hallo, da ich nicht wusste, ob ich diesen beitrag nun ins deutschlogikforum oder sonstwohin schreiben soll, hab ich mich dazu entschieden diesen ebenfalls inhaltlich passenden Artikel aus der Tageszeitung vom Samstag den 11.06.2011 hier in diesem Threat hineinzuschreiben, weil es ebenso um die geschicke der sprachlichen verwirrung geht
hmmm .... oder sollte ich ihn in den Japan-Threat stellen; was meint Ihr?
[size=36]Die Macht der Sprache[/size]
[size=18]Was Pfingsten mit der aktuellen Politik zu tun hat[/size]
geschrieben von ALEXANDER JUNGKUNST
Blicken wir auf dieses - im Vergleich zu Weihnachten oder Ostern - eher sperrige christliche Fest; auf Pfingsten. Ein "Brausen vom Himmel" erschien da den Jüngern, so steht es in der Apostelgeschichte: Der heilige Geist soll erfüllt haben, und sie konnten plötzlich in allen Sprachen reden, alle Sprachen verstehen. Das war die Überwindung jener "babylonischer Sprachverwirrung", mit der Gott laut Überlieferung angeblich die Menschheit für Ihre Hybris bestraft hat, einen gigantischen, in den Himmel reichenden Bau zu beginnen - den Turmbau zu Babel.
Und da, in diesen Bildern und Symbolen, wird Pfingsten dann plötzlich aktuell, gerade 2011. Zum einen Deshalb: Es ist heikel, wenn der Mensch sich zum Herrn erhebt, wenn er sich alles zutraut, wenn er ganz bewusst enorme Risiken eingeht, wenn er auf Projekte mit möglicherweise gefährlichem Ausgang setzt - die Turmbau Hybris kann sich rächen.
Und viele sahen in der Katastrophe von Fukushima denn auch eine Folge dieser menschlichen Anmaßung, angeblich alles beherrschen zu können [color=#990000]wollen.[/color]*
[size=14]Verschleiern und verletzen[/size]
Es geht in der Pfingstgeschichte aber auch viel um Sprache, um Macht und Ohnmacht der Sprache. Und Sprachverwirrung herrscht heute wieder: Weil Menschen oft zu sorglos, zu fahrlässig, zu anmaßend mit der Sprache umgehen. Weil sie nicht das sagen, was sie wirklich meinen. Weil sie mit
Sprache verschleiern und verletzen.
Die Tagespolitik bietet dazu jede Menge Beispiele. Warum fehlt ihr zusehends jene elementare Grundlage, die Glaubwürdigkeit? Auch deshalb, weil die Sprache der Politik eben oft nicht glaubwürdig ist. Besonders die schwarz-gelbe Koalition [color=#990000](subjektive Meinung!)[/color] fällt da auf durch Sprachverwirrung: Sie bläst all ihre Vorhaben dermaßen rhetorisch auf, dass nur umso mehr auffällt, wie wenig dann tatsächlich herauskommt in der zusehends eisigen Regierungsarbeit. "Ab heute wird die FDP liefern": Das war wieder so ein markiger Spruch, diesmal, ganz in Westerwelle-Manier, vom neu gekürten Parteichef Philipp Rösler. Seitdem er amtiert, liefern die Libealen aber nur eines: sich selbst.
Dazu trägt die Sprache ihres Koalitionspartners einiges bei, in München mehr noch als in Berlin. Wie Horst Seehofer umgeht mit der FDP im Freistaat, wie er vor allem Wirtschaftsminister Zeil öffentlich ins Eck stellt, das geht ins Zermürbende, Verletzende. Seine Scherze auf Kosten anderer verursachen diesen durchaus Schmerz; sie treffen.
[size=14]Der Tonfall spricht Bände[/size][size=10]
Nicht sehr viel feiner geht inzwischen auch Angela Merkel auf Distanz zu den am Boden liegenden Liberalen. Spricht im Bundestag auffällig lang und für die Kameras sichtbar mit dem Grünen Jürgen Trittin. Streut in Hintergrundgesprächen abfällige Bemerkungen über die vor noch gar nicht so langer Zeit mal als Wunschpartner bezeichnete FDP: Der Tonfall in diesem Bündnis spricht Bände.
Also soll´s nun mal wieder eine Klausur richten. Atomausstieg, Griechenlandhilfen, Innere Sicherheit: Es knirscht an vielen Punkten. Auch deshalb, weil sich die Koalitionspartner nicht verstehen (wollen), weil sie oft aneinander vorbei reden. FDP-Generalsekretär Christian Lindner führte das gerade vor, als er sagte, es gehe den Hardlinern in der Union nicht um "Anti-Terror-Gesetze", sondern um "PRO-Geheimdienst-Gesetze". An diesem treffenden Beispiel zeigt sich die Macht der Sprache.
Mit dieser Sprache sorgfältiger, präziser, wahrheitsgetreuer umzugehen: Das könnte ein mögliches Mittel sein, um die Glaubwürdigkeit der Politik zu erhöhen. Sollte ausgerechnet Schwarz-Gelb dies schaffen, so käme dies schon einem neuen Pfingswunder nahe.[/size]
*hervorhebungen von mir