Beiträge von nanabozho

    Also, Bkid,

    das ist schon mal Schnee hoch zehn! Sonst gäbe es nicht diese ganzen Proteste überall. "Auto, Arbeit, Urlaub, Alk. usw." haben immer weniger Leute. Manche haben nur noch Auto (alt) und Alk, können essen und schlafen und fernsehen und oft genug kriegen sie nicht mal was zum Fi... - wie Du Dich auszudrücken beliebst -, sondern masturbieren vor den Pornoseiten des Computers (falls sie wenigstens den noch haben). Wenn sie dann das Auto noch verlieren oder den Computer, wird es kritisch, denn mit nur noch Hartz IV lässt sich nicht so vieles neu anschaffen. Also herrscht schon mal eine Menge Frust und ein ziemlich heftiger Wunsch, dass sich etwas verändert.
    Dass die meisten denken, erst müsste sich die Gesellschaft verändern, bevor sie selber sich verändern könnten, ist eine Krankheit, der man nicht ganz so leicht und schnell entflieht, aber eben auch nur eine Krankheit.
    Wer alles hat, was Du da aufzählt, gehört schon zu den mächtig Reichen, also dem berühmten 1%. Lässt sich damit eine Wahl gewinnen?
    Weiter: Wenn man Alkoholikern, Drogenabhängigen, Vorbestraften, Homosexuellen, Familienpflichten Verletzenden und 80jährigen verbieten wollte zu wählen, wer soll dann überhaupt noch zur Wahl gehen, da ungefähr 50 % ständige Nichtwähler schon jetzt die größte "Partei" bilden? Ganz abgesehen davon, dass viele von Deinen Genannten schon mal sowieso eine solche Wahl verachten würden...
    Ebenfalls falsch ist, dass die Wähler über das Schicksal der vielen bestimmen. Höchstens unabsichtlich und auf sehr relative Weise. Denn sie wissen von keinem der Politiker, wie viele seiner Versprechen der einhalten wird, wissen vielleicht nur, dass er kaum eines einhalten wird. Und da wissen sie höchstens, was er n i c h t tun wird, aber nicht, w a s er tatsächlich tun wird. Also bliebe sowieso alles im Ungewissen.
    Außerdem: Niemand - in der gesamten Weltgeschichte nicht - konnte und kann es a l l e n recht machen. Irgendjemand wird i m m e r unzufrieden sein. Man kann vielleicht versuchen, es der größten Masse der Leute recht zu machen, aber heutzutage ist es sehr schwer, festzustellen, was die Mehrheit will und wie groß sie überhaupt ist.
    Deshalb ist alles nur Stückwerk, immer und zu jeder Zeit. Jede Diktatur geht schief und jede Demokratie auch. Man kann hier und da etwas verbessern, doch das wird immer nur ein kleiner Schritt sein.
    Das Einzige, was unsereiner wirklich verändern kann, ist sich selbst. Und daran wird ihn keine Politik und keine Geschichte je hindern, wenn er das denn wirklich will.

