Ich bleibe skeptisch. Ich mag keine Apparaturen, deren inneres geheim ist und ein gemauschel drum herum gemacht wird, um sich Seriösität zu verleien.
"Natürlich tummeln sich auf so einem Feld auch immer wieder seltsame Gestalten und zwielichtige Typen, die vorwiegend daran interessiert sind, an das Geld von Hochrisiko-Investoren heranzukommen. Denn was 1989 galt, muss heute nicht falsch sein: Ein Durchbruch in der Kalten Fusion wäre eine Sensation, und wohl das Ende aller Energieprobleme der Menschheit (wobei das nicht unbedingt in jeder Hinsicht wünschenswert ist). Spekulative Geldgeber werden von so einer Ausgangslage angezogen wie die Motten vom Licht. Aus diesem Grund, und aufgrund der leidvollen Geschichte der Kalten Fusion ist wohl bei allen Versuchen, das ganze zu kommerzialisieren, grösste Vorsicht und Zurückhaltung geboten.
Eine dieser Firmen ist die amerikanische Blacklight Power. Der "Blacklight Power Prozess" basiert gemäss ihrem Gründer Randall Mills auf dem Hydrino, einem neuen elementaren Zustand des Wasserstoffatoms, das im Zentrum einer "neuen Theorie von allem" von Mills steht, einem Machwerk, das nachweislich schwere Fehler (mathematischer Art, etwa) aufweist und in vielen Punkten im direkten Widerspruch zu verschiedenen Beobachtungen steht. Blacklight Power will allerdings einen Prozess zur Entwicklungsreife gebracht haben, bei dem Nickel mit Wasserstoff reagiert und dabei Energie freisetzt. Dieser Prozess wurde, angeblich, von verschiedenen unabhängigen Stellen bestätigt. Alles in allem sieht es aber so aus, dass dies "nur" eine weitere Anwendung der altbekannten Kalten Fusion ist. Ob die Kommerzialisierung hier allerdings gelingt, ist noch völlig unklar.
Eine weitere, ähnliche Ankündigung hat in den letzten Tagen Schlagzeilen gemacht. Zwei italienische Physiker, Andrea Rossi und Sergio Focardi, wollen eine patentgeschützte Apparatur entwickelt haben, die unter 400 Watt Einspeisungsleistung rund 10 Kilowatt Energie in Form von trockenem Wasserdampf produziert - und natürlich auf der kalten Fusion basiert. Diese Apparatur wurde letzte Woche einer ausgewählten Schar von Reportern demonstriert, begleitet und beaufsichtigt von Physikern der Universität Bologna. Das Innere der Apparatur ist geheim (schliesslich könnte einem ein allzu neugieriger Besucher das spätere Milliarden-, ja vielleicht Billionengeschäft vermiesen) und war während des Versuchs unzugänglich. Es wurde nur erklärt, dass hier Nickel mit Wasserstoff nuklear reagiere (zu Kupfer, das man auch schon mal gemessen haben will), dabei durchfliessendes Wasser erhitzt und in Dampf verwandelt. Die eingeladenen Gäste beobachteten, dass der Apparat sich erst 30 Minuten lang aufwärmte, Wasser in Wasserdampf verwandelte und schliesslich für eine halbe Stunde lang noch trockenen Wasserdampf (dh, Wasserdampf ohne Tröpfchen darin) produziert haben soll. Energiebilanzrechnungen (Verdampfungsenthalpie von Wasser, abzüglich der Heizleistung) kommen dann darauf, dass hier deutlich mehr Energie freigesetzt als hineingesteckt wurde.
Ich habe allerdings Mühe, dieser "Black Box"-Apparatur von Rossi und Focardi zu trauen. Wir können angesichts des Experiments nicht ausschliessen, dass die Leistung durch eine interne Energiequelle (etwa eine Batterie, oder die Verbrennung von Wasserstoff in einer Brennstoffzelle) produziert wird - was sich erst nach einer langen Betriebszeit zeigen würde. Nach Angaben von Rossi und Focardi soll die Apparatur für zwei Jahre gelaufen sein - doch warum erhalten wir keine detailierten Testberichte darüber, z.B. von unabhängiger Seite? Ausserdem ist die Informationspolitik meines Erachtens bedenklich: Rossi publiziert seine Ergebnisse statt in Fachzeitschriften in einer Art Blog, das er "Journal of Nuclear Physics" nennt, und das, gemäss seinen Aussagen, dem "Peer-Review" unterliege, weil "jeder Artikel von mindestens einem Universitäts-Professor reviewt wird, bevor er online geht". Da er damit wohl immer denselben meint (Professor Levi von der Universität Bologna, der auch bei der Demonstration präsent war und damit nicht wirklich als unabhängig gelten kann), ist das eine eher eigenwillige Definition von "Peer-Review". Wird hier nicht einfach versucht, Seriosität vorzutäuschen? In seinen Antworten auf Kommentare zu Artikeln im "Journal of Nuclear Physics" reagiert er zudem auf die leiseste Kritik äusserst ungehalten, was an sich nichts heissen muss, aber eines Wissenschaftlers nicht würdig ist und bei mir weitere Alarmlämpchen aufleuchten lässt. Ich denke, man sollte sich hier, wie auch bei Blacklight Power, keine allzu grossen Hoffnungen machen. Wie bei Blacklight Power wird auch hier behauptet, man stehe bereits in Verhandlungen mit Energiekonzernen über den Bau einer grösseren Einheit. Wir werden ja sehen..." Klick