berw?ltigt von der F?lle des Ganzen.

    Man steht mit festem Stand auf den "B?den" der Tatsachen und ist entschlossen weiter zu gehen.

    Dieser End-Schluss entfacht das L?ftchen, dass Dir die Kraft gibt die erste Stufe zu meistern!

    Steh fest, wie ein Baum mit tiefen Wurzeln. Tr?ume und strecke dich mit voller l?nge dem/den Himmel/Sternen entgegen!

    mit besten W?nschen und viel Spa? beim erfahren

    manu :P

    ps.: gelungene Vorstellung ;)

    nur eine Minute

    Manchmal verraten Details sehr viel ?ber das gro?e Ganze: Beim Gipfeltreffen der Europ?ischen Union mit US-Pr?sident George W. Bush lie? der ?sterreichische Bundeskanzler Wolfgang Sch?ssel als EU-Ratsvorsitzender vor der gemeinsamen Pressekonferenz den amerikanischen Gast knapp eine Minute lang warten. Mit so viel Selbstbewusstsein hatte der m?chtigste Mann der Welt wohl nicht gerechnet. Beobachter berichten, diese knappe Minute lang habe Bush fast hilflos um sich gesp?ht.

    Die Beziehungen zwischen den USA und Europa, die nach dem v?lkerrechtswidrigen und letztlich gescheiterten Irak-Abenteuer der Amerikaner stark gest?rt waren, haben sich deutlich gebessert. Das ist das wichtigste Ergebnis von Wien. Es sind Beziehungen zweier ungleicher Partner, die gleichwohl aufeinander angewiesen sind. Und das hat jetzt offenbar ? nach einem langen Prozess ? auch die US-Regierung eingesehen, die im Schlusspapier Hinweise beispielsweise auf den Klimawandel oder die Menschenrechte mit unterzeichnet hat. Und Bush hat bekannt, dass er das (ebenfalls v?lkerrechtswidrige) Gefangenenlager Guant?namo am liebsten schlie?en w?rde. Ein deutliches Signal ? immerhin.

    Mehr nat?rlich nicht, denn Bushs Aussage bleibt ein Konjunktiv, Guant?namo wird vorerst nicht geschlossen. Aber das Eingest?ndnis des US-Pr?sidenten zeigt doch, dass man in Washington (zwar eher aus der Not heraus denn aus eigener ?berzeugung) zu begreifen scheint, dass im Kampf gegen den Terror eben nicht jedes Mittel recht ist. Guant?namo ist in den Augen der Welt l?ngst zum Fanal daf?r geworden, dass die USA ihre eigenen Werte, die sie im Kampf gegen den Terror zu verteidigen vorgeben, mit F??en treten ? frei nach dem Motto: ?Er war einsam, aber schneller, und der Colt war sein Gesetz.? Die politische Einsamkeit aber in einer immer kritischer werdenden Welt?ffentlichkeit h?lt selbst die Supermacht Amerika nicht mehr aus (zumal ihr wertfreier Kampf gegen den Terror eben diesen Terror weiter bef?rdert).

    Die Europ?er, die sich im Innern von Krise zu Krise bewegen, die als z?gernd, skeptisch, mitunter handlungsunf?hig bel?chelt werden, nehmen auch f?r die USA wieder st?rker die Rolle eines notwendigen Korrektivs ein. Denn die vermeintliche Schw?che Europas ist seine eigentliche St?rke: die feste Verankerung in Grundwerten. Menschenrechte, die Ablehnung des Rechts des St?rkeren, ?kologie und Nachhaltigkeit, soziale B?ndigung der kapitalistischen Wirtschaft, Rechtsstaatlichkeit, Ausgleich: Das europ?ische Grundger?st steht fest, und es gewinnt auch au?erhalb des ?alten? Kontinents an neuer Attraktivit?t. Europa zeigt bei aller Krisenhaftigkeit, dass es im Gegensatz zu den USA an seinen Werten festh?lt, und dass sich diese Werte nicht exportieren lassen, indem man von ihnen abr?ckt. Dieser Export ist ein l?ngerer und schwierigerer Weg als der des patronenbeg?rteten Cowboys. Aber er lohnt sich. Was f?r eine sch?ne Vorstellung, George W. Bush habe in seiner einsamen Minute in der Wiener Hofburg gerade dar?ber nachgedacht.

