Wenn man in einer kleinen Wohnung in der Gross-Stadt wohnt, ist ein dauerhafter Verbleib in der Wohnung bei einem Total-Zusammenbruch eher nicht zu empfehlen, denn wahrscheinlich wird es in den St?dten recht ungem?tlich.
Unter diesen Umst?nden ist es also sinnvoll, seinen Vorbereitungs-Schwerpunkt auf einen super ausgestatteten Fluchtrucksack zu legen.
Aber auch wenn man auf dem Land lebt, kann es passieren, dass man dauerhaft fliehen muss und kein gutes Fluchtziel in erreichbarer N?he liegt. Das kann z.B. passieren bei radioaktiver Verseuchung, extrem vernichtenden Erdbeben, Vertreibung durch Pl?nderer usw. Also macht es auch f?r Landbewohner Sinn, seinen Drei-Tage-Rucksack so auszubauen, dass er nach und nach auch als Dauer-Rucksack dienen kann.
Auch hier w?rde ich pers?nlich erstmal bescheiden anfangen und dann nach und nach verbessern, damit ich schnell schon ?berhaupt was habe. Im Endeffekt geht es aber um absolute Spitzen-Qualit?t. Die Sachen sollten am besten lebenslang halten.
Die Qualit?ts- und Auswahl-Frage f?ngt schon beim eigentlichen Rucksack an.
Moderne Rucks?cke sind im allgemeinen eher weich, mit einem kleinen internen Gestell, um die Tragf?higkeit zu verbessern. Es gibt solche mit Luftzirkulation am R?cken, was ich leider noch nicht in der harten Praxis getestet habe, aber wahrscheinlich ist es ein Segen, denn der R?cken kann schon ordentlich schwitzen, wenn man den ganzen Tag mit dem Rucksack auf dem Buckel unterwegs ist.
Nehberg empfiehlt hingegen Rucks?cke mit starrem Tragegestell. Solche Rucks?cke waren in meiner Jugend total hipp und ich habe einen solchen bei meinen Tramptouren und Wanderungen benutzt. Ich fand ihn eigentlich sehr praktisch. Meiner hatte sogar einen kleinen Hocker, den man in den Pausen ausklappen konnte. Zumindest hinten und an den Seiten war der Rucksack durch das Gestell gut gesch?tzt. Der gr?sste Vorteil ist jedoch, dass man das Gestell immernoch zum Tragen nutzen kann, selbst wenn der Rucksack-Beutel zerfetzt ist. Dann bindet man seine B?ndel einfach an das Gestell. Vielleicht war der Tragekomfort beim Gestell-Rucksack nicht so toll, wie bei den modernen weichen Rucks?cken, aber das m?sste ich mal im direkten Vergleich testen. Damals fand ich ihn gut so wie er war. Klar ist jedoch, dass Rucks?cke mit Aussengestell beim Rennen durch den Wald mehr behindern k?nnen, als schmale Rucks?cke mit Innengestell. Ausserdem wiegen sie naturgem?ss mehr, weil man ja auch das Gestell tragen muss.
Wichtig ist, dass das Material sehr robust und gut verarbeitet ist. N?hte sind potentielle Schwachstellen, aber auch die Laschen, an denen die Gurte befestigt sind.
Der H?ftgurt sollte dick und breit sein, denn auf dem H?ftgurt ruht sp?ter das Hauptgewicht.
Das Material m?glichst wasserdicht; da hilft auch eine integrierte oder separate Regenh?lle.
Beim Kauf sollte man unbedingt auf die R?ckenl?nge achten. Die meisten Rucks?cke sind diesbez?glich zwar verstellbar, dennoch sollte man genau ausprobieren, ob der gew?nschte Rucksack zum eigenen K?rper passt.
Seitentaschen gibt es angen?ht, abnehmbar und als extra Zubeh?r. Die meisten modernen Rucks?cke haben keine Seitentaschen oder nur schmale D?nntaschen, man muss sich die Seitentaschen also extra dazukaufen, wenn man welche haben will.
