Man möge mir einfach mal verzeihen das ich hier Copy und Paste mache, aber das folgende fand ich einfach zu schön 
-------------------- Schnipp -----------------------------
Um die vorhandene Thematik mit der Erstellung von Theoriengebäuden etwas einzukreisen, soll hier kurz die Parabel eines toten Marineflugzeugpiloten erzählt werden, welche sich durchaus zugetragen haben mag:
"In den Weiten des Pazifiks war ein hochmodernes Düsenjagdflugzeug zu Bruch gegangen und abgestürzt. Der Pilot konnte zwar noch mit dem Schleudersitz aussteigen, war dann aber in der Folge ertrunken, worauf sein Körper mit einer solarangetriebenen goldenen Fliegerarmbanduhr am Handgelenk an einer kleinen Insel zur Anschwemmung gelangte. Nachdem die dort lebenden unzivilisierten Wilden den am Strand liegenden Marinepiloten entdeckt und wegen der einsetzenden Geruchsbildung umgehend im Sand verbuddelt hatten, verblieb denselben nur diese glizernde Fliegerarmbanduhr, welche aufgrund ihrer schweizerischen Qualität alle Unbilden des Schicksals unbeschadet überstanden hatte. Die Eingeborenen beäugten die vordere Fläche dieses Dings und waren überrascht, als sie feststellten, daß da drei "Seeigelstachel" vorhanden waren, welche sich bewegten - der eine Stachel ziemlich rasch, der zweite schon recht langsam und der dritte praktisch gar nicht mehr wahrnehmbar. Und während sie das Ding noch in ihren Händen hielten, machte es plötzlich "piep, piep" und dann war es wieder still. Nachdem alle Eingeborenen dieses recht merkwürdige Objekt der Reihe nach befühlt und bewundert hatten, wurde zur nächtlichen Stunde eine Stammesversammlung abgehalten, bei welcher der sehr weise Medizinmann verkündete, daß das Ding göttlichen Ursprungs sein müsse, denn nur "Er" könne drei Seeigelstachel bewegen und gleichzeitig dabei auch noch Piepsen. Und so wurde dieser Gegenstand umgehend an einem vorspringenden Ast des Baumes der Weisheit aufgehängt und keiner der Insulaner dufte ihn berühren.
"In der Folge ergab es sich, daß ein schwerer Taifun über die betreffende Pazifikinsel hinwegbrauste, was den Behausungen der Insulaner gar nicht gut bekommen war. Ob dieses Ungemachs über ihre Gottheiten erzürnt wurde erneut eine Stammesversammlung abgehalten, bei welcher unter anderem auch das merkwürdige Ding am Baume der Weisheit zur Sprache kam und für welches nunmehr umgehend eine rationale Erklärung gefunden werden mußte. Nach langen Beratungen hin und her und her und hin stand für die Insulaner schließlich fest, daß das piepsende Geräusch von keinem Vogel verursacht sein kann, denn dazu waren die Vögel viel zu groß und das glizernde Ding zu klein. Also einigte man sich darauf, daß im Inneren dieses Dings kleine Insekten - wie Ameisen oder Grillen - stecken müssen, welche unter Einsatz von Laufrädern die Bewegung der drei Seeigelstachel bewirken, und dabei gleichzeitig auch noch das piepsende Geräusch verursachen. Nachdem die Insulaner keine anderen Theorien anzubieten hatten, wurde über die Gültigkeit des gemachten Vorschlags abgestimmt. Die Mehrzahl der Insulaner stimmte zu, nur einige wenige Abweichler waren dagegen. Letztere erschlug man flugs mit hölzernen Keulen, so daß auf diese Weise die Einstimmigkeit der Meinungsbildung gewährleistet war.
"Der Medizinmann, welcher aufgrund seiner Weisheit und seines Alters einige Grundkenntnisse von Mathematik erworben hatte, konnte in der Folge berechnen, daß unter Berücksichtigung der Größe des glitzernden Dings die darin befindlichen Insekten allenfalls 7356 Jahre leben könnten, denn so lange würde der darin befindliche Nahrungsmittelvorrat reichen. Und so sitzen diese unzivilisierten Wilden auch heute noch zur nächtlichen Stunde um ihren Baum der Weisheit, lauschen dem gelegentlichen piepsen des goldenen Dings und warten auf das 7.357ste Jahr nach der Strandung des toten Marinepiloten, denn nur dann wird es sich erweisen, ob die Theorie mit den kleinen Tieren im Inneren des glitzernden Dings ihre Gültigkeit besitzt oder nicht."