    Europas ?Schw?che?

    ist seine

    St?rke

    Q: http://www.frankenpost.de/nachrichten/st….phtm?id=981568

    ?Wir sind weit ?ber Orwell hinaus?
    Von Hans-Detlev von Kirchbach

    Der K?lner Rechtsanwalt Gerhart Baum, 1932 geboren in Dresden, war von 1972 bis1978 f?r die FDP Parlamentarischer Staatssekret?r beim Bundesminister des Innern und von 1978 bis 1982 selbst Bundesinnenminister. 2004 und 2006 war er an erfolgreichen Verfassungsbeschwerden gegen den ?gro?en Lauschangriff? und gegen das ?Luftsicherheitsgesetz? beim Bundesverfassungsgericht beteiligt. Die Redaktion.

    Von Kirchbach: In diesem Jahr erscheint der Grundrechte-Report in seinem 10. Jahr. Was f?llt Ihnen dazu ein?

    Gerhart Baum: Warum sind die B?rger so gleichg?ltig?
    Foto: NRhZ-Archiv

    Gerhart Baum: Mir f?llt dazu ein: Die Erosion der Grundrechte schreitet rapide fort. Die Staatsorgane haben sich angew?hnt, die Grundrechte nicht mehr zu achten. Ich mache das fest an zwei Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichts, die ich selber mit bewirkt habe: die Entscheidung gegen die Wanze in der Wohnung, also gegen den "Gro?en Lauschangriff" 2004 und die Entscheidung gegen das "Luftsicherheitsgesetz" im Jahre 2006. Beide sind fundamentale Entscheidungen, die r?gen, da? das Parlament, die Regierung und auch der Bundesrat das fundamentale Prinzip der Verfassung - Schutz der Menschenw?rde - nicht beachtet haben.
    Die Entscheidung zur verdachtsunabh?ngigen Rasterfahndung, die vor kurzem ergangen ist, ist noch zu nennen.

    Bundesverfassungsgericht wird nicht respektiert

    Also: Die Staatsorgane haben sich angew?hnt, bei der Bek?mpfung des Terrorismus ?ber fundamentale Prinzipien der Verfassung hinwegzusehen. Noch schlimmer: Nach den Entscheidungen des Verfassungsgerichts hat ein Teil der Staatsorgane die Absicht bekundet, diese Entscheidungen nicht zu respektieren. Also, zun?chst haben sie die Entscheidungen kritisiert; der Innenminister Sch?uble hat beispielsweise zum Luftsicherheitsurteil gesagt, die Bundesrepublik Deutschland werde damit zum "Geisterfahrer" im Vergleich zu anderen europ?ischen Staaten. Also - das Bundesverfassungsgericht in den Augen des Verfassungsministers ein "Geisterfahrer". Und der Innenminister Beckstein aus Bayern hat zum Rasterfahndungsurteil gesagt, dies sei ein schwarzer Tag bei der Bek?mpfung des Terrorismus.

    Also, die Reaktion zeigt eine Verachtung gegen?ber dem Gericht; und es kommt noch schlimmer: Der Verteidigungsminister hat nichts Besseres vor, als nun zu versuchen, die Verbrechensbek?mpfung zum "Verteidigungsauftrag" zu machen, das hei?t also, das Kriegsrecht bei der Bek?mpfung von terroristischen Verbrechen einzuf?hren, also der Versuch einer glatten Umgehung dieses fundamentalen Urteils (zum Luftsicherheitsgesetz).

