Na dann, anschnallen und das Rauchen einstellen:
"Das deutsche Leitungswasser ist das gesündeste Lebensmittel der Welt, weil es der genauesten Überwachung unterliegt!"
- tönt es allendhalben aus den Stadtwerken. Das stimmt auch, wenn man aber die Regeln und Gesetze kennt, nach denen diese Überwachung durchgeführt wird, dann kann man schon ins grübeln kommen.
Warum müssen wir eigentlich trinken? Wasser ist ein außerordentlich starkes, biologisch neutrales Lösungsmittel. Die Biochemie des Lebens ist auf Wasser als Löse- und Transportmittel angewiesen. Wir müssen trinken um Schlacken aus dem Körper zu transportieren, und im Körper einen gleichbleibenden "Feuchtigskeitsstand" zu halten. Damit unser Trinkwasser seine wichtigste Funktion, den Abtransport von Schlacken erfüllen kann, muß es sauber sein, d. h. es muß so wenig gelöste Stoffe wie möglich mitführen. Schließlich soll es in unserem Körper die Schlacken lösen und abtransportieren und nicht neue hereinbringen.
Der Anteil gelöster Stoffe im Wasser wird durch seine Leitfähigkeit in MikroSiemens [µS] bestimmt. Je mehr Stoffe gelöst sind, desdo höher wird dieser Wert. Anfang der ´80er Jahre lag der Grenzwert für Trinkwasser bei maximal 120 µS. Durch die fortschreitende Umweltverschmutzung wird es aber immer schwieriger den Bürgern ausreichend sauberes Wasser als Leitungswasser zur Verfügung zu stellen. Erschwerend kam nach Beitritt der ehemaligen Zone hinzu, dass dort kein sauberes Wasser in ausreichender Menge mehr zu fördern ist. Natürlich hatten auch die Großstädte im "Westen" ein Problem: Das Trinkwasser kann ab Wasserwerk noch so klar und rein sein, wenn es durch alte, verschmutzte Leitungen läuft, nimmt es aus den Sedimenten in den Rohren Stoffe auf und kommt entsprechend belastet bei den Verbrauchern aus dem Hahn.
Die Politik hat sich dieses Problems in pragmatischer Form angenommen und einfach den Grenzwert hoch gesetzt. Natürlich nicht auf einmal, sondern in vielen kleinen Schritten. Heute liegt der Grenzwert für Trinkwasser bei: (Na eine Schätzung? - Nun?) Nur noch 1200 µS!
Das hat zwei Vorteile: Die Grundwasserqualität in der ehemaligen DDR reicht aus um den Bürgern ein gesundes Trinkwasser anbieten zu können, und auf der anderen Seite mußten die westlichen Kommunen ihre Trinkwasserleitungen NICHT sanieren, was ja auch sehr wirtschaftlich ist.
In Kanada gilt Wasser mit einer Leitfähigkeit von 300 µS als Industrieabwasser und darf ohne intensive Klärung nicht in die Natur entlassen werden, aber das nur am Rande.
Nun könnte man auf Mineralwasser ausweichen. Das wird einem ja von den werbetreibenden Getränkeanbietern wärmstens empfohlen. Nur ist der Gesetzgeber bei den Festlegungen der Grenzwerte und Überwachungsvorgaben für Mineral- und Tafelwasser davon ausgegangen, dass kein Mensch seinen gesamten Wasserbedarf aus extra gekauftem "Trinkwasser" deckt. Die vorgegebenen Grenzwerte sind entsprechend lascher, ebenso die Vorgaben für die Überwachung. So hat ein Wald- und Wiesenwasser von einem der bekannten Discounter eine Leitfähigkeit von etwa 1800 µS, namhafte "Heilwässer" erreichen leicht bis zu 3800 µS.
Warum ist da eigentlich Kohlensäure drin? Nun um das Wachstum der überall im Wasser vorhandenen Mikroben zu bremsen. Sie würden in einem industriell vergewaltigten Flaschenwasser allen Sauerstoff aufbrauchen und das Wasser würde "faulen" (Ihr erinnert euch vielleicht an das alte Seefahrerlied: Wir lagen vor Madagaskar...). Haut man nun ordentlich CO2 in die Soße werden die Mikroben gebremst. Außerdem wird das Wasser leicht säuerlich, was wir als Konsumenten mit "Frische" assoziieren. Wie Phobo schon schrieb, führt der Kohlensäureanteil zur Übersäuerung des Körpers, der Hauptursache für die meisten Krankheiten bis hin zum Herzinfarkt.
