Wunderbar, nette nachbarin,
wunderbar. Was mir bei diesen Zeilen noch fehlt, ist der Hinweis, dass es ziemlich schwierig ist, ins JETZT zu gelangen, solange man vorrangig im Kopf lebt. Es gibt Möglichkeiten, das zu verändern, und darüber ist vielen noch nicht übermäßig viel bekannt. All die schlauen Bücher halten den Menschen am Denken, also im Kopf, fest, und dadurch beißt sich die Katze in den Schwanz.
Fortgeschrittene Meditationspraktiken, Yoga, Rebirthing usw. bringen viel, aber das meisten k a n n das Leben selbst bringen, wenn man es nicht zu sehr fürchtet. Dabei ist manchmal ein Unfall fast genauso gut wie ein Orgasmus. JETZT und HIER kann durch beides mächtig gut erreicht werden, durch Ersteres in unserer Kultur fast besser, weil sich viele beim zweiten oft etwas vormachen statt es einfach nur zu genießen.
Ich würde das nicht schreiben, wenn ich nicht das Gefühl hätte, schon jahrelang diesen Weg zu gehen und zwar schon ein Stück vorwärts gekommen zu sein, aber noch längst nicht ans erträumte Ziel (was schon wieder eine Orientierung auf Zukunft insistiert)...
Herzliche Grüße,
nanabosho
Beiträge von nanabosho
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Nun, Abraxas,
ich wage zu behaupten, dass jeder Ortswechsel zumindest ein Aha-Erlebnis ist, ein Neueindruck, der Einsichten, Begegnungen, Möglichkeiten, Erfahrungen, im Grunde, neuen (inneren - später äußeren) Reichtum bringt. Abraham steht für das biblische Gebot Gottes: Gehe aus deinem Vaterland und deiner Familie in ein Land, das ICH dir zeigen werde. - Da gibt es kein Warum, da gibt es dann einfach nur den Mut und die Erfahrung. Ich selbst neige zu der Version, dass sich die Stimme Gottes - um mal diesen Ausdruck zu verwenden - zuweilen als "Arschtritt des Schicksals" äußern kann...
Das ist im Grunde schon alles.
Wenn Menschen an ihrer Trauer um den Verlust f e s t h a l t e n, sind sie nicht mehr offen für den Gewinn. D. h., sie werden immer ihr Elend beklagen und dabei nicht einmal wahrnehmen, was an Gutem zu ihnen gekommen ist...
Herzliche Grüße,
nanabosho -
Holla, Abraxas,
nur kurz, da ich heute echt nicht viel Zeit für das Forum hinkriege: Hunger und Durst wären nur ein kleiner Aspekt der Gesamtgeschichte. Der Ansatz ist ein ganz anderer: Kann all diese Not, die noch heute viele alte Menschen schwer beklagen, gerade für die selber Beteiligten auch einen bestimmten Sinn gehabt haben? Lässt sich da irgendwo ein roter Faden erkennen, etwas, was die ganze Flucht- und Vertreibungsgeschichte, aber auch die Teilung des Landes später und den Bruch der Generationen als stimmig und geradezu entwicklungsbedingt notwendig erscheinen lässt. Also ein völlig anderes Bild auf das Ganze wirft als bisher bewusst wurde.
Aber das kommt in diesen anderthalb Kapiteln - das ganze Werk hat gut 29 - noch nicht zum Ausdruck; es ist eben nur eine Leseprobe.Herzliche Grüße,
nanabosho -
Für alle, die meinen,
ihre Heimat sei woandersAbrahams Irrtum
Eine unglaubwürdige GeschichteI
Abraham hatte sich geirrt. So furchtbar, so folgenschwer, dass er selbst im hohen Alter noch daran zu kauen hatte. Und niemand, weder Gott noch Mensch noch Engel noch Teufel konnte die Sache bereinigen, niemand. Niemand außer ihm selbst.
So etwas durfte einfach nicht passieren. Er hatte auch nie von einem ähnlichen Fall gehört, nicht einmal während der komplizierten Planungsphase um den Untergang von Lemuria und was danach kommen sollte. Weder die Osterinsel noch Hawaii waren ein Fehler gewesen, weder Mikronesien noch die Galápagos, von deren Überdauern beispielsweise Luzifer nur schwer überzeugt werden konnte.
Einfach so mir nichts dir nichts in die falsche Zeit einzutauchen und an den falschen Ort zu gelangen, das hatte wahrlich noch keiner fertiggebracht. Nur er, Abraham; und es grauste ihn davor, ins Lichtreich zurückzukehren, wenn er sich vorstellte, wie sie alle über ihn lachen würden. Göttlich lachen oder zumindest homerisch, wie man das auf diesem Planeten gelegentlich nannte.
Ihm war nichts anderes übriggeblieben, als das Beste aus der ganzen Geschichte zu machen. Nun, da die wildesten und verwirrendsten Tage vorüber waren, saß er vor seinem Haus in der Sonne und fragte sich, ob er seine Aufgabe nicht vielleicht doch erfüllt hatte.
Seine Reise durch Zeit und Raum, sein Weg auf diesem verrückten Planeten hatte an einem Punkt begonnen, den man hier das Jahr Neunzehnhundertneunundzwanzig nannte. Am ersten Tag des Monats April. Das einzige Plus, das er für sich verbuchen konnte, war der Umstand, dass er nur wenige Tropfen von dem Vergessenselixier zu sich genommen hatte. Das im Lichtreich festgelegte Maß lag bei einer vollen Halbliterflasche, jedenfalls wenn man eine sogenannte Lebenszeit auf diesem blauen, beinahe kugelförmigen Chaosspielplatz verbringen wollte, wenn man in das Minuten-, Stunden-, Tage-, Wochen- und Jahreabenteuer eintauchte. Sie hielten es für das Beste, um den Leidensdruck für die Betroffenen gering zu halten, denn die Erde galt drüben als außerordentlich rückständig.
Wenigstens an dieser Stelle hatte er, Abraham, nicht mitgespielt. Allzu neugierig war er, und das Spiel hier zu erleben, ohne sich an seinen Hintergrund zu erinnern, ohne überhaupt den Plan zu verstehen, davor hatte er sich schlicht und einfach gefürchtet.
Als es zu spät gewesen war, den Irrtum zurückzunehmen, lag er als schreiender Säugling in einem alten Haus am Rande des schlesischen Städtchens Lauban. Vier Schwestern versammelten sich um sein Bett, hinter denen sich ein Vater mit strengen, verbissenen Zügen aufbaute. Die Mutter, an deren Brust er nach Nahrung suchte, war furchtbar erschöpft und glich eher einem bloßen Schatten als einem körperhaften Wesen. Und der Name, auf den er fortan hören sollte, lautete: Hans. Das klang dumpf und bedeutungslos und war der reinste Alptraum.
Noch während der Kleinkindjahre begriff er, dass er sich mit dem Nicht-vergessen-Trick keinen Dienst erwiesen hatte. Einerseits war das Lichtreich in ihm, die grenzenlose Liebe und die unvorstellbare Freiheit und Leichtigkeit des NICHTS, in das ALLES wiederum eingebettet war; andererseits aber saß er nun in einem düsteren, alptraumschweren Gefängnis, umgeben von Trübsinn, Enge und der dumpfen Vorstellung, es gebe nur armselige, blutig-grausige Vergangenheit und eine vielleicht ein wenig hellere Zukunft. Von Gegenwart wollte niemand etwas wissen, und selbst die kleinen Kinder, die noch einen Funken davon in sich trugen, wurden frühzeitig gezwungen, ihn zu leugnen, damit sie desto schneller abstumpften. Mit unverhohlenem Neid betrachtete er sie, denn sein Gedächtnis erinnerte sich. Und nicht nur das: Er wusste, was all denen bevorstand, die ihn hier umgaben, er kannte die Idee, den Prozess, den Fluss, das, was sie Schicksal nannten oder Verhängnis. Einzig die eigenen Abenteuer, die zu erleben er angetreten war, die blieben ihm verborgen. Ausgenommen von diesem Gesetz war niemand, so dass sogar, wenn einer seine Berufung einigermaßen kannte, sich nicht voraussehen ließ, ob es ihm gelang, ihr zu folgen.
Es war mehr, als Hans’ Kinderschultern tragen konnten. Nur ein Weg blieb ihm, um sein Inneres vor dem Außen zu schützen, dafür zu sorgen, dass niemand merkte, wer er war: Er durfte nicht erwachsen werden!