    Das hei?t also, wir sind in einer sehr kritischen Situation, was diesen Teil der Grundrechte angeht.-
    Ich w?rde mir w?nschen - ich sag' das schon seit Jahren - eine bundesweite Bewegung "Rettet die Grundrechte". Wir erleben und erfahren diesen Proze? im Grunde seit der Reaktion des Gesetzgebers auf den RAF-Terrorismus. Also wir sind in einer Phase der innenpolitischen Aufr?stung seit einigen Jahrzehnten.

    Worauf ist denn diese "Erosion" zur?ckzuf?hren - und wenn Sie sagen, das l?uft schon seit ein paar Jahrzehnten, f?llt da der Beginn dieser Phase vielleicht sogar noch in die Zeit, als Sie selber Innenminister gewesen sind?

    Die ?ffentlichkeit l?sst sich ?ber den Tisch ziehen

    Na gut, ich habe versucht, einen Teil der Terrorismusgesetze abzubauen, ich habe den "Radikalenerla?" 1979 aufgehoben; es gab da eine Gegenbewegung, wir haben dem Datenschutz wieder zu seinem Recht verholfen bei der Abw?gung zwischen polizeilichen Ermittlungsnotwendigkeiten und Datenschutz. Die Stimmung hat sich ge?ndert. Das hei?t also, diejenigen, die "zur Wahrung der Inneren Sicherheit" die Freiheitsrechte einschr?nken, k?nnen dies ohne weiteres tun, diejenigen, die die Freiheit verteidigen, m?ssen beweisen, warum das notwendig ist. Es ist auch eine merkw?rdige Rechtskonstruktion eines Grundrechts auf Innere Sicherheit in die Diskussion gekommen seit einigen Jahren; meine Verfassung kennt ein solches Grundrecht nicht. Innere Sicherheit ist eine M?glichkeit zur Bewahrung der Freiheit. Also die Freiheit ist das oberste Grundrecht. Und die Angst wird mit Gefahren begr?ndet, die zum Teil nur "gef?hlte" Gefahren sind, und auch mit Gefahren, die man eben nicht ausschlie?en kann. Auch das geh?rt dazu, da? man dem W?hler sagt: Es gibt Gefahren, die man gar nicht verhindern kann; wir k?nnen die Risiken mindern. Also hier wird einer im Vergleich zur Situation in den siebziger Jahren leider sehr gleichg?ltig gewordenen ?ffentlichkeit etwas vorgemacht und die l??t sich regelm??ig ?ber den Tisch ziehen.

    K?nnte es sein, da? auch die Zuspitzung der sozialen Konflikte, zum Beispiel Massenarbeitslosigkeit, dazu f?hrt, langfristig diese autorit?ren Trends zu verst?rken?

    Das will ich nicht ausschlie?en. In der Gesellschaft gibt es andere Priorit?ten; die Menschen sind von ganz anderen Sorgen geplagt, und die Gesellschaft ist davon gepr?gt. Die gesellschaftlichen Milieus driften auseinander; wachsende Armut, Unterprivilegierung, das hat sicher mit dazu beigetragen, da? man solchen Themen wie Datenschutz keine so gro?e Aufmerksamkeit schenkt. Aber das ist ein ganz gef?hrlicher Proze?. Beim Datenschutz ?brigens ist der Proze? nicht nur im Gange auf seiten der Staatsorgane, sondern auch auf seiten der "Privaten". Die Speicherung des Verbraucherverhaltens beispielsweise ist eine ganz gro?e Gefahr.

    ?Radikalenerla? f?r Putzfrauen in den WM-Stadien

    Das Schlimme ist, da? wir zu einem Volk der Verd?chtigen werden. Wir sind wirklich schon in einem ?berwachungsstaat. Die Fu?ballweltmeisterschaft hat das noch einmal deutlich gemacht, wo also Hilfspersonal der Pr?fung des Verfassungsschutzes unterzogen wird. Der Radikalenerla? ist also wieder da f?r Putzfrauen und Feuerwehrleute in den Stadien. Weil man die "Verd?chtigen" nicht kennt, bezieht man also den normalen B?rger ein. Im Grunde m?ssen wir in vielen Situationen nachweisen, da? wir nicht verd?chtig sind. Die Verdachtsabh?ngigkeit von Fahndung zerrinnt und verliert sich im Nebel. Jetzt wird auf Teufel komm raus gefahndet. Und die Rasterfahndung nach dem 11. September, die wir von Anfang an kritisiert haben, die auch nicht wirkungsvoll ist, keine Erfolge gebracht hat, bezieht eben gro?e Gruppen der Bev?lkerung aufgrund von vagen Merkmalen ein, und das hat das Verfassungsgericht jetzt gestoppt.

