Beiträge von nanabozho

    Daher ist es sinniger nicht über den Untergang zu jammern, sondern zu dichten und zu denken,
    die Sprache durch sich selbst mit Leben zu füllen und anderen Menschen dadurch die Schönheit dieser gleich mit zu zeigen.

    Sprache ist etwas Lebendiges und will gelebt werden.

    Danke, Abraxas,

    das ist ja richtig Wasser auf meine Mühlen! An mir soll es wahrlich nicht liegen!

    Herzliche Grüße,
    nanabozho

    Um mal endlich wieder die Kurve zu kriegen und zu den Piraten zurückzukommen (denn über die Vergangenheiten kann ich als einstiger Ossi vielleicht wirklich nicht kompetent genug mitreden):
    Ich nehme sie bisher so wahr, dass sie beweglich sein und sich nicht auf eine ideologische Schiene festnageln lassen wollen. Das vor allem macht sie für mich sympathisch außer dem Ziel, das Bedingungslose Grundeinkommen einzuführen oder vorzubereiten oder wie auch immer.
    In meinen Augen ist es die Crux sämtlicher Parteien bisher, dass sie glauben, sie müssten einer bestimmten Ideologie dienen, um gemeinsam handlungsfähig zu sein.
    In meinem eigenen Wahlverhalten bin ich seit 1989 ständig hin und her gesprungen. Ich glaubte, ich müsse dankbar sein, überhaupt wählen zu dürfen, was ich zu Anfang auch war. Aber keine Partei vertrat irgendwie das, was ich mir selbst vorstellte. Und so hieß es für mich immer "das kleinere Übel", was ich wählen konnte.
    Bei den Piraten habe ich zum ersten Mal nicht das Gefühl des "Übels", und das will schon etwas heißen.

    Herzliche Grüße,
    nanabozho


    Nach dem 2. WK schwor das deutsche Volk und deren "Politiker" NIE WIEDER KRIEG" und das weit vor den 68ern.

    Das ohne W.B. der kalte Krieg nie entschaerft worden waere, wage ich stark zu bezweifeln. Und des weiteren, ein Volk das am Boden liegt, das nichts mehr hat, glaubst Du wirklich, dass man denen die Lustlosigkeit am Krieg anerziehen muesste?
    Nein zum Glueck ist der Mensch noch nicht komplett planbar, aber sie arbeiten daran.

    Es wurden auch andere Lieder gesungen, froehliche Lieder, aber es ist ja praktisch sich immer die Rosinen rauszupicken und vor allen Dingen auch die Geschichte des Deutschen Volkes auf 2 WK zu reduzieren.
    ......

    Das mag von Deinem Kenntnisstand gesehen zutreffen. Aber das stimmt nicht so, den Heldentod wollte niemand nach diesem Krieg mehr sterben und dass schon viel frueher, naemlich direkt danach. Es war nur schwieriger den Kriegsdienst bzw. BW zu verweigern, man brauchte Zeugen, die bestaetigten, dass derjenige von seiner Gesinnung her nicht dazu in der Lage war. Ich selbst war bei so einer Anhoerung auch dabei, als Zeuge.

    Na ja, ein wenig will ich mal noch darauf eingehen, um zu erklären,
    weshalb ich vermutlich einen anderen Blickwinkel habe.
    1. Cohn-Bendit: Der Lebenslauf, den ich nun zur Kenntnis nahm, ist mir genau so unbekannt wie der Mann selbst, obwohl mir das Gesicht auf dem Foto etwas bekannter vorkommt. Der Ausschnitt aus dem Buch klingt so, als hätte ich es, nachdem ich die ersten Zeilen gelesen hätte, nicht weitergelesen. Es gibt tausende ähnlicher Schilderungen, die mir wie Effekthascherei vorkommen (also provozieren, um besser, verkaufen zu können - schließlich erklärt einem das jeder größere Verlagschef so). Will sagen: Ich empfinde es nicht als Literatur, die mich angesprochen oder vom Hocker gerissen hätte. Vermutlich kam es raus, als ich noch tief in der DDR saß und zuwenig Westfernsehen sah.
    Fazit: Ich verbinde ihn nicht mit dem Begriff "68er".
    2. Die Sache mit dem Krieg oder Nicht-Krieg: Die Bewegung, die mir bewusst ist, begann eher in den USA und hatte mit dem Vietnamkrieg zu tun. Das hat viele von uns begeistert, obwohl wir glaubten, die sozialistische Propaganda wolle nur die USA verunglimpfen. Also: Nach unserem Empfinden kam zuerst die Musik, danach das Beiwerk, die Aussagen. - Wir hörten dann von den Studentenrevolten in Berlin und anderswo, und Namen fielen wie Benno Ohnesorg oder Rudi Dutschke. Von der BRD-Linken hielten wir nichts, weil ja die DDR schon links regiert wurde, und die Revolten interessierten uns nicht, wir verstanden Bahnhof davon. Wenn sie ideologische Hintergründe hatten, kannten wir sie bestenfalls vom Hörensagen und Bücher darüber gab es - bei uns - sowieso nicht. Vielleicht deshalb meine Grob-Wahrnehmung, es habe sich in erster Linie um eine Anti-Kriegs-Bewegung gehandelt. In der DDR erschien etwas später das Buch der Mitscherlichs DIE UNFÄHIGKEIT ZU TRAUERN, das mich durchaus beeindruckte.
    Die DDR-Propaganda erlebte ich insgesamt eher so, als ob man da nur auf den nächsten Krieg wartete, der angeblich vom Westen ausgehen würde. Also eher Kriegslust. Da meine Eltern offen über ihre Erfahrungen mit mir redeten, hasste ich alles, was mit dem Militär zu tun hatte und habe es bis heute nicht wieder schätzen gelernt. Die Kriegsunlust oder -verweigerung, die ich im Westen sah, sah ich auch zuerst in den USA und in vielen Liedern (UNIVERSAL SOLDIER von Donovan dürfte mal eine Art Kult-Song gewesen sein. Auch der Reggae-Titel VIETNAM von Jimmy Cliff.) Es kann sein, dass ich die Hippie-Bewegung und die 68er (Europas?) in einen Topf geworfen habe und daher zugeben muss, dass ich zuwenig Details weiß.
    3. Ich würde nie die Geschichte Deutschlands auf den 2. Weltkrieg reduzieren, habe auch in meinen Texten meistens weiter ausgeholt. Aber um eine bestimmte Entwicklung zu begründen, habe ich diesen Zusammenhang gesehen.
    4. Willy Brandt habe ich unbedingt positiv wahrgenommen. Ich glaube schon, dass ohne ihn das Tauwetter in Richtung Osten kaum möglich gewesen wäre, denn sein Kniefall in Warschau - ich war noch ziemlich jung und grün damals, aber nach allem, was ich so mitgekriegt habe, wäre eine solche Geste wohl keinem anderen und erst recht keinem CDU-Politiker zuzutrauen gewesen - hat Eindruck gemacht. Und zwar richtig auf die regierenden Kreise. Und noch viel mehr auf die Bevölkerungen. - Wie er in der BRD konkret "regiert" hat, war uns hinter dem Zaun eher gleichgültig und kaum zugänglich. Wir maßen alles an den Auswirkungen bei uns. Und während seiner Kanzlerzeit durften mehr Rentner reisen als je zuvor und einige der Älteren begannen davon zu träumen, dass die Mauer fallen könnte. (Ich selber aber glaubte es bis zuletzt nicht.)