Die Eltern schöpften lange keinen Verdacht, obwohl er es der Mutter nicht leicht machte. Bereits im Alter von vier Jahren fügte er sich ständig Verletzungen zu, entwendete Messer aus der Schublade des klobigen Küchenschrankes und schnitt sich in Finger und Wade, oder er glitt auf einer der Treppenstufen aus und rollte schreiend nach unten. Zumeist benutzte Alma, seine Mutter, eine Art Allzweckmittel, um Schnitt- und Schürfwunden heilen zu lassen: eine tiefschwarze, ekelhaft riechende Salbe, die sie zwei- bis dreimal auf die betreffenden Stellen strich, und die die wundersame Eigenschaft besaß, alles Giftige und Schadenbringende an sich zu binden und den Patienten gewissermaßen zu reinigen. Von der Schwärze und dem Gestank der wundertätigen Paste war Hans reinweg fasziniert. Er merkte sich die Stelle, wo sie aufbewahrt wurde, und als eines Tages die Mutter das Haus verließ, nachdem sie ihm wieder eine Schnittwunde verarztet hatte, machte er sich ans Werk: Mit Hilfe eines Stuhls angelte er sich das kleine Glas von dem Wandbord, öffnete es, schnüffelte genüsslich am Inhalt und begann, die in blassem hellrot gestrichene Tür des elterlichen Schlafzimmers damit einzufärben.
I see a red door and I want it painted black, sang es in seinem Inneren, und ein eigentümlicher Rhythmus beflügelte sein Tun. No colors anymore I want them to turn black…1* Wohl hatte niemals jemand zu ihm in dieser Sprache gesprochen, doch er kannte sie trotzdem, denn sie passte zu den Reisenden, denen, die sich unterwegs fühlten so wie er selbst. Auch das Lied war schon immer da, aber hier auf dem Planeten Erde zählte man Zeit, und das hieß, sie würden noch etwa vierzig Jahre warten, bis sie es sangen, und viele mochten es auch dann nicht einmal singen wollen.
Obwohl Hans das wusste, focht es ihn nicht an. Stattdessen bestrich er alles, was in seine Reichweite gelangte, mit der schwarzen Reinigungssalbe: Teile des mütterlichen Nachtschränkchens, des Lakens, der Kissen, auch den Stuhl, den er selbst benutzt hatte und zu guter Letzt die Türschwelle.
Als das Glas leer und der kleine Künstler ausgesprochen zufrieden war, kam die Mutter zurück, erschrak heftig, schimpfte entsetzlich und begann mit verweintem Gesicht und einem Eimer Seifenwasser, die stinkende Farbe zu beseitigen.
Seltsamerweise schlug sie ihn nicht, und Hans fragte sich dumpf, ob sie ebenfalls heimlich wusste, was er so frech zur Ansicht gebracht hatte: dass die Welt, in der sie alle so um ihr Dasein kämpften, in Wahrheit schwarz war, finster, grauenerregend. Und stinkend. Jedenfalls im Vergleich zu einer anderen.
Vorsichtig beschloss er, sich noch ein paar Schritte in die Düsternis hineinzubegeben. Wenige. Vielleicht drei Schuljahre weit. Dann musste er aufpassen, dann durfte er nicht weitermachen. Nichts mehr lernen, nichts mehr verstehen. Damit sie nicht merkten, dass er zuviel wusste. Aber noch bevor man ihm den ersten Buchstaben des lateinischen Alphabets beibrachte, staunte er darüber, dass die Farbe, die aus der Mischung von Rot und Schwarz entstand, Braun genannt wurde.
Mit dem Schuleintritt empfand Hans die Schlinge deutlicher, die sich um seinen Hals zusammenzuziehen drohte. Er beschloss, dass nun der Zeitpunkt gekommen war, endlich auf seinem Weg in die Welt der Gegensätze und der Feindschaft innezuhalten. So stand er zwei Schuljahre durch, blieb schließlich sitzen und verweigerte sich jedwedem Förderversuch seiner Mutter. Zu Beginn des Folgeschuljahres riet ihr der Schuldirektor unter vier Augen und im Flüsterton zu einem Ausbildungsverzicht.
Der Vater verhielt sich gleichgültig und verbot seinem Sohn nur gelegentlich den Ausgang, weil er fürchtete, wegen eines derart ungeratenen, behinderten Nachkommen ins Gerede zu geraten. Zudem standen die Zeiten auf Sturm. Ein Einwohner Großdeutschlands sollte nach Möglichkeit hochgewachsen, blond und blauäugig sein, und wenn es sich um einen männlichen handelte, standen diesem überdies beachtliche Muskeln gut an, unterstützt von brutalen Gesichtszügen. Mit einem wie Hans ließ sich wahrlich kein Staat machen.
Ängstlich und eifrig war die Familie bemüht, nirgends aufzufallen. Nicht einmal in die Kirche durfte der Junge neuerdings mit. Dafür war dieser ziemlich dankbar, tat so, als interessiere ihn das altbackene Christentum trotzdem und blätterte oft in der schweren Familienbibel, besonders wenn die Mutter oder mindestens eine der Schwestern zugegen waren. Die Zuschauer lächelten dann milde und geringschätzig, ließen ihn gewähren und meinten verständnisvoll: „Das verstehst du sowieso nicht, du unser kleiner dummer Hans.“
Ihn freute es indes, wenn sie „kleiner, dummer Hans“ zu ihm sagten, denn daran konnte er ablesen, was sie von ihm glaubten und sich sicher fühlen. In Wahrheit verstand er ungleich viel mehr als sie, und das, was ihm zu schaffen machte, las er heimlich: die Abrahamsgeschichten im Ersten Buch Moses, Genesis genannt. Wie kam es, dass dieses Buch das vollständige Geschehen dessen beschrieb, das er selbst verfehlt hatte zu leben? Begebnisse, die über das planerische Konzept nicht hinausgekommen waren? Hier wurde so getan, als sei er, Abraham, völlig selbstverständlich dagewesen, habe auf diesem Planeten, der Erde, geweilt und den Ursprung mehrerer Völker gebildet. Als habe er ein Ritual wie die Beschneidung eingeführt, die nicht nur zum Erkennungsmerkmal der Juden, sondern auch der Anbeter Allahs geworden war. So als sei ein Irrtum ausgeschlossen, als gebe es nie einen Irrtum und werde auch in Zukunft nie einen geben. Aber tatsächlich wusste er ohne den Schatten eines Zweifels, dass er sich geirrt hatte.
Wieviel bequemer wären die Kinder- und Jugendtage inmitten einer reichen Hirtenfamilie gewesen, in jenem Ur Chaldäas? Reichtum, Kultur, Weisheit, Verbundensein mit fruchtbarer, Leben atmender Flusslandschaft, Umhegt- und Geliebtsein von mehreren Frauen. Dann die Stimme Gottes, die einfach so zu einem sprach, unvermittelt und klar. Wenn es da hieß Geh in ein Land, das ich dir zeigen werde!2, da ging man eben, mit Kind und Kegel und einem Riesentross. Mitten durch die Wüste. Zweifel? Angst? Einem Abraham, dem Vater vieler Völker3 fremd und verächtlich. Wie einfach wäre alles gewesen, wie leicht, wie überzeugend! Trotz der folgenden Irritationen, dem Zwischenspiel in Ägypten, der peinlichen Rivalität, die die kinderlose Sarah gegenüber der Nachkommenschaft verheißenden Sklavin Hagar empfand, trotz des Untergangs von Sodom und Gomorrah.
Stattdessen nun daran zu denken, was in den nächsten Jahren bevorstand: Die wilde Judenhatz der Braunen, der selbstzerstörerische Krieg, der ungekannte Ausmaße erreichen sollte, dazu dann die Flucht oder der Wegtrieb Tausender aus ihren heimatlichen Regionen. Das war nichts für einen verirrten Abraham, der noch nicht einmal den Kinderschuhen entwachsen war, der das vorerst auch gar nicht beabsichtigte!
Dieses idiotische Gehirn, dass er für sein Abenteuer mit auf den Weg bekommen hatte, reichte nicht aus, um die Erinnerung an die eine mit den Erfahrungen der anderen Welt zu verbinden. Es war zum Verrücktwerden! Wollte man versuchen zu ergründen, weshalb vor mehreren tausend Jahren ein Abraham hier war, der sich in Wahrheit verfehlt hatte und dummerweise erst viel später kam, setzte der Denkapparat aus. Der Menschenverstand konnte ZEIT nicht mit JETZT UND HIER verbinden, dafür war er überhaupt nicht ausgelegt. Vor allem, wenn man ihn um Antworten anging, wie Hans sie suchte.
Da beschied er sich und hörte auf, an der Sache herumzurätseln. Aber er lächelte herablassend, als sie ihn zu den Konfirmationsgottesdiensten der Schwestern mitnahmen, so dass er die Reden des Schwarzgewandeten auf der Kanzel hören konnte. Ein völlig Umnachteter, der von Farbe sprach, von ihr Behauptungen aufstellte, die keiner der vor ihm sitzenden Blinden zu widerlegen gewagt hätte. Schwarz lag am äußersten Rande des Lichtreiches, von dort aus war es unmöglich, bis zur Mitte zu sehen. Dieser Mensch, der so tat, als wisse er, hatte den Trunk des Vergessens bis zum letzten Tropfen geschlürft, und man sah ihm die Todesangst an, den Glauben an ein Phantom, das es nicht gab.