So, nun haben wir einen tollen Rucksack. Doch was soll rein?
Als Basis im Prinzip das Gleiche wie im Drei-Tage-Rucksack, jedoch mit gr?serem Augenmerk auf lange Lebensdauer. Hier eine vorl?ufige Liste, was alles in den Rucksack reingeh?rt:
* Robuste Kleidung zum Wechseln, viele Schichten einplanen; Socken und Unterbekleidung doppelt.
* Extra Pulli, falls es kalt wird.
* Wasserdichte Jacke, die auch Wind und K?lte abh?lt. Da gibt es welche, die man ganz kleinen zusammenrollen kann.
* Ersatzschuhe, falls noch Platz daf?r ist.
* Schutzbrille gegen Gestr?pp beim Querfeldein-Rennen
* Gutsitzende M?tze mit glatter Oberfl?che (keine Wolle), am besten mit Schirm, gegen Zweige, die sich beim Rennen in den Haaren verfangen.
* Wollm?tze gegen K?lte, falls man im Winter fliehen muss.
* Robuste und warme Handschuhe
* Schlafsack
* Isomatte oder ?hnliches zum Unterlegen
* Biwacksack, falls man kein Zelt aufbauen kann
* Zelt, m?glichst klein und leicht
* Kochgeschirr, f?r den Rucksack eignet sich ein BW-Henkelmann
* Notkocher, z.B. Esbit-Kocher, kleine Version, mit dem man aber nur kleine Portionen kochen kann. Daf?r passt er samt Brennw?rfel in das Kochgeschirr.
* Wasserflasche
* Essen und Trinken f?r drei Tage (siehe Evas Drei-Tage-Ration), oder mehr, wenn man l?nger unterwegs ist. Wichtig sind hier Sachen, die man auch ohne Kochen und Zubereitung essen kann; man weiss ja nie, ob man kochen kann.
* Messer mit mittelgrosser Klinge
* Taschenlampe mit funktionierenden Batterien (am besten LED-Lampen)
* Multifunktions-Taschenmesser, z.B. schweizer Messer. Auch Leatherman w?re geeignet
* Mindestens 5 m Seil, dick genug, um zur Not einen Menschen aus dem Abgrund ziehen zu k?nnen.
* Mindestens 20 m Mehrzweckschnur f?r dies und das
* 1 m Schlauch mit 1 cm Durchmesser zum Ausschl?rfen von Pf?tzen
* Einmal-Handw?rmer (aus dem Outdoor-Shop)
* Handtuch
* Eine Packung feuchtes Toilettenpapier, denn das ist kompakter und gr?ndlicher, als normales Toiletten-Papier
* Sonnenschutzmittel
* Zahnputzzeug
* Wascht?cher in klein und gross, z.B. Erfrischungst?cher oder Deot?cher
* F?r Frauen: Tampons
* F?r M?nner: Rasierzeug; schliesslich will man nicht v?llig verwildert in die Zivilisation zur?ckkehren
* Verbandsmaterial und Pflaster (u.a. Blasen-Pflaster)
* Hirschtalg-Creme zur St?rkung der Fuss-Haut
* Schmerzmittel und Kohletabletten gegen Durchfall
* Desinfektionsmittel
* Wasser-Desinfektions-Tabletten
* Miniradio
* Kompass
* Karte der Umgebung
* Kleiner Block zum Schreiben
* Bleistift, noch besser: Kopierstift, weil auch feucht nutzbar
* Ausweise
* Dokumente oder Kopien der wichtigsten Dokumente (u.a. Geburtsurkunde, Kaufvertr?ge)
* Wichtige Adressen
* Geld in kleinen Scheinen
* Kleine Goldbarren oder Goldm?nzen (klein, wegen dem m?glicherweise nicht vorhandenen Wechselgeld)
* Notfallbeutel mit N?hzeug, Angelhaken, Angelschnur, N?gel, Reiszwecken, Signalspiegel, Trillerpfeife, Streichh?lzer (wasserfest), Feuerzeug, Rasierklinge, Draht, Klebeband, Brennglas aus Plastik.