    Und noch etwas, schließlich ging es ja ursprünglich um "Sexualisierung": Aus der Zeit der sogenannten "sexuellen Revolution" (die eigentlich keine war) habe ich nur Oswald Kolle wahrgenommen. Die allgemeine Porno-Industrie (wir kannten eigentlich nur die Zeitschriften) sahen wir damals als "westliche Geschäftemacherei" an, die direkt aus der Prüderie resultiert (also als Ventil). In der DDR wurde bereits vor den 60er Jahren an vielen Seen und erst recht an den Ostseestränden nackt gebadet. Ich selbst begann damit als Jugendlicher und tue es heute noch, wenn irgend möglich, und habe nie ein dummes Gefühl dabei. Wer häufig und viel mit Nacktheit in natura konfrontiert wird, hat für derartige Zeitschriften eher ein mitleidiges Lächeln übrig, mit Verlaub... Deshalb vielleicht verstehe ich auch den Wirbel, der bis heute um derartige Themen gemacht wird, nur schwer. Und wenn jemand fragt "cui bono?", dann gibt es im Kapitalismus eben doch nur eine Antwort: "Dem, der daran verdient!" Wenn niemand daran verdient, handelt es sich entweder um eine ernst zu nehmende Vision oder um weltfremde Fantasie.
    Tut mir leid, dass es wieder so ein langer Text geworden ist, aber wenn man mich einmal loslässt...

    Herzliche Grüße,
    nanabozho

    Mal kurz mein Eindruck, Illuminatus:

    Als jemand, der streng lutherischer aufgewachsen ist, empfinde ich es als erstaunlich und eine beachtliche Geste, dass Benedikt das Erfurter Augustinerkloster besuchen will, das Kloster, in dem Luthers Weg begann.
    Als jemand, der die ganze Sache vom heutigen Standpunkt aus beobachtet, empfinde ich ein deutliches ZU SPÄT. Und zwar von allem, was der Papst jetzt tut. Die Kirche - insgesamt - wird ihre Krise nicht mehr los werden. Die Menschen Europas haben das Diesseits entdeckt....
    Ich selbst nebenbei gesagt auch.

    In meinen Augen ist Benedikt ein freundlicher, alter Mann mit einem Körnchen Weisheit und nicht mehr so viel Macht, wie er vielleicht gern hätte. Man kann ihm zuhören, muss es aber nicht.


    Eine angenehme Nacht wünscht
    nanabozho

    nun - LERNEN muss man WOLLEN ...
    - auch ohne Geld dafür zu bekommen -

    dann funktioniert es auch. Geld dafür zu bekommen, dass ich im Klassenzimmer anwesend bin - halte ich für ausgemachten blöd-sinn.

    Klar, ich bin's,

    aber nicht nur Lernen. (Übrigens: Solange es den Versuch nicht gibt, weiß niemand wirklich, wie er ausgehen würde.) WOLLEN heißt aber insgesamt: Ich will etwas, weil ich es will, weil es mir Freude macht, es mich begeistert. Dieses WOLLEN soll in der gesamten Gesellschaft gefördert werden. Das Arbeiten-Wollen z. B., das heutzutage die Hauptrolle spielt, entsteht durch Druck, durch den Gedanken "Ich muss ja, weil ich sonst nichts zu essen haben, kein Dach über dem Kopf o.ä.". Das ist kein echtes WOLLEN, und so ist die daraus entspringende Arbeit kaum mehr wert als ein Geständnis, das unter Folter erpresst wird.
    So wie es ein soziales Bedürfnis ist, das, was ich gut kann und was mir Freude macht, in die Welt einzubringen, den Menschen damit zu dienen, so ist es für einen heranwachsenden Menschen ein existenzielles Bedürfnis zu LERNEN, wie die Welt überhaupt funktioniert. Da wir es lange Zeit zu einer PFLICHT (Pflicht ist fast immer ungeliebt) gemacht haben, wurde ein starke Unwille dem Lernen gegenüber hervorgerufen und es wird eine Weile dauern, bis der wieder verschwindet. Kinder in Ländern der Dritten Welt sind heilfroh, wenn sie lernen DÜRFEN.
    Das Grundeinkommen soll nur zeigen, dass jeder, wie er eben ist - und nicht, weil er etwas leistet -, seinen Wert hat und Respekt verdient.
    (Mir kam es ja nur auf Beispiele an, die zeigen sollten, dass wir bisher Leistung einseitig bewertet haben, und Lernen ist in meinen Augen durchaus eine Leistung.)

    Herzliche Grüße,
    nanabozho

    Herzliche Grüße,
    nanabozho


    Ein "bedingungsloses" Grundeinkommen für jeden, jeder mann und jeder Frau - gänzlich ohne eine Gegenleistung - halte ich für ein utopisches Wunschdenken; für ein un-bezahlbares Wunschdenken derer, welche dies fordern .... und vom Prinzip her "keinerlei" Gegen-Leistung für die "empfangenen" Geld-Leistungen erbringen wollen.

    Die jenigen, welche entsprechende Gegenleistung erbracht haben, z. B. zeit Ihres Lebens mit Arbeit ihren Lebensunterhalt bestritten, sogar "Steuern" in nicht unerheblichem Umfang entrichtet haben - und aufgrund von Alter oder Gebrechen, wie auch von Arbeitslosigkeit (unverschuldet) betroffen sind - will ich nicht kritisieren.