    Mit Verlaub,
    nanabozho

    [size=18]Feinde im Dunkel[/size]
    Vielleicht brauche ich nicht zu erklären, dass es einerlei ist, gegen wen oder was einer kämpft. Wahrscheinlich ist es ebenso gleichgültig, mit welchen Mitteln er das tut. Selbst über das Wofür lässt sich streiten. Aber es ist furchtbar, wenn du irgendwann entdeckst, dass alles, was du je getan hast, in die Hose ging, weil du in Wirklichkeit dich selbst auf ’s Korn genommen hast.
    Als es bei mir dazu kam, fürchtete ich beinahe, den Sinn meines Lebens verloren zu haben. Aber ich erzähle diese merkwürdige Geschichte lieber von vorn.
    Ich war siebzehn oder achtzehn, als ich zu den Autonomen kam. Das Abitur hatte ich recht gut geschafft und Bafög bekam ich auch, damit ich studieren konnte. Meine Eltern wären nicht in der Lage gewesen, mich ihrerseits stärker zu unterstützen, denn mein Vater hatte seine Arbeit verloren, danach keine neue Anstellung mehr gefunden und hing am Tropf des Staates. Und was meine Mutter betrifft, so war sie über Jahre von einer Gelegenheitsbeschäftigung zu nächsten gewechselt und verdiente zuletzt ein kleines Zubrot mit alternativen Massagepraktiken und einer Art Heilkräuterberatung. Selbstverständlich betrieb sie alles, was sie tat, inoffiziell und sozusagen „schwarz“, damit man meinem Vater nicht die Grundsicherung kürzte. Ich glaube, sie wollte tatsächlich Heilpraktikerin werden, hat aber niemals einen handfesten Kurs bezahlen können. Nur meiner Schwester ging es einigermaßen gut, denn sie arbeitete als Altenpflegerin in einer größeren Einrichtung und kam mit dem, was
    sie dabei verdiente, über die Runden. Allerdings gestand sie mir vor kurzem, dass sie niemals eine Familie gründen wolle, denn sie fürchtete, in hoffnungslose Armut zu stürzen, sobald sie für Kinder sorgen müsste.
    Nicht nur uns allein ging es so. Wohin ich sah, hatte sich Frust breitgemacht. Tausende Menschen, die gesund und kräftig waren und sich wahnsinnig gefreut hätten, eine Arbeit zu verrichten, verharrten sozusagen auf dem Abstellgleis und mussten die Almosen annehmen, die der Staat ihnen bot. Oftmals hatten sie bereits die Fünfzig überschritten, fast immer die Vierzig und fanden sich nicht mehr so leicht bereit, eine Stelle im Ausland als Touristenanimateur anzunehmen, dafür fließend Spanisch und Portugiesisch zu lernen, von morgens bis abends Witze zu reißen und die akrobatischsten Tanzfiguren auf ’s Parkett zu legen. Zur Neukundenerschließung für Abzockefirmen wollten sie sich erst recht nicht hergeben. Also blieb ihnen nur, sich vom Fernsehen berieseln zu lassen und zuzuschauen, wie es Menschen ging, denen die Teilnahme am Leben nicht verwehrt war. Ich habe mich immer gewundert, warum ein Staat bereit ist, die Rundfunkgebühren für seine Ausgestoßenen zu übernehmen, weit weniger aber, ihnen zu helfen, wenn sie von sich aus etwas bewegen wollen.
    Doch es ist besser, allein von mir sprechen. Für meine Generation sieht es erst recht nicht rosig aus, in ganz Europa nicht. Jeder weiß das und wir brauchen nicht zu diskutieren. Beispielsweise interessiert es keinen, dass ich meinen Diplomingenieur gemacht habe. Stattdessen wollen sie, dass ich möglichst jahrelang ein „Praktikum“ nach dem anderen durchziehe, also meine Zeit für Firmen opfere, die mich ohnehin nicht bezahlen.
    Wem kann ich schon anvertrauen, dass ich ein Erfinder bin und in meiner Schublade zu Hause der Plan von einem Motor liegt, der zum größten Teil von Windenergie gespeist wird? Sogar die Leute, die Autos herstellen, lachen mich aus. Sie tun so,
    als glaubten sie mir nicht, als hätte ich die Sache nicht gut durchgerechnet und so weiter. In Wirklichkeit aber haben sie Angst vor allem Neuen, das ihre Kreise stören würde. Denn dafür muss Altes fallen und wer nur über ein Mindestmaß an Macht verfügt, wird sich auf Gedeih und Verderb dagegen wehren. Die grauen Herren in den Chefetagen und ihre dienstbaren Geister in den Behörden wären vermutlich mehr als beruhigt, wenn ich in irgendeiner Firma meine Zeit absitze und stundenlang Teile zusammenschraube, deren Funktion mir gleichgültig ist. Solange ich sie nicht mit meinen Ideen behellige, ist alles in Ordnung.
    Das meiste davon wusste ich bereits um die Zeit, als ich mein Abitur machte. Deshalb gab ich mich auch keinen fruchtlosen Träumen hin. Und mir war klar, dass es in dieser sogenannten Demokratie keine Zukunft für mich gab. Für die meisten, die innerhalb ihrer Grenzen wohnten, gab es keine, doch wem war das schon bewusst? Ich aber sah die Dinge ziemlich klar und ich war beileibe nicht der Einzige.
    Die Gesellschaft musste sich grundlegend wandeln, damit so etwas wie eine Zukunft überhaupt wieder möglich wurde. Und da die Strukturen ziemlich festgefügt waren und auf längere Sicht keinerlei Veränderung versprachen, wollten wir sie ein wenig auflockern. Wir, die Autonomen.
    Es gab einige von uns, die griffen auf die alten Kamellen zurück: Marx und Lenin und Mao. Jene vielfach umstrittenen und dennoch hochgelobten Herren waren schließlich die Klassiker der „proletarischen Revolution“. Mir kamen solche Sachen jedoch beizeiten kindisch vor, denn „Proletarier“ existierten schon lange nicht mehr. Leider.
    Jeder von uns wusste darüber recht gut Bescheid, viele waren eifrige Leser. Aber wir sahen und hörten, was um uns herum vorging und wir machten uns keine Illusionen: Das Geld, die Profit- und Gewinngier beherrschte die Leute. Oder, wie es ein paar Jahrzehnte früher hieß: das Kapital. Es gab keine Solidarität, es gab keine Zuwendung, kein Verständnis, von Liebe ganz zu schweigen! Es gab bloß immer dieses Habenwollen. Und die Stärkeren, die die Schwächeren ausraubten!
    Vom Wissen darum war ich angewidert, jeder Gedanke daran versetzte mich in eine unbeschreibliche Wut! Denn in eben diesem Zustand lag auch der Grund, weshalb ich und meine Generation so chancen- und hoffnungslos dahinvegetierten.
    Deshalb war ich bereit, gegen dieses Staatssystem zu kämpfen, mit allen mir zur Verfügung stehenden Mitteln.
    Wir besetzten Häuser und bauten Containerbarrikaden. Zu jedem noch so geringen Anlass demonstrierten wir und sobald die Polizei auftauchte, warfen wir Pflastersteine oder was wir eben zwischen die Finger bekamen. Einige von uns, später auch ich selbst, konnten Molotow-Cocktails herstellen oder Minibomben basteln, deren Wirkung jenen in nichts nachstand. Müllbehälter abzufackeln war eine ziemlich gewöhnliche Aktion, aber tiefe Genugtuung bereitete es uns, wenn wir schwerkalibrige Autos brennen sahen, MERCEDES und BMW vorzugsweise, die Wagen der Reichen. Damit vermochten wir uns zumindest teilweise an denen zu rächen, die persönlich zu greifen uns nicht vergönnt war. Jeder, der es sah, würde verstehen, dass wir den Kapitalismus zerstören wollten.
    Die Polizei erwies sich als passabler Feind. Sie stand für das Staatssystem, das uns zur Ohnmacht verdammte. Sie verteidigte es und musste ihrerseits aus diesem Grunde uns bekämpfen. Und so ging es zuweilen hart auf hart und wir sahen uns oft sogar im Vorteil, weil die Beamten Befehlen gehorchten, während wir blind und erbarmungslos zuschlugen und uns nicht um irgendwelche Dienstvorschriften zu kümmern brauchten. So geschah es hin und wieder, dass einer der Uniformierten dabei drauf ging, während ziemlich viele von ihnen eine gewisse Krankenhausreife erreichten.
    Die meisten von uns lebten ihren Hass in diesen Kleinkriegen aus. Und wenn du dann einen vor dir hast, von dem du zweifelsfrei weißt, dass er mit seiner Person und allem, was er tut, ein hundertprozentiges Symbol für das ist, woran du dich rächen willst, dann zögerst du nicht. Dann schlägst du zu und wenn er jammert und stöhnt und schreit, schlägst du härter und heftiger, bis er sich nicht mehr regt. Es ist ein Rausch, ein Orgasmus geradezu, und wenn Stille eintritt, bist du zumindest wieder ein wenig entspannt, hast du einen Sieg errungen, wenn auch nur einen geringfügigen. Denn in einem einzigen Polizisten kannst du noch keinen Staat töten und du weißt, dass die nächste Schlacht bevorsteht, sobald eine beendet ist.
    In Wahrheit aber verdienten die Uniformierten kaum die Bezeichnung Feinde. Denn sie hassten nicht wie wir. Sie hatten einen Auftrag und einen Befehl und den versuchten sie aus- zuführen. Vielleicht verfügten sie über eine gute Ausrüstung, Schutzschilde und Feuerwaffen und alles Mögliche, aber sie empfanden keine Wut. Damit fehlte ihnen die Kraft, das tiefe Gefühl, mit dem wir auftraten und kämpften. Und deshalb verachteten wir sie auch.
