Der glückliche Mörder

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    • Der glückliche Mörder

      Viel zu oft und viel zu lange hatte das Schlossmuseum geöffnet, und dabei lohnte es sich überhaupt nicht. In einem sonnigen Frühjahr wie diesem beispielsweise verirrten sich im Höchstfall zwei bis drei Rentner pro Tag in die rustikalen Prunkräume und gemäldestrotzenden Galerien. Wenn man aber aus dem Fenster in den Hof hinunterblickte, flanierten dort mindestens dreißig Leute umher, und ebensoviele bevölkerten den Freisitz des Restaurants.
      Sven-Detlef Samotny, der seit vielen Jahren hinter dem Kassenschalter saß, zweifelte zunehmend am Sinn seiner Tätigkeit. Was hielt die Menschen heutzutage davon ab, mittelalterliche Schwerter, Säbel und Pistolen zu bestaunen, warum wurden sie nicht mehr von den glänzenden Ölgemälden angezogen, die ihnen reihenweise Fürsten und edle Damen präsentierten, die einstigen Herrscher in diesen Hallen? Strategisch klug hatte man die Eintrittspreise in moderater Höhe gehalten. Unzählige farbenfrohe Werbeblätter schmückten die Schaukästen und Wandvitrinen im Hofeingang, dickbuchstabige Schilder wiesen den Besuchern den Weg. Doch dadurch veränderte sich nichts.
      Nur Regen besaß die Kraft, Menschen ins Museum zu locken, anhaltender, stetiger Landregen, besonders wenn er ein ganzes Wochenende füllte. Da kamen sie an, Gruppen, Familien, Paare. Schirmständer mussten bereitstehen und Fragen beantwortet werden. Manchmal erwarteten sie von Sven-Detlef eine Führung,
      einen Vortrag, einen historischen Abriss. In solchen Fällen schloss er für eine halbe Stunde die Kasse und erfüllte ihren Wunsch, so gut er es vermochte. Bereits in der Schule war er ein As in Geschichte gewesen, und noch immer lag das Heilige Römische Reich Deutscher Nation abrufbar in seinem Gedächtnis bereit, mit tausend interessanten Details. Sein ureigenstes Gebiet war das, beinahe so etwas wie eine innere Heimat, in der er sich leichter bewegen konnte als im gegenwärtigen Alltag.
      Dieser aber drängte sich weit häufiger auf. Langeweile bot er im Übermaß an, leere Säle, Zimmer und Gänge. Und er hatte den Museumsbeauftragten zu einer anderen Leidenschaft verführt, die ihn in Zeiten des Publikumsmangels mit Urgewalt überfiel: das Lesen von Kriminalromanen und das Schmieden von Mordplänen.
      Selbstverständlich hatte der inzwischen fünfzigjährige, nach kurzer, freudloser Ehe geschiedene und seitdem alleinstehende Mann noch nie in seinem Leben einen Menschen getötet. Höflich und respektvoll ging er mit allen um, die das Wort an ihn richteten, die befreundet, verschwägert oder sonstwie verwandt mit ihm waren. Insgeheim aber träumte er von Bluttaten, malte sich aus, wie einer vorgehen müsse, der seinen Onkel oder seine Tante, Vater oder Schwester, Kollegen oder Nachbarn aus dem Wege räumen wollte. Anatomische Skizzen fertigte er an, die besondere Markierungen derjenigen Körperstellen enthielten, die den Tod am schnellsten transportierten, wenn man sie schädigte. Aus dem Studium zahlreicher Gerichtsberichte erfuhr er von der Vielfalt der Waffen, die man genau und mit Geschick handhaben musste, um den gewünschten Erfolg zu erzielen, und auch diese Erkenntnisse hielt er in Listen und Tabellen fest. Wenn der Mörder zum Beispiel ein Stuhlbein benutzen wollte, war ihm zu raten, ein eckiges zu wählen und kein rundes, und das Ersticken mit einem Kissen verlief in den meisten Fällen nur dann zufriedenstellend, wenn das Opfer ohnehin geschwächt oder krank darniederlag.
      Um eine solche Tat jedoch zu vollbringen, erforderte es eine gehörige Portion an Mut, und die fehlte Sven-Detlef. Das wusste er sehr gut, und er tadelte sich oft deswegen. Die öden Tage im Museum flogen dahin, Monate und Jahre vergingen; er aber saß lesend und kritzelnd hinter dem Schalter und lebte nicht, fühlte kaum, dass er da war. Wenn er nie etwas unternahm, um diesen Zustand zu ändern, mochte er es irgendwann bitter bereuen.
      Dieser langweiligste aller Arbeitsplätze half ihm offensichtlich wenig. Der einzige Hoffnungsschimmer, der sich auftat, lag in seinem privaten Bereich, denn dort wuchs ihm inzwischen ein beachtlicher Feind entgegen: der Nachbar.