    Steckt dahinter nur ein Affekt von Angst in einer immer komplexer werdenden Welt oder vielleicht doch eine kalkulierte Konzeption, eine Staatskonzeption, die mit der, die Sie vertreten, vielleicht nicht mehr allzuviel zu tun hat?

    Schily-Gesetze zum Teil hochgef?hrlich

    Ja, es ist merkw?rdig. Einerseits wird daf?r pl?diert, da? der Einzelne mehr Verantwortung zu ?bernehmen habe bei der Altersversorgung, der Gesundheitsvorsorge beispielsweise, da? der Staat sich also zur?ckzieht, andererseits haben wir den bevormundenden, ?berwachenden Staat im Bereich der "Inneren Sicherheit", und die neue Bedrohung durch den islamistischen Terrorismus wird einfach benutzt von den Konservativen, um immer neue Forderungen zu stellen. Wir haben ja eine Serie von Debatten in der Geschichte der Bundesrepublik, die immer neue Versch?rfungen der Sicherheitsgesetze gebracht haben. Ich denke an die gespenstische Debatte ?ber das "organisierte Verbrechen". Monatelang, jahrelang hat man ?ber das "Organisierte Verbrechen" geredet, keiner wu?te genau, was das ist. Das Verfassungsgericht hat vergeblich versucht, in einem der Verfahren, die wir gef?hrt haben, herausarbeiten zu lassen durch die Staatsorgane, was eigentlich "Organisiertes Verbrechen" ist. Dann gab es monatelang Debatten ?ber ein Vermummungsverbot. Also es brandeten immer neue Wellen der Erregung hoch, und die gr??te Erregung der letzten Zeit war eben der 11. September, und zur Beruhigung wurden diese Schily-Gesetze eingebracht. Zum Teil sind sie durchaus berechtigt, aber zum Teil sind sie hochgef?hrliche Einbr?che in pers?nliche Freiheitsrechte - und sind eben Symbolhandlungen: Der Bev?lkerung soll etwas vorgemacht werden.

    Sie haben ja zusammen mit Burkhart Hirsch und Sabine Leutheusser-Schnarrenberger erfolgreich mehrfach vor dem Verfassungsgericht geklagt gegen Erosion und Aush?hlung von Grundrechten. Bei Ihrem n?chsten Projekt geht es um ein Thema mit dem etwas komplizierten Namen "Vorratsdatenspeicherung bei der Telekommunikation". Was ist denn das eigentlich?

    Totalprotokollierung der Telekommunikation

    Es ist in Europa beschlossen worden, da? die Telephonverbindungen, die man speichern kann, Festnetz wie Handy, festgehalten und gespeichert werden, und zwar auf eine l?ngere Zeit, und da? dann die Sicherheitsbeh?rden bei Bedarf feststellen k?nnen, wer mit wem wann telephoniert hat, und das eben millionenfach, in einem Verfahren, dem auch das Europ?ische Parlament zugestimmt hat, das mir wirklich sehr merkw?rdig erscheint. Eine kritische Diskussion hat hier wirklich zuwenig stattgefunden und der Bundestag steht vor der Frage, ob er dem zustimmt. Die Bundesregierung hat zugestimmt, die europ?ischen Parlamentarier haben zugestimmt, also ich wehre mich dagegen und sehe darin einen massiven Eingriff in die Grundrechte, die ja nicht nur eine nationale, deutsche, Dimension haben, sondern auch eine europ?ische Dimension. Es gibt einen europ?ischen Grundrechtskatalog, der sich herausgearbeitet hat. Und weil es ein europ?ischer Rechtsakt ist, bereiten wir mit anderen zusammen eine Klage beim Europ?ischen Gerichtshof vor. Das Verfassungsgericht in Deutschland wird erst zust?ndig, wenn es ein deutsches Gesetz gibt. Jetzt geht es erst um die Zustimmung zur (europ?ischen) Richtlinie und noch nicht um ein deutsches Gesetz.