    Diejenigen aber, die uns gewachsen waren, trieb ein ähnlicher Frust, eine Verzweiflung, die der unsrigen beinahe glich. Würdige Feinde waren sie deshalb, die Kämpfer auf dem rechten Flügel. Abgesehen von den Dienern des Staates bildeten sie eine großartige Zielscheibe und wir glaubten uns ebenfalls im Recht, indem wir sie zu vernichten trachteten.
    Sie benutzten andere Symbole, kleideten sich anders, aber sie teilten unsere Gefühle. Eigentümlicherweise wussten sie sie sogar besser auszudrücken als wir, denn sie ließen ihre gesamte Erscheinung sprechen. Bomberjacken trugen sie und das hohe, metallisch-harte Schuhwerk, das die Leute „Springerstiefel“ nannten. Meistens schoren sie sich ihre Köpfe völlig blank und ließen ihre Glatzen leuchten. Eine oder mehrere Tätowierungen, die an Hals oder Unterarm die sattsam bekannten SS -Runen
    zeigten, taten ein Übriges. Kurz: ihr gesamtes Auftreten verströmte Wut, Hass und Aggression.
    Das forderte uns heraus. Wir empfanden uns anders. Denn wir meinten, klüger zu sein, gebildeter, wissender. Von Philosophie verstanden wir etwas, von Politik. Das versetzte uns in die Lage, notfalls zu argumentieren, zu diskutieren, unseren Standpunkt, unsere gerechte Sache nach außen zu vertreten. Deshalb lebten wir unsere Gewalt erst aus, wenn sich die Gelegenheit dazu ergab, während die Rechten in jeder Sekunde darauf lauerten, einen solchen Augenblick heraufbeschwören zu können.
    Unter Umständen waren sie diejenigen, die uns zuvorkamen, diejenigen, die im Wilden Westen zuerst geschossen hätten. Wir vermochten ihnen nur mit List beizukommen und wir meinten, sie seien mit weit weniger Intelligenz gesegnet als die meisten von uns. Überdies verachteten wir sie, weil sie sich an Schwächeren vergriffen und nicht einmal soviel Ehre im Leib hatten, sich ebenbürtige Gegner zu suchen.
    Denn abgesehen von der Polizei, die unseren gemeinsamen Feind bildete, richteten sie ihre Wut auf Ausländer, Schwarze oder sogar Juden. Sie beteten uralte rassistische Parolen nach und bliesen zur Hatz auf Minderheiten, die nur in geringer Anzahl vorhanden und auch sonst ausgesprochen wehrlos waren. Juden beispielsweise, die im heutigen Deutschland leben, kann man wahrscheinlich an zehn Fingern abzählen, und die einzigen, die eine gewisse Macht darstellen, sind die eingewanderten Araber und Türken. Unser Verstand war nicht imstande, nachzuvollziehen, weshalb die Rechten gegen diese Bevölkerungsanteile vorgehen wollten, und darin bestand ein Teil des Hasses, den wir unsererseits auf die Bomberjackenträger richteten. Unsere Gewalt und unser Kampf war gerechtfertigt und wir kannten die wahren Menschenfeinde, während die braunen Idioten nur blindlings um sich schlugen. Es gehörte also folgerichtig zu unseren Aufgaben, ihnen Einhalt zu gebieten.
    Jahrelang lebte ich so. Während meines Ingenieurstudiums wohnte ich in einer Kommune, die ein altes Haus besetzt hielt. Spätere Absprachen mit den Stadtbehörden führten dazu, dass wir uns bereit erklärten, die Betriebskosten zu entrichten, weshalb man uns einigermaßen in Ruhe ließ.
    Eine Zeitlang hatte ich sogar eine Freundin, doch die Liebe besaß für mich damals nur einen geringen Stellenwert, weshalb ich jenes Mädchen auch bald wieder verlor.
    Meistens waren es bestimmte Nationalfeiertage, an denen wir gegen die Polizei kämpften. Zusätzlich führten wir einen Guerillakrieg gegen die Nazis, der nur zuweilen in kurze nächtliche Straßenschlachten ausartete. Immerhin verhielten wir uns ebenso erbarmungslos wie sie. Bis heute tauchen in meinem Gedächtnis die Erinnerungen daran auf und bis heute kann ich nicht sagen, warum ich in diesen Kämpfen nur mich selbst wahrgenommen habe, nicht aber einen meiner Gegner. Immer traten wir als Gruppe auf und keiner tat etwas im Alleingang. Wir bildeten eine Bande und sie ebenso. Und meistens waren es drei oder vier Mann, die auf einen Einzelnen einschlugen oder -traten, bei ihnen wie auch bei uns. Wenn dann die Polizei eingriff, erlebten wir einen zusätzlichen Kick, einen neuen Kampfrausch, und wir genossen ihn weidlich.
    Es war ein Erster Mai, an dem der Wind sich für mich drehte. An diesem Tag marschierten die Rechten schon um der Tradition willen und es war so gut wie selbstverständlich, dass wir ihnen auflauerten. Während die Polizisten sich beinahe einen abbrachen, indem sie jede Begegnung beider Gruppen zu verhindern suchten.
    Das schafften sie nicht immer, vor allem, wenn die Dämmerung einsetzte und wir noch unterwegs waren. Diesmal zählten wir fast hundert Mann und trafen in einer Nebenstraße auf die Bomberjacken, die nur ungefähr sechzig Leute hatten auf die Beine stellen können.
    Die Schlacht begann auf der Stelle und wurde durch den Umstand begünstigt, dass wir uns unmittelbar neben den Ruinen einer alten Fabrik befanden, zwischen denen wir uns alsbald tummelten. Unzählig viele Steine und Glasscherben lagen dort umher, außerdem schwere Eisenteile und andere Gegenstände, die sich als Wurfgeschosse eigneten. Für mich war es das reinste Vergnügen, von Deckung zu Deckung zu springen und aus dem Hinterhalt zu agieren, obwohl es bei zunehmender Dunkelheit nicht ganz leicht war, Freund und Feind zu unterscheiden. Doch es dauerte nicht lange, bis die Polizeimannschaften eintrafen und ihrerseits mit Wasserwerfern und Tränengas in unseren Krieg eingriffen.
    In dem Chaos, das daraufhin einsetzte, verloren wir wahrscheinlich alle die Orientierung. Zumindest kann ich nicht mehr genau beschreiben, wie es kam, dass ich mich plötzlich in einer Art Kellergewölbe wiederfand und vergeblich nach einem Ausgang suchte. Kurz zuvor waren zwei oder drei der selbstgebastelten Handgranaten explodiert, so dass mir das Mauerwerk um die Ohren flog und eine Druckwelle mich umwarf. Möglicherweise hatte sie mich in dieses Gefängnis befördert, denn nun stand ich da, ertastete nur noch eine halbvolle Schachtel Streichhölzer in meiner Hosentasche und wusste eigentlich überhaupt nicht, was ich tun sollte.
    Sobald ich um Hilfe rief, würden die Falschen auf mich aufmerksam werden und ich fiele eventuell in die Hände der Polizei. Doch wenn ich gar nichts tat, musste ich wahrscheinlich mindestens den Rest der Nacht in diesem Loch verbringen. Der Lärm der Auseinandersetzungen draußen drang nur noch sehr gedämpft an mein Ohr und ich gewann den Eindruck, dass er allmählich abebbte.
    Es war nicht sonderlich kalt, so dass ich hoffte, es noch eine Weile aushalten zu können. Indes empfand ich meine Situation als einigermaßen gruselig und meine Fantasie gaukelte mir allerhand Schreckensszenarien vor. Angespannt lauschte ich, um beim geringsten undefinierbaren Geräusch aufspringen und mich retten zu können, obwohl ich keine Ahnung hatte, in welche Richtung ich mich in diesem Fall hätte wenden müssen.
    Bald aber beruhigte ich mich, denn ich hatte im Licht mehrerer entzündeter Streichhölzer gesehen, dass ich auf blankem Schutt saß und keineswegs etwa inmitten von irgendwelchen Insekten oder Ratten. Trotzdem entdeckte ich auch nirgends einen möglichen Weg nach draußen außer vielleicht einen höhlenähnlichen Gang, zu dem ein paar Stufen führten und der, wie ich nach dem Werfen einiger kleiner Steine feststellte, voll Wasser stand. Ich würde also bis zum Morgen warten müssen in der Hoffnung, dass zumindest einige Lichtstrahlen, die durch irgendwelche Ritzen fielen und mein Gefängnis besser sichtbar machten, mir den besten Ausweg weisen könnten. Die Situation war belämmert, aber nicht ernsthaft bedrohlich.
    Plötzlich klang es, als ob eine feste Schuhsohle auf Kies träte, ein Knirschen unmittelbar hinter meinem Rücken. Bevor ich nach einem weiteren Streichholz greifen konnte, traf mich ein schwerer Faustschlag ins Genick.
    „Verrecke hier unten, du linke Ratte!“ hörte ich eine wuterfüllte Stimme zischen, während ich mich überrascht nach vorn fallen ließ. Offenbar war ich keineswegs allein und wenn ich Pech hatte, saß ich in einer Falle, von diesen Nazibanditen mit Vorbedacht aufgestellt. Der hinterhältige Hundesohn hatte sich im Licht meiner Streichhölzer an mich herangeschlichen. Jetzt aber konnte er mich für einige Augenblicke überhaupt nicht sehen.
    Wahrscheinlich verfügte er seinerseits über keinerlei Hilfsmittel oder Lichtquelle, denn ich hörte, wie er stolperte und fluchte. Er hatte vermutlich versucht zu ertasten, wo ich lag, um mir den Rest zu geben.
    Sein heftiger Atem zeigte mir an, dass er höchstens dreißig Zentimeter von mir entfernt gestürzt sein musste. Blindlings stieß ich meine Faust in die Richtung, die mein Gefühl mir wies. Sie traf auf Haut und Knochen und meldete mir, dass ich sein Gesicht erwischt hatte.
    Er stieß einen kurzen Schrei aus, während ich mich aufrichtete, zwei Schritte rückwärts trat und wiederum ein Streichholz entzündete. Im Bruchteil einer Sekunde erkannte ich, dass er nur etwa einen Meter von jenem unter Wasser stehenden Gang lag und seinerseits aufzusehen versuchte. Schnell löschte ich die kleine Flamme wieder.
