Am Dienstag meldete das Statistische Bundesamt einen enormen Anstieg "atypischer Beschäftigung", nämlich um die Hälfte von 1997 bis 2007 auf 7,7 Millionen (Abb. 14544). Mehr als ein Viertel aller Beschäftigten sind inzwischen in atypischen Beschäftigungsverhältnissen, meist schlecht bezahlter oder anders prekärer Art. Die Meldung ging in den vielen Nachrichten unter und kaum einer machte sich die Mühe einer detaillierten Analyse. Hier ist sie.
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Zusammen mit der Stillen Reserve an Arbeitslosen und den registrierten Arbeitslosen waren das 2007 fast 13 Millionen, die keine normale Beschäftigung hatten und damit über dreimal mehr als die Zahl der als arbeitslos Registrierten auswies (Abb. 14545). Und hinter den 13 Millionen hängen ganze Familien.
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Zur Erklärung: Die Stille Reserve von 1,4 Millionen umfaßt: durch den Verlust ihres Arbeitplatzes entmutigte Arbeitskräfte, Rentner, die aus Arbeitsmarktgründen vorzeitig aus dem Erwerbsleben ausgeschieden sind, Schüler und Studenten, die aufgrund schlechter Arbeitmarktbedingungen ihren Abschluss hinauszögern, Teilnehmer an bestimmten arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen, insbesondere: (Vollzeit-) Weiterbildungsmaßnahmen, Rehabilitation, Altersübergangsgeld und Vorruhestandsgeld-Ost, ältere Arbeitslose, die nach § 428 SGB III der Arbeitsvermittlung nicht mehr zur Verfügung stehen, und die Teilnehmer von Trainingsmaßnahmen.
Die 13 Millionen vergleichen sich mit 22 Millionen normal Beschäftigten, d.h. mehr als halb so viele wie normal Beschäftigte (Abb. 14546).
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"Atypische Beschäftigung" ist wieder so ein Neuwort in der deutschen Sprache, das den wahren Sachverhalt verschleiern soll. Denn bei den hier erfaßten Beschäftigungsformen geht es um Befristung, Teilzeitbeschäftigung mit 20 oder weniger Stunden, Zeitarbeitsverhältnis und geringfügige Beschäftigung, im Wesentlichen also um prekäre Beschäftigung. Dazu das Statistische Bundesamt: "Atypische Beschäftigung kann häufig mit prekärer Beschäftigung einhergehen, ist mit dieser aber nicht gleichzusetzen." Das "häufig" wird vom Statistischen Bundesamt nicht näher erläutert.
Der Anstieg der atypischen Beschäftigung war nicht mit der Entstehung von mehr Arbeit, sondern nur mit einer Umverteilung vorhandener Arbeit verbunden. Dazu das Statistische Bundesamt: "Die Zahl der insgesamt in Deutschland geleisteten Arbeitsstunden hat sich im Vergleich zu 1997 nahezu nicht verändert. Dieser Befund spricht also eher dafür, dass im Rahmen des Beschäftigungswachstums das gleiche zeitliche Volumen an Arbeit auf mehr Köpfe umverteilt wurde." Oder noch deutlicher ausgedrückt, innerhalb der bereits vorhandenen Arbeit wuchs der Anteil der prekären. Der relative Rückgang von Normalarbeitsverhältnissen ist in allen Wirtschaftssektoren mehr oder minder ausgeprägt zu beobachten, mit Ausnahme des Sektors Handel und Gastgewerbe, wo er besonders stark auf nur noch 70,0 % gesunken ist.
Unter den atypischen Beschäftigungsformen ist die Teilzeitarbeit immer noch der stärkste Bereich (Abb. 14547), doch wächst die Zeitarbeit weitaus am dynamischsten (Abb. 15548). Zusammen mit befristeter Arbeit sind bereits 3,3 Millionen Menschen in derartigen unsicheren und von der Konjunktur besonders abhängigen Arbeitsverhältnissen beschäftigt.
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Junge Menschen bis unter 25 Jahre (39,2 %), gering Qualifizierte (39,9 %) und Nicht-EU-Ausländer (36,8 %) sind mit den in Klammern angegebenen hohen Anteilen an der Gesamtbeschäftigung dieser Gruppen am ehesten atypisch beschäftigt.
Immerhin 7,3% der atypisch Beschäftigten sind für ihren Lebensunterhalt hauptsächlich auf Leistungen nach Hartz-IV angewiesen, obwohl sie erwerbstätig sind, während es bei normal Beschäftigten weniger als 1 % sind. Weitere 1,7 % brauchen andere Sozialleistungen und 18,2 % brauchen die Hilfe ihrer Familien. Zusammen sind das mehr als 27 % der atypisch Beschäftigten, die nicht hauptsächlich vom Ertrag ihrer Arbeit leben können. Hier zeigt sich, neben der enormen Unsicherheit, die Achillesferse dieser stark zunehmenden Formen von Beschäftigung.
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[size=12]DAS also ist der Trick....... die Wirtschaft wälzt ihre Kosten auf den Staat ab, dadurch bekommen einige Vermögende noch mehr Geld.
Der Staat wiederum holt das fehlende Geld von den Bürgern. Damit presst die Wirtschaft die Leute gleich 2 mal aus. Sie bezahlen zu wenig für deren geleistete Arbeit und lassen dann die zu wenig verdienenden noch die Arbeitslosen bezahlen, die die Wirtschaft braucht, damit sie bei den Arbeitenden kräftig die Löhne drücken können. Zum "Ausgleich" dafür darf der Staat Gesetze beschließen, die eine noch effektivere Ausbeutung seiner Bürger ermöglicht, Besitzanteile an den gesponserten Firmen erwirbt das Volk allerdings seltsamerweise nicht.
Leute, die eierlegende Wollmilchsau ist längst erfunden, sie heißt Mensch!
Larah
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