    Worin besteht denn die konkrete Grundrechtsgefahr bei dieser Vorratsdatenspeicherung?

    Die Gefahr besteht darin, da? der Schutz des Pers?nlichkeitsrechts, das das Recht jedes Einzelnen umfa?t, zu kommunizieren, nicht privat bleibt, sondern auch bei Unverd?chtigen, bei allen, die telephonieren, festgehalten wird. Und auch, wenn Vorkehrungen getroffen sind, da? die Daten nicht hemmungslos benutzt werden k?nnen, ist der Umfang der Speicherung und der Anla?, die Dauer der Aufbewahrung, anfechtbar.

    Sind wir denn in den Augen derjenigen, die solche Konzepte konstruieren, sozusagen allesamt potentielle Verbrecher?

    Auf dem Weg in den ?berwachungsstaat

    Ja, so sieht es aus, nicht wahr. Also hier wird eine Totalprotokollierung der Telekommunikation vorgenommen, und das kann man nur tun, wenn man sagt, wir gehen zun?chst einmal davon aus, da? ihr alle in Frage kommt. Wir sind wirklich auf dem Weg in einen ?berwachungsstaat. Ich habe lange gez?gert, eine solche Aussage zu machen, aber wir werden unser blaues Wunder erleben. Wir sind weit ?ber Orwell hinaus. Der ja noch die Schreckensvision hatte, da? durch Kameras auf ?ffentlichen Pl?tzen unsere Bewegungen kontrolliert werden - das geschieht ja auch schon.

    Ich sage voraus, da? alles, was irgendwie technisch m?glich ist, eines Tages unter diesem Druck, Sicherheit herzustellen, die gar nicht herzustellen ist, gemacht werden wird. Also ich nenne Ihnen ein Beispiel. Wenn ich jetzt unter einer Mautbr?cke auf der Autobahn herfahre, stelle ich mir vor, da? ich k?nftig dort registriert werde.

    Es werden die Fahrten registriert, auf Vorrat, sag ich Ihnen voraus; das wird geschehen, weil man sagt, man kann sie eines Tages nutzen; bei einem Bank?berfall in K?ln kann man dann darauf zur?ckgreifen, wer ist diese Strecke gefahren, und dann hat man aus tausenden Autos m?glicherweise einen. Das hei?t also, die technische Innovation wird benutzt, die Effizienz der Inneren Sicherheit voranzutreiben. Das sind zum Teil ganz untaugliche Mittel, und es sind vor allen Dingen Mittel, und da greife ich auf die Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichts in unseren Sachen zur?ck - Luftsicherheitsgesetz, Wanze in der Wohnung -, die ihre Grenze nicht dort finden, wo das Verfassungsgericht und die Verfassung die Grenze sehen, n?mlich beim Schutz der Menschenw?rde. Nicht alles, was zum Erfolg der Strafverfolgung beitragen kann, darf gemacht werden. Nicht jedes Gespr?ch in der Wohnung darf abgeh?rt werden, auch, wenn man damit die Chance h?tte, einen T?ter zu ?berf?hren. Das hei?t also, es gibt Grenzen. Wir haben eine Dominanz des Sicherheitsdenkens bei unseren Politikern. ?brigens haben die Gr?nen beim Luftsicherheitsgesetz mitgemacht, nicht, es ist keineswegs so, da? das nur die Konservativen machen, von dem SPD-Mitglied Schily mal ganz zu schweigen.

