Beiträge von nanabozho

    Das scheint ein durchaus dankbares Thema zu sein,
    aber hier würde ich auch gern ein VETO einlegen: ES GIBT KEINE OBJEKTIVE WAHRHEIT! Vielleicht gibt es so etwas wie eine objektive Wirklichkeit, die aber vom menschlichen Verstand nicht erfassbar ist oder durchdrungen werden könnte. Aber eine objektive "Wahrheit", wenn es denn eine gäbe, wäre schließlich auch eine Diktatur.
    Wenn ein Stuhl vor mir steht, d. h., ich sehe einen Stuhl, kann einen Stuhl anfassen, höre sein Kratzen auf dem Fußboden, wenn ich ihn hin und her schiebe, mag ein anderer, der den Raum betritt, ebenfalls einen Stuhl sehen. Aber er sieht ihn anders als ich, er nimmt andere Nuancen wahr, hört andere Kratztöne, fühlte etwas anderes beim Anfassen. Sein Bild eines Stuhles und meines sind unterschiedlich.
    Wenn es nicht so wäre, würde es auch keinerlei Forendiskussion je geben.
    Wir haben uns auf bestimmte Begrifflichkeiten geeinigt und auf "Wahrnehmungsgrundformen". Alles, was es sonst gibt, ist schon wieder subjektiv. Und ähnliche Wahrnehmungen sind noch keine wirklich kongruenten.
    Der Satz und die Idee "Bewusstsein ist nichts als Widerspiegelung der objektiven Realität" stammt von Wladimir Iljitsch Lenin und das zeigt noch etwas. Wenn ein oder mehrere Menschen meinen, es gebe so etwas wie "objektive Realität", meinen sie damit gleichzeitig, sie müssten alle die dazu bekehren, die diese "objektive Realität" nicht wahrnehmen (wollen). Schließlich ist sie objektiv und muss daher von allen gleich gesehen und anerkannt werden. Erst gibt es heftigen Meinungsstreit und sobald jemand etwas Macht in die Hände bekommt, gibt es Diktatur.
    Für einen Muslim sind Allah und seine Forderungen "objektive Realität"!!!
    Sollte man alles mal bedenken.
    Seid gegrüßt von
    nanabozho

    Nun, Freunde,

    einmal abgesehen davon, dass die heutige Hygiene ganz bestimmt übertrieben ist, herrschte eben im Mittelalter fast das entgegengesetzte Extrem. Und die haben es auch begründet, es kam nicht von Ungefähr.
    Je mehr das alte Römische Imperium in die Binsen ging und das Christentum in mehreren Schattierungen ein Machtfaktor wurde, desto mehr breiteten sich auch die Ideale des Mönchtums aus. Und eines davon wahr: Sich möglichst wenig oder selten zu waschen - erst recht nicht baden - weil durch die Körperpflege zuviel "Fleischeslust" entstehen könnte. Es gibt zahlreiche Stellen in den Schriften einiger Kirchenväter zu diesem Thema und selbst einige Weisere wie etwa Augustinus konnte sich nicht dafür erwärmen, sich öfter als drei- oder viermal jährlich zu baden. Origenes kastrierte sich sogar selber (woran man sehen kann, wieviel Angst die Jungs vor Lust hatten).
    Deshalb wurde es auch in Adelskreisen allerspätestens um das 11. Jahrhundert Brauch, sich eben nicht zu waschen. Wenn alle stinken, merkt es keiner mehr, wie der Einzelne stinkt. Die Kreuzzüge brachten in dieser Hinsicht neue Anregungen. Das Bidet wurde beispielsweise im Orient erfunden und seine Idee durch die Kreuzfahrer mit nach Europa gebracht, wie auch überhaupt so manche Hygieneanregung. Trotzdem brauchte es noch Hunderte von Jahren, bis sich eine andere Haltung zur Körperpflege durchsetzte.
    Als die Spanier unter Cortez nach Tenochtítlan kamen, der Aztekenhauptstadt, mussten sie ein gesonderes Haus bewohnen, das von der Windrichtung her so stand, dass die edleren Bürger der Stadt nicht durch ihren Gestank belästigt wurden. Obwohl der alte Moctecuzoma (Montezuma) beeindruckt von Waffen und Pferden war, rätselte er immer, warum "Götter" dermaßen bestialisch stinken.
    Und in späteren Jahren war Hygiene ja erst mal Luxus, also den Reicheren vorbehalten.

    Es handelte sich also nicht einfach um irgendein Brauchtum, sondern war ringsum ideologisch (von offizieller Kirchenlehre her) begründet.

    Seid gegrüßt von
    nanabozho

    P.S.: Kleiner Anhang vielleicht noch: Ein Zusammenhang zu Krankheiten wurde in jenen Jahrhunderten überhaupt nicht gesehen, da hätte ein Paracelsus sonstwas predigen können. Krankheiten waren Schicksal, Gottesstrafe, unabwendbar.

