[size=24]HAIKU
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Das Haiku-Schreiben stammt aus der japanischen Kultur, und gebietet die Einhaltung vieler Regeln, die sich durch die ?bersetzung in die deutsche Sprache teilweise ver?ndert haben.
Haiku ist ein dreizeiliges Gedicht, in dem mit so wenig Worten wie m?glich ein Moment beschrieben werden soll.
Ein Haiku sollte niemals in der Vergangenheit geschrieben sein, da es etwas beschreibt,was gerade eben passiert.
Die erste Zeile besteht optimalerweise aus 5 Silben, die zweite Zeile aus 7 Silben, die dritte Zeile wieder aus 5 Silben.
Ein Haiku sollte ein Gesamtbild ergeben, optimalerweise h?ngen die erste und die zweite Zeile zusammen, oder die zweite Zeile h?ngt mit der dritten Zeile zusammen.
Ein besonders gelungenes Haiku zeigt sich darin, dass etwas beschrieben wird, das zwar deutlich zu sehen ist, aber nicht erw?hnt wurde.
Es gibt aber auch die ?freien Haiku?, bei denen so ziemlich alles erlaubt ist, was gef?llt.
Seit Kurzem erst schreibe ich in einer privaten Online-Haiku-Werkstadt mit anderen Autoren gemeinsam Haiku, dabei entstehen oft seitenlange Diskussionen und sehr lustige Haiku-Momente.
Besch?ftigt man sich zu lange damit, dann beginnt man den Alltag im 5-7-5-Rhythmus zu denken, und sogar vor dem Einschlafen versucht man seine aufsteigenden Traumbilder in dreizeiligen Gedichten unterzubringen.
Es empfiehlt sich daher, st?ndig Stift und Zettel bei sich zu tragen, denn Haiku-schreiben macht zum Leidwesen aller Angeh?rigen s?chtig.
roter feuerdrache
w?lzt sich ?ber den himmel
fenster-spiegelung
gedankenverloren
starrend durch tropfen-rinnen
funkel-melancholie
nachtschattengr?n
der baum w?chst in seine form
wind aus dem westen
es raschelt ganz kurz
eichh?rnchen springt ins ge?st
heute kein foto
knistern im ofen
draussen pfeift der wind um`s haus
kinder-gel?chter
schamanen-reise
bringe die erde zur welt
muttermilch n?hrt sie
sie geht k?hl vorbei
seinen blick nach sich ziehend
ich bemerke es
eisiger wind weht
durch das offene fenster
sie sitzt da und weint
licht aber kein weg
aggressiv summt die wespe
hinter dem vorhang
schmerzen der kindheit
dunkle fetzen der angst
schwappen heute hoch
eine karte noch
das schicksal wird entschieden
gl?ck oder ungl?ck
unter dem zaun durch
eine kuh hinter mir her
angst im abendlicht
wie federwolken
verteilen sich gedanken
oben am berg
eine stufe noch?
ein bisschen, von dem was kommt
kann man schon sehen
eiszapfenkl?nge
und funkelnder sternenfrost
begleiten die nacht
flackerndes grinsen
vertreibt die geister der nacht
k?rbis-gesichter
mit leisem funkeln
taucht meine seele unter
so tief und langsam
tr?umende finger
zwischen schatten und licht
kreisen am leintuch
ein grosses stofftier
zwischen butter und kaffee
im einkaufswagen
nach langem regen
rauscht der fluss heute lauter
und braun anstatt gr?n
eisvogel-farben
?berraschung heut morgen
am vogelh?uschen
schon mitte august
alle geschenke bereit
f?r das weihnachtsfest
unter den n?geln
klebrig gelb vond er schale
der mandarine
der fingerabdruck
ein kleines universum
tr?gt man da herum
hoch oben am berg
schnee und wolken in orange
die seele wird still
feuerdrachen
am himmel flammendes rot
hinterlassend
lautlos sinkt der stein
zwischen wasser und himmel
kreise in wolken
milchiges mondlicht
schimmert auf der nackten haut
ersch?pftes schweigen
kalter steppenwind
im wettergegerbten arm
der erste schrei
blauer schmetterling
zitternd auf einer bl?te
fl?gel-geflatter
kleiner grash?pfer
verlassen zitternd der halm
kindergetrampel