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Zum Rest äußer ich mich wenn ich mehr Zeit/Lust habe.
Nun, ich habe mir die Zeit genommen, die Aufklärungsschrift "Thor-Steinar Stoppen" zu lesen. Wieder haben wir ein Beispiel wie die Dialektik funktioniert. Menschen werden anhand von Äußerlichkeiten gruppiert und gegeneinandergehetzt. Sie sind mit sinnlosen Aktionen beschäftigt, während die Zuchtelite die Weltgeschichte in ihrem Sinne vorantreibt.
Ja, ich habe "sinnlose Aktionen" geschrieben, weil diese Kampagne ihr Ziel nicht erreichen wird, ganz im Gegenteil, sie wird das, was sie als "Nazi-Szene" bezeichnet, sogar festigen und ihr neue Mitläufer zutreiben. Glaubst du nicht? Ich will das anhand einiger Beispiele aus der Broschüre belegen.
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Überschrift und Einleitung aus der Bröschüre:
OLD SHIT. NEW STYLE.
Wer die Entwicklung der extremen Rechten in Deutschland innerhalb der letzten Jahre beobachtete, konnte den Trend nicht übersehen immer mehr Neonazis legen den alten martialischen Skinheadlook oder den Braunhemd-Stil beiseite und suchen sich neue, diskretere und modischere Kleidungsstile. Eine der Marken, die am erfolgreichsten innerhalb der deutschen Neonazi-Szene boomt, ist die Marke
Thor Steinar aus Königs Wusterhausen (Brandenburg, nahe Berlin).
"Alte Scheiße in neuer Aufmachung!" das ist die deutsche Bedeutung dieser Überschrift. Aber auf englisch klingt das natürlich viel "hipper", also wie richtiges Werbe-Deutsch - und es fällt nicht so auf, wie verächtlich diese Überschrift ist. Schon hinter dieser Überschrift steckt der selbe Geist wie hinter Überschriften: "Rottet die Volksparasiten aus", und da sind sich eigentlich alle einig, so redet man nicht!
Die Einleitung bedauert, dass "die Nazis" jetzt das machen, was alle anderen Interessengruppen schon lange tun, sie biedern sich beim Wahlvolk, den Konsumenten und der Jugend an! Also, die einen dürfen der Jugend den Kopf mit seltsamen Ideen verwirren, die anderen aber nicht. Und das schlimmste, sie verdienen damit auch noch Geld!
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VIEL GELD ZU HOLEN ...
Welchen breiten Absatz die Marke Thor Steinar findet und wie viel Geld die Firmen um Thor Steinar abwerfen ist beängistgend.Die enormen Profitraten belegen u. a. Materialien, die einem Informanten des Antifaschistischen Infoblattes anonym zugespielt wurden. Im
Weihnachtsgeschäft Mitte Dezember 2003 konnte die Firma Mediatex GmbH einen Kontostand von etwa 45.000 Euro verzeichnen.Der akkumulierte Umsatz (Haben) betrug für 12 Tage über 95.000 Euro. Dass die hohen Preise für die Thor Steinar-Produkte zumindestens nicht auf die reinen Materialkosten zurückzuführen waren, zeigten beispielhaft die durchschnittlichen Ausgaben für Material-Importe aus der Türkei.
Belege, dass es keinen Zusammenhang zwischen dem Preis der Ware und der Qualität gibt, findet man quer durch die gesamte Kleidungsindustrie. Der Kunde zahlt nicht für den Nutzwert der Ware, sondern für die Image-Kampagne, die dahinter steht. Das diese natürlich dazu dient Unmengen an Gewinn einzufahren, ist eine marktwirtschaftliche Selbstverständlcihkeit in unserem Gesellschaftssystem.
