Deutsche Wikileaks-Seite weiterhin am Netz
[Blockierte Grafik: http://ais.badische-zeitung.de/piece/02/4d/68…3-p-590_450.jpg] Warum gehört einem Freiburger die deutsche Domain?
Eine der heißesten Adressen des Internets gehört einem Freiburger – nun äußerst sich Theodor Reppe über Angriffe auf seine Domain wikileaks.de und die Situation des Enthüllungsportals.
Derzeit einer der Schlüsselzugänge zu den Informationen des Enthüllungsportals Wikileaks: http://www.wikileaks.de. Das Porträt auf dem Bildschirm zeigt Wikileaks-Gründer Julian Assange.
Über seine Originalseiten in den USA ist Wikileaks derzeit nicht mehr zu erreichen, dafür aber über http://www.wikileaks.de/ –diese sogenannte Domain gehört Theodor Reppe (24) aus Freiburg. Beruflich arbeitet Reppe als Systemadministrator bei einer Freiburger Internetfirma. Jens Schmitz hat mit ihm gesprochen.
Interview: Wikileaks.de Domain-Besitzer über Angriffe und Ziele
BZ: Herr Reppe, Sie sind Eigentümer der Domain http://www.wikileaks.de/ – seit wann?
[color=#0000ff]Reppe: Seit 2006, als ich mitbekommen habe, dass das Projekt gegründet wurde.[/color]
BZ: Und warum haben Sie sich die Domain gesichert?
[color=#000099]Reppe: Weil ich das Projekt gut fand und mir dachte, bevor sich die jemand anders schnappt, der sie nur verkaufen oder Werbung draufstellen will, mach ich das.[/color]
BZ: Sie hingegen haben keine eigenen Inhalte auf der Seite.
[color=#000099]Rappe: Nein, ich habe einfach nur auf den Originalserver weitergeleitet. Im Moment verlinke ich auf einen Spiegelserver, also eine Kopie, weil ja die direkten Server immer nur kurz online sind.
[color=#000000]BZ: wo steht den dieser Spiegelserver?[/color]
Reppe: der steht bei der Piratenpartei in Deutschland. es gibt inzwischen weltweil um die 750 solcher Server.[/color]
BZ: Am Dienstag wurde Wikileaks-Frontmann Julian Assange festgenommen – wie wichtig ist er als Identifikationsfigur?
[color=#000099]Reppe: Ich finde ihn ein bisschen zu wichtig. Das ganze Projekt ist ja eigentlich mal dezentral angelegt gewesen. Er hat sich selber da als zentrale Figur hochstilisiert. Ich denke, das könnte jetzt auch eine Chance sein, dass der Schwerpunkt wieder mehr auf dem Projekt liegt – auch wenn ich die Verhaftung natürlich nicht gut finde.[/color]
BZ: Warum?
[color=#000099]Reppe: Weil ich denke, dass es ein abgekartetes Spiel der Staaten ist. Im Moment soll er ja noch nicht mal mehr angeklagt sein, sondern nur als Zeuge befragt werden. Und dafür dann einen internationalen Haftbefehl? Zumal ja auch sein Anwalt der Staatsanwältin mehrfach Videokonferenzen und Telefonate angeboten hat.[/color]
BZ: Neben Amazon haben inzwischen eine ganze Reihe weiterer Firmen ihre Beziehungen mit Wikileaks oder Assange eingestellt. Sehen Sie überall Druck aus den USA am Werk, oder sind das vielleicht auch berechtigte Reaktionen?
[color=#000099]Reppe: Ich denke, bis auf Assanges Schweizer Konto bei der Postfinance, wo offenbar ein Adressfehler vorlag, ist alles auf Druck der USA passiert. Bei Amazon ist es ja sogar rausgekommen, dass dort schon seit einigen Monaten Druck gemacht wurde. Und bei der Bank – das ist ja auch immer eine Frage der persönlichen Einstellung der Mitarbeiter, wie man reagiert.[/color]
BZ: Fürchten Sie persönlich Konsequenzen aus Ihrem Engagement?