    Verfassungswidrige Eingriffe in die Pressefreiheit

    Die FDP hat sich sehr zur?ckgehalten, hat in den letzten Jahren nicht mehr zugestimmt. Ich hoffe, da? die Parteien in der Opposition jetzt Tritt fassen und endlich die Gro?e Koalition auf diesem Gebiet kontrollieren. Was sie zur Zeit mit dem BND machen, ist k?mmerlich. Die politische Verantwortlichkeit f?r die Eingriffe, die verfassungswidrigen Eingriffe in die Pressefreiheit, mu? festgestellt werden. Das darf nicht unter den Teppich gekehrt werden. Also, ich hoffe, da? durch st?ndiges Bohren doch ein st?rkeres ?ffentliches Bewu?tsein f?r diese Bedrohungen der Freiheit entsteht. Es ist nicht da.

    Stichwort Menschenw?rde. M?chten Sie sich vielleicht auch zur beobachtbaren Entgrenzung des Foltertabus ?u?ern?

    Wir haben ja eine Serie von merkw?rdigen, gef?hrlichen Diskussionen. Wir haben Ma?nahmen gehabt bei der Einschr?nkung des Datenschutzes, wir haben eine Vielzahl von Beschr?nkungen der Pressefreiheit gehabt in den letzten Jahren, nicht nur in dem BND-Fall; und wir haben eben eine Folterdiskussion gehabt, die erschreckend ist.

    Weil n?mlich auch von namhaften Verfassungsrechtlern, einigen wenigen, die Meinung vertreten wurde, unter gewissen Umst?nden sei Folter gerechtfertigt. Da gibt es diesen Begriff der sogenannten "Rettungsfolter". Wenn man also jemanden retten kann, m??te es doch m?glich sein, Folter anzuwenden. Wenn man diese T?r zur Folter nur ein kleines bi?chen aufmacht, ist man bereits in Teufels K?che. Das darf auf keinen Fall geschehen. Ich will jetzt nicht die ganzen Gegenargumente vortragen, aber ein Staat, der foltert, ist in meinen Augen unvorstellbar. Er mu? in Kauf nehmen, da? er bestimmte Dinge nicht zur Kenntnis bekommt, die er m?glicherweise, aber auch nur m?glicherweise, erf?hrt, wenn er foltert. Wobei auch ganz praktische Fragen eine Rolle spielen: Wer foltert denn? Welcher Arzt beobachtet das? Wie weit darf Folter gehen? Darf man einem zu Folternden das Bein brechen, das w?chst ja wieder zusammen? Gibt es dann "Folter-Kammern" bei den Landgerichten, die anordnen, wie Folter stattzufinden hat? Man mu? sich die Abstrusit?t der Situation vor Augen f?hren! Aber in der Bev?lkerung gab es durchaus eine Stimmung, die angesichts der Kindesentf?hrung in Frankfurt gesagt hat: Warum nicht? Und dem m?ssen wir entschieden entgegenwirken.

    Sie haben vor ein paar Monaten im K?lner Schauspielhaus bei einer Veranstaltung zur Situation der "Papierlosen", also illegaler MigrantInnen, recht leidenschaftlich dazu aufgerufen: "Es wird Zeit, da? wir endlich f?r unsere eigenen Grundrechte auf die Stra?e gehen!" Als ehemaliger Innenminister: Das haben Sie doch wohl ernst gemeint?

    F?r die Grundrechte auf die Stra?e gehen

    Das meine ich ernst, das habe ich wiederholt in den letzten Jahren gesagt. Und es ist ja geradezu absurd, wenn wir von einb?rgerungswilligen Menschen einerseits zu Recht Verfassungstreue verlangen und auf der anderen Seite geradezu systematische Verfassungsmi?achtung auf Seiten der Staatsorgane sehen. Das pa?t doch nicht zusammen. Was wir als - ich nenne jetzt mal das Wort, das mir nicht gef?llt, und das ich auch nicht definieren kann - wenn wir von "Leitkultur" reden, dann sind das doch in erster Linie die Grunds?tze unserer Verfassung. Auch das Element des Sozialstaates, das in der Verfassung drinsteckt, das Element des s?kularen Staates, in dem keine Kirche staatliche Entscheidungen dominiert. Also, alles das, was in den Grundrechten drinsteckt, dieses Erbe der Aufkl?rung. Diese Entwicklung, die die Bundesrepublik in den letzten sechzig Jahren genommen hat, mu? doch bewahrt werden und darf nicht leichtfertig aufs Spiel gesetzt werden, wie das in den letzten Jahren geschehen ist, immer wieder geschehen ist bei der Bek?mpfung des Verbrechens.

