Hallo,
in meinen Augen muss man sich dieser Thematik höchst differenziert annähern, da in den Begriff "Gott" (bzw. "Götter") im Laufe der Zeit sehr verschiedene Vorstellungen eingeflossen sind. Es gibt den Glauben an die ätherisch-spirituellen Gottheiten, die naturphänomenologischen Götter wie z.B. Mutter Erde oder den Herrn der Natur, es gibt die alt-testamentlichen Elohim, die mit Rauch und Donner "mit einer Messingplatte, in deren Mitte ein Kristall steckt", vom Himmel gefahren kommen, den neu-testamentlichen "abstrakten Gott", die Avatare (reinkarnierte Götter) etc.
Für mich gibt es nur eine "wahre Göttin", die Allmutter Natur, die sich selbst Isis nennt (weshalb ich mich im Folgenden weniger auf die mythologische Isis beziehe). Sie gilt als die symbolische Mutter des Weltalls, das sie in aller Jungfr?ulichkeit aus sich selbst hervorbrachte. An manchen Isis-Statuen steht: "Ich bin das Weltall, das war, das ist und das sein wird. Meinen Mantel hat noch kein Sterblicher aufgdeckt."
Neben der Allmutter existiert nach alter Vorstellung aber auch ein männliches Pendant, das aus ihrem kosmischen Reigen geboren wurde, der Geber des Lebenspotantials - (G)Odh, Os, Odem -, der bei den Ägyptern Osiris und bei den Germanen Wodan / Godan (altisl. Odin) genannt wurde (vgl. Völuspa "Odh gab Odh-in"). (G)Odh-an ist zugleich auch der Namenspate des Wortes "Gott", das einige Etymologen vom *idgm. guod (das Gute, das Helle) ableiten und als eine Verklangbildlichung der Sonne als Sinnbild der als "gut" empfunden Ordnung - im Gegensatz zu dem als "dunkel" verstandenen Chaos - von Zeit und Raum deuten. Ich halte diese Deutung für positiv da auch ich glaube, dass das Odh durch die lebensspendende Sonnenkraft symbolisiert wurde, aber nicht mit ihr identisch ist. Dennoch wird der männliche Gott oftmals symbolisch als die Sonne selbst bzw. als der Sonnenheros angesehen, wobei die Göttin meistens als sein "Auge" und seine Mutter gilt. - Beides eben keine Menschen, sondern - nach heutiger Vorstellung - "echte" Götter, das besamende und das mater-(Mutter)ialisierende/geb?rende kosmische Prinzip, sogesehen Ursache und Wirkung.
Da wir gerade bei Godan waren, nehme ich exemplarisch mal die Germanen: Die übrigen germanischen Götter nannten sich - nach der Zuordnung zu ihrem Göttergeschlecht - Asen (altisl. asil = Säule, "Säulen der Welt") und Wanen (was meines Wissens soviel wie 'Wonne' bedeutet). Die Asen, angeführt von Frigg (Isis) und Odin, sehe ich durchaus als "Menschen" an, quasi eine wissende Elite, die am Beginn der Zeiten stand.
Als "Sonne, Mond und Sterne noch nicht wussten[...], wo sie Platz / Stätte hätten", eilten "die Berater zu den Richterst?hlen, hochheilige Götter hielten Rat, der Nacht und dem Neumond gaben sie Namen[...], die Zeiten zu ordnen".
Nun, isländisch rata bedeutet "den richtigen Weg weisen". Den Richterstuhl (ahd. stollo = S?ule, Pfeiler) sehe ich hingegen nicht als Ort irdischer Gerichtsbarkeit an, sondern als einen Ort, an dem "Ge-richt" ?ber die "richtige" Ordnung gehalten wurde: Die kosmische und irdische Ordnung des Zeit-Raum-Kontinuums, zum Ausdruck gebracht durch den immergleichen Lauf der Gestirne! Die "Götter" (wissende Elite) teilten anhand der Sterne den Tag in Segmente ein, sie "ordneten die Zeiten", bestimmten die Gestirnsbahnnen und legten damit die Ordnung von Zeit und Raum fest - jenes Wissen, das in alter Zeit überlebenswichtig war, wenn man von einem Ort zum anderen zurückfinden wollte. Einen kleinen Pfeiler mit Kapitell und einer viereckigen Einmeißelung für einen Visierstab, womit man den Sonnenreflex minutiös überwachen kann, gibt es übrigens ganz realiter bei den Externsteinen, einer Sandsteinfelsformation im Teutoburger Wald, die vermutlich schon zu megalithischer Zeit von Menschen als Heiligtum benutzt wurde.
Dieses kosmische Wissen machte besagte "Elite" jedenfalls wahrhaft göttlich. Vielleicht gab es ja ein paar Astronomen unter ihnen, einen großen Kriegsherren (Mars, Ares, Tyr), eine Gärtnerin (Iduna) etc. Ob diese Wissenden, die am Beginn der Zeiten standen und die übrigen Menschen im "g?ttlichen Wissen" unterrichteten, von einem anderen Stern kamen? Ich denke schon. So, wie vielleicht wir alle. Ich glaube aber nichtsdestoweniger, dass die veranschlagte "vorgeschichtliche Technik" hier auf der Erde hergestellt wurde. Also aus Atlantis kommt.
Die Wanen deute ich hingegen ehr als personifizierte Naturphänomene, wenngleich diese Phänomene durchaus auch ein Individualbewusstsein haben mögen: Nerthus z.B. ist die Erde, Njörd das Meer, Freyr die Natur. Übrigens geht mythologisch Freyr aus der Beziehung zwischen Njlrd und Nerthus hervor - das Meer befruchtet symbolisch die Erde, wodurch die Natur entsteht.
Dies alles ist aber nur meine persönliche Interpretation.
Osiris