    Ich hatte mir die Richtung gut gemerkt, doch als ich meinen zweiten Schlag austeilen wollte, traf dieser ins Leere. Sofort hielt ich meinen Atem an, um den meines Gegners zu vernehmen. Anscheinend aber handelte er ebenso.
    Mehrere Sekunden lang herrschte völlige Stille, danach hörte ich, wie er einen Schritt auf dem Schutt vollführte. Leider war ich mir nicht sicher, wie weit er von mir entfernt war und wollte kein weiteres Streichholz entzünden. Außerdem zweifelte ich kaum noch daran, dass wir beide allein in der Finsternis eingesperrt waren.
    „Es ist sinnlos“, sagte er plötzlich unerwartet und ich schrak ein wenig zusammen. „Die absolute Idiotie.“
    „Was?“ hörte ich mich fragen. „Was willst du damit sagen?“
    „Hier unten“, erwiderte er. „Finster wie im Bärenarsch und wir schlagen sinnlos rum. Ich brauch ’ne Pause, würde ich sagen. Oder ich hab die Schnauze voll. Du hast wenigstens Licht.“
    Es klang, als ob er sich setzte. Deshalb ließ ich mich ebenfalls auf den Boden nieder.
    „Du meinst, ich soll dir heimleuchten, hä?“ Wie sollte ich diesem Nazi-Schwein Vertrauen schenken? „Das könnte dir so passen.“
    „Hab ich nicht gesagt“, brummte er. „Eine Drescherei im Finstern ist bescheuert, das habe ich gesagt.“
    „Na gut, ich mach nichts“, lenkte ich ein. „Aber dann sitze ich zwei Minuten, bis du dich angeschlichen hast und mir eine rein haust. Da bin ich lieber derjenige, der dich erledigt.“
    Er schwieg und ich ebenfalls. Unruhig schwang die Stille im dichten Dunkel.
    „Wo bist du eigentlich her?“ hörte ich ihn endlich fragen. Offenbar saß er noch immer auf derselben Stelle.
    „Das geht dich nichts an!“ Ich war keineswegs in der Stimmung, mit ihm Frieden zu schließen.
    „Ich bin abgehauen zu Hause“, sagte er unvermittelt. „Hab’s nicht mehr ausgehalten. Bei den Nazis geht’s mir besser.“
    Darauf wusste ich keine Antwort. Vielleicht wollte er mich nur in Sicherheit wiegen. Ich beschloss, wachsam zu sein und ihn reden zu lassen, denn so vermochte ich ihn auf jeden Fall im Dunkeln zu orten.
    „Übrigens heiße ich Mike“, begann er wieder. „Ein Scheißname ist das. Warum haben sie mich nicht Michael genannt? Das wäre wenigstens ,cool‘ gewesen und anständig deutsch.“
    „Michael ist hebräisch“, wandte ich triumphierend ein. Es verschaffte mir Genugtuung, wenn ich mir vorstellte, wie dieser Nazi sich ärgern würde, in Wahrheit einen jüdischen Namen zu tragen. Und ganz nebenbei demonstrierte ich damit meine Bildung.
    „Wie heißt denn du?“ erkundigte sich Mike hingegen, ohne die unerwünschte Information zu kommentieren.
    „Benno“, antwortete ich wahrheitsgemäß. „Wie Benno Ohnesorg7, den Studenten, den die Polizei umgelegt hat.“
    „Schätze, so einen Typen kenne ich nicht, tut mir leid“, versetzte mein Gegner aus dem Dunkel, der mir von Minute zu Minute weniger feindlich vorkam. „Wann soll denn das gewesen sein?“
    „Lange vor meiner Zeit“, gab ich zu. „Siebenundsechzig. Ich bin aber erst Sechsundachtzig geboren.“
    „Da bist du immerhin älter als ich“, verglich er. „Vier Jahre. Hast du’s da noch nötig, dich mit diesen linken Socken rumzutreiben?“
    Wollte er erneut provozieren?
    „Nötig?“ erwiderte ich vorwurfsvoll. „Das ist eine gerechte Sache, das tue ich aus Überzeugung.“
    „Wir halten zusammen“, behauptete er da. „Das ist die Hauptsache. Die Deutschen müssen zusammenhalten und das tun sie nicht mehr. Sie verschachern ihr Land an die Ausländer. Die eigenen Leute haben keine Chance und dieses verdammte Gesocks kriegt bloß Zucker in den Arsch geblasen.“
    Irgendetwas hinderte mich daran, an dieser Stelle eine ideologische Diskussion vom Zaun zu brechen. Stattdessen fragte ich ihn, was er denn meinte mit den Chancen, die ein Deutscher nicht kriegt. Vielleicht war es sogar das Einzige, was mich wirk- lich interessierte.
    „Ich hab’ eine Lehre gemacht“, erwiderte er leise. „Gartenbau. Und ich finde nichts, bin arbeitslos. Zuletzt habe ich mich in einem Großbetrieb beworben, die suchten welche, die ein paar Wochen lang Bäume pflanzen sollten. Sogar das war eine Fehlanzeige, die haben drei Polen und zwei Rumänen genommen, die nicht mal anständig Deutsch konnten.“
    „Die brauchen denen nicht so viel zahlen, so einfach ist das“, klärte ich ihn grimmig auf. „Unausgebildete Kräfte wollen die.“
    „Ist mir scheißegal, was die wollen“, zischte er, wobei ich seine Wut buchstäblich durch die Finsternis zu mir herüberkriechen fühlte. „Ich bin Deutscher und lebe in meinem Land! Mich macht es fertig, dass Polacken und Zigeuner mir wegnehmen können, was mir zusteht! Eine anständige Arbeit steht mir zu, eine, bei der ich ordentlich verdiene, das kann ich von meinem Land verlangen! Aber eben nicht bei dieser Idiotenregierung!“
    „Was macht denn dein Vater?“ wollte ich wissen.
    „Der ist Arzt, der hat’s ziemlich dicke“, berichtete Mike. „Er wollte mir sogar ein Studium bezahlen, aber ich hatte kein Lust zum Studieren. Garten, das ist meine Welt, davon hab’ ich ge- träumt. Aber entweder du schuftest für irgendeine Gemüsebude zum Nulltarif oder wenig drüber oder suchst dir was anderes, was dir am Arsch vorbei geht. Sowas kotzt mich an, sag’ ich dir! Und wenn sich mein Alter dann noch hinstellt und mich ... Ich bin jedenfalls abgehauen.“
    „Lebst du von irgendwas?“ Meine Neugier wuchs.
    „Meine Mutter steht zu mir, die steckt mir immer mal was zu, wovon der Alte nichts wissen darf. Wenn der erfährt, dass ich bei den Nazis bin, hetzt er selber die Bullen auf mich, schätze ich. Ich wohne mit zwei Anderen in einem Hinterhofhaus, wir haben die Miete noch allemal ermeckert. Ab und zu habe ich mal was für einen Friedhof gemacht, schwarz. Aber das ist kein Zustand, ich will als anständiger Bürger in diesem Land leben, verstehst du das?“
    Es klang, als stoße er mit seiner Faust in einen Haufen Schutt.
    „Dieses Land ist nur für die Reichen da“, dozierte ich finster. „Und auch bloß das Geld zählt. Wenn du kein’s hast, bist du draußen, und wenn du nicht weißt, wie du welches verdienen kannst, fragen sie trotzdem nicht danach. Das Lumpenpack da oben hat sich seine Paläste eingerichtet und das, was wir davon abkriegen, ist das, was sie schon wieder ausgekotzt haben. Ich fackle so lange Autos und Container ab, bis alles zu Bruch geht! Denen ihre ,Demokratie‘ oder wie sie das nennen, das ist die größte Scheiße, die die Weltgeschichte je erlebt hat!“
    Auch in mir kochte es nun. Was aber in den folgenden Stunden geschah, vermag ich bis heute nicht zu verstehen.
    Wir hörten nur unsere Stimmen und sprachen endlos lange miteinander. Dabei blieben wir auf ein und derselben Stelle sitzen. All unsere Wut, unseren Frust und die wahnsinnige Ohnmacht, die wir empfanden, stießen wir in die Finsternis. Wenn wir nicht in dieser undurchdringlichen Dunkelheit gesessen hätten, wären wir einander unweigerlich an die Gurgel gesprungen. Einem Menschen, der sich zu meinen erklärten Feinden zählte und dem ich mit meinen eigenen Augen hätte ins Gesicht sehen müssen, hätte ich niemals die Tiefen meiner Seele offenbart.
    Dennoch habe ich genau das getan und jener Mike hat mir geantwortet, als sei er ein unsichtbarer Spiegel.
    Als am Morgen die ersten Sonnenstrahlen die Welt draußen erhellten, machten sie einen schmalen Schacht sichtbar, der am Ende des Ganges lag, hinter dem wir saßen und redeten. Das Licht, das bis zu uns vordrang, genügte, um uns zu beweisen, dass wir nur eine ungefähr zehn Meter lange Strecke, die von knöcheltiefem Wasser bedeckt war, überwinden mussten, um ins Freie zu gelangen.
    Danach standen wir draußen, übermüdet, hungrig und fröstelnd. Ohne zu wissen, warum, verabschiedeten wir uns so herzlich, wie ich es niemals für möglich gehalten hätte: Wir umarmten einander, lange und fest. Aber wir tauschten keinerlei Versprechen und ich sah Mike auch niemals wieder.
    Es war immer noch dieselbe Welt, in der ich lebte, dasselbe Deutschland, von kaltschnäuzigem, geldgierigem Kapitalismus beherrscht und soziale Wärme heuchelnd. Niemand ermutigte mich, das zu tun, was ich am liebsten tun wollte, niemand kam und zeigte Interesse an meinem Erfindergeist. Ich wusste nicht, aus welchen Quellen ich neue Hoffnung schöpfen sollte. Die Sache, für die ich bislang gekämpft hatte, hielt ich deshalb weiterhin für gerecht und gut und ich diskutierte auch nicht über Gewalt, denn der Zweck heiligte die Mittel.
    Selbst aber konnte ich nicht mehr gegen meine Feinde zu Felde ziehen, weder gegen die Rechten noch die Polizei. Denn ich wusste nun, dass sie nicht meine Feinde waren.