      Norbert Vollsatt hieß der tolpatschige Bahnangestellte, der sich in den vergangenen Jahren nur äußerst selten seinen Mitmenschen gezeigt hatte. Nun aber änderte sich das, denn er war seit zwei Monaten arbeitslos, und da ihn nahezu zeitgleich die sicher geglaubte Ehefrau verlassen hatte, suchte er Trost in berauschenden Getränken und bei gleichgesinnten Kumpanen, die nächtelang den Garten hinter dem Haus mit grässlichem Lärm erfüllten. Klägliche, halbzornige „Ruhe!“-Rufe aus geöffneten Fenstern erzeugten hämisches Gelächter und heizten die Krakeeler noch mehr an.
      Auf diese Weise verkürzten sich die Nächte des Schlosswärters Sven-Detlef Samotny, der dem Krach am nächsten wohnte und dessen Schlaflosigkeit einen ersten Plan heranreifen ließ. Dieser sollte noch keineswegs auf tatsächlichen Mord hinauslaufen, sondern nur einer anfänglichen Mutprobe dienen.
      Mehrere Eisenstangen von unterschiedlicher Länge und Dicke lagen im Keller des tatendurstigen Mannes bereit. Geraume Zeit überlegte und prüfte er, bis er sich für eine entschied, von der er hoffte, sie werde selbst bei einem gröberen Schlag nicht augenblicklich töten. Dann lehnte er das Werkzeug neben die Haustür an die Wand, und jedesmal, wenn es auf dem Nebengrundstück laut wurde, bezog er einen Beobachtungsposten auf dem Dachboden. Von dort geriet das Treiben im nachbarlichen Garten vollständig in sein Blickfeld und ließ sich selbst bei sparsamer Beleuchtung überschauen.
      Dabei wollte er nicht einmal herausfinden, wer den arbeitslosen Trunkenbold besuchte, um diesem Gesellschaft zu leisten und mit schwerer Zunge auf die Regierung zu schimpfen oder schlüpfrige Lieder zu grölen. Weit wichtiger war der Zeitpunkt, von dem an der Gastgeber allein und sich selbst überlassen zurückblieb, und die Antwort auf die Frage, ob gelegentlich einer dieser schrägen Vögel im Haus übernachtete. Um wirkungsvoll zuschlagen zu können, musste jeder erschwerende Umstand gewissenhaft bedacht werden.
      An manchen Abenden wurde das kreischende Lachen einer oder mehrerer Frauen hörbar, und Sven-Detlef vermutete ausufernde Orgien, was seinen Zorn zwar weiter aufstachelte, ihn aber keineswegs zu unüberlegtem Handeln verführte. Geduldig verfolgte er jede Bewegung und jedes Geräusch, und alles, was seine Sinne ihm übermittelten, speicherte er als brauchbare Information in einem aufnahmebereiten Gedächtnis.
      Zu Beginn des Sommers wähnte er sich nahe am vorläufigen Ziel. Eines Samstags oder besser Sonntags, denn es war bereits zwei Uhr nachts, schlich er sich bewaffnet zum Nachbargrundstück hinüber und näherte sich vorsichtig der flachen Terrasse, die das Zentrum der lärmigen Feste bildete und nun verlassen im fahlen Mondlicht lag. Auge und Ohr hatten nicht getrogen: Die Tür an dieser Seite stand sperrangelweit offen, und die stolpernden, unsicheren Schritte des betrunkenen Vollsatt, die man von draußen recht gut vernehmen konnte, legten nahe, dass niemand sonst im Haus war. Ohne Zögern und das dunkle Wohnzimmer nutzend, drang Sven-Detlef ein, durchmaß es mit wenigen Schritten und gelangte so unmittelbar hinter sein Opfer, das dank seines alkoholisierten Zustandes die unerwünschte Gesellschaft selbst im hell erleuchteten Treppenhaus nicht bemerkte.
      Als die Eisenstange auf den Hinterkopf des Nachbarn traf, rief sie ein seltsam dumpfes Geräusch hervor, das der Täter für den Bruchteil einer Sekunde als überaus unangenehm empfand. Unwillkürlich schlossen sich dessen Augen und meldeten ihm nicht, was weiter geschah. Denn Norbert Vollsatt sackte auf der Stelle zusammen, doch er tat das äußerst lautlos und landete mit einer Schulter am Knie des hinterhältigen Schlägers, der daraufhin einen halberstickten Schreckensschrei ausstieß.
      Präzise geplant hatte Sven-Detlef immerhin, hatte auch einkalkuliert, dass das erste Mal ungeschickt verlaufen könnte. Jeder fing einmal klein an, was er auch tat. Wenn dabei die Gefühle ihre Balance nicht durchweg hielten, war das nur zu verständlich. Schnell fand er die Fassung wieder, ergriff den Betäubten unter den Schultern und schleifte ihn zur Terrasse hinaus. Dann nahm er den Weg, auf dem er gekommen war, um auf das eigene Grundstück
      zurückzugelangen. Seine Last aber kostete ihn unsägliche Mühe, denn der korpulente Vollsatt passte nur schwer durch die schmale Zaunlücke, die eigens für die Generalprobe vorbereitet worden war.