Von den Kleidern braucht man mehr, denn man will sie ja auch mal waschen und dann nicht nackig rumstehen.
Bei der Nahrung w?rde ich anstelle eines leckeren Dreitage-Vorrats eher drei Rationen BP-5 mitnehmen, die sind kompakter, als die grosse Auswahl und dann hat man noch Platz f?r Material f?r Fallen, Jagdwaffen, Angelausr?stung, Sammelbeutel f?r Pflanzen usw., denn bei einer Langzeit-Flucht sollte man m?glichst bald anfangen, sich mit den Dingen der Umgebung zu ern?hren. Die BP-5-Rationen streckt man dann solange wie m?glich.
Ausserdem sollte man unbedingt viele Vitamine mitnehmen. Ich w?rde einen 5-Jahresvorrat vorschlagen, doch dann muss man 20 Vitamindosen mit sich rumschleppen. Aber was n?tzt die tollste Ausr?stung, wenn man schon im ersten Winter an Vitamin-Mangel stirbt? Fr?her sind die Leute in schlechten Zeiten scharenweise an Vitamin-Mangel gestorben. D.h. es ist gar nicht so leicht, sich in schwierigen Zeiten allein durch die Nahrung mit Vitaminen zu versorgen.
Zus?tzlich zu dem Verbandsmaterial und vielen Pflastern empfiehlt sich ein Notfall-Set, mit allem, was ein Arzt so brauchen k?nnte, wenn es n?tig ist. Sowas gibt es in Outdoor-L?den und enth?lt sterile Spritzen, Wundn?hmaterial, Skalpell und dergleichen wunderbare Dinge mehr. Ausserdem gibt es ein Zahn-Hilfe-Set, mit dessen Hilfe man L?cher in den Z?hnen stopfen kann. Und nat?rlich braucht man Medikamente gegen Schmerzen, Durchfall, Fieber, Entz?ndungen usw. Damit man auch weiss, was man tun soll, gibt es B?cher. Ich empfehle "Wo es keinen Arzt gibt" von David Werner. Das ist wirklich sehr ergiebig und f?r schlechte Bedingungen geeignet. Diese Notfall-Medizin-Sachen sollte man sich nat?rlich auch f?r Zuhause anschaffen, denn auch zuhause gibt es mitunter keinen Arzt, wenn die Zeiten schlecht sind.
Statt Esbit-Kocher w?re ein klappbarer Hobo-Kocher geeigneter, denn darin kann man immer wieder kleine Holzst?cke zum Kochen verbrennen.
Die Taschenlampe wird durch eine Lampe zum Kurbeln ersetzt. Auch eine ?l- oder Tranlampe mit ausreichend Ersatzdochten w?re sinnvoll.
Anstelle des Mini-Radios braucht man auch ein Kurbel-Radio. Man wird sehen, ob es nach einem Zusammenbruch, der einen Dauer-Rucksack erfordert, noch sendende Radiostationen gibt.
Die Wasser-Desinfektions-Tabletten werden durch einen Pocket-Keramikfilter erg?nzt. Ein Filter reicht f?r ca. 50.000 Liter. Damit kommt man schon ziemlich weit. Und man kann ja auch noch Ersatzfilter mitnehmen.