    (Aus: Andreas H. Buchwald, 1 von 11 - Erzählungen aus dem Hut, AndreBuchVerlag 2011, eBook http://www.antholo.de)

    Also, ich hab mal reingelesen in das Programm der Demokraten und muss sagen:
    Klingt klarer als das der Piraten, scheint ziemlich ausgereift zu sein.
    Meine Stimme haben sie auf jeden Fall, vorausgesetzt sie treten zu einer Wahl an, bei der ich mit"reden" darf.
    Danke für den Hinweis!

    Herzliche Grüße,
    nanabozho

    P.S.: Es wäre allerdings sinnvoller, wenn sie sich mit den Piraten einigen könnten, denn dann lägen die Prozentchancen wirklich höher. Aber wenn Piraten u n d Demokraten antreten, könnte der Wahler ziemlich gespalten sein.

    Das mag vielleicht nicht jedem klar sein, aber Afghanistan ist deshalb interessant, weil es gewaltige Lithium- und Tantalvorkommen besitzt. Über das zweite bin ich nicht gut informiert, aber das erstere braucht man unbedingt in der Computerbranche, auch für Handys und alle möglichen elektronischen Geräte. Ist fast so wichtig wie Öl.
    Deshalb kann man Afghanistan als Wirtschaftsmächtiger nicht so einfach übersehen oder übergehen. Oder sich selbst überlassen.

    Wegen angeblicher "Demokratie" hätten sie keinen einzigen Soldaten dorthin geschickt.