    Nun, Freunde,
    die Sache läuft natürlich immer sonstwohin, wenn man die Satzteile allzu sehr aus dem Zusammenhang reißt. Kann in einem Forum aber niemand verhindern.
    Selbstverständlich sind in ihrem KERN alle Religionen eins, so dass man auch beobachten kann, dass die Mystiker aus sämtlichen Kulturkreisen ein und dieselben Aussagen machen. Ein Atheist ist jedoch noch nicht so weit, dass er Interesse daran hätte, soviel zu erkennen.
    Er braucht seine Haltung, um Abstand von einer (nur ausgeübten, als sinnleer erlebten) Religion zu nehmen, sie vielleicht sogar - auf Grund erlittener Verletzungen - vehement zu bekämpfen. Das hat seine Berechtigung, ist aber, wie ALLES in der Welt, ebenfalls wieder veränderlich.
    Herzliche Grüße,
    nanabozho

    Nun, Freunde,

    man sollte insgesamt bei diesem Thema bedenken, dass eines der Hauptargumente des Atheismus lautet: Die Religionen sind sich nicht einig, also müssen sie falsch sein. Das lässt sich natürlich nicht widerlegen und auch die Beiträge in diesem Forum beweisen das.
    Weiterhin: Ein vorübergehend atheistischer Standpunkt ist die Vorstufe zur Mystik, womit ich das Über-die-Religion-hinaus-gehen meine, also das Bewusstsein, dass göttliche Energie überall und immer IST und nicht durch ein Glaubenssystem definiert oder eingeschränkt werden kann.
    Nur die Offenheit eines Religionssystems für andere gibt Auskunft über seine Reife und Entwicklung, und der Atheismus kann dazu dienen, sich einen "freieren" Überblick zu verschaffen. Aber sobald er selbst zur Doktrin wird - siehe z. B. DDR oder insgesamt Kommunismus -, mutiert er zu einer Art Religion, die nur eben ohne ein vorgestelltes Gottesbild auskommt und ebenso engstirnig und borniert auftritt wie die Vertreter fundamentalistischer Systeme. Dann ist er eben auch militant und hat Polemik nötig.
    Heutzutage ist Atheismus ständig gegenwärtig und tarnt sich unter religiöser - zumeist christlicher - Fassade. Denn das menschliche Miteinander in der Gesellschaft beweist, dass das Bewusstsein des "Mehr als jetzt und mehr als hier" nur noch selten vorhanden ist. Ein gewisser Gottescharakter wird automatisch dem Geld zugeschrieben und die Angst vor dem Zusammenbruch des Finanzsystems ist ungefähr die gleiche wie vor dem Verlust der "Gnade und Zuwendung Gottes".
    Der größte Teil der Muslime hat immerhin das Bewusstsein, dass es so etwas wie Wegweiser gibt, die sie Gott näherbringen, beispielsweise der Koran. Während die Bibel den meisten der sich noch immer als Christen Bezeichnenden längst unbekannt ist.
    Ich will hier beieibe nicht dem intolerant auftretenden Islam das Wort reden, sondern nur zeigen, dass, wenn wir schon den Atheismus ins Spiel bringen, wir wissen sollten, was wir damit meinen.
    Herzliche Grüße,
    nanabozho

    Ich glaube zwar nicht, dass Positiv-denken krank macht, aber "Schatten" schafft es allemal. Auf dieser Welt leben wir eben in der Polarität, da gibt es Tag nicht ohne Nacht. So gesehen ist Rhonda Byrnes SECRET schon eine fragwürdige Suggestion gewesen, abgesehen von einem relativ schlechten Stil und der Trittbrettfahrerei des Inhalts. Und selbst wenn man all das, was tatsächlich bejaht werden kann, nimmt, ist es niemals in der Geschichte - entgegen ihrer Behauptung - ein "Geheimnis" gewesen, selbst wenn es den meisten nicht immer klar war.
    Außerdem ist es spirituell sehr zweifelhaft, allein auf das EGO fixiert. Die Seele will nämlich nicht vorrangig, Geld, Gesundheit und Erfolg, sondern A u t h e n t i z i t ä t. Sie will, dass ich der bin, der ich bin, dass ich das tue, was in mir ist, mir liegt und richtig Freude macht. Und wenn ich Vertrauen habe, wird sie alles so arrangieren, dass mir alle sonstigen Bedürfnisse, zuweilen auch Wünsche - die wirklich passenden und glücklich machenden - erfüllt werden. Deshalb für das GEHEIMNIS sogar u. U. in die Irre.
    THE POWER ist nun auch wieder so ein MARKT-Schlagwort, um ihr den nächsten Bestseller zu sichern. Die Verpackung sieht in diesem Fall weit besser aus als der Inhalt, aber ich - der ich in Leipzig wohne und in der DDR aufgewachsen bin - weiß nun längst dass es das Normale im Westen ist: der schöne SCHEIN. Oder mehr SCHEIN als SEIN. Es hat ein Weile gedauert, bis ich es begriff, aber allmählich prägt es sich ein.
    Nun, ich mag sowieso keine Rezepte und deshalb hätte ich Rhonda Byrnes Buch ohnehin im Regal stehen lassen, selbst wenn es gut wäre.
    Ein schönes Adventswochenende wünscht
    nanabozho