In Frakturschriften gibt es einige Regeln, die sich von denen unterscheiden, die wir ganz automatisch in Antiquaschriften (lateinische Schrift) verwenden. Diese Regeln sind in heutiger Zeit fast schon in Vergessenheit geraten, wie man an vielen Wirtshausschildern erkennen kann. Auch Grafiker und Werbefachleute gehen häufig sehr unbedarft mit den schönen gebrochenen Schriften um, indem sie die Regeln der Antiqua auf sie anwenden. Grundsätzlich gibt es verschiedene Ligaturen und noch ein zusätzliches Zeichen, das lange S und das wollen wir als erstes behandeln.
Das lange S
Das lange S hat es ins Computerzeitalter geschafft, es sieht in Antiqua folgendermaßen aus: [size=14]ſ[/size]
Man kann es in Fraktur leicht mit einem kleinen F (f) verwechseln und das passiert Anfängern beim Frakturlesen sehr häufig. Ein kleines F hat dort einen kleinen Querstrich, wo das lange S keinen hat.
Es gibt also das kleine, große, scharfe und lange S. Woher weiß man nun, wo man das lange S hinsetzen muss? Dafür gibt es eindeutige Regeln.
- Das ſ kommt niemals am Wortende vor.
- Es ist ein Kleinbuchstabe (Minuskel)
- Es wird immer am Anfang einer Silbe und beim SCH gesetzt.
Beispiel: So arbeitet das ſchöne Haus-rei-ni-gungs-per-ſo-nal.
Ausnahme: Beim SCH wird kein langes S verwendet, wenn man das S und das CH getrennt ausspricht. Zum Beispiel „Rös-chen“. Mit dem Langen S lassen sich also Missverständnisse wie das vom Röschenhof vermeiden.
Oder man erkennt, dass eine Wach-ſtube nichts mit einer Wachs-tube zu tun hat. Das wird in unseren heute verwendeten Schriften gar nicht unterschieden, man kann es nur noch an der Aussprache erkennen. - Wenn das S mit P, S oder T zusammentrifft, wird ebenfalls das lange S verwendet. Auch dann, wenn das S nicht am Anfang einer Silbe steht.
Beispiel: Knoſ-pe, Waſ-ſer, faſ-ten - Wenn zwei S am Wortende zusammentreffen, wird das erste davon als langes S geschrieben, das zweite aber als kurzes. Daraus hat sich dann später als Ligatur das scharfe S (ß) entwickelt.
Beispiel: daſs, muſs
Ligaturen
In Frakturschriften gibt es Ligaturen , die zur korrekten Schreibweise gehören. Eine Ligatur ist eine Verschmelzung von zwei Buchstaben, die ursprünglich dadurch entstand, dass diese beiden Buchstaben häufig zusammen vorkommen. Daraus hat sich dann ein zusammengesetztes Zeichen entwickelt, das sich Ligatur nennt.
- Die Ligaturen ch, ck, ſt und tz sind Zwangsligaturen, sie müssen, weil sie bedeutungsunterscheidend wirken, verwendet werden.
Die Ligaturen tt, ſch, ff, fi, fl, ft fi, ffl, fk, fj, fh, fb, fz, ll, st, ct, th, tt, kk, Qu, ſi, ſſ, ſch sind mögliche Ligaturen, können aber auch normal hintereinander geschrieben werden.
Das ß (scharfes S) ist eine SZ- oder SS-Ligatur, daher kommt der Name Eszett. - Eine Ligatur wird nur im Wortstamm verwendet. Zum Beispiel:
Mit FL-Ligatur: Kau-fläche
Ohne FL-Ligatur: Kauf-leute
Fremdwörter werden in Frakturtexten grundsätzlich in Antiqua geschrieben. Statt einem einfachen Bindestrich ([size=14]-[/size]), wird ein doppelter ([size=20]⸗[/size]) verwendet, der nicht mit dem Gleichheitszeichen ([size=14]=[/size]) verwechselt werden sollte. Viel mehr gibt es nicht zu sagen. Wer diese paar Regeln beherrscht, kann nicht mehr viel falsch machen beim Schreiben. Ich habe versucht, die wichtigsten Regeln als Laie für Laien verständlich und in aller Kürze zusammenzufassen und man möge mir Irrtümer, auf die ich freundlichst hinzuweisen bitte, verzeihen.
Bilder
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Schriftbeispiel
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Beispiel für die Verwendung des langen S
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Kaufleute mit und ohne FL-Ligatur
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Beispiele für Zwangsligaturen mit und
ohne Sperrsatz .
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Ligaturen in einer Antiqua-Schrift
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Fehlerhafte Verwendung: Es müsste Schieſsſtand heißen.
Schießstand ist ein Kompositum aus Schieß und Stand.
Beim Ende von Schieß hätte man zwei S gehabt, daher
schreibt man ſs (Regel 5). Beim zweiten Bestandteil des Wortes
(Stand) steht das dritte S im Anlaut, daher wieder ein langes S.