    Herzliche Grüße,
    nanabozho

    Na ja,

    hier, wo ich jetzt wohne, passiert ja nichts, da gibt es nur ca. 100 Einwohner. Aber in Leipzig, wo ich so lange lebte und wo ich den Herbst 1989 mitmachte, ist es erstaunlich ruhig geblieben, was mich enttäuscht. Nur 2550-3000 Leute, das ist ziemlich schwach. Dabei gilt Leipzig z. Zt. als Armutshauptstadt Deutschlands und hat mindestens einen 20%igen Anteil von Hartz-IV-Empfängern! Und was die linke Unterstützung betrifft:
    Da wundere ich mich noch mehr, denn Leipzig ist links regiert - immer links regiert worden! -, aber nicht extrem, sondern bloß SPD.
    Da ich vor ca. 2 Wochen dort war, habe ich die Plakate gesehen, in denen zum Protest aufgerufen wurde. Sie stammten aus der Leipzig-West-Szene, und das sind eher so Alternative, Leute, die schon jahrelang versuchen, ganz ohne oder mit sehr, sehr wenig Geld zu leben. Diese Szene ist sonst eher ruhig und mehr und mehr kreativ, sie schlägt eigentlich nicht zu und zündet auch keine Container oder Autos an. Was in Leipzig meistens die (Links-)Autonomen tun.
    Ich schätze mal, der deutsche Protest ist völlig unkoordiniert und chaotisch, hat hier und da ein paar Nester, die "die Nase vorn" haben und sonst höchstens zwei oder drei Mitläufer. Für die meisten gibt es noch viel zu viel zu verlieren...

    Herzliche Grüße,
    nanabozho

    Oha, Seele07!
    Endlich mal jemand, der die Sache mit dem s noch weiß. Im Alltag wird die Frakturschrift heute meistens grässlich entstellt. Niemand benutzt die Ligaturen mehr und von dem s hat erst recht kaum noch jemand Ahnung.
    Ich hatte es mal richtig lernen muss, war mal Schriftsetzer. Da stört es mich bis heute, wenn ich an großen Häusern die Aufschrift "Post" in Fraktur und mit falschem s sehen muss. Nicht mal die Neonazis, die sich angeblich um das Deutschtum bemühen, wissen, wie man das s in der Frakturschrift gebraucht, und da machen sie sich umso lächerlicher...


    Herzliche Grüße,
    nanabozho


    auch ohne in die Kirche zu gehen - kann ich an den schöpfer glauben und auf das Gute vertrauen :thumbup:

    Sehr gut, ich bin's,

    und deswegen war von Kirche auch überhaupt nicht die Rede. Es ist überhaupt riskant, GOTT und KIRCHE in einem Atemzug zu nennen. Das schafft immer Missverständnisse.

    Herzliche Grüße,
    nanabozho

    Ein schöner Bus!
    Ein durchaus beachtenswerter Satz: Ein erfülltes Leben braucht keinen Glauben!
    In ihm wird "Glaube(n)" missverstanden. Immer, wenn Jesus z. B. von "glauben" sprach, meinte er "Vertrauen". Nicht eine Ideologie, die weiß, ob es GOTT gibt oder wie ein solcher GOTT aussieht. Oder was irgendwann einmal so oder so geschehen ist, um vielleicht zu beweisen, dass es einen GOTT gäbe...

    Herzliche Grüße,
    nanabozho

    Da ich das gerade hier las, mal ein paar Worte zum Begriff LIEBE:
    Ich verstehe ihn ganz und gar nicht als simples Gefühl oder als Gegenteil von Hass. Ich greife in diesem Fall wieder auf das Neue Testament zurück und beschreibe LIEBE etwa so wie der alte Paulus in 1. Korinther 13. (Erspart mir bitte das Zitieren und versucht, selber nachzulesen, vielleicht steht es auch im Internet.)
    Eine solche LIEBE umschließt ALLES. Sie wäre so etwas wie ein Mittelpunkt aus Licht und Freiheit, der ständig in Ausdehnung begriffen ist. Es ist also eine Energie, deren Gegenfluss in Angst besteht (Enge). Physikalisch: LIEBE macht weit, erweitert sich selbst und andere, während ANGST verengt, einengt, schwer und dicht wird, sich verschließt. Wenn der Begriff GOTT einen derartigen Mittelpunkt bildet, könnte der Begriff TEUFEL den Rand bilden, das äußerste Ende, die tiefste ANGST. Ist aber nicht außerhalb von GOTT und schon gar keine GEGENkraft. Höchstens eine, die Spannung schafft, ohne die wiederum Entwicklung nicht möglich wäre.
    Die gesamt Schöpfung bewegt sich praktisch in diesem Raum und tendiert in Teilen entweder mehr zur Weite oder mehr zur Enge.

    Hass indessen ist nur verwandelte Abhängigkeits"liebe", hat mit Haben-Wollen zu tun bzw. dem Frust des Nicht-Haben-Könnens.

    Das sollte man bitte nicht als eine Erklärung oder Beschreibung GOTTES missverstehen. Es ist bestenfalls eine Hilfe zur einer Vorstellung dessen, was möglich wäre...

    Die Indianer sprechen von dem GROSSEN GEHEIMNIS, und ich pflichte ihnen darin bei.

    Herzliche Grüße,
    nanabozho

    [size=12]Gott steht als Begriff für die ABSOLUTE, HÖCHSTE PERSÖNLICHKEIT.[/size]

    Diese doch erheblich verkürzte Aussage entspricht bestenfalls einem Gottes b i l d, einer Vorstellung.
    Die Bhagavad Gita habe ich ja nicht gelesen, ich fände es aber schwach, wenn gerade die heiligen Bücher der Inder eine solche Vorstellung unterstützen. Die höchste Aussage im Neuen Testament darüber hieße ja schon mal: GOTT IST DIE LIEBE (1. Johannesbrief). Kann man etwa LIEBE als Persönlichkeit bezeichnen? Es ist doch wohl eher eine Energie, vielleicht ganz einfach die erschaffende Energie.
    Von Definitionen halte ich in diesem Fall ziemlich wenig, aber wenn man bedenkt, dass ganz besonders die Menschen sich gegen die Idee einer Gottesexistenz wehren, die sich ungeliebt fühlen, schließt sich der Kreis tatsächlich auf merkwürdige Weise.
    Für mich selbst stünde viel eher die Frage: Wer stellt warum eine solche Frage? Oder anders: Was nützt es mir, wenn ich es weiß? Welche Angst würde es beruhigen? Oder schüren? Brauche ich eine Antwort darauf? Warum?
    Noch anders: Kann ein maximal dreidimensional denkender und dreidimensional erfahrener Verstand etwas über eine vieldimensionale Größe wissen?

    Herzliche Grüße,
    nanabozho

    Zitat Asmody:
    Ich werd morgen mal zu irgendeiner bank gehen und fragen ob sie mir einen kredit geben damit ich meine schulden bei meiner anderen bank bezahlen kann .