Die Dunkelheit nahm zu. Die braungekleideten Gewaltwesen, die Hans, der seine Abenteuer auf Mittelerde ebenfalls nicht vergessen hatte, manchmal an Orks erinnerten, donnerten mit ihren Stiefelabsätzen über die Straßenpflaster der Städte und huldigten unsinnigerweise Fahnen, auf denen Swastika prangte, das uralte indische Glückszeichen. Ihre Wut und ihr Hass war zunächst auf Juden gerichtet, doch wenn sie nicht genügend davon ausfindig machen konnten, wurde es auch für andere gefährlich.
Alma, Gotthard und ihre Kinder wohnten weitab von diesem Geschehen und vernahmen davon herzlich wenig. Trotzdem munkelten die Nachbarn dies und jenes, und deshalb wurde die Familie von einer unbewussten Furcht zernagt, setzte verstärkt auf Unscheinbarsein und tarnte sich unter dem Alltagsgrau. Die Töchter behielten markige Sprüche ihrer Schullehrer im Gedächtnis und flüsterten mit ihren Eltern. Der missratene Sohn aber, der Dumme, durfte daraufhin nur noch selten ans Tageslicht, denn seine Erscheinung glich nie und nimmer dem germanischen Ideal.
Er verstand und widersetzte sich nicht. Viele Stunden saß er in einem abgedunkelten Zimmer und ließ seine armen Gedanken um die Frage kreisen, wieso es überhaupt Juden gab, da er, Abraham, in Wirklichkeit niemals vorher dagewesen war geschweige denn die Beschneidung eingeführt hatte. Nun durfte er nicht einmal mehr auf dem Feld oder im Stall helfen und mit den beiden Pferden sprechen, bei ihnen Hilfe und Trost suchen. Denn die Tiere erkannten ihn, und in ihren Augen glomm der Schimmer des Lichtreiches. Aber ihr Wissen behielten sie für sich, und sie verspotteten ihn auch nie wegen seines folgenschweren Fehlers.
War er selbst in Wahrheit ein Jude, wenn auch unbeschnitten? Sie nannten Abraham ihren Stammvater, doch in jener fernen Vergangenheit konnte weder von einem Volk noch von einer Religion dieses Namens die Rede sein. Juda galt als Sohn Jakobs, und dazwischen lag immer noch Isaak, bevor man bei dem Patriarchen ankam, der aus Chaldäa ausgewandert war, um sich in dem für seine ausschweifenden Fruchtbarkeitskulte berüchtigten Kanaan niederzulassen. Alle überlieferten Fakten zusammengenommen, dürfte weder der unbekannte Hans noch der berühmte Abraham zum Tragen des Davidssternes verurteilt werden, und das beruhigte die beiden nicht wenig.
Als der große Krieg ausbrach, wurde Gotthard, der gestrenge Vater, zum Militär einberufen. Mutter und Schwestern fühlten sich verwaist und von der Feld- und Stallarbeit erdrückt. Das kleine, vertrottelte Brüderchen wurde nun wieder an die frische Luft gelassen, denn sie brauchten die Hilfe jeder noch so kleinen Hand.
Abends saßen sie alle trübsinnig um den Familientisch und lauschten, wie das Radio Siegesnachrichten von der vorrückenden Ostfront ausspie. Da geschah es, dass Hans sich zu einer erschreckenden Bemerkung hinreißen ließ.
„Es dauert bloß ein paar Jahre“, sagte er trocken. „Höchstens fünf oder sechs. Dann ist alles vorbei.“
Zwei Minuten lang saßen sie da wie versteinert.
„Du hast keine Ahnung, Kleiner“, erwiderte die Mutter endlich. „Red kein dummes Zeug!“
Aber sie zitterte heftig.
Else, die älteste Schwester, musterte den unvermuteten Propheten eindringlich. Sie war bereits zweiundzwanzig Jahre alt, und man munkelte, sie habe eine Liebschaft mit dem einarmigen Sohn des Bäckers.
„Was verleitet dich denn zu dieser Annahme?“ fragte sie gestelzt und spöttisch. „Was soll dann, bitte sehr, vorbei sein?“
Hans hatte sich verstiegen, und der Satz, den er lieber für sich behalten hätte, war gesagt worden.
„Ich weiß nichts“, beruhigte er die Frauensleute, und sein Blick wandte sich wieder nach innen. „Der Krieg, denke ich.“
Er war nahe daran gewesen, sich zu verraten.
„Sag uns alles, was du darüber denkst“, beharrte die Schwester, plötzlich über die Maßen neugierig. „Du bist ein Dummkopf und hast Narrenfreiheit.“
Die anderen lachten brüchig, und Hans versuchte es mit einem Trick.
„Ich bin kein Narr“, widersprach er leise. „Ich bin Abraham.“
„Nun hör sich doch einer diesen Blödsinn an!“ Ärgerlich hieb die Mutter mit der Hand auf die Tischplatte. „Was soll aus dir denn bloß mal werden, wenn du nicht aufhörst, unsinniges Zeug zu faseln?!“
Mit Bravour war Hans der Gefahr ausgewichen und atmete auf. Nun konnte er dicker auftragen, denn ziemlich sicher glaubten sie an seine Unzurechnungsfähigkeit.
„Der Krieg ist nicht zu gewinnen, und wir müssen hier weg, alle“, stieß er dreist hervor. „Weil ich Abraham bin. Da muss ich meine Heimat verlassen und in ein neues Land ziehen. Mit allen, die zu mir gehören.“
Die mütterliche Ohrfeige traf seine Wange mit voller Wucht. Für den Bruchteil einer Sekunde wurde ihm schwarz vor Augen.
„Die Heimat ist heilig!“ schrie Alma, rot im Gesicht. „Darüber macht man keine Witze!“
„Auch über den Krieg nicht“, fügte Else hinzu. Aber den geheimen Spott in ihrer Stimme vernahmen alle, obwohl sie, nachdem Hans trotzig hinausgegangen war, erneut in verzweifeltes Schweigen fielen.II
In täglich gleichförmiger Plackerei und tausend Zukunftsängsten flossen Wochen, Monate und Jahre dahin. Else und der Bäckerssohn verschwanden urplötzlich; der Einarmige, davon überzeugt, die Wehrmacht interessiere sich für ihn, trotz seiner Halbheit, sei vor der bevorstehenden Einberufung geflüchtet, hieß es. Von seinem und seiner Liebsten Verbleib wusste indes niemand im Ort.
Unter vorgehaltener Hand flüsterte man, das Paar habe recht getan. Obwohl es aus den wenigen Rundfunkgeräten, die die Leute besaßen, immer noch Sieg! Sieg! quäke, habe sich das Kriegsglück gewandelt, und die Russen seien im Vormarsch. Es könne leicht sein, dass sie nun jeden an die Front schicken wollten, ohne Rücksicht auf Einarmige, Lahme, Blinde und Tattergreise.
Hans wusste, was er wusste. Er verlor kein Sterbenswörtchen mehr darüber, denn es hatte keinen Sinn. Wenn die Soldaten der Sieger eines Tages vor der Tür standen und sie alle davonjagten, würden sich die braven Leute immer noch einbilden, es sei alles nur für kurze Zeit. Heimat war heilig, blieb heilig, musste immer heilig sein. Hei, hei, hei! Heil Heimat, Heil Hitler! Ihre jahrhundertealten, brüchigen Weltbilder stürzten ein wie Kartenhäuser, und sie sahen es nicht. Sie wollten es nicht sehen.
Trotzdem fürchteten sie vor allem das. Die Panik schrie aus ihren Augen. Ihre Seelen hatten verstanden; nur ihre Köpfe weigerten sich hartnäckig. Hans blickte ihnen verstohlen in die Gesichter und grinste zufrieden.
Als das Jahr Neunzehnhundertfünfundvierzig anbrach, kamen sie, die wilden Krieger aus dem Land der wodkaseligen Schwermut. Bevor sie das Dorf erreichten, entdeckten sie ein ganzes Arsenal mit Hochprozentigem, ein riesiges Lager, das bis knapp unter die Decke mit dem Elixier des taumelnden Vergessens angefüllt war. Gierig fielen sie darüber her, leerten Flasche für Flasche, sangen und tanzten, grölten und schlugen, raubten und brannten; und wenn sie ein Wesen erblickten, bei dem sie eine spannungslösende, weiche Öffnung zwischen den Beinen vermuteten, ergriffen sie es und erleichterten sich.
Warnende Rufe eilten von Haus zu Haus. Die Frauensleute um Hans taten es den meisten ihrer Nachbarn gleich und beluden einen Pferdewagen. Winter war es, und sie fühlten sich schwach und nicht gesund, aber die Angst trieb sie an. Solange die Russen im Schnaps schwelgten, blieb ihnen Zeit zu handeln.
Frierend und weinend fuhren sie los, durch nassen, mit Regen durchmischten Schnee und eisige Windböen. Nach Westen, nur immer nach Westen.
Nun ist es soweit, vermutete Hans, obwohl er sich damit täuschte. Denn sie legten höchstens fünfzehn Kilometer zurück. Hunderte von Fuhrwerken standen vor ihnen, soweit das Auge reichte.