Die Innovation für die "rechte Szene", oder wer auch immer diesen "Goldesel" entdeckt hat, ist doch angeblich "rechte" Symbole als "Marken" im Konsumsinne in das Bewußtsein der Bevölkerung zu tragen und damit den direkten Zusammenhang zwischen dem Symbol und seiner Verwendung im Dritten Reich aufzuweichen. Geschickt, aber letztendlich wird hier nur die selbe Methode angewandt wie sie bei aller Massenmanipulation zur Anwendung kommt.
Die Reaktion der Gegenseite erfolgt wie programmiert, Anzeigen wegen verfassungsfeindlicher Symbole. Und es gibt einen Teilerfolg, das ursprüngliche Firmensignet muß geändert werden. Gleichzeitig werden alle Verfahren eingestellt und in der Broschüre wird folgendes bedauert:
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Allein 2005 wurden nach Angaben des Potsdamer Innenministeriums 257 Strafverfahren wegen des Logos eingeleitet. Das Innenministerium musste die »Thor-Steinar«Delikte wieder aus der Statistik der rechtsextremistischen Kriminalität streichen.
???? Was hat ein Markenrechtsstreit mit der Erfassung rechtsextremer Straften zu tun? In dieser "Statistik" geht es doch darum die "Gewalttätigkeit" der Szene zu belegen. Ich fand diese Bemerkung sehr seltsam, wenn man sich den Umgang mit den Gewalttaten gegen Ausländer in Mügeln und durch Ausländer gegen Deutsche auf der Kirchweih in Fürth anschaut. (Ich erwarte da immer noch eine Stellungnahme von H10 dazu)
Die dahinter stehende Denkweise erinnert mich fatal an: "Vierbeiner gut, Zweibeiner schlecht!" aus der "Animal Farm".
Die Broschüre will aufklären und verwendet eine trickreiche Dialektik. Achtet bitte einmal auf die Fragestellung und die Antwort:
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»Ist jemand, der Thor Steinar trägt ein Nazi?«
Jede/R der/die solche Klamotten kauft und anzieht, unterstützt damit direkt Neonazis in ihrem Bestreben, ihre Inhalte und Symbole in die
Gesellschaft zu tragen. Die Motive haben eindeutig zweideutige Aussagen, die rechtes Gedankengut transportieren sollen
Tja, wie war die Antwort? Ist er nun ein Nazi? Natürlich, denn er ist ein direkter Unterstützer der Nazis, weil sie an den Gewinnen teilhaben! Und wer ein direkter Unterstützer ist, ist natürlich selbst ein Nazi! So soll diese ausweichende Antwort doch wohl verstanden werden, oder irre ich mich?
Sehr schön auch diese Formulierung: "Die Motive haben eindeutig zweideutige Aussagen, die rechtes Gedankengut transportieren sollen" - eindeutig zweideutig ein logischer Widerspruch, denn die Nazi-Symbolik erkennt nur der, der sich noch mit dem alten Zeugs auskennt, und als "Gefahr" wird diese Symbolik nur von der politischen Gegenseiten, der "radikalen Linken" betrachtet. Fakt ist doch, das die verwendete Symbolik nicht als Verfassungsfeindlich eingestuft ist.
Nun ein logischer Bruch, den ich in H10s Äußerungen sehe und einer Empfehlung in der Broschüre:
H10 sagte, Thor Steinar ist eine Nazimarke, und Nazis toleriert er nicht. Und wer sowas trägt, oder sich damit beschäftigt ist ein Nazi. Die Broschüre gibt hier folgende Empfehlung:
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Bei Festivals und Partys ist es sinnvoll Leute aufzuklären was hinter der Marke steckt.
Das bedeutet mit den Leuten zu reden. Vor allem mit denen, die diese Sachen tragen, oder? Wird er aber nicht tun, denn da sind ja Nazis, und die toleriert er nicht. Dabei ist gerade dieser Dialog wichtig. Denn dann würde etwas auffallen, nämlich die Ursache, weshalb sich die Marke Thor Steinar auch in allgemeinen Jugendkreisen ohne "rechten" politischen Anspruch verbreitet. Nämlich das Symbol des Protestes und des "Schocken wollens".