    Es ist möglich, dass es Wunschdenken ist und utopisch,
    aber auch die meisten technischen Entwicklungen sind lange Zeit "Wunschdenken" und "utopisch" gewesen.
    Den Menschen nach seiner Leistung zu beurteilen ist eine grundsätzlich unfaire Betrachtungsweise, die z. B. Behinderte, Kinder, Greise u. ä. abwertet. Allein schon deshalb sollte das Ganze umstrukturiert werden.
    Der Mensch hat seinen "Wert" ganz einfach durch sein Da-SEIN.
    Die meisten, die mal eine Leistung - oftmals ein Leben lang schwere, körperliche Arbeit - erbracht haben, werden durch das derzeitige Rentensystem um das betrogen, was man ihnen mal versprach. "Vorratswirtschaft", also auf Zukunft horten, ist in der heutigen Welt ohnehin äußerst bedenklich und kaum empfehlenswert. Und: Wer glaubt, durch Arbeit oder "Leistung" reich werden zu können, erliegt einem schweren Irrtum, das wird jeder Millionär lachend bestätigen.
    Wenn es einen "spirituellen" Geldfluss gibt, so setzt er ein, wenn ich bestimmte Dinge aus Liebe, Freude, Begeisterung oder Leidenschaft tue. Die andere Möglichkeit zum Reichwerden, die von weit mehr Leuten genutzt wird, besteht im Raub (direkt oder indirekt, also durch Betrug, Ausbeutung u.ä.).

    Herzliche Grüße,
    nanabozho


    nun - auch gab es politisch orientierte "kinder-lieder", welche suggestiv und mit redundanten wieder-holungen die psyche eines kindes schädigen können. Kennst du das auch, was fivemilesout ausgegraben hat

    Selbstverständlich kenne ich das, ich bin's,

    aber es gehört ebenso zu den längst überholten "Werten". Inwieweit es mich hat "schädigen" können, kann man vielleicht ermessen, wenn man weiß, dass ich Bausoldat war, also Soldat ohne Waffe. Ich verweigerte nicht den Waffendienst schlechthin, sondern einen möglichen Einsatz an der innerdeutschen Grenze.

    Überhaupt glaube ich, dass die Sache mit der "Erziehung" nie so heiß gegessen wird wie gekocht. Kinder lernen in Wirklichkeit das, was sie bei den Erwachsenen sehen, d. h., sie ahmen sie nach. Was ihnen verbal beigebracht wird, dagegen wehren sie sich meistens. Auch da geht das Leben eigene Wege, und uns prägt mehr die Gesamtumwelt als die konkrete Erziehung im Elternhaus.

    Herzliche Grüße,
    nanabozho

    Stell Dir vor - das bedingungslose (also ohne "wenn und aber") GRUND-Einkommen gäbe es - ab Montag - in der ganzen BRD ...
    DU brauchst DIR keinerlei Gedanken mehr zu machen - für alles ist gesorgt - und alles wird bezahlt.
    Stell DIR vor: JEDER macht MIT und KEINER mehr muss künftig noch irgend-eine "Leistung" erbringen ....

    IST es DAS?
    Kann DAS funktionieren?
    WER soll das BEZAHLEN, und WARUM sollte DER-jenige das tun?
    Welchen GRUND gäbe es für DEIN Einkommen zu sorgen, damit du ein gutes Auskommen hast?

    Hier gehe ich mal noch darauf ein:
    Was ist "Leistung"? Nur das, was etwas produziert?
    Wie sieht es mit einer Hausfrau aus, die wäscht, putzt, Essen kocht und bisher nie dafür bezahlt wurde? Ist das nicht auch eine Leistung, die sie erbringt? Das Bedingungslose Grundeinkommen würde sie bezahlen!
    Was ist mit einem Kind, das tagtäglich in die Schule geht und versucht, tatsächlich was Brauchbares zu lernen? Bezahlt wird es nicht dafür, aber ist das keine Leistung? Das Bedingungslose Grundeinkommen würde auch an das Kind ausgezahlt werden, in geringem Maße zwar, aber immerhin.
    Wer bewertet, was Leistung ist und was nicht? Solche Bewertungen haben wir j e t z t !!! Ein Grundeinkommen würde damit Schluss machen und jedem Menschen ein Wertgefühl geben.
    Von wegen, es könnte keiner bezahlen!? Wo Milliardenbeträge dafür herhalten müssen, in anderen Ländern Armee zu halten, wo noch viel höhere Beträge dafür herhalten müssen, "notleidende Banken" am Leben zu erhalten, ist für all das, was man tatsächlich will, Geld da. Man braucht nicht m e h r Geld, sondern nur den Fluss anders zu kanalisieren.
    Wer bisher gearbeitet hat, um sozusagen "sein Leben zu fristen", wird eine Weile ein Problem haben, weil eine Leere eingetreten ist. Bis er merkt, dass auch er mit Talenten und Fähigkeiten ausgestattet worden ist, von denen ihm manche vielleicht Spaß machen, wenn er sie denn auslebt.
    Die bisherigen Hamsterräder drehen sich dann nicht mehr. Das ist - ich gebe es zu - für die Hamster eine Katastrophe.

    Herzliche Grüße,
    nanabozho

    OK, noch mal und ohne jemanden speziell zu zitieren:

    Ich wuchs im Osten auf und habe deshalb vielleicht nicht alles miterlebt, was im Westen unter "68er" verstanden wird. So ist mir der Name Cohn-Bendit nur theoretisch ein Begriff, d. h., ich weiß nicht mal, wer dieser Mensch war und wer er jetzt ist. Vielleicht hat er ein Buch geschrieben, das ich niemals gelesen habe. Nicht mal vom Fernsehen her kenne ich ihn.
    Für mich bedeutet "Wert der 68er" z. B.: "Stell dir vor, es ist Krieg und niemand geht hin!" Weiterhin meine ich, dass sie die darauffolgende Gesellschaft und Politik sehr stark beeinflusst haben, z. B. Willy Brandt ("Lasst uns mehr Demokratie wagen!"). Ohne Willy Brandt wäre es niemals zum Tauwetter in Richtung Osten gekommen, wäre der "Kalte Krieg" nie entschärft worden. (Nehmen wir mal an, all das sei von Skull & Bones längst vorher geplant worden, auch die beiden Kriege, was durchaus möglich ist. Soll denn auch die "Kriegslustlosigkeit" geplant worden sein, so, ja? Da hätten sie sich aber in ihr eigenes Fleisch geschnitten, denn sie brauchen anscheinend noch heute viele Leute, die mit "Hurra!" in den Krieg ziehen... Da hört bei mir die Verschwörungslogik auf, ich denke, sie haben nicht alles, vor allem den Wertewandel, nicht so planen können, er hat sie ja schon im Vietnamkrieg gestört.)
    Um das mit dem Krieg insgesamt deutlicher zu machen: Im Deutschland der 30er Jahre wurden Lieder gesungen über den "Heldentod im Feld" u. ä. Der "Heldentod" im Krieg war also ein Wert, bedeutete Ehre usw. Nach 68 undenkbar! Da galt es als Irrsinn, den "Heldentod" sterben zu wollen. (Ein extremer innerer Wandel einer gesellschaftlichen Wertvorstellung, und nie zuvor gab es so viele Wehrdienstverweiger (auch im Osten!) wie in den 70er und 80er Jahren! Man mag über extremen Pazifismus diskutieren, von dem ich auch nichts halte, aber nach allem, was vorher war, glaube ich, war es ein gewaltiger Fortschritt, dass die meisten jungen Männer keine Lust mehr auf Krieg hatten, auf Armee überhaupt!!! Denn das System der Armee entmenscht schlechthin, weil es zu Kadavergehorsam und zur Abstellung des selbstständigen Denkens erzieht, und wir haben Armeen seit Urzeiten!)
    Weiterhin verbinde ich mit den 68ern den Namen Fridtjof Capra mit seinem berühmten Buch "Wendezeit", in dem er alle Probleme der gegenwärtigen Menschheit auf eines zurückführt, auf ein inneres, spirituelles. Und das, obwohl er "nur" Physiker ist! Ich las es erst viel später und war schwer begeistert! Wie wollen wir außen Frieden machen, wenn wir ihn in uns selbst nicht finden?
    Ein weiterer Punkt: OSHO! Auch seine Reden las ich viel später, da lebte er schon längst nicht mehr. Aber es waren meine eigenen Gedanken, die da standen, nur hätte ich mir eine ganze Menge davon früher nicht zu äußern getraut.
    Ein weiterer Punkt des Jahres 68: Die Ermordung Martin Luther Kings! Die Kraft, die die Bürgerrechtsbewegung der Schwarzen in den USA gewonnen hatte! Auch sie mussten nun ernst genommen werden.
    Dann: Der Prager Frühling!
    Und zu guter Letzt: Die Musik, die ich heute noch liebe! Die Musik meiner Generation, Musik, die richtig Rhythmus hatte! - Nichts gegen Klassik, aber sie bedient die oberen Bereiche des Menschen, vom Herz an aufwärts, also den Hals, das Ausdruckszentrum, bis zum Scheitel, dem spirituellen Zentrum! Sie ist noch nicht wirklich geerdet, nicht verankert in dieser Welt. Sie brauchte einen Ausgleich. Die Verankerung aber, das Erdige, das Körperliche, was in den unteren Bereichen (im "Schritt", im Nabel, im Bauch) zu Hause ist, diese Arbeit machte der Rock'n'Roll, der Beat, der Blues, die Musik, die von den Schwarzen kam. Und die denen, die mit dem "allzu Menschlichen" nicht ganz so sehr konfrontiert werden wollten, suspekt war. Und z. T. noch suspekt ist, bis heute. Man lese - nebenbei bemerkt - mal Hermann Hesse, DER STEPPENWOLF. Überhaupt ist Hermann Hesse der Dichter der 68er in meinen Augen, der eigentlich auf das, was in dieser Hinsicht "Werte" genannt werden kann, einen besonderen Blickwinkel lenkt.

    Es ist interessant, dass auch das Bedingungslose Grundeinkommen als dekadent betrachtet wird, obwohl es schon vor langer Zeit von berühmten Leuten angedacht wurde. Die erste größere Abhandlung über diese Idee stammt von Thomas Paine, einem der Gründerväter der USA. Goethe kannte diese Idee und liebäugelte mit ihr, Einstein hielt sie für revolutionär, aber schwer machbar.
    Es gibt viele Diskussionen darüber im Internet und eines ist immer wieder zu beobachten: Wer das Gefühl hat, dabei viel zu verlieren, ist dagegen. Wer davon frei sein kann, dafür. Die meisten aber sind schlecht informiert und wissen nicht, dass es nicht einfach um ein Grundeinkommen geht, sondern darum, den Geldfluss vollkommen umzustrukturieren und das Zinssystem zu kappen. Von der Steuer bliebe nur noch die Mehrwertsteuer übrig und die würde ganz anders berechnet werden.
    Wer nur das Grundeinkommen hat, kommt über die Runden. Wer etwas mehr tut und mehr einnimmt, kann l e b e n. Die Idee: Es soll leichter gemacht werden, eine ungeliebte Arbeit - bei der man nichts wirklich Gutes tun kann - zu verlassen, um einer geliebten nachzugehen. Es soll leichter gemacht werden, sich zu trauen, das zu tun, wozu man geboren ist, also der eigenen BERUFUNG zu folgen. Extrem viel Potential würde frei, das jetzt noch in Lohnsklaverei - aus Angst auszusteigen - festhängt.
    Wem es Erfüllung bedeutet, nichts zu tun, mag dann vielleicht nichts tun. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es jemandem auf Dauer Erfüllung bereitet, nichts zu tun. Sich sinnvoll einzubringen, ist ein nahezu lebensnotwendiges BEDÜRFNIS, es gehört zu den sogenannten "sozialen Bedürfnissen" des Menschen. Diejenigen, denen es abhanden gekommen ist, sind psychisch oder physisch krank oder beides. Und davon hat auch das jetzige System genug. (Wer jetzt sein Hartz IV bloß versäuft, wird auch das Grundeinkommen versaufen, daran besteht kein Zweifel. Nur könnte viel, viel Verwaltung gespart werden...)
    Wer glaubt, das Grundeinkommen erziehe zur Faulheit, kennt den Menschen nicht wirklich. Ich räume nur ein, dass es für viele eine Weile dauern kann, bis sie herausgefunden haben, was sie tatsächlich wollen. Es zeigt sich, dass viele Menschen auch heute schon mit der Freiheit überfordert sind, die sie tatsächlich haben.
    Aber so, wie man in der Erziehung die Entwicklung durch Lob fördert und durch Kritik bremst, so fördert man in der Wirtschaft die Entwicklung durch Motivation und bremst sie durch Angst.
    Das für viele aber Schlimmste ist: Es gibt keine äußere Möglichkeit mehr, einen Menschen auszubeuten, ihn zu einem willigen Sklaven zu machen. Darin besteht die Angst der Eliten.
    Was an all diesen Überlegungen ist nun "dekadent"?
    Herzliche Grüße,
    nanabozho