      Endlich gelang es dem Versuchsmörder, sein Opfer sozusagen dingfest zu machen und es an eine schadhafte Bank im Geräteschuppen zu fesseln. Dort musste er es für einige Augenblicke sich selbst überlassen, um den Tatort noch einmal aufzusuchen und die Waffe zu bergen. Die Eisenstange in der Hand stellte er sich danach im Schein einer Funzellaterne vor dem Elenden in Positur und wartete, bis dieser die Augen aufschlug und gequält signalisierte, dass er zum Weiterleben bereit sei, wenn man ihn denn ließe.
      „Oooh, wo bin ich?“ Vollsatts weinerliches Jammern hätte jeden Stein erweicht, nicht jedoch den Mann, der über ihn zu richten gedachte.
      „Da, wo du hingehörst“, schnarrte Sven-Detlef Samotny streng. „Im Fegefeuer, um deine Sünden zu büßen.“
      „Oooh! Mein Kopf!“ heulte der Gefesselte. „Und Durst habe ich auch, wahnsinnig Durst!“
      „Nun, ich möchte meinen, du hättest genug getrunken in dieser Nacht.“ Der Entführer grinste. „Aber ich will mal nicht so sein, es ist ja erst die Vorhölle.“
      Er ging hinaus und kehrte zwei Minuten später mit einem gefüllten Wasserglas zurück, das er dem Ausgetrockneten an die Lippen setzte.
      „Pass auf, wir machen es kurz, denn es ist schon beinahe wieder hell“, erklärte er seelenruhig, während Vollsatt mit langen Schlucken trank. „Wenn du versprichst und unterschreibst, dass du an keinem einzigen Abend mehr Krach machst in deinem Garten, kannst du gehen und es geschieht dir nichts. Von mir aus kannst du dann die Polizei holen, aber du wirst beweisen müssen, was du ihnen sagst; und ob deine Rechtsschutzversicherung besser ist als meine, werden wir sehen. Falls du überhaupt eine hast. – Du und deine Saufchaoten, ihr tyrannisiert die ganze Siedlung, und außer mir traut sich kein Mensch, euch Einhalt zu gebieten. Ob unsereins schlafen kann, ist dir völlig egal. Aber von nun an vielleicht nicht mehr. Unterschreib, ich rate es dir!“
      Er setzte das Glas ab, das ohnehin bereits leer war und hielt dem Gefangenen ein Blatt Papier vor die Nase. Dann band er dessen rechte Hand los und legte einen Kugelschreiber hinein.
      „Eine Unterlage!“ klagte Vollsatt. „Ohne Unterlage kann ich nicht schreiben.“
      Ein Brett war schnell gefunden, und bald stand der gewünschte Schriftzug auf dem Dokument, das der Gewalttäter sorgsam faltete und in seine Jackentasche schob.
      „Das wär’s!“ beendete er trocken den nächtlichen Überfall, indem er die Fesseln löste und die Tür des Schuppens öffnete. „Verschwinde und verhalte dich ruhig, sonst überlebst du’s nicht.“
      Ächzend und kaum dessen bewusst, was mit ihm geschehen war, schleppte sich Norbert Vollsatt zu seinem Haus hinüber.
      Am östlichen Himmel zeigte sich der erste Schimmer der Morgensonne. Sven-Detlef Samotny, der einsame Mann aus dem Schlossmuseum hatte ein neues Leben begonnen, ein spannendes und ungeheuerliches, und wenn er sich geschickt verhielt, würde man auch ihm einst ein Denkmal errichten. Wenn nicht im Gedächtnis der Menschheit, dann zumindest auf der letzten Seite der Tageszeitung.
      Während der folgenden zwei Wochen blieb Norbert Vollsatt zurückhaltend, schluckte verdrossen und traurig sein Pensum an Bier und Schnaps und lud niemanden zu sich ein. Offensichtlich war es in ihm haften geblieben, was er in der bedrohlichen Nacht unterschrieben hatte, trotz Suff und Schlag auf den Hinterkopf. Sein Erpresser hingegen fühlte so etwas wie Enttäuschung.
      Wenn sich der Nachbar nun wider Erwarten an die Abmachung hielt, besaß der mordlustige Krimileser keine moralische Grundlage, um das begonnene Werk zu vollenden. Und einfach so zuzuschlagen, motivlos und der Logik entbehrend, das brachte er nicht über sich, dagegen rebellierte sein Gewissen.
      Jedenfalls hatte er während des Probeüberfalls gemerkt, wozu er imstande war, und seitdem betrachtete er die Besucher im Schloss mit hochnäsiger Verachtung. Wer von diesen braven Spießern, diesen Bequemdämmer-Bürgern wäre zu einem Wagnis fähig gewesen, wie er, Sven-Detlef, es auf sich genommen hatte? Wer von ihnen traute sich, an dergleichen überhaupt zu denken?
      Er war sich beinahe sicher, dass der eingeschüchterte Ruhestörer nicht zur Polizei ging. Wenn dessen Grips nicht ausreichte, um eine Arbeit zu finden oder anderweitig ein neues Leben anzufangen, genügte er ebensowenig, um zum Gegenangriff überzugehen. Mit etwas Geduld konnte man sich darauf verlassen, dass die lärmigen Grill- und Saufnächte von neuem einsetzten.
      Und so geschah es.