    Und ich finde auch bedauerlich, da? nur ein Teil der ?ffentlichen Meinung diese Themen f?r wichtig h?lt. Es gibt eine unendliche Schwatzhaftigkeit ?ber die Befindlichkeit unserer Republik, ob wir uns nun wohl f?hlen sollen, ob "wir Deutschland sind", und alle m?glichen Anzeigenserien und manchmal wirklich einf?ltigen Aktionen werden gemacht, ob wir "stolz sein" d?rfen auf unser Land und unter welchen Voraussetzungen. Ich w?rde mir w?nschen, da? wirklich einmal eine gro?e Kampagne stattfindet "Rettet die Grundrechte", wo also auch Leute, die geh?rt werden - z.B. der PEN-Kongre?, habe ich nichts davon geh?rt, nun gut, es war ein internationaler PEN-Kongre?. Aber der PEN-Kongre? h?tte sich beispielsweise damit befassen k?nnen, da? der Menschenrechtsschutz durch die Bek?mpfung des Terrorismus gro?en Schaden nimmt, weil die Bek?mpfung des Terrorismus in vielen F?llen das Menschenrechtsthema wegdr?ckt.

    Krise durch die Terrorismus-Bek?mpfung

    Es reicht schon, wenn ein Staat den El-Qaida-Terrorismus bek?mpft, und schon l??t man ihn in Ruhe. Beispiel Lybien etwa oder Beispiel Saudi-Arabien. Das hei?t also, der Menschenrechtsschutz, das beklagen auch die Menschenrechts-Organisationen, ist wirklich international in einer Krise durch die Terrorismus-Bek?mpfung. Das h?tte intoniert werden m?ssen. So wichtig es ist, die Gefahren zu benennen, die von Amerika ausgehen in der Auseinandersetzung mit dem Iran, aber unsere Verantwortung f?r den weltweiten Menschenrechtsschutz, die mu? hier eine Rolle spielen. Ich bin zum Beispiel seit Jahren t?tig, um diese Massenverbrechen in Dhafour zum Gegenstand der Kritik zu machen, und Vorschl?ge zur Verhinderung, also diese gr??te humanit?re Katastrophe, die zur Zeit existiert, im Sudan existiert, in der Provinz Dhafour, fordert unsere politische und diplomatische Aktion und auch, wenn n?tig, den Einsatz unserer Bundeswehr, was hier ja nur sehr z?gernd gesehen wird, da? man zum Menschenrechtsschutz nicht nur Resolutionen verabschiedet und Hilfslieferungen in Fl?chtlingslager schickt, sondern auch Frieden herstellt und Frieden zu bewahren hat in Situationen, wo Regierungen die eigene Bev?lkerung massakrieren und nicht mehr sch?tzen.

    Nun haben wir ja jetzt insgesamt ein sehr pessimistisches Bild gezeigt; sehen Sie aber auch Ans?tze zur Hoffnung, zu einer etwas positiveren Prognose?

    Warum sind die B?rger so gleichg?ltig?

