Hallo Lupo,
Zitat
Die Nazis wurden also sozusagen von den Anti-Nazis gemacht, und nachdem die Anti-Nazis in Rekordzeit platt gemacht waren, verschwanden die Nazis wieder genau so schnell wie sie aus heiterem Himmel gekommen waren, denn es gab ja keinen mehr, der sie machen konnte!
Das ist jetzt sehr verk?rzt und sarkastisch formuliert, wie du das dargestellt hast. Vor allem kamen die "Nazis" nicht "aus heiterem Himmel" und verschwanden vor allem nicht nach dort.
Etwas grundlegendes vorweg: In einer homogenen Bev?lkerung macht es keinen Sinn seine Zugeh?rigkeit zu dieser Bev?lkerung besonders zu betonen oder hervorzuheben. Es liegt auf der Hand, dass alle zusammengeh?ren. Jedes Betonen einer Gruppenzugeh?rigkeit durch Kleidung, Symbole, Sprache und Verhalten ben?tigt auch eine Gruppe Menschen von der man sich abgrenzt.
Steigen wir also in die Geschichte ein, direkt nach dem 1. Weltkrieg. Die Regierung der Weimarer Republik war aufgrund des Versailler Vertrages handungsunf?hig. Der Vertrag mu?te erf?llt werden und es war nichts da, womit man die Wohlfahrt der B?rger h?tte f?rdern k?nnen.
Da bricht die amerikanische W?hrung zusammen und es gibt auch noch eine galoppierende Inflation. Die Wirtschaft kommt zum erliegen und Elend breitet sich aus.
W?hrend also der Staat handlungs- und zahlungsunf?hig ist, beginnen zwei Gruppen auf der Strasse zu agitieren. Die "Linke" und "National-Konservative Kr?fte". Nur wo kommen die Redner beider Seiten her? Wer bildet sie aus und wer finanziert ihren Lebensunterhalt?
Jede Seite versucht Anh?nger zu finden und k?mpft im wahrsten Sinne des Wortes um die Herrschaft in jedem einzelnen Stadtteil.
Die unentschlossenen B?rger erleben b?rgerkriegs?hnliche Zust?nde. Und es ist eigentlich egal, welche Seite gewinnt, denn es ist die Masse der B?rger die danach froh ist, dass endlich wieder "Ordnung" herrscht. Und genau um dieses Geisteshaltung geht es in diesem Kampf.
Wer auch immer im Kampf auf der Strasse siegt, ist der, der die Ordnung wiederhergestellt hat, aus Sicht der B?rger.
Nun, die NSDAP hat gewonnen und hat die Reste der Weimarer Republik beseitigt und danach den "politischen Gegner". Wobei, und das ist auch wichtig, von den B?rgern kein Widerstand gegen die r?cksichtslose Behandlung zu erwarten war, waren "diese Leute" mit Schuld an den b?rgerkriegs?hnlichen Zust?nden.
Der Verlauf des sich anschlie?enden Krieges ist bekannt. Und es ist auch offensichtlich, dass trotz der Vorg?nge ein Gro?teil der Bev?lkerung mit dieser nationalistischen Regierung zufrieden waren, da sie unter diesem Regime ihre wirtschaftliche Situation zu Anfang verbessern konnten.
Nach dem Sieg der Alliierten begannen die S?uberungen. Die "Kriegsverbrecher" wurden geh?ngt oder eingesperrt, bzw. ihrer ?mter enthoben. Leider stellte sich heraus, das im am Boden liegenden Staatswesen nicht genug junge, politisch einwandfreie Verwaltungsfachleute und sonstige Spezialisten verf?gbar waren. Aber man brauchte diese Leute ganz dringend. Also wurde "entnazifiziert". Man bekam eine "Unbedenklichkeitsbescheinigung". Das hatte aber nichts mit den tats?chlichen politischen Einstellungen und T?tigkeiten des Einzelnen zu tun, sondern eher damit, wie sehr er gebraucht wurde. Also fanden sich in der jungen BRD sehr schnell die alten Seilschaften der mittleren oberen Verwaltungsebene wieder in Amt und W?rden.