      Länger als siebzehn Tage Abstinenz hielt Norbert Vollsatt nicht durch. Auf seinem Grundstück wurde wieder feuchtfröhlich gefeiert, gesungen und gelacht. Als habe es weder Versprechen noch Unterschrift gegeben, als schmerze der Hinterkopf nicht mehr.
      Sven-Detlef Samotny aber bezog seinen Beobachtungsposten und rieb sich die Hände. Die Sache lief wie geplant und nahm Gestalt an.
      Erst wartete er den dritten Vertragsbruch ab, danach eine günstige Gelegenheit. Als diese sich ergab, erschlug er den Nachbarn, gründlich, exakt und mit einem so kräftigen Hieb, wie er ihn noch nie zuvor im Leben ausgeteilt hatte. Das knirschende Aufprallgeräusch ertrug er, ohne mit der Wimper zu zucken, und er wunderte sich nur, dass das Blut aus Nase, Mund und Augen trat und nicht wie erwartet nach allen Seiten spritzte. Schnell legte er mehrere Lappen um den zerstörten Kopf, um die Leiche auf die Terrasse zu zerren und von dort auf den Rasen.
      Mit einer Axt, die er vorsorglich bereitgelegt hatte, machte er sich daran, den Rest seines Planes auszuführen. Wiederum war es zwei Uhr nachts und der Himmel hinreichend bewölkt, so dass ihm die Dunkelheit zupass kam. Treffsicher und glatt trennte er Gliedmaßen und Kopf vom Rumpf. Für das Geschlechtsteil, das er als Trophäe an sich nehmen wollte, benutzte er ein langes Taschenmesser.
      Von einem Grundstück in der Nähe erklang Hundegebell, und für einen Augenblick hob der Mörder den Kopf und lauschte. Dann stellte er fest, dass er den Spaten vergessen hatte, ließ die abgeschnittenen Körperteile liegen und machte sich auf, um das benötigte Utensil zu holen. Axt und Eisenstange legte er dabei im Schuppen ab, denn es eilte nicht, sie verschwinden zu lassen. Außerdem wollte er keineswegs perfekt sein; sie sollten ihn schließlich finden, denn erst wenn alle Welt wusste, dass er es war, der den Krakeeler getötet hatte, begann sein Triumph.
      Mit der Absicht, die Leichenteile einzeln an verschiedenen Stellen im nachbarlichen Garten zu vergraben, kehrte er dorthin zurück und überraschte einen fremden Schäferhund, der sich an den blutigen Stücken zu schaffen machte. Entschlossen, das Tier ebenfalls niederzuschlagen, schwang der Mörder den Spaten, doch der haarige Räuber war schneller, nahm das knochenähnliche Etwas, das er beschnüffelt hatte, zwischen die Zähne und flüchtete hastig. Die Pforte zur Straße hin, durch die er verschwand, stand offen.
      Befand sich noch jemand hier oder war sie überhaupt nicht verschlossen gewesen? Sven-Detlef, dessen Pulsschlag sich für Sekunden beschleunigte, lauschte angestrengt und versuchte, seinen Blick zu schärfen, um das Dunkel zu durchdringen. Da er nichts sehen konnte und alles still blieb, wandte er sich wieder seinem Vorhaben zu.
      Vollsatts Beine vergrub er unter dem halbverwilderten Blumenbeet, die Arme unmittelbar neben der Terrasse, den Kopf zwei Meter westlich vom Kirschbaum und den Rumpf zwischen zwei Johannisbeersträuchern. Was ihn zu dieser Ordnung veranlasste, hätte er nicht zu sagen gewusst. Und er hätte nun zufrieden sein können, doch er suchte vergeblich nach dem ebenfalls abgeschnittenen Geschlechtsteil und stieß verhaltene Flüche aus, als die sich ankündigende Morgendämmerung ihn zum Aufgeben zwang.
      Dieser dreckige Köter! Sollte der vielleicht…?
      Wenn tatsächlich, ließ sich daran nichts ändern, und die Dinge nahmen ihren Lauf, so oder so. Der nunmehr gestandene Mörder Sven-Detlef Samotny kehrte zu seinem Haus zurück, stopfte die blutfleckigen Kleidungsstücke in die Mülltonne, die, sollte nichts dazwischenkommen, noch vor dem Mittag geleert wurde, und duschte sich gründlich. Pünktlich um zehn Uhr saß er im Schlossmuseum hinter dem Schalter und blätterte zerstreut und müde in einem Agatha-Christie-Bändchen. An einem sonnigen Tag wie diesem waren kaum viele Besucher zu erwarten.
      Es dauerte nicht länger als achtundvierzig Stunden, bis die übliche Maschinerie anlief. Einer von Norbert Vollsatts Trink- und Lärmgefährten begehrte mehrmals erfolglos Einlass in dessen Haus und benachrichtigte die Polizei. Die Einsatzkräfte verschafften sich auf ihre Weise Zutritt und entdeckten nicht wenige Spuren einer Gewalttat.
      Auf der Suche nach möglichen Zeugen störten sie die nächstwohnenden Nachbarn auf und standen endlich auch vor der Tür des Museumsbeauftragten Samotny.