Die Straßen sind verstopft, hieß es. Kein Durchkommen Richtung Neiße. Aussichtslos.
Bei Bekannten verbrachten sie eine Nacht und durften länger bleiben. Die Scheune war geräumig und das Heu hinreichend warm. Nun galt es abzuwarten.
Hier sah Hans die Langzöpfige zum ersten Mal. Doch als ihre Augen sich begegneten, wandte sie sich ab. Für einen Dummen hielt sie ihn wie alle anderen. Und da sie zur Familie im Haus gehörte, verlief sie sich selten in die Scheune, ins Heu, wo die Flüchtenden wohnten. Was scherte sie schon ein Fünfzehnjähriger, den unvermutet eine Sehnsucht überkam, die er sich wegen der Tragweite seiner Bestimmung nicht einmal leisten durfte?
Nach zwei Tagen gelang es ihm endlich, ihr den Weg zu verstellen. In dem schmalen Durchgang zwischen Scheune und Kuhstall, wo er hoffte, dass niemand sie sah.
„Wie alt bist du?“ fragte er drängend. „Ich muss wissen, wie alt du bist.“
„Sechzehn“, entfuhr es ihr. „Aber das geht dich gar nichts an.“
Offenbar fühlte sie sich überrumpelt.
„Was tust du, wenn die Russen kommen?“ bohrte er weiter. Den Weg um den heißen Brei liebte er nicht.
Endlich begegnete ihr Blick dem seinen. Ihr rötliches, herrlich langes Haar überstrahlte das Grau des Wintertages und ließ das nicht allzu ferne Donnern der Geschütze verebben.
„Was bist du für einer, dass du solche Reden führst?“ wollte sie wissen.
Ihre Stimme war dunkel und schön und zitterte.
„Ich bin Abraham“, bekannte er und biss sich auf die Zunge. Nirgendwo und nirgendwann wäre eine Lüge angebrachter gewesen als hier und jetzt.
Sie schrak zurück. „Bist du Jude?“
„Quatsch!“ versuchte er die Situation zu retten. „Ich hab gerade an einen Traum gedacht. Hans heiße ich.“
Wie angewurzelt stand sie da, starrte ihn an und schwieg.
Er überlegte kurz, wie er es anstellen sollte, ihren Zweifel und ihr Misstrauen zu überwinden.
„Ich kann’s beweisen“, flüsterte er und nestelte an seiner Hose. „Ich bin nicht…“
Doch sie rannte bereits. An der Scheune vorbei, zurück in den Hof, hinein in das Wohnhaus.III
Der Geschützdonner näherte sich zusehends, dann erstarb er wieder, und fremde Offiziere gingen oder ritten von Haus zu Haus, von Stall zu Stall. Essbares brauchten sie für ihre Mannschaften, und darüberhinaus waren sie heiß auf Uhren. Wozu brauchten die Besiegten Zeitmesser? Für die Sieger bedeuteten die tickenden Wunder indes Spielzeug, Geschäftsobjekt und Statussymbol.
Die Mannschaften verhielten sich einigermaßen diszipliniert, mordeten, brandschatzten und vergewaltigten nicht. Noch immer herrschte Krieg, sie mussten wachsam bleiben. Die verzweifelten Verteidiger des arischen Weltreichwahns warfen ihnen letzte Reserven entgegen: kaum der Kindheit entwachsene Jünglinge und zipperleingeplagte Alte.
Hans hatte sich während der gefährlichsten Stunden brav im Heu versteckt gehalten und war einem möglichen Kanonenfuttertod entgangen. Der erste Russe, der seiner ansichtig wurde, grinste mitleidig und winkte ab. Begehrliche Blicke sandte er indes der Langzöpfigen nach, die einen der Kommandeure bedienen musste, einstweilen nur mit Frühstück und Abendbrot und Botengängen.
Die Flüchtlinge kehrten auf dem Pferdewagen zu ihrem Hof zurück. Danach sollten die beiden vorgespannten Vollblüter in den Besitz zweier russischer Offiziere übergehen, die den fünf Menschen so etwas wie Geleitschutz gaben. Vier Frauen, kostbares Jagdwild und begehrte Beute in diesen Zeiten, waren einige Sorgfalt wert. Den halbgewalkten Jungen beachtete niemand sonderlich, und so kam er unterwegs abhanden.
Charlotte, die jüngste der Schwestern, bemerkte es zuerst.
„Hans ist fort!“ teilte sie leise der Mutter mit, als das Heimatdorf in Sichtweite geriet.
Bedauernd hob Alma die Hände.
„Da kann man nichts machen“, sagte sie.
Und ihre schmerzgetrübten Augen blickten gleichgültig.
Hans zog es zu der Langzöpfigen, da half einfach nichts. Er schaffte den Rückweg zu Fuß, unbehelligt und an einem einzigen Tag. Sein Platz in der Scheune war frei und der Hund sein Freund. Für alles weitere mussten Engel sorgen oder das Mädchen, das von nun an durch seine Träume spukte. Er blieb immer noch Abraham, allen Russen und Ängsten zum Trotz.
Am folgenden Morgen, als sein Magen klagend knurrte und seine Zunge am Gaumen klebte, kroch er aus dem Versteck, sobald er sie allein über den Hof gehen hörte. Es war noch finster, aber er kannte ihren Schritt.
„Hilfe!“ jammerte er verhalten. „Bitte, hilf mir!“
Richtig vermutete sie ihn in der halboffenen Scheunentür, drehte prüfend ihren Kopf nach allen Seiten und trat dann näher.
„Was soll das? Was machst du hier?“
„Sie haben mich nicht mitgenommen, ich bin eine Waise“, behauptete er frech. „Und ich bin wahnsinnig hungrig.“
Einen Augenblick lang stand sie unschlüssig da. Dann nickte sie. „Sieh zu, dass dich niemand sieht! Ich bring dir was.“
Als sei nichts gewesen, setzte sie ihren Weg zum Abort fort und kehrte danach ins Wohnhaus zurück. Zehn Minuten später betrat sie die Scheune, mit einem Beutel in der Hand. Vorsichtig zog sie die verwitterte Holztür hinter sich zu und ließ einen Schnalzlaut hören.
Hans kam.
„Danke!“ flüsterte er und griff gierig in ihre Tasche. „Tausend Dank!“
„Du bist doch ein Jude, stimmts?“ murmelte sie, und ihr Atem flatterte. „Aber da kannst du vorkommen, die Russen werden dir nichts tun.“
Draußen dämmerte zaghaft der Morgen auf.
Hans zog eine Kanne aus dem Stoffbeutel, hob den Deckel ab und schnüffelte.
„Milch!“ freute er sich. „Milch ist gut.“
„Für Wasser ist es besser, wenn du zum Bach gehst. Hinter der Scheune, du weißt.“
Er setzte das dickbauchige Gefäß an die Lippen und trank einige Schlucke.
„Ich bleib besser hier“, sagte er dann. „Einem Verrückten wie mir glaubt niemand. Jude hin, Jude her. Es ist nur, weil ich dich in der Nähe haben will.“
„Na gut“, versetzte sie seltsam versöhnlich. „Ich bring dir Frühstück, solange ich kann. Wenn Fjodor aufpasst, geht es nicht.“
„Fjodor?“
„So heißt der Major, der bei uns wohnt. Ich muss alles mögliche für ihn machen, und er beschützt mich.“
„Was musst du machen?“ fragte Hans hastig. Er hatte das Brot aus der Tasche genommen, davon abgebissen und hielt mit dem Kauen inne.
Einen Augenblick lang schwieg sie beredt. Dann beruhigte sie ihn: „Nicht das, was er von meiner älteren Schwester verlangt.“
„Schwester?“
„Ich muss jetzt gehen“, versetzte sie schnell. „Den Beutel lasse ich hier, und vielleicht komme ich abends noch mal.“
Bevor er antworten konnte, befand er sich allein in der Scheune. Aber er hatte zu essen und zu trinken, und die Tränen liefen ihm vor Sehnsucht über die Wangen.(Aus: Andreas H. Buchwald, Sommertraums Liebesleben und andere Erzählungen, Engelsdorfer Verlag 2007; Abrahams Irrtum ist eine Mini-Familiensaga in fantastisch-mythologischer "Draufsicht", Anmerkungen in Leseprobe weggelassen; derzeitige Ausgabe des Bändchens "Sommertraums Liebesleben" nur noch in Restexemplaren über Autor oder Engelsdorfer Verlag erhältlich.)
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Nun, Abraxas,
wo kein Kläger ist, da ist kein Richter. Eine Personengruppe, die hier klagen könnte, wären die Anwälte selbst in der Befürchtung, ihnen könnte ein Geschäft entgehen. Ansonsten ist es garantiert ein Paragraph, der äußerst selten zur Anwendung kommt.