Jugendprotest ist ein vitales Zeichen der Jugendbewegung. Gerade die jungen Menschen merken, dass in unserer Konsumgesellschaft etwas nicht stimmt. Sie suchen sich starke Symbole um diesem Protest Ausdruck zu verleihen. Früher waren das Bilder von Che Guevara, Ho Shi Min auf T-Shirts und Palästinenser-Tücher. Das durfte natürlich nicht sein, Antiamerikanische Revolutzer, Kommunisten und Terroristen, das war schockierend. Heute hat die Jugend ein Problem. Sie stammt von Eltern ab, die mit den Rollings Stones, Black Sabbath und AC/DC groß geworden sind. Die kann man nicht leicht schocken. Da muß es dann schon was drastisches sein. Punkerschnitt, Gothic-Outfit, Gruftie-Outfit oder eben Thor-Steinar. Einzig als Prostest gegen das Leben als Konsumschaf. Und hier bedient dieses Label den Markt und das nicht anders als die Exponate, die man im Handelskatalog von EMP findet. Zweideutige Aufschriften, Slipknot, Blut bespritzte T-Shirts mit einem Bild von Freddy Krüger oder Marylin Manson, alles nur um Protest zu zeigen.
Die Gegenrichtung bedient sich dann bei den "siegreichen", guten, demokratischen Amerikanern. Sind es Bomberjacken mit Staffel- und Flugzeugsymbolen auf dem Rücken, die vielfältigen Variationen von Stars and Stripes, oder eben schlichte Sweatshirts mit Versorgungs- und Identifikationsnummern von irgendwelchen amerikanischen Truppenteilen. Das ist doch die Wortspielerei "Thor Steinar Division" sehr viel attraktiver, weil sie eben so vielschichtig ist.
Wenn du jetzt aber auf diese Jugendlichen losgehst, um sie zu zwingen diese Klamotten auszuziehen, weil sie die Nazis unterstützen, was passiert dann wohl? Werden sie dein Ansinnen unterstützen, oder sind sie gezwungen sich mit der Situation auseinander zu setzen plötzlich wegen einer Jacke angefeindet zu werden? Und was passiert dann? Sie müssen dem Druck nachgeben (was ja wohl kaum zu erwarten ist) oder sich in die rechte Front stellen, weil nirgends anders Platz ist. Und da hat die Kampagne dann ihr Ziel verfehlt, weil auch du noch so flach denkst.
In der Broschüre wird dieser selbst erzeugte Effekt dann auch beklagt:
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FAZIT
Auch wenn eine antifaschistische Kampagne und das Vorgehen der Justiz der unpolitischen Legende von Thor Steinar ein Ende setzen konnte, ist dies noch lange nicht das Ende eines Einbrechens rechten Lifestyles in die Mitte der Gesellschaft. Im Gegenteil das Geschäft
läuft trotz aller Kritik immer besser und Thor Steinar erobert nach wie vor immer mehr öffentlichen Raum.
Hier zeigt sich, die tatsächliche Ursache, weshalb Thor-Steinar in die "normale" Gesellschaft eindringen kann, ist nicht erkannt worden. "Kleider" machen Leute wird ja die "faschistische Bravo RockNord" zitiert und alles was der Linken einfällt, ist die Käufer dieser Klamotten pauschal zu diffamieren. Aber das alle in einem Hamsterrad stecken und den Konsumterror vorantreiben, den Kopf verkleistert durch die Dialektik, fällt keinem auf.
Für dich, H10 wäre das Problem erledigt, wenn wir diesen Faden zugemacht hätten. Wir haben es nicht getan, da wir den Dialog suchen um die Mechanismen im Hintergrund aufzuzeigen. Dialog und das Ende des Schubladendenkens sind der einzige Weg uns alle aus der Matrix zu befreien.
Gruß, EO