      „Ich weiß, wen Sie suchen“, sagte dieser spitzbübisch grinsend, noch bevor die beiden Männer grüßen, sich ausweisen und vorstellen konnten. „Wenn Sie mir folgen, zeige ich Ihnen alles.“
      Die Kriminalbeamten hatten bereits viel erlebt und verhielten sich nur mäßig erstaunt.
      „Haben Sie den Mann umgebracht?“ fragte der Ältere geradeheraus, während sie zu dritt das Grundstück des Ermordeten betraten.
      „Selbstverständlich habe ich das getan“, antwortete Sven-Detlef prahlerisch. „Er hat ja alle Leute tyrannisiert mit dem Krach, den er gemacht hat, besonders in den Wochenendnächten.“
      „Das ist kein Grund, jemanden zu töten“, versetzte der Beamte streng. „Sie müssen noch ein anderes Motiv gehabt haben.“
      „Das sagen Sie!“ Der Mörder lachte eckig. „Sie wohnen ja nicht hier.“
      Abrupt blieb er stehen. „Hier müssen Sie graben.“
      Die Beamten sahen sich an.
      „Dazu brauchen wir einen Spaten.“
      „Ich kann Ihnen meinen borgen“, bot Sven-Detlef an. „Wo dieses Saufschwein seine Gartengeräte aufbewahrt hat, weiß ich nicht.“
      „Bedenken Sie Ihre Wortwahl!“ mahnte ihn der jüngere der beiden Männer. „Das wird vor Gericht gegen Sie verwendet.“
      „Na und? Ob ich im Museum sitze oder im Knast, kommt auf dasselbe heraus.“
      Der Mann schüttelte verständnislos den Kopf, warf seinem Begleiter einen weiteren vieldeutigen Blick zu, zückte sein Mobiltelefon und bestellte Verstärkung.
      Nach zwei Stunden hatten sie mit der Hilfe des Mörders sämtliche Einzelteile des Ermordeten gefunden und zusammengetragen.Sven-Detlef übergab ihnen bereitwillig Axt und Eisenstange, und nachdem er ihnen überdies mit den nötigen Erklärungen den erpressten Vertrag ausgehändigt hatte, meinte er, die Beweismittel dürften einstweilen genügen.
      Vielleicht zerbrachen sie sich noch eine Weile den Kopf da­rüber, wo das Geschlechtsteil der Leiche geblieben sein mochte und warum der ungewöhnlich kooperative Täter gerade das nicht zu wissen behauptete. Aber festnehmen mussten sie ihn, und als er die ersehnte Untersuchungshaftzelle bezog, pfiff er eine fröhliche Melodie.
      Trotzdem brauchten sie noch beinahe ein ganzes Jahr, um ihn zu verurteilen. Danach aber erfüllten sich seine Sehnsüchte mit einem Schlag, denn er bekam Lebenslang.
      Das Gefängnis war ein durchaus unterhaltsamer Aufenthaltsort, im Gegensatz zum Museum. Hier gab es Menschen, die zu Sven-Detlef passten und ihn verstanden. Andächtig lauschten sie, wenn er ihnen die grausamen Foltermethoden des Mittelalters schilderte oder über die Feinheiten der Gerichtsmedizin dozierte. Selbst Rauhbeine, die ihn anfangs einzuschüchtern versuchten, bezeigten Respekt, als sie die Einzelheiten seiner großen Tat erfuhren, des spektakulären Mordes, des Zeitungsspaltenfüllers der Region.
      Sexuelle Ambitionen bedrängten ihn nicht sonderlich, und Kriminalromane durfte er weiterhin lesen. Es war ein Jammer, dass er über fünfzig Jahre Leben gebraucht hatte, bis er an diesen Ort gelangte. Hier war er endlich er selbst, hier pulsierte das Leben so, wie es ihm Spaß machte. Dass der Staat es obendrein bezahlte, kam einem köstlichen Witz gleich.
      Obendrein gönnte sich der Gefangene einen besonderen Luxus, nämlich das Tätowieren seiner Hinterbacken. Für den Rest seiner Tage prangte auf ihnen die Zeichnung eines Hundes, zwischen dessen Zähnen ein übergroßes männliches Glied nebst Hodensack klemmte.
      (Aus: Andreas H. Buchwald, Sommertraums Liebesleben und andere Erzählungen, Engelsdorfer Verlag 2007)
      (siehe auch: www.andrebuchverlag.de)[hr]
      Der angegebene Band "Sommertraums Liebesleben und andere Erzählungen" enthält unglücklicherweise und nicht gut in dieses Bändchen passend die mythologisch-fantastisch überhöhte Kurz-Familiensaga (auf nur 100 Seiten) "Abrahams Irrtum", die gleichzeitig eine gewisse übergeordnete Sicht der jüngeren Zeitgeschichte versucht (1929-1991 ungefähr).
      Irgendwann soll diese Familiensaga gesondert herausgegeben werden, zumal sie bereits einerseits zu höchstem Lob, andererseits zu heftigster Kritik herausforderte und - wie ich in diesem Forum sehen konnte - tatsächlich eine gewisse Aktualität beanspruchen darf...
      [size=x-large]Leben ist das, was passiert, während wir ständig dabei sind, andere Pläne zu machen.
      John Lennon[/size]
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    • RE: Der glückliche Mörder