Wahrscheinlich ist er erfunden worden, um in den 30er Jahren das Misstrauen unter den einzelnen Menschen zu erhöhen bzw. der innere Vereinzelung. Denn nur so konnte es möglich werden, dermaßen viele Menschen beispielsweise als Jude zu denunzieren, so dass sie in KZs kamen. Wenn die Leute nicht normal miteinander kommunizieren, erhöht sich der allgemeine Angstpegel im Volk, und wer dann mit gewissen rigorosen Maßnahmen herrschen will, findet leichter willige Helfershelfer.Herzliche Grüße,
nanabosho -
Zitat von Odessa
Und ansonsten bitte ich, mir nicht Dinge zu unterstellen die ich nicht gesagt habe, oder Zusammenhänge zu konstruieren die nicht bestehen und die ich ebenfalls nicht genannt habe. Habe ich irgendwo gesagt die Probleme in der Landwirtschaft lassen sich durch Ausweisung von sagen wir mal 10 Mio. nicht - europider Fremder lösen? Ich denke nein.
Kann mich auch nicht erinnern, Dir das unterstellt zu haben, Odessa.
Ein schönes Restwochenende wünscht
nanabosho -
Ach so, sollte es Dir, Odessa, um das Schicksal der Bauern gehen:
Ganz nebenbei: Ich bin ebenfalls in der Landwirtschaft groß geworden, in der sozialistischen. Die Variante der Kolchose, wie man das nach "sowjetischem" Muster genannt hat, war für diejenigen recht gut, die einfach nur arbeiten konnten, aber kein Land besaßen. Und was das Originellste ist: Ein Kolchos, eine LPG (Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft) wäre bei geschickter Führung heute noch konkurrenzfähig. Das hat man gemerkt, als einige der alten LPGs zu GmbHs wurden und schneller in die schwarzen Zahlen kamen als sie gedurft hätten, so dass es zu wenig Argumente gab, sie zu schließen.
In d i e s e r Hinsicht könnte ein Zusammenschluss von Bauern z. B. vieles bewirken. Die neue Variante der wie Pilze aus dem Boden schießenden sogenannten Öko-Höfe im Osten Deutschlands versucht da anzuknüpfen und übt wiederum tatsächlich Autarkie. Denn man will Gemeinschaften gründen, in denen sich die Einzelnen gegenseitig ergänzen. Da hast Du praktisch Handwerker und Architekten und Gärtner und Bauern, sogar Künstler und und und... Manche von denen funktionieren ganz gut.
Aber ein Bauer als Einzelkämpfer inmitten der modernen Wirtschaft hat verloren, das ist wohl wahr...
Nur werden auch dem weder Protest noch Klagen weiterhelfen, sondern nur das Entdecken neuer Alternativen.
Nochmals Grüße,
nanabosho[hr]Zitat von waterbrunn
Und dabei ist es völlig egal wer mit hilft und wo diese Person herkommt. Ist sie in der Lage der neu zu gründenden Gemeinschaft die Zukunft zu sichern, dann ist sie willkommen.Danke, waterbrunn,
diese Zeilen würde ich gern mehrfach unterstreichen!!!!
nanabosho -
Na gut, Odessa,
auch dazu noch ein paar Worte. Milchviehhaltung, um davon in der herkömmlichen Gesellschaft zu leben, ist nicht dasselbe wie Autarkie. Autarkie bedeutet im Endeffekt Unabhängigkeit. Unabhängigkeit vor allem vom Geldsystem und ähnlichen Dingen, die man wie Netze denen überwirft, die man fangen will.
Eine Organisation ist wie eine Partei, sie schafft Kampf. Kampf bedeutet Aufmerksamkeit für den - vermeintlichen - Gegner. Alle Dinge, denen ich Aufmerksamkeit gebe, die wachsen, werden größer, stärker. Wenn ich meiner Unabhängigkeit Aufmerksamkeit gebe, wird diese stärker. Wenn ich einem "Feind" Aufmerksamkeit gebe, wird dieser stärker.
Es kann aber sein, dass es mir Freude macht zu kämpfen. Viele Menschen fühlen sich nur lebendig, wenn sie kämpfen. Es gibt aber auch welche, die sind des Kampfes müde. Die lernen andere Dinge. Kampf brauche ich nur so lange, wie mein Selbstbewusstsein sich noch zu schwach fühlt und meint, sich behaupten zu müssen.
Ich trainiere seit vielen Jahren Ki-jutsu, die Essenz des Kampfsports, ich musste das allmählich einsehen.
Gemeinschaften, die den Einzelnen so achten, dass er darin sein darf, wie er ist, entstehen erst. Sie brauchen Mitglieder, die selbst innerlich sehr reif sind. Nur wer ohne Not allein sein kann, kann wirklich in einer Gemeinschaft sein und hat etwas Wertvolles einzubringen. Menschen, die sich wiederum von der Gemeinschaft a b h ä n g i g fühlen, können auch keine Unabhängigkeit schaffen, weder für sich selbst noch für die Gemeinschaft.(Für mich selbst -aber das mag eine lächerliche Sache sein - erregt das Wort "Organisation" allzu leicht Erinnerungen an den Sozialismus, der auch nur ein Feudalismus war. Alle Worte aus dieser Zeit habe ich eigentlich nicht gehasst, sondern sie waren mir über. Haben mich zum Gähnen gelangweilt. Es ist die Terminologie einer sogenannten "Arbeiterklasse", die sich immer "zum Kampf organisieren" wollte. Die Sprache war richtig arm geworden und hatte sich auf lauter solche Worte eingeschossen. Wenn ich heute alte Bilder sehe, Reden oder Lieder hören, kommt mir die ganze Zeit unglaublich kindisch vor.)
Herzliche Grüße,
nanabosho -
Nun, Freunde,
die Sache würde sich schnell verändern, wenn
keiner von uns mehr eine BILD kauft, vielleicht auch auf sonstige Zeitungen verzichtet,
keiner mehr die Fernsehnachrichten sieht,
keiner mehr die Nachrichtenseiten im Internet anklickt.Da die meisten von uns dazu allein wegen ihrer Neugier nicht fähig sind, lebt diese Art Berichterstattung lustig weiter.
Man kann ohne Nachrichten leben. Da ich in meinem Leben schon mehrere langjährige Phasen ohne Fernseher hatte, wusste ich dass es mir keine Schwierigkeiten bereitete, n i c h t in die Röhre zu gucken, ob nun Nachrichten oder etwas Anderes. Im Internet sehe ich überaus selten Nachrichtenseiten an, meist nur zu Recherchezwecken. Aber selbst keine Zeitung - ob nun BILD oder eine andere - kaufen, bringt wenig, weil man häufig Leuten begegnet, die einem lang und breit berichten, was sie drin gelesen haben, einem sogar Zeitungsberichte unter die Nase halten...
Und ich war hin und wieder neugierig. Manchmal war ich irgendwo im Ausland im Urlaub und habe 14 Tage bis 3 Wochen überhaupt nichts mitgekriegt. Aber zu Hause war ich dann eben wieder neugierig und habe zumindest das Radio eingeschaltet...Nachrichten können aber auch interessante Dinge zeigen. Denn den Machern passiert vieles unbeabsichtigt. Wenn es jetzt schon wieder eine neue Ölpest im Golf von Mexiko gibt und ständig die USA mit dem Öl zu tun haben, müssen sie sich als Nation - eigentlich sind sie nicht wirklich eine - schon mal ein paar Fragen stellen. Schließlich kann man gerade die USA als das ölgierigste Land der Welt bezeichnen.... Und jetzt kriegen sie mehr als genug....
Ganz gleich, was die Absicht der Nachrichtenmacher ist: Das, was tatsächlich geschieht - und ein Fünkchen Wahrheit ist an jeder Meldung dran oder glaubt Ihr, dass die Toten bei der Loveparade eine Lüge waren? -, hat immer eine bestimmte Botschaft für die Betroffenen und diejenigen die dabei waren (nicht für die, die alles im Fernsehen beobachten). Und das wäre die einzige Auswertung, die jemand durchführen müsste! Es ist meistens etwas sehr Anderes als uns die Medien, aber auch diejenigen, die sie bekämpfen glauben machen wollen.
Ein schönes Wochenende wünscht Euch
nanabosho -
Hallo, Trigemina,
das nenne ich eine wirklich gute Diskussion, danke! Und schon lässt sich auch erkennen, dass wir eine ähnliche Linie verfolgen. Denn wir gelangen, dahin, dass wir gemeinsam klären können, was wir wollen, nämlich die Macht der Globalspieler verringern. Und da schätze ich, dass es nicht so sehr wichtig ist, wie sich das Umfeld im Einzelnen darstellt: In jedem Fall braucht es den Mut, den unbedingten Mut und die Vision des Einzelnen, der sich mit Gleich- bis Ähnlichgesinnten zusammenfindet. Deshalb möchte ich alle Ansätze zur Autarkie beispielsweise fördern.
Wenn z. B. jeder seinen eigenen Strom mit Hilfe von Sonnenkollektoren, deren Preise immer noch künstlich hoch gehalten werden, erzeugen kann, ist er schon mal von den Energiekonzernen weitgehend unabhängig. Und mit jeder Unabhängigkeit, die er erreicht, haben die Mächtigen wieder etwas mehr zu tun, alles unter ihren Hut zu kriegen. Und das wird sie in Atem halten.