Jetzt könnte man auf "Stille Wässer" ausweichen. Der Gesetzgeber sieht für den Nachweis der "Reinheit" eines stillen Wassers folgenden Test vor: Das Wasser wird auf Flaschen gezogen und eine Woche eingelagert. Nach einer Woche wird die Flasche geöffnet und untersucht. Dabei darf die Keimzahl einen bestimmten Wert nicht übersteigen. Das ist alles. Was mit den Keimen passiert, wenn das stille Wasser einen heißen Sommer lang beim Getränkegroßhandel auf Halde gestanden hat, interessiert keine Sau und wird auch nicht untersucht.
Tatsächlich kann man nur auf die in den Babyabteilungen zu findenden Wässer zur Herstellung von Babynahrung ausweichen. Die sind Umkehrosmose gefiltert. Wenn ihr aber da mal den Literpreis betrachtet und dann umrechnet, was euch eure Trinkwasserversorgung monatlich kostet, ist der Betrieb einer eigenen Wasserbelebungsanlage (Grander) und extra Umkehrosmose-Filteranlage für die Trinkwassergewinnung eine lohnenswerte Investition.
Aber wir sind noch nicht am Ende. Sprechen wir doch Mal über Blei im Wasser. Noch immer gibt es alte Bausubstanz, in der die Wasserleitungen teilweise noch in Blei ausgeführt sind. Die Belastung des Wassers ist durch diese Rohre enorm. Der Gesetzgeber sah sich auch hier zum Handeln genötigt. Er hat die Grenzwerte für Blei im Wasser drastisch gesenkt. Da der Bund selbst aber Eigentümer von etwa einem Drittel des in der Republik vorhandenen Wohnungseigentums ist, wäre ein enormer Investitionsbedarf auf den Bund zugekommen, hätte man eine gesetzliche Pflicht zur Kontrolle des Wasser auf Blei und die daraus resultierende Sanierung durchgesetzt. Wirtschaftlich sinnvoll zeigte sich auch hier eine "kann-Bestimmung". Jeder Mieter kann auf eigenen Kosten sein Leitungswasser auf Blei untersuchen lassen. Wird der Grenzwert überschritten, ist der Wohnungseigentümer verpflichtet die Rohrleitungen zu sanieren. Macht der Mieter keinen Test, darf er sich mit Blei versorgen, bis der Arzt kommt, was ja auch irgendwie das Bruttosozialprodukt hebt.
Machen wir uns nichts vor. Jahr für Jahr werden tausende von neuen chemischen Verbindungen "erfunden" und zu "Produkten" veredelt. All diese Stoffe landen über kurz oder lang auch in unserem Trinkwasser. Der Gesetzgeber weiß das auch. Er weiß auch, dass er gegen diese Flut an Substanzen gar nicht antesten kann. Daher bescheidet er sich auch mit ca 30 - 50 Tests und fertig! Alles andere wird nicht untersucht, da gesetzlich NICHT vorgeschrieben. Hier sind neben den schon angesprochenen Hormonen auch noch die antibiotikaresistenten Keime hervorzuheben, die in den Abwasserrohren unserer Krankenhäuser gezüchtet werden und schon längst ihren Weg durch die Natur in unsere Trinkwasserversorgung gefunden haben.
Noch ein kurzes Wort zu "entmineralisierten" bzw. "destilliertem" Wasser. Es ist ein altes Apotekermärchen, das ein so ein Wasser umbringt. Früher hat der Apotheker ja noch die Limo selbst gemacht. Da kann er dir ja nicht empfehlen superbilliges, reines Wasser zu trinken!
Ich habe seit Nov. letzten Jahres eine Umkehrosmoseanlage. Mein Trinkwasser hat einen Leitfähigkeit von 36 µS! Und ich benutze es zum Trinken und Kochen!
So, nu wisst ihr Bescheid, euer Leben ist leider nicht leichter geworden, aber vielleicht habe ich euch eure Prioritäten gerade gerückt.
PS: Mit Rauchern und Softdrinkkonsumenten über Lebensmittel- und Trinkwasserqualitäten zu diskutieren ist albern!
Nachtrag:
Die Kunststoffrohre, die sich mittlerweile aus Kostengründen in fast allen Neubauten finden, sind auch nicht ganz ohne, wie uns Rumpelstilz schreibt:
siehe Beitrag #79, https://aufzurwahrheit.com/Warum-Wasser-o…=60792#pid60792