      Also ich habe jetzt den Text dreimal hintereinander gelesen und immer wieder
      musste ich schmunzeln und mir ein leichtes sadonisches Grinsen verkneifen.
      @nanabosho
      Du hast eine sehr interessante Art zu schreiben, welche Lust auf mehr macht.
      Der Ausschnitt provoziert auf einer Art, auf der anderen ist man aber animiert zum Weiterlesen.
      Die teils überspitzt dargestellten Gewaltszenen haben etwas eigenes für sich, und spiegeln weit mehr
      wieder als nur etwa rohe Gewalttaten. Viel eher bieten sie Anleihen zur tagtäglichen Realität und so manchen Gedankengang
      den auch der Normalbürger häufiger zu denken pflegt, wenn ihm etwas auf die Nerven fällt.
      Obwohl erst nur ein kleiner Ausschnitt habe ich doch im Gefühl, dass man sich bei deiner Geschichte wahrscheinlich schonmal
      dabei ertappen könnte, an mancher Stelle sich selbst zu entdecken. ...

      Schmunzelnd grüßt
      ABRAXAS
    • RE: Der glückliche Mörder

      Gut reingefühlt, wie mir scheint, Abraxas,
      dazu eventuell so viel: Jede meiner Geschichten ist anders, soll anders sein, subtil einige Hintergründe zeigen. "Der glückliche Mörder" beruht auf einer wahren Begegbenheit, die ich in der Zeitung las. Da hat einer extrem bereitwillig die Polizei zu den Teilen der zerstückelten Leiche geführt, und weil sich niemand erklären konnte, wieso er so kooperativ war, hat man ihn in die Nervenheilanstalt gesteckt. Ich habe mir nur überlegt, ob es einen - viel banaleren - Hintergrund für eine solche Kooperativität geben könnte.
      Und kaum auf diese kleine Erzählung. Dieser Samotny (der Name stammt aus dem Polnischen und heißt übersetzt "einsam") hat einfach bekommen, was er w i r k l i c h wollte und war sich dessen sogar - zumindest halbwegs - bewusst.
      Er ging nur einen von uns als etwas extrem empfundenen Weg. Man bedenke: Auch der Mörder John Lennons wollte weiter nichts als Beachtung. Wobei Samotny auch ein Umfeld suchte, indem er sich verstanden fühlte...
      Freue mich, dass die Sache Appetit macht. Bei Gelegenheit mehr...

      Einen schönen Morgen wünscht
      nanabosho
      [size=x-large]Leben ist das, was passiert, während wir ständig dabei sind, andere Pläne zu machen.
      John Lennon[/size]
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    • RE: Der glückliche Mörder

      Oh, Illuminatus,
      das wäre allerdings ein grobes Missverständnis. Die Geschichte hat überhaupt nicht mit irgendeinem Gedanken an Schuld oder Strafe zu tun. Sondern untersucht einzig, was einen Menschen, der wenige Kontakte zu anderen hat, dazu treiben könnte, nicht nur zu morden, sondern sich auch folgerichtig zu stellen.
      Außerdem ist es der groteske Weg eines Menschen, der bekam, was er wirklich wollte...
      Ich bin wirklich Schriftsteller und nicht Rechtsanwalt. Und Staatsanwalt schon gar nicht.
      Alles Gute,
      nanabosho
      [size=x-large]Leben ist das, was passiert, während wir ständig dabei sind, andere Pläne zu machen.
      John Lennon[/size]
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    • RE: Der glückliche Mörder

      nanabosho schrieb:


      das wäre allerdings ein grobes Missverständnis. Die Geschichte hat überhaupt nicht mit irgendeinem Gedanken an Schuld oder Strafe zu tun. Sondern untersucht einzig, was einen Menschen, der wenige Kontakte zu anderen hat, dazu treiben könnte, nicht nur zu morden, sondern sich auch folgerichtig zu stellen.
      Außerdem ist es der groteske Weg eines Menschen, der bekam, was er wirklich wollte...


      Der Protagonist ermordet einen Menschen aus einer Situation heraus, die alleine noch keinen Mord erklärt. Andere Personen hätten unter den gleichen beschriebenen Umständen die Polizei gerufen und den Nachbarn wegen Ruhestörung angezeigt, was - bei entsprechender Beweislage - zum Erfolg geführt hätte.
      Bei ihm waren also noch bestimmte unerwähnte Veranlagungen gegeben (ob genetische, psychische oder erziehungsbedingte), die einen Mord begünstigen.
      Jeder Mord kann irgendwie erklärt werden und am Ende kann sich einem sogar die Frage stellen, ob der Mörder überhaupt für seine Taten verantwortlich gemacht werden kann, nicht zuletzt wegen neuerer Forschungsergebnisse der Gehirnforschung.
      Eine Gefängnisstrafe war offensichtlich genau das, was er erreichen wollte. Es wird auch deutlich, dass die Haftbedingungen nicht sonderlich geeignet erscheinen, einen Kriminellen zur Reue oder Umkehr zu bewegen, da es sich letzten Endes nur um eine Lagerung handelt. Und das "auf Staatskosten".

      Und die Moral von diesem Spiel:
      Gefängnisstrafe bringt nicht viel.

      Ein Schuss Pulver und Blei würde den Staat zweifelsohne weniger kosten und das gleiche Ergebnis erzielen. Der Verbrecher wird nicht mehr auf die Gesellschaft losgelassen. Aber das wäre unmenschlich.
      Ein konstruktiver Ansatz ist es, die Haftbedingungen so zu gestalten, dass der Kriminelle rehabilitiert wird (um das Wort "resozialisiert" zu vermeiden). Mit psychotherapeutischen Mitteln zum Beispiel.

      nanabosho schrieb:


      Ich bin wirklich Schriftsteller und nicht Rechtsanwalt. Und Staatsanwalt schon gar nicht.


      "Plädoyer" meinte ich nicht im juristischen Sinne.