Ausserdem braucht man eine gewisse Werkzeug-Grundausr?stung. S?gen gibt es sehr platzsparend als Drahts?ge, die man aufrollen kann. Es gibt auch Campings?gen, die wie ein ?berdimensioniertes Klappmesser aussehen. Die Klinge sieht aus wie eine brauchbare Baums?ge; ich sch?tze, dass man mit so einer S?ge recht schnell ein paar ?ste abs?gen kann. Zangen usw. gibt es mit vielen Zusatzfunktionen als Leatherman. Ein paar kleine Handbohrer in verschiedenen Gr?ssen sind recht platzsparend. F?r den erweiterten Bohrbedarf gibt es auch sogenannte Brustbohrer. Die haben ein Bohrfutter wie elektrische Bohrmaschinen und werden aber mit der Hand gekurbelt. Um Druck auszu?ben gibt es eine Verl?ngerung mit Platte, die man beim Bohren am eigenen Brustbein aufsetzt und mit dem Oberk?rper den Bohrer tiefer reindr?ckt. Leider ist so ein Brustbohrer relativ schwer und daher besser f?r die manuelle Werkzeugkiste zuhause geeignet. Wer aber gerne werkelt, wird so eine bestimmt auch gerne im Rucksack rumschleppen. Dann w?rde ich auch noch reichlich N?gel und Schrauben mitnehmen, denn sowas kann man nicht so einfach selbermachen. Und wer es schleppen mag, kann auch einen Hammer mitnehmen. Mit einem Hammer schlagen sich N?gel schliesslich sehr viel leichter ein, als mit einem Stein. Und sehr viel stabile Mehrzweck-Schnur. Man kann zwar Schn?re auch selbst aus Fasern drehen, aber bis die mal so haltbar sind, wie Synthetik-Mehrzweckschnur, muss man schon lange ?ben.
Vielleicht braucht man auch noch was zum Lesen. Da eignet sich ausser Survival-Fachb?chern zum Beispiel die Bibel. Die Bibel kann nicht nur Inspiration in schweren Stunden bringen, sondern man hat auch sehr viel zu lesen f?r das eher geringe Gewicht, weil die Seiten von Bibeln meistens sehr d?nn sind. Ausserdem dient sie einer Art Kulturerhaltung. Dann w?re ein Kartenspiel noch sinnvoll, vor allem, wenn man zu mehreren unterwegs ist. Und vielleicht eine Mundharmonika. Selbst wenn man sie am Anfang noch nicht spielen kann, hat man ja den Rest des Lebens Zeit, es zu lernen.
Da hab ich bestimmt noch einiges vergessen, aber zum Gl?ck brauch ich den Rucksack ja noch nicht sofort und kann die F?llung nach und nach erg?nzen. Ein so bef?llter Rucksack ist ziemlich schwer. Er sollte unbedingt gut gepackt sein, d.h. schwere Sachen nach oben und in K?rper-N?he und leichte Sachen nach unten und in K?rper-Ferne. Das ist umgekehrt, wie man normalerweise Sachen packt, hilft aber enorm beim Tragen.
Dann muss man ihn immer mal wieder aufsetzen und die ganzen Gurte passend einstellen, sodass der Rucksack m?glichst eng am K?rper anliegt und das Gewicht vor allem auf der H?fte liegt. Wenn er nach hinten zieht und an den Schultern zerrt, ist er falsch gepackt und wahrscheinlich sind auch die Gurte nicht optimal eingestellt. Mit dieser Anpassung sollte man sich in guten Zeiten durchaus Zeit lassen und M?he geben. Wenn der Rucksack gut sitzt, kann man ihn probetragen. Auf Spazierg?ngen mit kleinen Zwischenspurts durchs Geb?sch, zuhause beim t?glichen Rumlaufen in der Wohnung, bis man immer mehr mit dem Rucksack verschmilzt.
Denn wenn die Flucht erstmal losgeht, hat man keine Zeit mehr, stundenlang an den Riemen rumzufummeln, weil einen der Rucksack fast umwirft. Die Fluchtgeschwindigkeit und Ausdauer h?ngt ganz stark davon ab, ob der Rucksack gut sitzt.
Die Frage ist aber auch: Wieviel kann man schleppen?