Zum Thema Naturheilkunde: Vielleicht kann, wen es interessiert, mal auf das ARTABANA-Thema klicken. Darin steckt zumindest wieder ein nächster hoffnungsvoller Ansatz.
Und was die Abtreibungen betrifft, so bin ich als Mann sowieso vorsichtig. Da würde ich lieber mal eine Afrikanerin interviewen, die von zwölf Kindern fünf hat vor Hunger sterben sehen, wie sie darüber denkt. Wobei in Afrika dazukommt, dass Kinder in den alten Familienclans gewissermaßen die Rente bedeuten. Solange sie nicht nach Europa oder Amerika auswandern...
Will nur sagen: Es lassen sich nicht so einfach alle Erscheinungen der modernen Welt verteufeln, es gibt da viele verschiedene Details. Und das individuelle Leben ist noch etwas ganz anderes.
Herzliche Grüße,
nanabosho -
Na, mal sehen, Abraxas,
ob ich da wenigstens ansatzweise antworten kann:
1. Wenn ich so was schreibe, versuche ich, wertungsfrei zu schreiben. Jeder Leser soll eine eigene Position dazu einnehmen können, unbeeinflusst von meiner persönlichen Meinung. Eine schwarzhumorige Position ist nur eine, die die gesamte Sache nicht übermäßig ernst nimmt und mir daher zupass kommt.
2. Ich zeige gern die andere Seite. Die, die nicht in der Zeitung steht. Ich versuche mich, in eine bestimmte Person hineinzuversetzen und die Frage zu klären: Wie könnte jemand beschaffen sein, der so etwas unter den beschriebenen Bedingungen und Umständen tut? Wodurch entstehen unbeabsichtigte Reibungsflächen, etwa durch gesellschaftliche Konventionen, Traditionen usw.? - D. h., mich "reizt" jede Geschichte, bei der ich leicht eine "andere Seite" erkennen kann.
Literatur soll für meine Begriffe in erster Linie unterhalten, darf nie langweilig daherkommen. D. h., sie muss Kraft haben, Esprit, auch Spannung und Humor. Insgeheim aber soll sie Erkenntnisse transportieren, die über tiefere, nicht oberflächlich erkennbare Ebenen laufen. Also sollte zwischen den Zeilen durchaus eine geheime Spiritualität stehen. (Im Fall des "glücklichen Mörders" praktisch die Erkenntnis, dass auch dieser Mann den Platz fand, auf den er passte. Auch wenn das - nach herkömmlicher Wertung! - ein schlechter, böser Platz ist.) Es ist eben spirituell - ich benutze absichtlich nicht die Worte "religiös" oder "ethisch" - zu erkennen, dass es nicht wirklich GUT oder BÖSE gibt, sondern beide Größen Teil ein und derselben Medaille sind und nur auf diesem Planeten als Polaritäten existieren. (Als Vorbild in Etwa habe ich, nur als Beispiel, den nicht ganz unbedeutenden Hermann Hesse.)
Genügt das für's Erste?
nanabosho -
Für jo (ohne Zitate):
Es war garantiert nicht nur an Dich gerichtet, vielleicht ist das ein wenig quer rübergekommen, allerdings auch an dich.
Ich habe ausdrücken wollen, dass ich zwar Leute sehe, die vor tausend Dingen warnen, aber keinerlei Alternativen zeigen. Die vermisse ich immer noch.
Wer nur warnt, muss sich fragen lassen, ob er auch nur Angst machen will.
Weiterhin interessiert mich, was ich unter den Teppich kehren möchte. Bin mir nichts dergleichen bewusst.
Ich glaube eben nicht, dass man mit Panikmache auch nur die geringste Situation verbessert, schon gar nicht für den Einzelnen. Ich denke, dass wir hier auf der Erde sind, nicht damit wir irgendein Geschehen verachten oder verurteilen, sondern damit wir u n s e r e n e i g e n e n W e g durch das Chaos oder gerade wegen des Chaos finden. Besonders die Ereignisse und Dinge, die wir nicht mögen, können die besten Führer sein. Um Verschwörer bzw. Globalspielern das Handwerk zu legen oder sie nicht zum Zuge kommen zu lassen, sind Menschen mit starkem Selbstbewusstsein nötig, Leute, die nicht gleich das Gefühl haben, sie müssten sich g e g e n tausend Feinde verteidigen, sondern an denen jedweder Angriff abprallt. (Vielleicht kennt mancher die Geschichte im Neuen Testament, in der Jesus vor seinem Auftreten in der Wüste versucht wird. Die enthält gewaltig viel Potential. Auch Jesus fordert nicht die Zerstörung aller Reiche der Welt - da sie gewissermaßen dem Teufel gehören -, sondern erlegt nur nicht der Versuchung, sich in ihnen zu verlieren.)
Es geht darum, zu mir selbst und meinem Weg zu finden, immer, und das geschieht seit Anbeginn der Zeiten im Spannungsfeld eines Kampfes von Mächten, die wir durchaus als "dunkel" und "hell" bezeichnen können.
(Auch ich habe gelegentlich Bücher gelesen, die Hintergründe von Weltereignissen behandelten. Sie sind sehr unterschiedlich. Ziemlich gut finde ich Armin Risi.)
Was die Globalspieler wollen, ist praktisch, dass wir eben n i c h t unseren ureigensten Lebensweg finden und uns in ihren Verlockungen verlieren. Aber wenn wir versuchen, aus dem "gegnerischen" Lager zu schießen, haben wir nichts gewonnen, da sind wir ebenso fixiert, als wären wir ihnen untertun, da haben sie uns.
Vielleicht ist das schwer zu verstehen, aber mir geht es i m m e r darum, Licht ins Dunkel zu bringen, d. h., Alternativen zu zeigen.
Herzliche Grüße,
nanabosho[hr]
Ach so, ja, die Rente:
die ist nicht zu halten, weil man Maschinen und Computer nicht zum Einzahlen in eine Kasse zwingen kann. Das hat mit der Kinderzahl nichts zu tun, sondern mit der Automatisierung, die extrem viele Arbeitsplätze ausgemerzt hat. Und das weiterhin tun wird.
Rente ist praktisch von gestern, und ich selbst würde und werde aus dem Topf sowieso nichts bekommen, ob ich einzahle oder nicht.
Und alle sogenannten Zusatzabsicherungen sind weiter nichts als Abzocke der Banken, auf die diejenigen, die noch immer zahlen, auch weiterhin reinfallen.
Ein neues Einkommensmodell bis ins hohe Alter steht schon bereit, müsste nur irgendwie durchgesetzt werden: das bedingungslose Grundeinkommen.
Herzliche Grüße,
nanabosho[hr]
Und noch ein kleiner Nachtrag, Jungs:
GUT und SCHLECHT sind relative Begriffe, allzu relative, Worte, die in jeder Kultur anders verstanden werden.
Für mich ist GUT etwas, worin ich Zukunft - lebbare Zukunft - vermute oder schon sehe. Und SCHLECHT alles, was aus meiner Sicht nicht für eine lebbare Zukunft hilfreich ist.Nur, weil es da auch Irritationen zu geben schien.
Nochmals Grüße,
nanabosho[hr]
Und noch ein PS: "Der Mond ist aufgegangen" ist ein Gedicht und Lied von Matthias Claudius und wer Christian Morgenstern kennt, weiß, dass das ganz und gar nicht seine Art gewesen wäre, ein Gedicht zu schreiben. -
Gern mehr, Abraxas,
aber lass(t) mir Zeit. Außerdem werde ich da wohl etwas maßvoll bleiben. Möchte tatsächlich nicht alles zum Nulltarif preisgeben, zumal ich jetzt selbst Verlag bin. Auf meiner Internetseite finden sich ja weitere Lese- und Stilproben.
Auch das mit der "Kreativen Rechtsprechung" werde ich bestimmt mal als Thema ins Forum stellen.
Da ich aber nebenbei auch gerade schreibe, ist es so eine Sache, wann.
Obwohl es tatsächlich so ist, dass mir die Sätze nur so aus den Fingern fließen, sonst stünden auch nicht schon so viele Beiträge von mir in diesem Forum. Aber die Tage sind eben auch verschieden.
Herzliche Grüße,
nanabosho -
Zitat von Odessa
Nanabosho, Du hast genau die Einstellung und Denkweise, welche sich die Welt-Kontrolleure wünschen. Glückwunsch! Bei dir hat deren Gehirnwäsche ja voll gefruchtet.Du bist ein perfekter Unterstützer ihrer Ideen.
Nun, Odessa, ich b i n ein Weltkontrolleur!!!! (Zumindest der meiner eigenen Welt.)
Und: Wie wäre Deine Alternative? Was schlägst Du vor, aus dem Dilemma herauszukommen? Welche Kerze zündest Du an?
Überleg Dir gut, was Du willst.