      Danke für die Geschichte. Habe mich nicht mal zwingen müssen, sie zu lesen (! ;)). Sie war spannend geschrieben und hat - wie man sieht - Diskussionspotenzial.
      Wo wir sind, da ist immer auch Ägypten.
      ~☤~
    • RE: Der glückliche Mörder

      Immerhin, Illuminatus,

      auch zu dem Umgang mit Kriminalität, speziall Mordfällen in der Gesellschaft, habe ich bestimmte Vorstellungen. Vielleicht sollte ich mal ein Thema daraus machen; es könnte sein, dass mich Dein Umgang damit wieder zu etwas Neuem inspiriert.
      Denn es gibt durchaus schon das, was man als "menschlichen Umgang" mit einer solchen Straftat bezeichnen könnte und darüberhinaus eine tatsächliche Veränderung bewirken würde. Man nennt das "kreative Rechtsprechung". In Deutschland noch kaum vorhanden, in Skandinavien und den Niederlanden umso eher.
      Und das Ganze kostet den Staat weit weniger als eine langjährige Gefängniszelle.

      Herzliche Grüße,
      nanabosho
      [size=x-large]Leben ist das, was passiert, während wir ständig dabei sind, andere Pläne zu machen.
      John Lennon[/size]
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    • RE: Der glückliche Mörder

      Nun man sollte auch imemr im Hinterkopf behalten welche Voraussetzungen ja erst einmal Menschen zu Verbrechen führen.
      Emotionale Entgleisungen kann man selten rational erklären, nur insofern das sie nicht mehr Herr ihrer selbst sondern Opfer ihrer
      Gefühle/Emotionen wurden. Oftmals ist es aber entweder eine soziale oder eben emotionale Not, auch Angst, welche
      bewusst oder unbewusst dazu führt. Man kann auch sehr häufig Formen von Mangelgefühlen finden dabei.
      Die kreative Rechtsprechung klingt sehr interessant Nanabosho. Ich denke die wäre auch ein Thema für sich wert.

      Grade Skandinavien überzeugt seit einigen Jahren durch innovative Reformen, was sich sehr positiv auf die dortige Lebensqualität ausgewirkt hat.
      Aber zurück zum Thema. Der Text ist gut geschrieben, birgt Diskussionspotential wie Illuminatus schon gut erkannt hat, und vor allem, er macht Lust auf mehr.

      LG
    • RE: Der glückliche Mörder

      Gern mehr, Abraxas,

      aber lass(t) mir Zeit. Außerdem werde ich da wohl etwas maßvoll bleiben. Möchte tatsächlich nicht alles zum Nulltarif preisgeben, zumal ich jetzt selbst Verlag bin. Auf meiner Internetseite finden sich ja weitere Lese- und Stilproben.
      Auch das mit der "Kreativen Rechtsprechung" werde ich bestimmt mal als Thema ins Forum stellen.
      Da ich aber nebenbei auch gerade schreibe, ist es so eine Sache, wann.
      Obwohl es tatsächlich so ist, dass mir die Sätze nur so aus den Fingern fließen, sonst stünden auch nicht schon so viele Beiträge von mir in diesem Forum. Aber die Tage sind eben auch verschieden.
      Herzliche Grüße,
      nanabosho
      [size=x-large]Leben ist das, was passiert, während wir ständig dabei sind, andere Pläne zu machen.
      John Lennon[/size]
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    • RE: Der glückliche Mörder

      Na mach dir mal keinen Stress.
      Es war auch eher ein indirektes Lob das es Spaß macht deine Texte zu lesen. ;)
      Und ich denke ich spreche nicht nur für mich wenn ich dir sage, dass hier niemand erwartet, dass du
      dich jetzt literarisch nackt machen sollst. ;)

      Aber ich hätte mal ein paar Fragen an dich.

      Was hat dich besonders gereizt einen Text wie diesen zu schreiben?

      Hast du gerne auch eine gewürzte Prise an schwarzen Humor?

      Wie würdest du es beschreiben, durch überspitzte Darstellungen satirisch so manche Probleme des Normalbürgers aufzuzeigen und wieviel Einfluss könnte die Literatur dort bewirken?
    • RE: Der glückliche Mörder

      Na, mal sehen, Abraxas,
      ob ich da wenigstens ansatzweise antworten kann:
      1. Wenn ich so was schreibe, versuche ich, wertungsfrei zu schreiben. Jeder Leser soll eine eigene Position dazu einnehmen können, unbeeinflusst von meiner persönlichen Meinung. Eine schwarzhumorige Position ist nur eine, die die gesamte Sache nicht übermäßig ernst nimmt und mir daher zupass kommt.
      2. Ich zeige gern die andere Seite. Die, die nicht in der Zeitung steht. Ich versuche mich, in eine bestimmte Person hineinzuversetzen und die Frage zu klären: Wie könnte jemand beschaffen sein, der so etwas unter den beschriebenen Bedingungen und Umständen tut? Wodurch entstehen unbeabsichtigte Reibungsflächen, etwa durch gesellschaftliche Konventionen, Traditionen usw.? - D. h., mich "reizt" jede Geschichte, bei der ich leicht eine "andere Seite" erkennen kann.
      Literatur soll für meine Begriffe in erster Linie unterhalten, darf nie langweilig daherkommen. D. h., sie muss Kraft haben, Esprit, auch Spannung und Humor. Insgeheim aber soll sie Erkenntnisse transportieren, die über tiefere, nicht oberflächlich erkennbare Ebenen laufen. Also sollte zwischen den Zeilen durchaus eine geheime Spiritualität stehen. (Im Fall des "glücklichen Mörders" praktisch die Erkenntnis, dass auch dieser Mann den Platz fand, auf den er passte. Auch wenn das - nach herkömmlicher Wertung! - ein schlechter, böser Platz ist.) Es ist eben spirituell - ich benutze absichtlich nicht die Worte "religiös" oder "ethisch" - zu erkennen, dass es nicht wirklich GUT oder BÖSE gibt, sondern beide Größen Teil ein und derselben Medaille sind und nur auf diesem Planeten als Polaritäten existieren. (Als Vorbild in Etwa habe ich, nur als Beispiel, den nicht ganz unbedeutenden Hermann Hesse.)
      Genügt das für's Erste?
      nanabosho
      [size=x-large]Leben ist das, was passiert, während wir ständig dabei sind, andere Pläne zu machen.
      John Lennon[/size]
      [size=x-small][/size]
    • RE: Der glückliche Mörder