    Du willst mir doch nicht ernsthaft erzaehlen, dass dieser Weg zur Reinheit und Natuerlichkeit der Naturvoelker fuehrt? Diesen Weg zurueck gibt es nicht. Was hier passiert ist etwas ganz anderes. Wir sind weder Tiere noch Pflanzen, wir sollten Menschen sei n und diesem Status gerecht werden.
    Als HobbyèVoelkerkundler weisst Du bestimmt auch, wie sich Dekadenz anfuehlt, wenn nicht, dann fuehle Dich in diese Gesellschaft, in der Ethik, Moral, Wahrhaftigkeit, Tugendl und Achtung vor dem Mitmenschen nur noch leere Worthuelsen sind, ohne Leben.

    Erzählen will ich in diesem Fall gar nichts, Jo,

    und beweisen auch nicht. Ich will zudem gar keinen Weg in dieser Hinsicht gehen, ob nun vorwärts oder zurück. Ich wollte nur zu bedenken geben, dass immer alles mit allem zusammenhängt. Es gibt im ganzen Universum nichts völlig von allem anderen Losgelöstes, sondern alles steht mit allem in Beziehung und ist in ständiger Bewegung begriffen.
    Wenn wir den Kreis nun wieder kleiner ziehen auf auf diese Erde beschränkt bleiben wollen, können wir geografische, rein physikalische, biologische und geschichtliche Bewegungen erkennen. Auch die hängen alle untereinander zusammen.
    In diesem Fall sind geschichtliche Zusammenhänge vielleicht am interessantesten.
    Sagen wir mal so:
    Wäre Columbus niemals nach Westen gesegelt - da die Wikingergeschichten im Mittelalter nicht so allgemein verbreitet waren, wussten nur wenige von ihnen -, hätte die Kirche viel, viel länger an der These festgehalten, die Erde sei eine Scheibe (obwohl es natürlich die Priester besser wussten). Durch die Columbusfahrt konnte die Sache nicht mehr geheim bleiben und eine neue Entwicklung, ein neues Weltbild griff um sich.
    Hätte Gutenberg nicht den Druck mit beweglichen Lettern erfunden, hätte allerdings die Kunde lange nicht so schnell verbreitet werden können, und auch da hätte sich die Entwicklung verlangsamt. Die Auswirkungen seiner Erfindung konnte Gutenberg nie voraussehen und die Früchte hat er auch nicht ernten dürfen. Aber nun wurde eben alles gedruckt und verbreitet (war das etwa der Beginn einer neuen Dekadenz?). Nur so konnte die Reformationsgeschichte funktionieren, die dazu führte, dass Staat und Religion getrennt wurden (war das der Beginn einer neuen Dekadenz?). Wieder wandelte sich vieles, sehr vieles, alle möglichen Weltbilder, alle möglichen Werte. Mit Mord und Totschlag zwar (30jähriger Krieg z. B.), aber es wandelte sich. Ohne Reformation aber, ohne die Vereinheitlichung der deutschen Sprache durch Luthers Bibelübersetzung wäre es nicht zur Bildung des Staatssystems Deutschland gekommen. Bekanntlich war es nicht ganz einfach, aus den vielen kleinen Staaten ein deutsches Reich zu schmieden. Durch Bibellektüre und die protestantischen Katechismen wandelten sich wiederum Wertesysteme, oft eben weiterhin mit Mord und Totschlag, aber sie wandelten sich. Ohne all diese Entwicklungen wäre weder eine Weimarer Republik je möglich gewesen noch ein 3. Reich. Über Wertesysteme wurde ständig gestritten und sie hatten auch regional unterschiedliche Schattierungen. Trotzdem wandelten sie sich, so dass die Ehrencodices der Ritter heute eben nicht mehr gelten. Obwohl sie lange, lange das Wertesystem einer gewaltigen Menschengruppe waren. Wäre es nicht zu einem II. Weltkrieg gekommen - der I. genügte eigentlich schon -, wären die sogenannten traditionellen Werte wie Pflicht, Ehre, Gehorsam u. ä. niemals so rasant verfallen. Denn das war der wahre Ansatzpunkt der 68er (obwohl ich es im Osten nur mehr aus Beobachterposition erlebte): Die alten Werte konnten diejenigen, die ihnen huldigten, nicht vor einem Krieg bewahren, der die halbe Welt verwüstete! sagten sie. Deshalb brauchen wir neue.
    Ich schließe daraus auch: Ohne jenen Krieg und dessen Ausgang wäre es niemals zu dem gekommen, was wir heute die 68er Bewegung nennen, oder wenigstens viel später. Alles hängt mit allem zusammen und alles fließt.
    Ob die neuen Werte halten oder sich bewähren, kann nicht erfahren werden, wenn man sie aus der Taufe hebt, sondern erst, wenn sie eine Weile Gültigkeit hatten. (Was bisher f ü r zumindest einiger der 68er Werte spricht: Wir hatten keinen Krieg mehr! Und sogar die Revolution, die wir im Osten vom Zaun brauchen, verlief friedlich und kostete kein Blut! In meinen Augen ist das ein Fortschritt.)
    Der Denkansatz - der mir selbst dabei am meisten einleuchtet - ist also der: Werte müssen sich in der Geschichte bewähren. Wenn sie es nicht tun, gehören sie abgeschafft. Wir dürfen nicht die Sklaven von Werten sein, sondern diese müssen uns dienen, um ein besseres - als angenehmer empfundenes - Miteinander zu schaffen. Wenn eine bestimmte Anzahl Menschen unter den Werten einer Gesellschaft leidet, werden diese Werte fallen, sobald diese Anzahl groß genug geworden ist, um sie zu stürzen. So einfach ist das.
    Der Mensch - und zwar jeder Mensch - ist geneigt, das zu tun, wovon er glaubt, dass es ihn glücklicher macht. Und wieder ausnahmslos jeder Mensch benutzt dabei die Versuch-Irrtum-Methode, also riskiert das, was er hinterher meistens "Fehler" nennt.
    Die einzige Konstante ist die Veränderung. Die Erziehungssysteme und Werte, die derzeit etwas bedeuten, werden morgen nur noch wenig und übermorgen nichts mehr bedeuten. Die gestrigen aber werden deswegen auch nicht zurückkehren... Das, was zuweilen "Dekadenz" genannt wird, sind geschichtlich gesehen meistens nur kurzlebige Experimente, die entweder die Allgemeinheit provozieren oder neue Modelle tatsächlich ausprobieren wollen.
    Naturvölker zeigen uns, wie man mit und in der Natur lebt, ohne mehr zu wollen (also ohne Weiterentwicklung, Bewusstseinserweiterung). Die Zivilisation ist keinen verkehrten Weg gegangen, sondern hat nur die Balance verloren, ist einseitig geworden. Manchmal passiert es, dass - wenn man die Balance wiederfinden will - man eine Zeitlang zu sehr zum Gegenpol tendiert, bis man merkt, dass er auch nur einseitig ist...
    Und jedes Schlagwort, dass Du da anführst, Jo, wird von fast jedem Menschen anders aufgefasst. Moral ist ein weiter Begriff, Ethik erst recht. Wie kann man "Tugend" allgemeingültig definieren? Wahrhaftigkeit ist ungemein subjektiv...
    Der einzige Ausweg aus dem Dilemma, den j e d e r hat und der sich beinahe aufdrängt: Ich muss zu mir selbst finden! Muss herausfinden, welche Energien (Werte) in mir wirksam sind, durch mich fließen, mir gut tun. Muss m e i n Leben leben und lernen, auf den Vergleich - der immer hinkt - verzichten. Ein langwieriger Prozess, das weiß ich, denn ich bin noch mittendrin.
    Politik kann günstige oder ungünstige Rahmenbedingungen schaffen, so ähnlich wie das Wetter. Aber leben muss ich sowieso selbst.