Sei herzlich gegrüßt von
nanabosho -
Zitat von jo
So wird es sein, aber sie merken es nicht, da die Temperatur ja nur allmählich und schleichend ansteigt, leben sie glücklich bis zu ihrem seligen Ende.
Der renommierte Professor Barings beschreibt unsere Lage folgendermaßen:
Über 5 Millionen Arbeitslose • Eine Rentenversicherung die wegen des jahrelangen Missbrauchs für versicherungsfremde Leistungen bankrott ist (jährlich müssen 80 Milliarden Steuergelder zugeschossen werden ) • Zu wenige Kinder, die außer unser Volk fortbestehen zu lassen, auch dereinst die Rente finanzieren sollen • Statt deutsche Kinder, 200.000 Abtreibungen jährlich • Immer mehr pflege-bedürftige Alte, die in Pflege- und Altenheime »entsorgt« werden • Immer mehr drogen- und alkoholabhängige Kinder und Jugendliche • Firmen, die zig-tausende Arbeitsplätze jährlich ins Ausland verlagern, mit steigender Tendenz • Niedergang unser Kultur • Kriminelle aus aller Herren Länder betrachten unser Land zunehmend als ihr Jagdrevier. Dazu kommen die ungeheure Staatsverschuldung in Billiardenhöhe, eine Zahl die sich kaum noch einer vorstellen kann, vereinsamte Menschen, zerrüttete Familien, Verhöhnung unserer Soldaten, von unseren Ostgebieten redet keiner mehr, Zechensterben, Bauernsterben, Verfall aller unserer sittlichen und moralischen, so wie kulturellen Werte. Dies alles hat uns der Kapitalismus beschert, den wir auch noch der ehemaligen DDR übergestülpt haben. Anstatt gemeinsam einen politischen Neuanfang zu machen -Aber für die Frösche völlig irrelevant.
Also, Freunde,
ich uss zugeben, dass es mir allmählich Spaß bereitet, hier ein wenig im Wespennest herumzustochern.
Also, jo:
Was geschieht hier: Meinst du, wenn da jemand ein rotes Tuch hingehängt hat, hätten alle nur die Wahl, entweder darauf einzuschlagen oder davonzulaufen? Es gibt durchaus die Möglichkeit, das rote Tuch n i c h t z u w e r t e n. D. h., dem roten Tuch keine Möglichkeit zu einer Angriffsfläche zu geben. So dass es zumindest für mich nicht gefährlich ist.
Ich erwarte nicht, dass Du das verstehst. Ich bin nur enttäuscht, dass es niemandem möglich ist, wenigstens einen Teil meiner Argumente zumindest abzuschwächen, wenn nicht zu entkräften. Daraus könnte sich dann eine fruchtbringende Sache entwickeln. Es bringt aber nichts, stereotyp zu widerholen: Dort ist ein rotes Tuch, dort ist ein rotes Tuch, nehmt euch in acht vor dem roten Tuch....!
Ein chinesisches Sprichtwort sagt: Es ist besser, eine Kerze anzuzünden, als auf die Dunkelheit zu schimpfen.
Du hast nun wie mehrere Andere hier die Dunkelheit in den schwärzesten Farben gechildert. Wo ist deine Kerze? Warum würdigst du nicht, dass ich bereits mehrere angezündet habe, weil ich auf Alternativen aufmerksam machte?
Weil du die Dunkelheit w i l l s t und möchtest, dass es noch mehr gibt, die sie w o l l e n.
Da lässt sich nichts machen.
Ich habe seit Jahren nicht in das Rentensystem eingezahlt, bin schon 53 und habe keine Angst vor dem Alter. Was tust du?
Ich gehöre keiner gesetzlichen oder priaten Krankenkasse an. Was tust du in dieser Hinsicht?
Ich habe drei Kinder großgezogen, und zwei Enkel gibt es auch. Wie steht es bei dir?
(Dass je mehr Kinder da sind, natürlich auch mehr davon arbeitslos sein werden und ebenfalls nicht in eine Rentenkasse einzahlen können, steht auf einem anderen Blatt.)
Ich bin kulturschaffend. Wie steht es mit Dir?
Ich kaufe auch nicht jeden Scheiß, den mir die Werbung zu brauchen suggeriert? Was tust du?
Um wenigstens ein paar Dinge zu nennen, wahrscheinlich könnte ich die Liste ziemlich lang fortführen.
Es ist bestimmt so, dass die sogenannten "Globalspieler" die Weltherrschaft wollen, aber sie leichten Kaufs kriegen sie die nicht. Wenn die 68er nicht gekommen wären, hätten sie sie aber schon, denn gerade die Leute, die so "hochstehend sittlich und moralisch" gelebt haben, waren diejenigen, die allem, was ihnen von oben aufgedrückt wurde, JA und AMEN sagten. Nur die Bewegung von u n t e n, die Auflehnung, die verstanden sie nicht.
Für die "Globalspieler" ist der Zustand eingetreten, dass sie Mühe haben, jede neue Bewegung und Strömung ebenfalls irgendwie wieder in ihr Netz zu kriegen, und das wird sie künftig so beschäftigt halten, dass ihre ganzen Pläne daran zerbrechen. Denn es gibt noch diesen Planeten, der ein lebendiger Organismus ist und nach eigenen Gesetzen funktioniert. Und es gibt den Zusammenhang von allem mit allem.Herzliche Grüße,
nanabosho -
Oha, oha, oha, Freunde!
Kurz zu Larah: Der Hauptteil meiner Antwort richtete sich an Odessa, das hätte ich vielleicht deutlicher herausstellen sollen.
Und nun zu Trigemina:
1. (Auflösung v. Familie, Nationalstaat usw.): löst nicht gleichzeitig Individualität auf, sondern fördert sie. Darin besteht ein erheblicher Widerspruch. In der herkömmlichen Familie wie auch dem traditionell organisierten Nationalstaat ist es sehr schwer, individuell zu sein und zu leben. Aber nur Individualität befördert zivilen Ungehorsam und die Möglichkeit des Widerspruch bei versuchter Instrumentalisierung. Daher wäre bereits der Plan Unfug.
2. (Vermischung usw.): Wenn ein Bruder eine Schwester zur Frau oder Geliebten wählt, nennt man das Inzucht. Auch sonst das "Schmoren im eigenen Saft". Eine gesunde Entwicklung kann nur durch Einflüsse von außen und deren Integration entstehen, niemals durch Inzucht. (Denn das Kleine ist wie das Große.) Würde bedeuten, dass der Plan eine g e s u n d e Entwicklung fördert.
3. (Ausspielung sozialer u. a. Schichten gegeneinander): Die Auseinandersetzungen hat es seit Bestehen der Welt gegeben und sind entwicklungsbedingt. Nur bestimmte Verstärkungen werden als "Teile und herrsche"-Prinzip wirksam. Wenn das aber der Plan ist, widerspricht er dem Punkt 2.
4. Wird durch die starke Naturheilkunde-Bewegung heutzutage unmöglich gemacht. Sie wächst, soweit ich beobachten kann, rasant. Die Kräuter, die im Wald wachsen, können nicht von Staatsdienern o. ä. Leuten überwacht werden. Und sind gesünder als Tabletten, jede Wette!
5. Ich halte es nicht für gut, wenn Menschen mit Apparaten jahrelang künstlich am Vegetieren gehalten werden. Darin bestünde auch eine Leugnung (zumindest Abwehr) des Bewusstseins, der unsterblichen Seele. In den Augen von Naturvölkern ist dieses künstliche Am-Leben-Halten geradezu absurd. Wie kann man von Sterbehilfe sprechen, wenn es nur darum geht, die Einkünfte von Ärzten zu erhöhen und zu verlängern. Jeden Penner auf der Straße lässt man in unserer Gesellschaft in Ruhe sterben, wenn er keine Versicherung hat, also an einer Lebensverlängerung niemandem gelegen ist. Sterbehilfe ist ein Segen, im Grunde nur eine Ablehnung des künstlichen Zwanges, im Diesseits verweilen zu müssen, obwohl es keinen Grund mehr gibt. Wäre also auch ein Fortschritt.
6. Abtreibung wird deshalb gefördert, weil Arzt und Krankenhaus daran verdient, das hat nichts mit moralischen Komponenten zu tun. - Und: Was ist besser - moralisch -: einen Embryo abzutreiben oder ein Kind zu gebären, um es dann tot quälen zu lassen oder jahrelangem Hunger auszusetzen o.ä.?
7. Sexuelle Promiskuität wurde versucht zu verhindern (AIDS-Kampagne). Als das nichts fruchtete, ergreift man natürlich wieder die Flucht nach vorn. Aber es besagt nichts. Sex macht locker und selbstbewusst, Nicht-Sex führt bei Männern zumindest zu verstärkter Aggressivität oder Depressionen. Ohne ein normalerweise naturgegebenen Triebreflex zu leben, erfordert eine beträchtliche Reife, die man nicht durch Vermeidung erreichen kann. Wenn wir uns gegenseitig liebevoll und bereitwillig geben würden, was wir voneinander erträumen, gäbe es kein Geschäft mehr mit Sex. Die geförderte Promiskuität beschwört die Gefahr herauf, dass solche Zustände entstehen; es wäre also ebenfalls ein Fortschritt.
