solange die menschen mit solchen diskussionen ruhig gestellt werden können, ist ja alles wie gehabt.
Nun, Sonja,
die meisten, die ihr ins Forum schreiben, sind wahrscheinlich schon lange "ruhig gestellt". D. h., sie haben wenig Lust, eine Revolution anzuzetteln. Nimm z. B. mich: Ich tue ja bereits, was mir Spaß macht, allein schon deswegen bin ich "ruhig gestellt" und niemandem mehr gefährlich. Die Meinungsäußerungen sind unbedeutend. Dazu kommt, dass ich bisher nur kurze Zeiten im Leben hatte, in denen ich allein lebte, also auch sexuell einigermaßen im Gleichgewicht war. Wo soll da revolutionäres Potential oder die nötige Wut herkommen?
Und das Fernsehen? Ist zuweilen s e h r inspirierend. Gerade gestern spätabends lief auf dem ZDF ein empfehlenswerter Film. GESTRANDET IM PARADIES hieß er. Ein paar junge Leute, darunter ein Ehepaar, gehen auf eine Luxusjacht - Nähe Miami Beach - und fahren ziemlich weit aufs Meer raus. Eine der Frauen ist scharf auf jenen Ehemann und versteht sich auf Voodoo. Also macht sie so einen Zauber, während sie sich mit anhören muss, wie ihr Angehimmelter es mit der angetrauten Frau treibt (die Jacht hat dünne Wände). (Mit ihrem eigenen Freund hat sie sich überworfen und will die Liebe des Ehepaares zerstören.) Am Morgen bricht auf der Jacht ein Brand aus, in der Kombüse. Sie schaffen es nicht, ihn zu löschen und springen ins Rettungsboot. Aber da explodiert das Schiff schon, das Boot wird mitbeschädigt und geht samt Insassen unter. Jene Ehefrau erreicht schwimmend einen unbekannten Strand, ist zivilisationsgewohnt und gerät innerhalb von wenigen Stunden an ihre Grenzen, kann sich weder zu essen noch zu trinken verschaffen. Da begegnet sie dem Freund jener Voodoo-Priesterin, der es ebenfalls geschafft hat, an Land zu kommen und so etwas wie ein Überlebenskünstler ist. Er kann Kokosnüsse öffnen, Fische fangen, eine Hütte aus Palmblättern und -ästen bauen, nur mit dem Feuer klappt es nicht so recht. Sie kommen zwei Tage gut über die Runden und wärmen sich ein wenig, fassen sich aber nicht weiter an, obwohl er scharf auf sie ist und ihr das ab und zu zeigt. Da entdeckt er schließlich den Mann der Frau, der ebenfalls überlebt hat und in ein Felsengewirr gespült worden ist. Er rettet dem Verwundeten das Leben und bringt ihn zu dessen Frau, die ihn überschwenglich begrüßt. Als ihr Mann aber allmählich begreift, was los ist, wird er sofort eifersüchtig. Es gelingt ihm zwar, Feuer zu machen, weil er Streichhölzer in einer wasserdichten Dose gerettet hat, aber das Einzige, was ihn interessiert, ist, ob seine Frau in den zwei Tagen, von denen er nichts weiß, es mit dem anderen getrieben hat. Er zwingt praktisch seinen Lebensretter dazu, aus dessen selbstgebauter Hütte auszuziehen, ein Stück entfernt zu wohnen und fängt bei jeder Gelegenheit Streit an. Dadurch treibt es die Frau natürlich dem anderen erst recht in die Arme. Es geht hin und her und immer wieder lebensbedrohlich, zumindest anstatt einander zu unterstützen, streiten die Männer die ganze Zeit um die Frau. Der Ehemann überlebt und zwingt die Frau, ihm wieder zu gehorchen. Irgendwann werden sie von einer anderen Jacht entdeckt, doch sie sehen nur die Frau und nehmen sie mit, da der Mann auf Fischfang ist. Er kommt noch zurecht, um die Rettungsjacht ablegen zu sehen und schreit um Hilfe, aber nur seine Frau hört ihn, die keinen Finger rührt und keinen Ton sagt...
Eine Geschichte, die betroffen macht, vom "Lügen"fernsehen in mein Wohnzimmer geliefert.
Wie lange braucht also der Mensch, wie blind ist er und wieviel Schmerz muss er erleben, bis er vom HABEN zum SEIN gelangt?
Herzliche Grüße,
nanabozho