[size=10][font='Arial']Peter Scholl-Latour macht auf eine m?gliche Weltkrise aufmerksam: Russland im Zangengriff [/font][/size]
[size=10][font='Arial']von Volkmar Schlutter / 24.02.2011[/font][/size]
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Der Journalist und Weltenkenner Peter Scholl-Latour ist unbestritten ein Phänomen. Innerhalb kürzester Zeit schreibt er ein Buch. Nach seiner letzte Reise im August 2006 durch Asien, vornehmlich Russland, China und Afghanistan, legt er nur 3 Monate später im November 440 druckfrische Seiten vor. "I ch gestehe, ich bin fleißig und ich schreibe nicht ungern" Das scheint eines seiner Erfolgsgeheimnisse zu sein.
Peter Scholl-Latour macht sich Sorgen um Deutschland und Sorgen um Europa, dies sagt er ganz unverblümt. Denn Russland wird von China und Europa gewaltig bedrängt: Russland im Zangengriff! Das bedeutet einen neuen Kalten Krieg. Wie immer spricht der Politikexperte eine sehr deutliche Sprache. Ja, wir sind wieder mitten drin im Kalten Krieg: Erdöl ist Macht und das Gold der Erde gilt es zu verteidigen, denn es wird immer rarer. So besteht im Interesse der Staatsräson die Gefahr, dass sich die großen Industrienationen, so auch Amerika, wieder, wie einst im letzten Jahrhundert, tot rüsten.
Seit langem brodeln in Asien mehrere Kriegsherde. Dabei ist Scholl-Latours tiefe Überzeugung, einen Krieg in Afghanistan kann man nicht gewinnen. Das würde daran liegen, wie Macht in Afghanistan funktioniert. Denn nicht die gewählte Regierung hat das Sagen, sondern die Drogenbarone. Diese wohnen in großen, aber geschmacklosen Villen, die man bei einer Reise, durch das sonst arme Land, sehen kann. Die Russen mussten auch den Krieg in Afghanistan verlieren, weil sie unter anderem die Kampfart im Gebirge nicht beherrscht haben. Scholl-Latour ist, hinsichtlich einer afghanischen Beteiligung am Internationalen Terrorismus, fest überrzeugt, dass der 11. September nicht in den Höhlen Afghanistans geplant wurde. "Das ist dort gar nicht möglich. Die haben dort nicht mal Flugpläne. Eher ist so was von Saudi-Arabien aus möglich."
Mehr und mehr Staaten nehmen sich das jetzt so erfolgreiche chinesische Modell zum Vorbild, beklagen aber gleichzeitig die Demokratie- und Umweltdefizite. Aber, würde es in China eine deutsche Demokratie geben, wo man zum Beispiel monatelang über die Gesundheitsreform diskutiert, wäre China nicht da, wo es jetzt ist, auf dem Eroberungsfeldzug, sondern am Abgrund. "Unsere Hinterbänkler vom deutschen Parlament kommen nach China und wollen 1,3 Milliarden Menschen beibringen wie sie zu leben haben", moniert der weltverständige Scholl-Latour. Und er klärt uns auf: Der Erfolg Chinas begründet sich auf die ganz eigene Mentalität der Chinesen. "Die Chinesen machen es nicht aggressiv, sondern eher schleichend. Mit dem Vortäuschen eigener Schwäche versuchen sie den Gegner kirre zu machen. Sie unterstapeln! Eine neue Expansion ist im Gange, aber auf die weiche Art. Das gute alte Schweizer Offiziersmesser wird nicht mehr, wie es sich gehören sollte, in der guten Schweiz, sondern in China produziert." Und Scholl-Latour setzt noch eins drauf: "Wenn ich durch Paris gehe, sehe ich mehr Chinesen als Franzosen." Will er doch, mit etwas Polemik, Veränderungen und Trends deutlich machen.
Aber was wird aus Russland? Scholl-Latour analysiert und weist auf eine bevorstehende bedrohliche Entwicklung hin. "Die Russen haben sich in einen Krieg mit den Tschetschenen verrannt. Und die sind ein hartes Volk, eines der härtesten Völker der Welt, die ich kenne. Und es ist anzunehmen, dass sich die Russen die Zähne an ihnen ausbeißen." Im Osten stehen die nun so erfolgreichen Chinesen und im Westen die Nato . Die tagte jetzt sogar in Riga, was eine große Provokation ist. Eine unnötige, denn so wird die weltpolitische Lage, die durch den internationalen Terrorismus sehr angespannt ist, nicht einfacher. "Momentan sind die Nato-Strategen völlig verrückt geworden: Sie wollen auch die Ukraine mit in die Nato haben. Auch das ist eine Provokation für die Russen. Anderseits wäre es auch keine Lösung, wenn die Russen in die Nato kommen." Das sollten sie auf keinen Fall tun, davon ist der Weltenkenner Scholl-Latour überzeugt.
Eine etwaige Zusammenlegung der deutschen und französischen Militärkäfte kommt für ihn nicht mehr in Frage. Das Europa der 27 ist sowieso nicht aktionsfähig. Die Polen haben Angst vor den Russen und den Deutschen. Das klingt übertrieben, aber die Politik der Zwillinge hatte das bestätigt. Dieser Scholl-Latour mit seinen scharfsinnigen Analysen ist tatsächlich ein Phänomen: "Wir sind 80 Millionen Deutsche, brauchen doch nicht vor 145 Millionen Russen Angst zu haben. Entweder kommen wir zum Karolingischen Kern zurück, als es die starken Präsidentenpaare gegeben hatte, denn das hatte funktioniert: Adenauer mit de Gaulle, Schmidt und Giscard d' Estang, aber auch mit dem sehr ungleichen Paar Kohl / Mitterand, sowie mit Schröder und Chirac. Jetzt aber ist eine Entfremdung zwischen Deutschland und Frankreich eingetreten. Die Amerikaner sind für uns auch keine Garantie mehr, denn die können ein sehr wankelmütiger Verbündeter sein.
Seinen weltpolitischen Analysen sind immer kritisch: "Wir sind in einer grotesken Situation. Selbst heute wird noch im Irak nach dem Freitagsgebet enthauptet. Aber, so fragt er weiter, leben wir denn nicht in einer verrückten Welt: [/font][/size][size=10][font='Arial']ein von Hagens macht aus Leichen Kunstwerke und keiner sagt etwas; Wir werfen den Amerikanern vor, den Terrorismus zu schüren und begehen die gleichen Fehler.
Das Unicum Scholl-Latour wird uns hoffentlich noch einige Jahre die Welt auf seine ganz spezielle Weise erklären. Daraus Lernen kann man zumindest immer etwas.
Propyläen Verlag Berlin, 2006, 425 Seiten, 24.90 ?
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