Hier haben wir also eine Gruppe der Unterst?tzer und Sympathisanten "rechter" ?berzeugungen. Und die hatten Geld und waren ziemlich unantastbar aufgrund ihrer sozialen Stellung.
Die "Linke" hatte einen schweren Stand. Wu?te doch die Bev?lkerung um die Zust?nde in der DDR und erinnerte sich noch sehr gut, wie die Russen bei der "Befreiung" Deutschlands gehaust haben. Und diese Russischen Soldaten waren ja Vertreter einer kommunistischen Staatsform. Gleichzeitig warben die etablierten Parteien um die Heimatvertriebenen und zeigten die Kommunisten immer als "die B?sen". Das endete ja im Verbot der Kommunistischen Partei Deutschlands und diesem Erlass, in dem ehemalige Parteig?nger der Kommunisten nicht als Lehrer arbeiten durften.
Es gab nat?rlich altersbedingt einen Generationswechsel. Gleichzeitig wurde "die Jugend" in der APO-Zeit von den b?rgerlichen Traditionen ihrer Eltern getrennt. Hier findet der autonome Block seine neuen Wurzeln. Was man aber nicht vergessen darf, die Vordenker dieser Zeit, waren Universit?tsprofessoren, die interessanterweise, obwohl sie sich gegen das staatliche Selbstverst?ndnis stellten, ihre Posten nicht verloren und auch noch eine positive Besprechung in der Presse bekamen.
Soll eine solche Gruppe halbwegs toleriert werden, von der B?rgerlichen Bev?lkerung, dann mu?te sie ein anerkanntes Ziel haben. Nat?rlich kam da nur der "rechte" Rand in Frage. Also konservative Heimatvertriebene 2. Generation, die eben an ihren alten Traditionen festhielten. Und nat?rlich die immer noch existierenden Kameradschaften und Traditionsvereine der Kriegsteilnehmer. Das waren alles "Nazis". Und wenn man so angegangen wird, und kein Dialog zustande kommt, dann landen die alle in der "rechten Ecke". Die Fronten waren geschaffen. Und weil der Druck da war, gab es auch einige, die dagegen gehalten haben. Und das waren die neuen "Rechten".
Interessanter Weise findet sich der autonome Block haupts?chlich in Gro?st?dten, w?hrend die "National Befreiten (rechten) Zonen" auf dem Lande, in d?rflichen Strukturen zu finden sind.
Es ist auch zu beobachten, das "Die Linke" Seite des politischen Spektrums immer mehr Leute auf die Strasse bringen kann, als die Rechte Seite, weil die "Rechten" traditionell als Gef?hrdung des "demokratischen Staatswesens" empfunden werden, also eher als die "Linken". Was auch durch eine entsprechenden Berichterstattung in den Medien verursacht wird.
Normalerweise, w?ren die Rechten schon l?ngst auf den Rang einer Trachtengruppe abgesunken, w?rden ihnen nicht gezielt "staatsfreie" R?ume in der ehemaligen Zone er?ffnet. Da, wo fr?her am Wochenende ein Bus die Jugend zu FDJ-Veranstaltungen zusammenf?hrte, gibt es heute nichts mehr. Kein Bus, keine Lehrstellen, keine Jugendangebote. Alles aus Kostengr?nden gestrichen. Aber da leben immer noch B?rger und wachsen Jugendliche auf. Und da weinen die verantwortlichen Politiker Krokodilstr?nen, weil die "Rechten" die einzigen sind, die in diesen Regionen "Jugendarbeit" machen. Das kann man sich an 5 Finger abz?hlen, dass das kein Versehen ist. Und wenn der Staat dann nur noch in Form von Bereitschaftspolizei auftritt, die Versammlungen am Lagerfeuer aufl?st, - welche Einstellungen werden wohl die jungen Leute entwickeln, die das miterleben?