      Hallo Nanabosho,
      zum ersten Punkt sei gesagt, dass dies eine wunderbare Form ist, welche
      Literatur erst spannend macht. Ich selbst sage jedem, der sagt er liest nicht, dass er anscheind noch kein wirklich gutes Buch in den Händen hatte.
      Ein gutes Buch versetzt den Leser nicht nur einfach in irgendeine Geschichte, sondern regt die Fantasie an und lässt den Leser ein Teil des Ganzen werden,
      so dass er sich immer wieder selbst wiederfinden und manchmal sogar auch neu erfinden kann. Wenn wir ehrlich sind, dann haben wir alle schonmal Gedankengänge, welche wir nicht unbedingt gerne offen preis geben würden,
      sie sind ein Teil unserer Emotionen welche einem ständigen Fluss unterliegen.
      Sind wir Herr unserer Emotionen und offen genug auch neue Welten zu entdecken, dann kann uns diese Welt eine enorme Fülle an unterschiedlichsten Erfahrungen, Sichten und Besonderheiten bieten, welche das Leben so richtig erst lebenswert machen. Literatur als geschriebene Sprache lässt diesen Spielraum, welche das Fernsehen nur selten wiedergeben kann, da ein Buch mehr Handlungsfreiräume bietet. Daher sehe ich selbst Literatur als eine der größten Bereicherungen der Menschenheit.
      Danke das du dich ihr widmest.

      Zu 2.
      Dieser Punkt erklärt zumindest für mich warum ich deine Art zu schreiben so interessant finde, da ich mich selbst sehr gerne in andere Personen versetze um ihre jeweilige Sichtweise zu verstehen. Sichtweisen passieren ja oftmals (wenn es nicht grade eine Form von Trauma gibt) einfach so plötzlich, sondern ist meistens die Folge aus einer Kette von Erfahrungen.
      Ich halte es persönlich für falsch anderen Menschen die eigene Sichtweise aufzuzwingen. Vielmehr sollte man einander verstehen, wodurch umso größer der eigene Horizont wachsen kann. Alle sind Teil eines großen und Ganzen aber es gibt eine unendliche Zahl von Standpunkten in diesem riesigen Universum und doch sind alle miteinander verbunden.
      Ich finde es sehr spannend sich dort auf Entdeckungstour zu begeben.
      Der Mensch ist nicht bloß ein Körper mit einem Kopf zum Haareschneiden und einem vorgepackten Programm sondern jeweils eine Welt für sich und das ist Individualität. Und diese macht die Welt aus und ermöglicht uns jeden Tag etwas neues zu entdecken, wenn wir denn mit offenen Augen durch die Welt gehen. Das wir das erLEBEN dürfen, sollte uns dankbar machen.

      Zum Schluss,
      ja ich kann mit deinen Antworten sehr gut Leben, bin aber einer Fortsetzung nicht abgeneigt. ;)

      Liebe Grüße

      ABRAXAS
    • RE: Der glückliche Mörder

      Abraxas schrieb:


      Ich selbst sage jedem, der sagt er liest nicht, dass er anscheind noch kein wirklich gutes Buch in den Händen hatte.



      Es ist heutzutage natürlich nicht ganz leicht, ein "wirklich gutes" Buch in diesem Millionenangebot zu finden, Abraxas; und ich schätze, dass daher die Leseunlust vieler kommt. Aber es wird auch vieles an schlichtweg langweiliger Literatur unterstützt, nur weil sie sehr - ich nenn es mal so "intellektualistisch" daherkommt. Ich glaube, es ist das Verdient von Mrs. J. K. Rowling, wieder große Teile vor allem der jüngeren Bevölkerung wieder zum Lesen erzogen zu haben. Günther Grass - dessen "Blechtrommel" noch hinreichend spannend war - hätte das nicht geschafft und auch Martin Walser nicht.
      Ich persönlich glaube nämlich, dass man Richtig-gut-Schreiben nicht in der Uni erlernen kann, obwohl ein Studium vielleicht nichts schadet....
      Herzliche Grüße,
      nanabosho
      [size=x-large]Leben ist das, was passiert, während wir ständig dabei sind, andere Pläne zu machen.
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