[color=#000099]Reppe: Ich glaube, in Deutschland hält man sich schon an geltendes Recht. Ich tue ja nichts, was illegal wäre, ich verlinke einfach auf eine weitere Seite. Dass ich überwacht werde, ist möglich – dann sollen sie mich eben überwachen.[/color]
BZ: Amazon gehört zu den Anbietern des sogenannten Cloud Computing, bei dem Unternehmen ihre Daten an andere Firmen auslagern – in diesem Fall musste Wikileaks froh sein, dass es nach der Sperrung Kopien der Zugänge hatte. Müssen sich andere Kunden solcher Dienste nun fragen, ob sie sich völliger Willkür aussetzen?
[color=#000099]Reppe: Man sollte sich sehr gut überlegen, ob man als deutsche Firma seine Daten bei einem amerikanischen Unternehmen lagern will. Das würde ich meinem Chef nicht raten (lacht).[/color]
BZ: Am Montagvormittag war Ihre Seite http://www.wikileaks.de nicht zu erreichen, später ging sie dann wieder. Zeichen für einen Angriff oder schiere Überlastung?
[color=#000099]Reppe: Das ist schon ein Zeichen für eine Attacke, aber nicht auf die Domain, sondern auf den Server, der dahinter stand. Bis Montagmorgen war da noch einer von den offiziellen Wikileaks-Servern eingetragen, und der wurde angegriffen. Als ich das gemerkt habe, habe ich auf den deutschen Piratenspiegel umgeleitet.[/color]
BZ: Setzt sich da eine Regierung hin und bombardiert Ihre prominente Adresse?
[color=#000099]Reppe: So ungefähr wird das laufen. Die machen das vielleicht nicht selber, sondern mieten sich über die Szene ein Bot-Netz mit 100.000 Rechnern und lassen die mal da draufschießen. Das kostet pro Stunde ein paar hundert Dollar.[/color]
BZ: Bot-Netze bestehen aus Computern, die durch eingeschmuggelte Software ferngesteuert werden, meist unbemerkt. Wo miete ich sowas? Ist das legal?
[color=#000099]Reppe (lacht): Nein. Aber wenn man ein paar Leute kennt im Internet, dann kriegt man sowas auch. Wenn’s aber richtig groß wird und nun auch wieder die Wikileaks-Befürworter Amazon oder Banken wie die in der Schweiz angreifen, dann wird da auch ein bisschen mehr Kapazität zustande kommen.[/color]
BZ: Gibt es denn so viele kompetente Sympathisanten?
[color=#000099]Reppe: Da reicht ein Experte, der ein Bot-Netz organisieren kann. Und dass es jetzt schon 750 Spiegel gibt, zeigt ja auch, dass schon viele kompetente Personen mit Wikileaks sympathisieren.[/color]
BZ: Intern gibt es durchaus auch Streit. Erst hat Assange sich mit dem Mitgründer John Young überworfen, dann mit seinem deutschen Sprecher Daniel Domscheit-Berg. Worum geht es?
[color=#000099]Reppe: Um Transparenz und Demokratie intern. Darum, dass Assange sich als Chef präsentiert und nicht wirklich demokratisch entschieden wird. Dass das Projekt die Intransparenz der Regierungen kritisiert, selbst aber genauso wenig rauslässt darüber, wie etwa Gelder verwendet werden. Das ist zum Teil Selbstschutz, aber zum Anspruch passt es nicht.[/color]
BZ: Diese Bedenken bringen Sie aber nicht von Ihrem Engagement ab?
[color=#000099]Reppe: Die Sache an sich ist ja gut, und noch gibt es kein echtes Konkurrenzprojekt. Daniel Domscheit-Berg will diesen Monat noch eines starten. Wenn es dort besser läuft, hätte ich auch kein Problem damit, das neue Projekt zu unterstützen.
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http://www.badische-zeitung.de/freiburg/wikil…--38611668.html
Wikileaks nennt Terrorziele
Die Enthüllungsplattform Wikileaks hat eine von US-Diplomaten erstellte Geheimliste mit Terrorzielen veröffentlicht. Auch deutsche Unternehmen wie BASF und Siemens werden darin genannt.
http://www.badische-zeitung.de/nachrichten/de…--38571309.html