Abgesehen davon, daß diese Parabel sehr gut erkennen läßt, daß ein naheliegend erscheinender Erklärungsversuch nicht zwangsläufig der richtige sein muß, und daß inaktives Abwarten nicht den besten Weg bei der Wahrheitsfindung darstellt, so ergibt sich vor allem auch noch die Erkenntnis, daß über die Gültigkeit oder Ungültigkeit einer aufgestellten Theorie sich nur dadurch Klarheit erlangen läßt, indem ganz im Popperschen Sinn die aufgestellte Theorie einer Falsifizierung ausgesetzt wird. Dabei muß untersucht werden, unter welchen Bedingungen Abweichungen von dem erwarteten Verhalten auftreten. Da die Bewegung der Zeiger und das gelegentliche akustische Signal zum Normalverhalten der betreffenden Armbanduhr gehören, muß in dem vorliegenden Fall überprüft werden, wann dieses Verhalten gestört wird, d.h. die betreffende Uhr stehenbleibt.
Dabei ergeben sich die folgenden Möglichkeiten:
- Besprüht man die Uhr mit DDT und die Uhr bleibt stehen, dann könnte daraus geschlossen werden, daß die aufgestellte Theorie mit den Grillen und Laufrädern unter Umständen richtig ist.
- Bringt man die Uhr hingegen in einen abgedunkelten Raum und sie bleibt stehen, dann muß bei richtiger Interpretation dieses Sachverhalts geschlossen werden, daß die Theorie mit den Grillen falsch sein und daß es sich hierbei um eine Uhr mit einem Solarantrieb handeln muß.
- Läßt man die betreffende Uhr jedoch mehrere Tage lang unbeweglich an dem Ast des Baumes der Weisheit hängen und bleibt sie dann stehen, dann sollte daraus geschlossen werden, daß die Theorie mit den Grillen falsch ist und daß es sich um eine Armbanduhr mit einem mechanischen Automatikaufzug handeln muß.
- Falls man aber aufhört, an einer vorstehenden Krone der Uhr herumzudrehen, und die Uhr bleibt dann stehen, dann dürfte daraus eigentlich nur geschlossen werden, daß die Theorie mit den Grillen falsch ist und daß im Innern der Uhr ein mechanisches Uhrwerk mit Federaufzug vorhanden sein muß.
Bei derartigen Falsifizierungsversuchen muß jedoch sehr stark darauf geachtet werden, daß keine falschen Schlußfolgerungen gezogen werden. Läuft nämlich die betreffende Uhr im Anschluß an einen Sprühvorgang mit DTT weiter, könnte dies durchaus auch bedeuten, daß die Uhr entweder wasserdicht ist oder daß die darin befindlichen Grillen eine DTT-Resistenz besitzen.
Absolut verboten muß jedoch auf alle Fälle sein, daß zusätzliche neue Annahmen gemacht werden, damit unerwartete Resultate von Falsifizierungsversuchen in ein bestehendes Theoriengebäude eingefügt werden können. Derartige zusätzlichen Annahmen könnten dabei die folgenden sein:
- Die Annahme, daß die Grillen in der Uhr eingeschlafen sind, nachdem man die Uhr in einen abgedunkelten Raum gebracht hatte, oder
- die Annahme, daß man die Grillen in der Uhr gelegentlich rütteln müsse, damit sie nicht aus reiner Faulheit in ihren Laufrädern stehenbleiben, oder
- daß man von Zeit zu Zeit an der herausstehenden Krone der Armbanduhr herumdrehen müsse, um die innerhalb der Armbanduhr befindlichen Grillen jeweils am Rücken zu kraulen, damit sie zufrieden sind und weiter ihren Dienst ausüben.
Anhand derartiger Beispiele ist sehr gut erkennbar, daß ein an den Haaren herangezogener Grund immer gefunden werden kann, um ein vorhandenes Theoriengebäude auch bei entgegenstehenden Befunden weiter am Leben erhalten zu können.
Die Parabel mit der goldenen Fliegerarmbanduhr und dem toten Marinepiloten erlaubt schließlich noch eine grobe Abschätzung der Gültigkeit einer aufgestellten Theorie. Angenommen, es ständen jeweils fünf verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung, um in der Natur Dinge zum Funktionieren zu bringen - im Fall einer Armbanduhr dürfte diese Anzahl mit Sicherheit gegeben sein -, dann ergäbe sich eine Wahrscheinlichkeit von allenfalls 20 %, daß eine aufgestellte Theorie der Wahrheit entspricht. Berücksichtigt man dabei noch den Umstand, daß der erstbeste Vorschlag in den meisten Fällen nicht der Wahrheit entspricht, und berücksichtigt man schließlich noch, daß die Herren Physiker bei der Aufstellung ihrer Theorien vielfach auch noch gemogelt hatten, dann dürfte sich dieser Wahrscheinlichkeitswert bis auf null reduzieren. Eine Aussage in der Art, daß Theorien von heute die Unwahrheiten von morgen seien, erscheint somit durchaus Berechtigung zu haben.
-----------------------------schnapp ---------------------------
Quelle: http://www.bourbaki.de/a01.htm
Baloo