Zitat von virgo2012
so ein Spiel mit der menschlichen Psyche - und es kann ein sehr gef?hrliches Spiel sein
Ich sehe das Familienaufstellen auch sehr kritisch, hier meine Sicht:
Durch die Verk?rperlichung der Familienkonstellation, der Zusammenh?nge, Abh?ngigkeiten etc. innerhalb der Familie, wird einem dies sehr plastisch vorgef?hrt. Ist diese Konstellation f?r den Teilnehmer konfliktiv (und in der Regel ist sie das, sonst w?rde er gar nicht zum Familienstellen gehen), so wird ihm dies erstmal knallhart vor Augen gef?hrt, egal, ob er psychisch inzwischen dazu in der Lage ist, die Erkenntnisse zu verkraften oder nicht, er wird jedenfalls nicht st?tzend herangef?hrt, und schon gar nicht nach seinem eigenen Verarbeitungstempo, sondern er wird in diese Erkenntnis sehr p?tzlich hineingeworfen.
Daran anschlie?end wird ihm nahegelegt, wie er die Situation nun f?r sich retten k?nne, wie er dennoch einen Gewinn daraus ziehen k?nnte. Es wird vorgegeben, wie bei majun z.B., dass sie ihre Mutter annehmen m?sse, auch sogar wenn sie dazu nicht einmal bereit ist. Wenn es dem Patienten (so nenne ich denjenigen mal) gelingt, wie hier, die Kraft der Mutter doch noch anzunehmen, die in Wahrheit niemals so empfangen wurde (in der eigenen Vorstellung, und es ist nun mal das eigene Erleben, was f?r einen z?hlt), so hat derjenige tats?chlich einen gewissen Gewinn daraus, es ist aber nur ein scheinbarer Gewinn, m?chte ich behaupten. Ich finde ihn sehr fragw?rdig, weil er nicht in eigenem Wachstum besteht, man steht nun nicht ?ber den Dingen (und hat somit das Problem f?r einen als solches gel?st), sondern der Gewinn entsteht ja nur, wenn man sich selbst vormachen kann, dass es anders w?re, als man es immer gesehen und erlebt hat. Und nur wenn man dieses Vertrauen in diesen Stellvertreter aufbringt, gelingt es, z.B. eine gar nicht vorhandene Mutterliebe in eine doch geschehene Kraftspende von ihr quasi zu transformieren.
Es ist somit ein Verleugnen der Tatsachen, kein sehr erwachsener Umgang mit der Welt. Hier geschieht nicht Wachstum und Reifung der Person, sondern eine Transformation der Wahrnehmung.
Daran liegt es auch, dass eine Familienaufstellung, sofern das Vertrauen in den Therapeuten oder die Stellvertreter nicht derart gegeben ist, dass man seine Handlungs- und Empfindungsvorgaben ?bernehmen kann, sogar in Zusammenbr?chen oder sogar Psychosen enden kann. Dann ist die Transformation der eigentlichen (und damit individuell wahren) Wahrnehmung nicht gelungen, und gerade dieser Anspruch der Wahrnehmung des gar nicht vorhandenen f?hrte dann zum psychischen Zusammenbruch. Die L?sung in einer Familienaufstellung ist nicht selbstbestimmt, sondern fremdbestimmt. Kann man dieser fremdbestimmten L?sungsstrategie aber nicht folgen, so kann es desolate Folgen f?r einen haben. Da? es manchmal eine Nachsorge gibt, die solche Zusammenbr?che versucht, aufzufangen, macht diese selbst aber nicht ungeschehen. Ohne Nachsorge finde ich es von einem Therapeuten ziemlich verantwortungslos. Nicht vom Patienten, denn der gibt seine Verantwortung ja ohnehin ab, so funktioniert aber eine Verarbeitung und ein Wachsen und Reifen dabei nicht.
Mit Zusammenbruch meine ich ?brigens nicht z.B. ein Ausbrechen in Weinen angesichts der Erinnerung, angesichts der vergangenen tats?chlichen gewesenen Umst?nde, die nun betrachtet werden und schmerzhaft sind. Sondern einen echten psychischen Zusammenbruch, weil man der aufgegebenen L?sungsstrategie nicht folgen konnte, die vorgeschlagene Wirklichkeitsverfremdung nicht nachf?hlen konnte, sich vielleicht sogar dagegen wehrte. Das ist es, was sogar zur Psychose f?hren kann.
Majun wurde dazu verleitet, von ihrer Mutter etwas anzunehmen, was sie in Wahrheit niemals von ihr bekommen hat (nach ihrer eigenen inneren Wirklichkeit und Wahrnehmung). Es kann trotzdem eine Erleichterung darstellen, das jetzt mal anders empfunden zu haben, dass es doch so sei, aber ein Verarbeiten der tats?chlichen Geschehnisse ist es nicht.
Nat?rlich kommt es auch darauf an, was dann jeder selbst aus einer solchen Erfahrung macht, das ist klar.
Danke majun f?r Deine Schilderung, und ich w?nsche Dir in jedem Fall, dass diese Aufstellung Dein Leben auch wirklich wenigstens erleichtert hat!
Altbundeskanzler Schmidt sagte gestern in einem Interview, ?man kann die Angst nicht verleugnen, man mu? sie verarbeiten?. Ebenso ist es mit Schmerz und allen sonstigen problematischen und konfliktiven Geschehnissen im Leben.
Zitat von virgo2012
Hellinger ist ein ausgewiesener Hitler-Fan. Die Geschwister Scholl bezeichnet er herabw?rdigend als Terroristen.
Das ist zwar schon wirklich erschreckend. :shock: Seine fachliche Arbeit mu? ja aber nicht notgedrungen damit zu tun haben. Ich denke, man kann und sollte sie daher trotzdem unabh?ngig von seiner politischen Ausrichtung betrachten.