    Herzliche Grüße,
    nanabozho


    Natuerlich ist etwas, was naturgegeben ist und nicht etwas, was anerzogen wird.

    Sehr richtig, Jo,

    in diesem Fall aber muss man sehen, dass die europäische "Zivilisation" sich schon viele Jahrhunderte lang immer weiter von der Natürlichkeit weg bewegt hat. Das geschieht immer in sogenannten "entwickelten" Staaten, und das Gegenstück dazu bilden eben Naturvölker, die nicht umsonst so heißen. Und da ich Hobbyvölkerkundler bin und mich viel mit ihnen beschäftigt habe, könnte ich hier in Bezug auf Sex einiges schreiben, was manchem Leser hier vielleicht die Haare zu Berge stehen ließe, hinter dem aber doch sehr viel Sinn steckt.
    Will sagen: Wenn Natürlichkeit einmal aberzogen und die Unnatürlichkeit über viele Generationen tradiiert worden ist, ist es - auch für das Empfinden - schwer, zum Ursprünglichen zurückzukehren. Wie schon mal gesagt: Wir könnten auch Tiere und Pflanzen beobachten.
    Das Thema "Zurückgehen" wäre damit auch abgehakt.

    Herzliche Grüße,
    nanabozho

    Ein Volk geht nicht zugrunde durch verlorene Kriege sondern dadurch, dass es von innen her entkräftet, seine Sprache, die Hochsprache seiner Dichter und Denker aufgibt, Hochverrat an sich selbst begeht." [/b]


    Da ist was dran, Jo,

    das lässt sich wahrlich nicht leugnen.

    Herzliche Grüße,
    nanabozho


    Anders als du, bin ich davon überzeugt, daß wir hier schon lange keine Demokratie mehr haben und souverän sind wir erst Recht nicht. Wir sind immernoch ein besetztes Land und haben hier gar nichts zu sagen. Es gibt hier eine Parteien Diktatur mit ihren Marionetten.

    Na ja, Teddy,

    ein paar gemeinsame Schnittmengen haben wir schon. Ich bin nämlich auch davon überzeugt, dass wir keine wahre Demokratie haben, aber wir hatten auch früher keine. Wir müssen uns erst dahin entwickeln, das ist etwas anderes. Und abrupt geht es bestimmt auch nicht.
    Und was die Verschwörungen betrifft, so bin ich sicher, dass bei den meisten großen Ereignissen die Fäden aus dem Hinterhalt gezogen werden. Aber auch Verschwörer können nicht alle Entwicklungen berechnen, und so gibt es trotzdem Chancen.

    Herzliche Grüße,
    nanabozho


    Ziel ist es, unsere Gesellschaft zu zerstören. Alles, was für uns
    mal richtig, gut und wertvoll erschien, soll ins totale Gegenteil verkehrt werden.
    Unser Anstandsgefühl, Moralvorstellungen und das Gefühl für Liebe, Ethik und Bewusstsein soll zerstört werden. Seelenlose Sklaven wollen sie "züchten".

    Obwohl ich sonst auch ziemlich schnell bereit bin,
    in so mancher Entwicklung eine Art "Verschwörung" zu sehen, würde ich doch in diesem Fall lieber die Bälle flach halten. Sondern die Sache eher mal genau betrachten.
    So gibt es anerzogene, angelernte, also tradiierte Gefühle, denen sich früher der größte Teil der Bevölkerung einer Region unterworfen hat. Diese Gefühle begrenzen jedoch die tatsächlichen, ursprünglichen und ureigensten des Individuums.
    Der Witz ist, dass ein einzelner nur dann zu einem entsprechenden Selbstbewusstsein gelangen kann, indem er seine persönlichen, ureigensten Gefühle anerkennt - und die werden immer von denen einer größeren Masse verschieden sein, schließlich sind es individuelle. Das nationale, kulturelle, religiöse oder rassische Bewusstsein ist ein Entwicklungsschritt, der schon längst vollzogen war, also vor tausenden von Jahren, und über den hinaus zu kommen für viele heute immer noch schwer ist. Wenn wir aber das individuelle Bewusstsein nicht zulassen wollen, bleiben wir im Grunde im Zeitalter der Hexen- und Ketzerverbrennungen stecken.
    Wahre Demokratie sollte Chancen schaffen für individuelles Bewusstsein und Selbststärke.
    "Züchten" kann man so etwas überhaupt nicht, höchstens fördern.

    Ich erkenne wieder: Sinn und Inhalt dessen, was Du "Frühsexualisierung" nennst, Teddy, hast Du nicht verstanden, und Du hast dich auch nicht wirklich hineingefühlt in das, was daraus entstehen könnte. Wahrscheinlich hast Du auch (noch?) keine eigenen Kinder großgezogen und Dein Teufel-an-die-Wand-Malen riecht mir allzu sehr nach Vorurteilen.