    Also, es gibt eine stark interessierte Minderheit in unserem Lande; der Grundrechtsreport wird ja von so einer Bewegung getragen, auch die Menschenrechtsorganisationen sind hier zu nennen. Und die Tatsache, da? beim Luftsicherheitsgesetz sechs B?rger in der Lage waren, ein ganzes Gesetz zu kippen. Das Urteil des Gerichts lautet: "1. Das Luftsicherheitsgesetz mit seinen Paragraphen soundso ist nichtig, geh?rt also in den Papierkorb. 2.: Den Beschwerdef?hrern werden die notwendigen Auslagen erstattet." Das war das Urteil. Und das haben drei Juristen und drei Flugkapit?ne erstritten. Die M?glichkeit, da? sechs B?rger die Mehrheit des Bundestages und den Bundesrat in die Schranken weisen k?nnen, das ist ein ganz positives Element zum Schutz der Grundrechte. Das Verfassungsgericht ist hier unentbehrlich. Und es findet hier ein Proze? statt, den ich bei der Reaktion auf das Luftsicherheitsgesetz gesp?rt habe, vom Taxifahrer bis zum Universit?tsprofessor. Nun war das auch eine Materie, die leicht vermittelbar war, also es gab sehr viel Zustimmung, und die Menschen haben gesagt: Es war ganz wichtig, da? Sie da was unternommen haben. Und wir werden das fortsetzen.

    Sie sagten, das Bundesverfassungsgericht ist unverzichtbar, und Sie werden Ihre Aktivit?ten fortsetzen. Aber w?re nicht auch mehr Engagement der Leute, der B?rger, wie es so sch?n hei?t, selber unverzichtbar?

    Ja, ich kann die Frage nicht endg?ltig beantworten, warum die B?rger so gleichg?ltig sind. Sie sind ein bi?chen aufgewacht, als sie merkten, da? der Staat oder die Finanz?mter sehr viel leichter an ihre Konten kommen. Das hat sie zeitweise beunruhigt, aber die Beunruhigung ist schon wieder verraucht. Ich meine, da? eine freiheitliche Gesellschaft, auch wenn sie im Gro?en und Ganzen stabil ist, immer wieder gegen Erosion gesch?tzt werden mu?. Und dieser Erosionsproze?, den wir jetzt erleben bei einem Teil der Grundrechte, ist so noch nie da gewesen. Das mu? den Menschen immer wieder gesagt werden, und dann hoffe ich, da? das Thema auch bei Wahlen eine gr??ere Rolle spielt. Das ist eine M?glichkeit der B?rger, auf politische Entscheidungen Einflu? zu nehmen, diejenigen zu w?hlen, die diese Gef?hrdung ernst nehmen.

    Wer w?re das jetzt?

    Ich will hier keine Wahlempfehlung geben, wir stehen weit vor einer Wahl. Aber bisher hat es jedenfalls keine Rolle gespielt, das Thema wurde ruhig gestellt; die SPD hat sich sehr bem?ht, keine Angriffsfl?chen zu geben. Schily ist weit ?ber das Ziel hinausgeschossen; ich f?rchte, da? das in der jetzigen Gro?en Koalition so weitergeht. Die Art, wie die BND-Aff?re, was die politische Verantwortlichkeit angeht, vertuscht werden soll, l??t Schlimmes bef?rchten. Also - hoffen wir auf eine muntere Opposition zun?chst mal.

    Das Interview mit Gerhart Baum ist hier als mp3 (ca. 18 MB )nachzuh?ren.


    Online-Flyer Nr. 48 vom 14.06.2006

    http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=1660

    Milch macht gesund!

    F?hlen sie sich auch durch das ?lterwerden belastet?

    ...jetzt noch besser f?r die umwelt, der neue...

    ...gegen den schmerz; zu risiken und Nebenwirkungen...

    ...jetzt ohne Zucker...

    Die Bild warb vor kurzem mit einigen merkw?rdigen Spr?chen:

    >Ja, meine Br?ste sind gemacht<

    >Dein Hintern ist zu dick<

    ...

    Jede Wahrheit braucht einen Mutigen, der sie ausspricht!

    oder

    die neue zero-Werbung:

    ...und zero Zucker

    warum dann nicht auch gute Vors?tze f?r 2007
    und zero dran halten?

    Was darf die Werbung,ist meine Frage?

    Bis vor ein paar Jahren hat man Unterw?sche nur in Katalogen oder Kaufh?usern gesehen, nun r?ckeln sich die M?dls auf jeder Werbebanderole...

    wie seht ihr das?

    (Fotos siehe Anhang)