    Dieser Satz bringt meiner Ansicht nach die ganze Sache auf den Punkt!
    Es geht einfach nicht an, dass Banken, die Milliarden vergeigt haben, auch noch vom Steuerzahler Hilfen kriegen, so oder so. Wenn ein kleiner Mann vielleicht mal 2000 Euro Schulden hat, bekommt er einen Arschtritt, erst recht von jeder Bank. Soll er dann d i e s e n Leuten auch noch helfen? Es genügt eigentlich, Gnade vor Recht ergehen zu lassen und das Bankgebäude n i c h t anzuzünden.
    Das Hauptargument ist inzwischen immer dasselbe: Wenn wir die Banken nicht retten, geht das ganze Geldsystem, die ganze Wirtschaft baden! Ja, und genau das soll sie!!!
    Denn erst wenn das Alte völlig zusammengebrochen ist, können wir etwas Neues bauen, etwas Neues in die Wege leiten. Beispielsweise das Bedingungslose Grundeinkommen und ein vollkommen anderes Geldfluss-System als derzeit besteht, voraussichtlich auch ohne Zinsen.
    Alle, die etwas zu verlieren haben, haben davor Angst, aber sie haben selbst dafür gesorgt, dass es immer mehr Leute gibt, die n i c h t s zu verlieren haben. Man darf gespannt sein, wie die Sache ausgeht.

    Herzliche Grüße,
    nanabosho

    Na ja, mich reizt es doch, in dieser Sache noch zwei oder drei Sätze loszuwerden, vielleicht auch mehr.
    Dabei führt es zu weit, Einzelstellen zitieren zu wollen. Mir kommt es auf das Ganze an.
    Ich bin in einem Staat aufgewachsen, in dem der Atheismus offizielle Doktrin war, also auch dazu antrat, alles Religiöse zu unterdrücken, wenn nicht auszumerzen. Dadurch entstand, fast wie automatisch, ein Gegendruck aus dem religiösen Lager. Denn Kirche wurde so zur Opposition und am Ende für viele rein deswegen interessant und salonfähig. Ja, viele sind sogar wegen des atheistischen Druckes in die Kirche gegangen, haben teilweise sogar echt einen Glauben für sich entdeckt.
    Immer also, wenn ich an irgendeiner Stelle möchte, dass ein Anderer sich verändert, damit ich mich bestätigt fühlen kann, übe ich einen - wenn auch geheimen - Druck aus. Und dieser Druck stärkt unweigerlich die Gegenposition. Ein "objektives" Richtig oder Falsch wird zwar behauptet, ist aber nicht der wahre Grund der Auseinandersetzung. Sondern nur, weil ich mich persönlich allein zu schwach fühle in meiner Position, suche ich Bestätigung, und wenn ich sie nicht bekomme, habe ich es nötig, das Andere als "Falsch" zu bezeichnen. So einfach ist das. Welche Aufschrift meine Position hat, ist unerheblich; ich bilde mir natürlich ein, sie sei von Bedeutung, wenn es um Dinge geht, die, wie man mir eingeredet hat, über Leben und Tod entscheiden.
    Frei bin ich also erst, wenn ich keinerlei Bestätigung mehr brauche und wenn es mir genügt zu sagen: ICH BIN. Und alle Schubläden geschlossen bleiben.
    Nebenbei noch: In Deutschland gibt es ziemlich viel Existenznot und Leute, die auf der Straße leben. Sie müssten es vielleicht nicht, aber sie haben niemanden, der ihnen hilft, irgendwelche Bögen auszufüllen. Und manchmal haben sie zuviel Stolz, um vor der Hartz-IV-Behörde "die Hosen runterzulassen". (Auch ich selbst durfte Hartz IV mal für eine Weile kennenlernen und weiß recht gut, dass die automatisch erstellten Briefe der Behörde deren Empfänger behandeln, als seien sie Kriminelle.) Natürlich ist der Westen erheblich reicher und sieht seltener solche Leute, aber im Osten sind sie ziemlich zahlreich. Dort gibt es auch die meisten arbeitslosen Akademiker... Es gibt schließlich bis heute keine innere Einheit, und es wird bestimmt noch wenigstens 2 Generationen dauern bis dahin.
    Und zum Koran: Ich habe ihn zweimal gelesen. Ja, darin wird zur Tötung von "Ungläubigen" regelrecht aufgefordert. (Ich könnte mal bei Gelegenheit die Stellen heraussuchen, sie dürfen eigentlich nicht in deutscher Sprache zitiert werden, weil die Arabische heilig ist und eine Übersetzung bereits eine Blasphemie ist...) Weiterhin weiß ich von Muslimen selbst, dass sie die religiöse Pflicht(!!!) haben, Konvertiten zu töten!!! Man nennt das "das Blut reinigen für Allah". Sie tun es in unseren Landstrichen oft nicht, weil sie da nicht ganz so sicher vorgehen können wie zu Hause oder weil sie schon ein wenig "liberaler" denken.
    Und zur Moral der Atheisten: Sie ist kulturgeprägt, da kommen die ebensowenig leicht raus wie etwa Christen oder sonstige Europäer.

    Herzliche Grüße,
    nanabozho

    Nur weil ich an etwas nicht glaube, folgt doch nicht, dass dieses etwas existiert.

    Doch, Phasenverschobener,

    denn solange ich betonen muss, dass ich etwas n i c h t möchte, glaube, sehe, will, wie auch immer, gebe ich ihm Kraft und Existenz. Wenn ich es nicht nötig habe, auszudrücken, ob oder woran ich glaube bzw. nicht glaube, bin ich von dieser Wahl frei, erst dann. Das ist jedoch eine beträchtliche Reife, denn ehrlichkeitshalber kann ich es eigentlich nur, wenn ich gelernt habe, im HIER UND JETZT zu leben und alles so zu lassen, wie es ist. Ohne mich über irgendetwas aufzuregen.

    Bis dahin bin ich drin im Spiel und beziehe einfach bloß meine Seite im Schützengraben.

    Herzliche Grüße,
    nanabozho

    Sei nicht so kleinkrämerisch, Illuminatus!
    Was soll es denn außer Fanatismus noch als "religiöse Motivation" für Kriminalität geben? Selbst Muslime behaupten ja, dass sie Anhänger einer friedlichen und friedliebenden Religion sind, obwohl der Koran unzählige Textstellen hat, die unmittelbar zur Tötung der "Ungläubigen" auffordern. Normalerweise folgen sie dem Koran, aber in diesen Fällen sehen sie ihn anscheinend differenziert an. - Natürlich ist keiner Religion zu trauen, solange sie behauptet, die einzig richtige zu sein, denn allein aus diesem Selbstverständnis speist sich jede Art von Fanatismus. Und so ist es auch, wenn ein Atheist meint, allein im Besitz der Wahrheit zu sein, und sei es eben der, dass es keinen Gott gebe.
    Solange ich eine religiöse Aussage - etwa ein Textstück aus einem der sogenannten "heiligen" Bücher - über mein Herz und Gewissen stelle, laufe ich Gefahr, in eine solche unduldsame Richtung einzuschwenken, die irgendwann in Kriminalität münden kann.
    Sonst kommen kriminelle Absichten immer aus Angst, weil sich das Ego bedroht, eingeengt, verachtet o. ä. fühlt. Eine passende Ideologie oder Religion dient bloß der Verschleierung, denn die wahren Gründe sind direkter.
    Einer, der z. B. stiehlt, hat manchmal früher angefangen, manchmal später und weiß oft nicht mehr, wie es begonnen hat. Aber der Hintergrund ist selten bloße Kleptomanie, sondern ganz einfach Existenznot. Wenn er dann noch mordet, ist er möglicherweise in einen Teufelskreis gelangt, weil er um sich schlägt, um die Gefahr zu bannen, dass man ihn dingfest macht. Die große, organisierte Kriminalität, die nach Machtstrukturen funktioniert, will auch nur für die Mitglieder einer bestimmten Organisation eine sichere Existenz. Die Sache nimmt irgendwann einen Selbstlauf an und niemand weiß es mehr. Aber j e d e Machtstruktur funktioniert so: Ich baue mit ein paar Leuten, die dasselbe wollen wie ich, eine Existenz für sie und mich selbst auf, indem ich mich vor allen anderen schütze bzw. gegen alle anderen verteidige. So gesehen hat jedes Staatengebilde natürlich auch etwas Kriminelles, aber das geht weit über das Thema hinaus...
    Herzliche Grüße,
    nanabozho