    Mit Verlaub,
    nanabozho

    Danke, Abraxas,

    ich denke, das passt so. Nur wollte ich noch einmal einige Sätze loswerden, nachdem ich - Teddys Ermahnung folgend - das entsprechende Video tatsächlich gesehen habe.
    Natürlich kann ich so ein bisschen die Angst derer nachvollziehen, die das Video gemacht haben. Trotzdem wird hier etwas grundsätzlich verzerrt.
    Eine Sexualerziehung hat nicht die Aufgabe, die Gefahr der Pädophilie praktisch als Teufel an die Wand zu malen. Dass es sie überhaupt gibt, ist eine Frucht der Sexualverleugnung!!! Wir verzichten ja auch nicht auf die Führerscheinprüfung und eine gediegene Straßenverkehrsausbildung, weil die Gefahr von Autopannen und tödlichen Unfällen besteht.

    Wenn Vertrauen zur eigenen Sexualität geschaffen wird, bedeutet das auch, dass relativ früh ein sexuelles Selbstbewusstsein entsteht, das auf Partner setzt, die von sich aus das Spiel selbst wollen, und nicht auf Wehrlose. Für jemanden, der seine Sexualität lustvoll und bewusst lebt, ist ein wehrloser Partner - oder einer, der die entgegengebrachten Gefühle nicht erwidert - nicht attraktiv!!!!
    Ein Mann, der sich an Kindern vergreift, hat zum einen Angst vor Frauen und zum anderen das Dauerfrust-Erlebnis, dass es keine Frau gibt, die es mit ihm machen würde. Vielleicht ist er noch ehelich mit einer Frau verbunden, die Sex überhaupt ablehnt. Ihm fehlt in dieser Hinsicht jegliches Selbstbewusstsein. In den meisten Fällen ging eine Missbrauchskette voraus, und ohne Bewusstwerdung wird jedes Opfer automatisch wiederum zum Täter. Das Handeln eines solchen Menschen ist nicht tatsächlich lustbetont, sondern zwanghaft.

    Die freiwillige Bereitschaft, mit jemandem Sex zu haben, ganz gleich, ob es sich um eine hetero- oder homoerotische Verbindung handeln, entsteht über das Feingefühl und zwar die unbewusste Schiene. Da Kinder in dieser Hinsicht meistens intuitiv wacher sind als Erwachsene, merken sie, ob es sich um etwas Echtes und Ehrliches, oder etwas - sagen wir, um dem Gefühl gerechter zu werden: Unpassendes, kein gutes Gefühl verursachendes - handelt. Ihre mögliche Reaktion hat also nicht wirklich mit ihrem körperlichen Lustempfinden zu tun, sondern mit den Antennen ihrer Seele. Wenn ich als Erwachsener ein gutes "Bauchgefühl" habe, lasse ich mich z. B. nicht von einem Finanzberater über den Tisch ziehen, obwohl ich sonst ohne Scheu mit Finanzen umgehe. Diese Dinge werden praktisch von ganz anderen Instanzen entschieden als von dem möglichen Trieb oder einer vordergründig gesetzten Lust.
    Die sogenannte "Frühsexualisierung", die in dem Video angeprangert wird, fördert meiner Ansicht nach einzig und allein das sexuelle Selbstverständnis und Selbstbewusstsein und ist eher von Nutzen als von Schaden. Man denke etwa an eine durchaus lustbetont und selbstbestimmt lebende Single-Frau, die für das heutige Gesellschaftsbild - zumindest im Fernsehen - typisch sein könnte: Eine solche Frau würde niemals mit einem Mann ins Bett gehen, den sie nicht mag, und dieses "mag" wird nicht allein vom Körper bestimmt, sondern durch eine Menge andere Sensoren mit.
    Denen, die das Video gemacht haben, unterstelle ich also eine verzerrtes Bild der Sexualität überhaupt. Sie gehen von der alten Auffassung aus, dass der "Trieb", wenn vielleicht nicht völlig böse, so doch mindestens "nicht ganz koscher" ist. Und sie kennen ihre eigene Sexualität noch nicht wirklich!
    Wenn man Kinder nicht direkt darauf hinweist - mal so nebenbei - spielen sie von selbst mit ihren Genitalien. Das ist einfach so, ob "Sexualisierung" oder nicht. Und warum sollten ihren Genitalien weniger Streicheleinheiten gegeben werden als ihren anderen Körperteilen? Sind sie etwa schlechter oder "gefährlicher"? Weil wir das das glaubten, schlugen wir früher die Kinder auf die Finger, wenn wir sie erwischten.
    Weiterhin: Sollte ein Kind, das eine "sexualisierende" Erziehung genossen hat, missbraucht werden, wird es mit hoher Wahrscheinlichkeit weit eher über dieses Erlebnis hinwegkommen als eines, dem von vornherein Abstand gelehrt wurde!
    Wir haben es immer noch nicht gelernt, etwas als NATÜRLICH zu akzeptieren, obwohl es seit Urzeiten ein natürlicher Teil der gesamten Schöpfung ist.
    Und was das Thema "asexuell" betrifft: Solange ich mich aufrege, dass es "sexuell" gibt und "asexuell" zu wenig beachtet wird, bin ich nicht glaubwürdig asexuell. Denn, was mich auf die Palme bringt, fasziniert mich, d. h., es ist ein unbewältigtes Thema in mir.

    Herzliche Grüße,
    nanabozho

    Jetzt mal im Ernst. Seid ihr tatsächlich davon überzeugt, daß Wahlen oder x-beliebige Partein etwas ändern? Glaubt ihr das wirklich?
    Es ist völlig wumpe, was ihr wählt, denn der Inhalt der Politik, die diese Partein dann machen, ist immer das Selbe. Das Meiste, was diese Herrschaften entscheiden (dürfen), sind eh nur Kleinigkeiten - die großen und wichtigen Entscheidungen/Anordnungen werden von ganz anderen Mächten getroffen und dann haben unsere Marionetten zu parieren.

