Transpersonale Psychologie
> Transpersonale Psychologie ist eine seit den 60er Jahren im Entstehen begriffene, neue Richtung der Psychologie. Ihre Kennzeichen sind:
> die Einbeziehung spiritueller und religiöser Erfahrung in die Forschung, in die Lebenspraxis von Menschen und in die therapeutische Praxis;
> die Betrachtung von Erfahrungen, die über das einzelne individuelle Ich hinauszuweisen scheinen; dazu gehören außergewöhnliche Bewusstseinszustände, wie sie durch Meditations- oder Trancetechniken erreicht oder durch Spontanerfahrungen wie Nahtoderfahrungen induziert werden;
> eine Reflexion auf die Gültigkeitsbereiche und Zuständigkeit klassisch-wissenschaftlicher Erkenntnisgewinnung im Vergleich und zur Abgrenzung anderer Modi von Einsicht, wie sie beispielsweise durch innere Erfahrung oder Intuition möglich ist;
> die Reflexion auf den Ich-Begriff und die Konsequenzen, die sich aus den o.g. Bereichen für das Verständnis dessen ergibt, was wir gemeinhin als "Ich" bezeichnen;
> Verständnis von spontan auftretenden außergewöhnlichen Erfahrungen, ihre wissenschaftliche Analyse, sowie kompetente klinische Hilfestellung für Menschen mit solchen Erfahrungen zu erarbeiten.
Die Transpersonale Psychologie hat sich seit dem Aufkommen dieser Forschungsfragestellung, die sich vor allem aus der Humanistischen Psychologie entwickelte, in sehr vielen, zum Teil getrennt operierenden Bereichen weiterentwickelt. Ihr gemeinsamer Nenner ist mehr ein Interesse an all diesen Themenbereichen als eine einheitliche dogmatische Fixierung oder eine verbindliche Methodologie. Transpersonale Psychologie ist also vor allem (noch) durch einen starken Pluralismus der Meinungen und Methoden gekennzeichnet, deren gemeinsamer Nenner das Thema spirituell-religiöser Erfahrungsinhalte von Menschen und deren Relevanz für Wissenschaft und Lebenspraxis ist.
Die Begriffe "Spiritualität" und "Religiosität" oder "Religion" werden dabei z.Zt. sehr lose und vage definiert gehandhabt. Sie sind außerdem kulturspezifisch in ihrer Bedeutung verschieden. Während "spirituell" im amerikanischen Sprachgebrauch sehr weit und beinahe inflationär verwendet wird, bedeutet dieser Begriff im deutschen Sprachraum eher die von einer konkreten religiösen Bindung losgelöste Erfahrung einer über den Menschen hinausgehenden, absoluten oder größeren Wirklichkeit. "Religion" oder "Religiosität" hingegen meint eine stärker an konfessionelle oder traditionelle Glaubensrichtungen gebundene Erfahrung und vor allem der dazu gehörige Ausdruck. In Abgrenzung zur Religionspsychologie interessiert sich die Transpersonale Psychologie weniger für die Auswirkung der Systeme oder der sozialen Zugehörigkeit zu Konfessionen als stärker für die Erfahrungen selbst.
Historisch gesehen speiste sich die transpersonale Bewegung aus verschiedenen Quellen: Zum einen haben verschiedene, vor allem amerikanische Psychologen, durch Kontakt mit östlichen Meditationstechniken die Bedeutung dieses Potenzials für die klinische Tätigkeit entdeckt und begonnen, diese zu erforschen und publik zu machen. Zum anderen haben klassisch arbeitende Psychologen wie Abraham Maslow bemerkt, dass das menschliche Bedürfnis nach Selbstverwirklichung von innen heraus an Grenzen stößt, die es zu übersteigen trachtet. Des Weiteren haben Psychologen wie Roberto Assagioli versucht, traditionell-esoterisches Gedankengut mit psychologischer Erkenntnis zu verbinden. Außerdem haben Psychiater und Personen, die mit bewusstseinserweiternden Drogen und Techniken arbeiteten wie beispielsweise Stanislav Grof, versucht, die Bedeutung der dabei induzierten Erfahrungen zu ergründen und praktisch nutzbar zu machen. Die Transpersonale Psychologie stellt somit ein Sammelbecken für derartige Ansätze und Bestrebungen zur Verfügung.
(Quelle: http://dktp.org/)