Zitat von Illuminatus
Was müsste man darin z.B. ändern?
Der KKK kommt nicht von ungefähr, sondern leitet sich größtenteils aus der Heiligen Schrift ab, die - so wie sie ist - für den Laien kaum richtig interpretierbar ist. Wer mit der Bibel nichts anfangen kann, ist kein Christ. Wer kein katholischer Christ ist, dem kann der Katechismus egal sein. Und im Katechismus stehen ganz sicher nicht schlimmere Dinge, als man sie auch in der Bibel selbst finden kann. Heutige Christen fangen ja auch nicht an, irgendwelche Völker niederzumetzeln, nur weil JHVH das mal irgendwo gesagt hat. Ausnahmen bestätigen die Regel.
Was müsste man denn am Weltkatechismus z.B. ändern? Wir wollen ja immer konstruktiv bleiben.
OK, Illuminatus,
das ist für mich durchaus ein noch immer interessantes Thema, weil ich zwar nicht als Katholik, sondern als Altlutheraner aufgewachsen bin, was - so seltsam es klingen mag - in mehr als einer Hinsicht auf dasselbe herauskommt.
Ich wollte mein Leben lang wahrlich allen Autoritäten gerecht werden, die mir sagten, ich müsse so oder so leben und von denen ich meinte, sie wüssten es am besten (Pfarrer, Katechismus, Bibel, andere Christen, bei Katholiken käme da der Papst noch konkret hinzu). Bis mein Leben dermaßen in die Krise geriet, dass ich nur die Wahl hätte, meine Weltbilder zu ändern oder mir den Strick zu nehmen. (Soviel nur am Rande, es gehört nur bedingt hierher. Denn der Krise bin ich jetzt sehr dankbar.)
Solange Gott für mich eine Macht von Außen ist, die mit Hilfe seiner Vertreter und angeblich "Wissenden" mein Leben zu bestimmen versucht, bin ich nicht besser dran als ein Kind, das vollständig von seinen Eltern abhängt und auf sie hören muss. Nun bringt es das Leben mit sich, dass Kinder wachsen. Was in religiöser Übertragung hieße, dass auch "Gottes Kinder" die Eigenschaft haben zu wachsen. Bis sie ihrem Vater gewissermaßen Auge in Auge - ja, Du liest richtig: nämlich gleichwertig - gegenüber stehen.
Deshalb erübrigen sich spätestens ab diesem Augenblick die bisherigen "Schulbücher" und sonstigen Aktionsleitbilder, denn mein Leben wird von nun an von zwei Größen bestimmt, die sich - ich traue mir kaum, sie zu nennen - am einfachsten mit den Worten LIEBE und FREIHEIT bezeichnen lassen. Beides aber sind nicht Denkmodelle, sondern EMPFINDUNGEN, die sich wiederum in LEBENSTATSACHEN ausdrücken. Und von nun an ERSCHAFFE ich mir die Welt, die ich sehen möchte. Wie mein VATER, den ich auch als SCHÖPFER erkannt habe.
Das wirft alle Moralgesetze um. Sie sind menschliche Konstrukte, meistens von Leuten erfunden, die ihre Chance erkannt haben, mit ihrer Hilfe zu herrschen.
Eine frei und erfüllt gelebte Sexualität führt beim Einzelnen zu einem Selbstbewusstsein, dass ihn möglicherweise davon abhält, weiterhin regelmäßig den Beichtstuhl aufzusuchen, weil sich das Empfinden von Schuld verliert und einem Empfinden von Freude und Kraft weicht. Priester, die ihre Sexualität ohne Verbote leben dürften, würden mit hoher Wahrscheinlichkeit ihren Vorgesetzten (z. B. den Bischöfen) weniger gehorchen wollen. Man hat sie nicht mehr "in der Hand". Es hat seinen Grund, dass es der Kirche sehr wichtig ist, Sexualität mit Schuldgefühlen zu verbinden, wenn sie mal nicht in vorher abgesteckten Bahnen verläuft. Wenn Priester von vornherein ein gutes Gewissen hätten, wenn sie sich Frauen zuwendeten, könnte der Fluss ihrer Urkraft - sprich: Sexualität - wunderbar und ohne auch nur die leiseste Versuchung zum Missbrauch fließen. Erst wenn man Sexualität wirklich gelebt hat, kann man sie loslassen und darüber hinaus gehen. Solange ein "Weltkatechismus" nicht dazu ermutigen kann, ist nicht das Geringste gewonnen.
Und das Zölibat - einstmals erfunden, um zu verhindern, dass die Kirche Land verliert (Grundeigentumsvererbung nach Nachkommen u.ä.) - ist natürlich der Gipfel, das Übel schlechthin, das gehört abgeschafft und zwar sofort und auf der Stelle.
Was tut man aber stattdessen? Man droht höhere Strafen an. Das ist die Taktik eines jeden Diktators der Welt.
Herzliche Grüße,
nanabosho