    Schon recht, Teddy,

    Wahlen und sogenannte politische Entscheidungen ändern selbst sehr wenig. Aber sie sind ein Ausdruck bestimmter Tendenzen in einer Bevölkerung, ablehnender oder zustimmender, mehr- oder minderheitlicher. Sie sind im Grunde nur ein Spiegel der Wähler selbst. So wie auch die Nichtwähler ein Spiegel derer sind, die sich über a l l e s ärgern, was auf der politischen Bühne passiert und sich nicht mehr einbringen wollen.
    Wirklich verändern kann ich nur mich selbst. Aber wenn man betrachtet, welche rasanten Bewegungen es z. B. in den letzten 50 bis 70 Jahren, also insgesamt nach dem II. Weltkrieg, gegeben hat im Vergleich zu dem, was vorher war, stellt man doch so einiges fest. So wäre es vorher kaum denkbar gewesen, dass Frauen in dem Maße mitreden dürfen wie heute (lass bitte mal den Streit darum weg, was es bringt, sondern akzeptiere mal lieber, dass es überhaupt möglich wurde). Es wäre kaum denkbar gewesen, dass so viele junge Männer n i c h t gleich erschossen werden, wenn sie nicht in die Armee und in einen Krieg ziehen wollen. Es wäre kaum denkbar gewesen, dass viele junge Frauen, die schwanger werden ohne den Vater geheiratet zu haben, n i c h t allgemeiner Ächtung anheim fallen. Und vieles, vieles, vieles, wäre kaum denkbar gewesen. Wir erkennen oft nicht an, was tatsächlich auch äußerlich geschehen ist.
    Und so richtet jeder neue Wind auch etwas aus, selbst wenn er sich 3 Schritte vor und 2 zurück bewegt. Der eine Schritt wurde allemal gegangen.

    Und noch ein Wort zur "Frühsexualisierung":
    Ich kenne keinen Sexualkundeunterricht in der Schule, in der DDR hat es so etwas nicht gegeben. Außerdem bin ich auf dem Dorf groß geworden, sozusagen in nächster Nähe aller möglichen Tiere. Unsere Eltern sprachen zuwenig "darüber", aber ein bisschen zumindest sprachen sie auch. Unter Gleichaltrigen wurde das alles als "schweinisch" gehandelt.
    Im Rückblick und in der Draufsicht der heutigen Tatbestände erkenne ich Folgendes:
    Es ist Ignoranz, so zu tun, als sei ein Kind asexuell. Auch ziemlich kleine Kinder (3-4 Jahre alt) haben so etwas wie ein "erwachendes Haut-an-Haut-Bewusstsein", da reicht sogar meine eigene Erinnerung noch dahin zurück. Dass sie es nicht zu benennen wissen, steht auf einem anderen Blatt.
    Im Laufe des Lebens habe ich erkannt, dass es eine ursprüngliche Sexualität gibt, die in ihrem Wesen völlig unschuldig ist, d. h., eine, die einfach nur spielen und genießen, aber niemanden unterdrücken, ausnützen oder ausbeuten will (oder die sich umgekehrt unterdrücken und ausbeuten lässt). Man beobachte dazu auch mal die Tier- und Pflanzenwelt. (Nebenbei: Das Schönste an den Blumen sind meistens deren Blüten, die wir so bestaunen und bewundern. Diese sind aber nichts anderes als Geschlechtsorgane!)
    Ein Ziel der "Aufklärung" könnte sein: dem durchaus noch kindlichen Menschen helfen, diese Unschuld wieder zu finden und anzuerkennen. Solange wir nicht dorthin zurückkehren können, wird Sex wohl immer so etwas wie ein profitables Geschäft bleiben, denn noch leben wir im heftigsten Kapitalismus.
    Sehen Kinder zuviel oder zuwenig Sex? Ich denke, wir brauchen keine Angst haben, dass sie davon zuviel sehen. Denn wenn im Fernsehen da was läuft, kommt es eben doch sehr spät und sehr verschämt (von Beate-Uhse-TV einmal abgesehen). Zu den üblichen Kinderfernsehzeiten wird ihnen viel lieber Mord und Totschlag vorgesetzt und zwar am laufenden Band. Wenn uns d i e s e Diskrepanz nicht auffällt, muss man wirklich den Verdacht haben, dass die meisten Ideen und Entscheidungen bezüglich Sex noch immer von Verklemmtheit getragen werden...
    Denn auch die Gier, mit der die Menschen über bestimmte Zeitschriften oder Sex-Romane herfallen, hängt damit zusammen, dass ihnen in der Wirklichkeit etwas zu fehlen scheint. (Was nicht immer Sex sein muss, denn oft wird damit nur eine tiefere Sehnsucht kompensiert.) D. h., wir müssen sehen, wie wir aus der Schieflage in eine Balance kommen, und ein natürlicher, unkomplizierter Umgang wenigstens mit dem Thema ist schon mal ein guter Anfang.

    Herzliche Grüße,
    nanabozho

    nochwas: bei einer geldschöpfung durch ein bedingungsloses grundeinkommen (statt durch kredit/schulden) könnte man auch weitgehend die urheberrechte abschaffen. momentan wäre es allerdings ungerecht gegenüber den leuten, die mit ihrer kreativität ihre brötchen verdienen.


    Danke, wolf,

    dadurch bekomme ich selbst gleich einen besseren Zusammenhang in diesen Teil des Piraten-Programms, der mir eigentlich nicht zusagt(e). Unterstützer des Bedingungslosen Grundeinkommens bin ich auch, und wenn es käme, würde sich ohnehin fast alles ändern in der Gesellschaft.

    Herzliche Grüße,
    nanabozho

    Gestern hatte ich mir gleich noch mal das ganze Programm der Piraten angesehen und musste feststellen, dass es nur wenige Sachen gab, bei denen meine Vorstellungen sehr anders liegen, beispielsweise zur Frage kostenloser Nutzung verschiedener Inhalte, die unter das Urheberrecht fallen, via Internet. Vielleicht habe ich auch nicht 100%ig verstanden, wie die Jungs sich das vorstellen.
    Der Rest aber: Spitze! Da stehe ich voll dahinter. Gekürzt wird am Ende sowieso wegen der Kompromisse mit den anderen. Aber immerhin kommen nun Inhalte in die Politik, die an der Basis schon lange und verbreitet nach Lösungen suchen, aber "oben" bisher nie zur Sprache kamen, vielleicht absichtlich nicht beachtet wurden.
    Und das bringt schon ein Stück weiter.

    Herzliche Grüße,
    nanabozho

    Entweder bin ich schwer von Begriff oder die Sache ist zu verschlungen. Ich verstehe zumindest nicht so ganz, wer hier gegen was oder für was ist. Wenn Du, Teddy, das mal etwas mit eigenen Worten erläutern könntest, wäre ich Dir dankbar und könnte mir ein Bild machen.

    Herzliche Grüße,
    nanabozho