    Man kann es drehen und wenden wie man will, letztlich kann man so gut wie jedem Menschen satanische Eigenschaften unterschieben. Mit Untaten stehen einige scheinbar(!) religiöse Menschen eben nicht alleine da. Der überwiegende Teil der heutigen Kriminalität in Deutschland ist eben nicht religiös motiviert. Jeder Mensch hat die Fähigkeit dazu, kriminell, bösartig und sozusagen satanisch zu werden.

    Das stimmt natürlich, Illuminatus,
    kein Zweifel. Dennoch müsste erst genau definiert werden, wo Kriminalität beginnt bzw. was genau man darunter verstehen will. Ähnlich ist es mit religiöser Motivation. Die meisten kriminellen Handlungen im kleineren Bereich entstehen meiner Ansicht nach durch Angst und Verzweiflung bzw. der Idee des letzten Ausweges. ("Erst kommt das Fressen und dann die Moral." B. Brecht) Die "religiöse Motivation" liegt schon eine Stufe höher, rein von der Gesellschaftsschicht her betrachtet. Sie kann mit dem Begriff der Freiheit nichts anfangen und möchte gern alle Menschen dem selben Diktat unterwerfen, unter dem sich der Religiöse glaubt. Sie ist also im Prinzip blanker Fanatismus.
    Jemand, der Religion aber in ebensolcher fanatischen Art ablehnt, handelt aus der gleichen Motivation.
    Je mehr einer von einer gewissen - unbewussten - Angst besessen ist, desto stärker die Neigung zur Gewalt bzw. Kriminalität. Die Flagge, hinter der er sich dabei verbirgt, ist unerheblich und bloße Dekoration.
    Satanisch? Nun ja, in meinen Augen ein bloßes Wort, um die Sache ein bisschen extrem hinzustellen.
    Herzliche Grüße,
    nanabozho

    Vielleicht kann ich in nächster Zeit nicht sehr oft nachsehen, ob jemand hierzu etwas schreibt, aber trotzdem möchte ich mal ein paar Zeilen zum Thema loswerden. Ich habe beobachtet, dass unter dem Kapitel "Literatur" eine ganze Menge Buchthemen besprochen werden, die - zumindest meiner Ansicht nach - weit eher unter "Politik, Gesellschaft, Esoterik" o. ä. eingeordnet werden müssten. Als Roman- und Erzählungsschriftsteller habe ich wahrscheinlich ein Problem damit, Sachbücher als "Literatur" zu bezeichnen oder zu betrachten, da sie eben einfach simpler Journalismus sind.
    Wenn an dieser Stelle Gedichte besprochen werden - was ja auch schon geschehen ist - oder Bücher wie etwa "Grimms Märchen" oder "Das Bildnis des Dorian Gray" oder ähnliche, kommt das ungefähr meiner Vorstellung von Literatur entgegen.
    Bin ich in dieser Hinsicht unzeitgemäß oder ignorant? Oder warum macht Ihr das so?
    Sind demnach Sachbücher jetzt auch anerkannte Literatur?
    Bisher habe ich immer etwas Schöngeistiges darunter verstanden.
    Ich lasse mich gern belehren und sehe auch ein, dass die Grenzen fließend sein mögen. Trotzdem steht es meinem Gefühl irgendwie entgegen, wenn ich diese Rubrik anklicke und in erster Linie Sachbücher besprochen sehe.

    Mit Verlaub,
    nanabozho

    Na ja, für mich könnte künftig interessant sein,
    ob die Piraten auch irgendwo in MeckPomm den Fuß in die Tür kriegen. Das ist nun meine neue - äußere - Heimat geworden. (Ich drücke mich so aus, weil ich in mir selber schon ziemlich gut zu Hause bin.)
    Ob Parteien nun ihr Wort halten oder nicht, daran hänge ich es nicht auf. Politik kann ohnehin nur Rahmenbedingungen schaffen, wenn überhaupt.
    Da ich - vielleicht für mein ganzes Leben - einigermaßen indianisch denke, d. h., mich in einen vor allem inneren Zusammenhang stelle, empfinde ich das Äußere für mein Lebensglück als sekundär. Wenn ich mich nicht im HIER und JETZT wohlfühlen kann, werde ich es nie können, und andere - Parteien etwa oder ähnliche Machtkomplexe - werden mir meine Möbel nie zufriedenstellend arrangieren.
    Deshalb möchte ich mich da lieber nicht fixieren und in entscheidenden Augenblicken einfach nur auf mein Bauchgefühl achten.

    Einen schönen Sonntag wünscht
    nanabozho

    Das Volk durfte niemals darüber abstimmen, unter welcher Verfassung es leben will. Auch die Volksabstimmung über eine neue Verfassung, die gemäß Art. 146 GG mit der Wiedervereinigung zwingend wurde, haben die Regierungsparteien ohne Begründung bis heute verhindert. Fakt ist also, daß Deutschland überhaupt keine völkerrechtlich legitime Verfassung bzw. juristisch haltbare demokratische Grundlage besitzt.

    Klingt ziemlich nett, Abraxas,

    weil es neue Perspektiven eröffnet. Denn wenn die derzeitige deutsche Verfassung keine juristisch haltbare Grundlage besitzt, besitzt die ganze Bundesrepublik keine juristisch haltbare Grundlage ihrer Existenz oder? Könnte es als "juristisch haltbare Grundlage" gelten, was die Siegermächte damals beschlossen haben?
    An eine Institution, die im juristischen Sinne nicht wirklich existiert, muss ich eigentlich keine Steuern zahlen. Wie also kann ich sämtliche gezahlten Steuern wieder zurückbekommen? Einklagen?
    Und das wäre nur ein einziger Aspekt der ganzen Angelegenheit.

    Leider - so ist wohl zu fürchten - ist auch die Rechtsprechung nur Dienerin der gerade herrschenden Macht.

    Herzliche Grüße,
    nanabozho