Bedingungsloses Grundeinkommen?
von Charlotte Ullmann , 20.03.2007
Linkezeitung
Arbeit muss neu bewertet werden! Jeder soll arbeiten d?rfen, genauso wie er ein Hobby betreibt. Er soll aber nicht dazu gezwungen werden. Das ist auch nicht mehr n?tig beim jetzigen Stand unseres technologischen Fortschritts! Der Traum der Menschheit, ins Paradies zur?ckzukehren, aus dem , laut Bibel, Adam und Eva vertrieben wurden, r?ckt immer n?her.
Das biblische Verdikt, geboren aus der Not des Menschen, sich zur Erhaltung der eigenen Existenz die Natur anzueignen und im Schwei?e seines Angesichts sein Brot zu verdienen, hat ausgedient! Endlich ist der Mensch in der Lage, Maschinen f?r sich arbeiten zu lassen! Fr?her waren es Sklaven. Aber was macht der ?moderne" Mensch, der sich als Kapitaleigner und im Dienste weltweit operierender Konzerne tummelt?
Er macht den abh?ngig arbeitenden Menschen zum Sklaven, angeheizt durch den ?shareholder value" und den Menschen, der arbeiten will, aber keine Arbeit hat, zum unfreiwilligen Sklaventreiber. Mit den vielen Maschinen wird immer mehr produziert, industrieller Schrott, Hauptsache billig, soviel, bis er den Leuten aus dem Halse h?ngt und immer mehr von ihnen, krank und des Giftes ?berdr?ssig, den ?rzten und Biol?den die T?r einrennen. Die ?ko-Industrie macht es vor: Mit moderner Technologie lassen sich auch wertvolle G?ter herstellen, Nahrung, die nicht krankmacht, Kleidung, in der man sich wohl f?hlt, ohne Allergien zu bekommen, Waren, die nicht gleich auf den Schrotthaufen m?ssen.
So kann Arbeiten Spa? machen.
Denn Arbeiten ist Spiel, und Spiel ist Arbeiten. Lernen ist Spiel und Spiel ist Lernen. Das beherrscht jedes kleine Kind. Von Natur aus! DerMensch w?re schon l?ngst ausgestorben, wie auch das Tier, h?tte er nicht eine urspr?ngliche Freude am Spielen, am Arbeiten. Aber die hat die protestantisch-abendl?ndische und kapitalistisch-pervertierteArbeitsmoral dem Menschen im Laufe seines Lebens geh?rig ausgetrieben.
So versuche ich seit Jahrzehnten, meinen Sch?lern und Patienten ihre versch?ttete Freude am Arbeiten und Spielen wieder zug?nglich zu machen. Sicher gibt es auch T?tigkeiten, die man nicht so gerne macht oder aus k?rperlichen Gr?nden nicht machen kann. Die lassen sich aber leichter erledigen, wenn man jemanden findet, mit dem man Arbeit tauschen kann:Schneidest Du meine Haare, backe ich Dir ein leckeres Biobrot! Oderputzt Du meine Wohnung, b?gele ich Deine Hemden! Tauschringe machen schon lange vor, wie das funktionieren kann!
Da kommt die neoliberale Ideologie, die meint, entgegen aller demokratischen Menschen- und Grundrechte, Arbeitsdienst einfordern zu d?rfen, nicht mit. Eine solche Ideologie ist steckengeblieben imZeitalter des Sklaventums, als die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen Hochkonjunktur hatte! Als wenn wir keine Maschinen h?tten. Aber das kapitalistische System ist so pervers, dass Maschinen f?r ihn, langfristig gesehen, unrentabel sind, da sich aus ihnen kein Mehrwertpressen l?sst. Der l?sst sich eben nur mit der Ware der menschlichen Arbeitskraft erzielen! Dergestalt ist es ein Aberwitz der Geschichte,dass die Menschheit mit solch fortgeschrittener Prokuktivkraft undWertsch?pfungsleistung, wie wir sie heute haben, wo nur noch wenig
menschliche Arbeitskraft n?tig ist, um mithilfe von Robotern alle zu ern?hren, dass heute noch Menschen zum Arbeiten gezwungen werden. Als wenn wir genug Arbeitspl?tze h?tten! Jeden Tag eine neue Nachricht in den Zeitungen, welcher Konzern, welche Bank schon wieder Arbeitspl?tze wegrationalisiert. Gestern Siemens, heute Deusche Bank, morgen Telekom!
Je weniger Arbeitspl?tze, desto h?her die Rendite! Halt, da ist doch ein Widerspruch! Habe ich nicht soeben gesagt, Mehrwert lie?e sich nur ausmenschlicher Arbeitskraft herausschinden? Ja, warum werden dann soviele Leute entlassen? Man verstehe den Kapitalismus vielleicht mit Marx! Ach ja, die wenigen, die noch arbeiten, m?ssen ja immer mehr ausgepresst werden, bis zum Umfallen, und im Startloch sitzt die Reservearmee der Arbeitslosen, die zu Sklaventreibern gen?tigten Arbeitswilligen und ?ben durch ihre blo?e Existenz Druck auf die immer weniger werdenden Arbeitsplatzbesitzer aus.
Irgendwann muss doch der Punkt erreicht sein, wo alles kollabiert: der v?llig ersch?pfte abh?ngig Arbeitende, die ?berproduktion, die vernichtet werden muss, weil zu viele Menschen immer weniger Geld haben, um Waren zu kaufen und die Reichen sich nicht tot fressen wollen, sich nicht dauernd umziehen k?nnen und auch bei zehn H?usern gar nicht die Zeit haben, alle zu nutzen. Geld gibt es zu viel auf der Welt. Die Reichen wissen nicht, wohin damit. Es muss rentabel angelegt werden!
K?nnte man aus dem bedingungslosen Grundeinkommen ein ertragreiches Gesch?ft machen - so ?hnlich wie mit Studiengeb?hren - h?tte man es schon l?ngst eingef?hrt! Die Kapitalbesitzer m?ssen aber bedenken: Wenn die soziale Spaltung weiter fortschreitet, lohnt es sich, in Sicherheitsunternehmen zu investieren. Dann wird eine Entwicklungkommen wie in den USA, wo die Reichen nur noch unter Aufwand hoherGeldsummen sich in ungef?hrer Sicherheit w?hnen k?nnen. Dann werden die armen Leute in die Dienste der reichen treten, um sie zu besch?tzen, selbstredend nur gegen guten Lohn! Sonst ist der Reiche schnell einen Kopf k?rzer! Die Mafia l?sst gr??en! Warum also diesen Umweg? Da ist es doch sinnvoller, den sozialen Frieden durch gerechtere Verteilung der Ressourcen sicherzustellen und endlich ein bedingungsloses Grundeinkommen f?r alle einzuf?hren!