8. Die Sache mit dem Paradigmenwechsel ist keine neuzeitliche Erfindung, wird allerspätestens beispielsweise in der Bibel postuliert ("Da aber die Zeit erfüllet ward, sandte Gott seinen Sohn...." usw.). Da das Leben ein Geheimnis ist, lässt es sich sowieso nicht planen oder kontrollieren. Auch für Herrscher oder Verschwörer nicht. Ist also Nonsens.
9. Die Tendenz der Neuzeit geht zu autarken Lebensweisen, weg von staatlicher und wirtschaftlicher Kontrolle. Wo wollen die Verschwörer da ansetzen? Oder haben sie bereits den Zug verpasst? Denn es scheint mir bereits zu spät, diese Entwicklung verhindern zu wollen.
10. Das lasse ich gelten, aber es führt zu Krisen, die den Einzelnen geneigter machen, autark zu leben.
11. (Schulden usw.) Lasse ich auch gelten, aber es wird früher oder später zu einer Neustrukturierung des Wirtschaftssystems führen. Die von den jetzt an den Machthebeln Sitzenden noch nicht erahnt werden kann...
12. Auch das wird zur Hinwendung zur Autarkie führen.Also Entwarnung! Jede Krise ist eine Chance. Nutzt sie, Freunde!
nanabosho
-
Immerhin, Illuminatus,
auch zu dem Umgang mit Kriminalität, speziall Mordfällen in der Gesellschaft, habe ich bestimmte Vorstellungen. Vielleicht sollte ich mal ein Thema daraus machen; es könnte sein, dass mich Dein Umgang damit wieder zu etwas Neuem inspiriert.
Denn es gibt durchaus schon das, was man als "menschlichen Umgang" mit einer solchen Straftat bezeichnen könnte und darüberhinaus eine tatsächliche Veränderung bewirken würde. Man nennt das "kreative Rechtsprechung". In Deutschland noch kaum vorhanden, in Skandinavien und den Niederlanden umso eher.
Und das Ganze kostet den Staat weit weniger als eine langjährige Gefängniszelle.Herzliche Grüße,
nanabosho -
Oh, Illuminatus,
das wäre allerdings ein grobes Missverständnis. Die Geschichte hat überhaupt nicht mit irgendeinem Gedanken an Schuld oder Strafe zu tun. Sondern untersucht einzig, was einen Menschen, der wenige Kontakte zu anderen hat, dazu treiben könnte, nicht nur zu morden, sondern sich auch folgerichtig zu stellen.
Außerdem ist es der groteske Weg eines Menschen, der bekam, was er wirklich wollte...
Ich bin wirklich Schriftsteller und nicht Rechtsanwalt. Und Staatsanwalt schon gar nicht.
Alles Gute,
nanabosho -
Zitat von Odessa
Angst haben sieht anders aus, nämlich indem man ausweicht, auswandert oder kuscht....oder glaubt, sich verteidigen zu müssen.
(Liebe Odessa! Heute schon mal gelacht? 1. ist es heilsam und 2. wird dich kein Jude der Welt daran hindern.)
Aber ich wollte noch an meinen letzten Text etwas anhängen: Auch die ganze Geschichte mit "Bevölkerungsreduktion durch Krankheit" ist nämlich ziemlich lächerlich.
Wie kommt es denn nämlich, dass die Lebenserwartung ständig steigt? Trotz tausender Versuche der "Verschwörer", sie zu verkürzen. Wie erklärt man sich das Phänomen, dass die Älterwerdenden auch durchschnittlich immer gesünder werden? Ich fürchte, es wird auf der "Verschwörerseite" einige Probleme geben.
Ach, und die 60er Jahre?! Die haben dazu geführt, dass immer mehr Menschen aufwachten und ihre wahre Meinung sagten. Man spricht nicht von den 40ern oder 50er,n weil es da eben nicht der Fall war.
Vorausgesetzt, auf der entsprechenden Webseite ist tatsächlich von Dingen die Rede, die geplant sind, also wirklich durchgeführt werden sollen. Dem halte ich John Lennons Ausspruch entgegen: "Das Leben ist das, was geschieht, während wir ständig dabei sind, andere Pläne zu machen."
PLÄNE, auch von den größten Machthabern, gehen heutzutage meistens schief! Ich glaube, da kann man sich sogar darauf verlassen. Die Bevölkerung ist weniger und weniger dumm. Allerspätestens mit den Schweinegrippe-Impfversuchen haben sie das gemerkt.Herzliche Grü0e,
nanabosho[hr]Zitat von Odessa
Deutschland starb 1945, ihr seid keine Deutschen mehr.Auch dazu, liebe Odessa, noch ein paar Worte:
Wie alt bist du? Hast du Deutschland vor 1945 erlebt? Hast Du wenigstens Eltern, die Dir die Wahrheit gesagt haben.
Meine haben. Und einige alten Leute, die ich kenne, auch.
Übereinstimmend sagen sie, es seien die finstersten Jahre gewesen, die sie je erlebt hatten. Dass sie sich niemals wieder ein solch grausames und gefährliches Deutschland wünschen. Und denen ging es nicht darum, ob es eine Judenverfolgung gab oder nicht. Denen ging es darum, dass sie an ein Idol geglaubt hatten und schwer irregeführt wurden. Dass sie nicht nur keinen neuen Lebensraum gewonnen, sondern den ihren verloren hatten durch Flucht und Vertreibung. Und dass sie, kurz vor und während der Jahre des Krieges, täglich Angst hatten zu sagen, was sie wirklich dachten. Nicht weil sie Juden gewesen wären, sondern weil es ein offenes Geheimnis war, dass die Gestapo auch diejenigen abführte, die eventuell ein abfälliges Wort über Hitler oder die SS äußerten. Also ein Zustand, der in der DDR in etwas abgemilderter Form immer noch herrschte (ich bin Leipziger, ich kenne das noch gut).
Das Deutschland, das Du in den Himmel heben willst, förderte Anpasser- und Denunziantentum in übelster Weise. Alle Leute lebten in Angst und zwar sehr greifbarer Angst. Und viele der angeblichen "Kriegshelden", die ihren "Heldentod" auch gestorben sind, sind nur in den Krieg gezogen, weil sie nur die Wahl hatten, entweder von ihrem eigenen Offizier (ihrem Landsmann also) oder eben einem Russen oder sonstwem abgeknallt zu werden. Die Kugel des Offiziers wäre sicher gewesen, der frontale Krieg aber bot die Chance, noch irgendwie durchzukommen.
Deutschland hat den Krieg auch verloren, weil viele, sehr viele mit insgeheim schlechtem Gewissen gekämpft haben...
Ich halte diese Zeugnisaussagen für ehrlicher als die Helden-Lobhudeleien von abgedrehten Propagandisten, die niemals selbst an der Front waren und die schönfärbenden Berichte von Leuten, denen der Krieg die Möglichkeit bot, ihre Mordlust auszutoben.
Es gab mal einen - der übrigens auch Deutscher war und in jener Zeit lebte, bloß ein wenig entfernt im Urwald -, der das geflügelte Wort "Ehrfurcht vor dem Leben" prägte. Ich muss zugeben, dass mich d i e s e r Landsmann weit eher beeindruckt als etwa das Krähen eines Herrn Goebbels: "Wollt ihr den totalen Krieg?" - Und die Massen brüllten: "Jaaaa!"
Und mach mir bloß noch weis, dass diejenigen, die das gerufen haben, n i c h t manipuliert waren oder etwa so etwas wie eine eigene Meinung nur im Ansatz kundgegeben hätten.
Liebe Odessa! Halte Deine Bälle flach, bitte!Herzliche Grüße,
nanabosho(P.S.: Ach so, Zeitungsartikel beeindrucken mich überhaupt nicht. Ich beobachte und denke gerne selbst.)
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Holla, nette nachbarin,
das ist ein schönes Thema und verdient nicht, so links liegen gelassen zu werden wie bisher. Es sei denn, dieses Forum ist eines, in dem sich nur große Meister tummeln, die es eben schon "geschafft" haben und über solchen Banalitäten wie Partnerschaft, Sex usw. stehen.
Ja, es ist ein Falle einesteils, eine Herausforderung immer. Aber es ist der Königsweg des Wachstums und der Entwicklung schlechthin. Meine ich jedenfalls.
Ein bisschen Mut muss man natürlich - wenigstens mit der Zeit - entwickeln. Und deshalb gibt es die berühmten "partnerschaftlichen" Machtspiele. Der Leidensdruck wird auf einer Seite so groß, dass der Mut eines Tages ausreicht, um auszubrechen, zu rebellieren, wie auch immer. Und es i s t möglich, mit einem oder auch mehreren Partnern Ebenen zu erreichen, auf denen man sich tatsächlich bereichert und erfüllt, ohne in den genannten Abhängigkeiten zu enden.
Allerdings muss man immer wieder loslassen, jegliche Erwartung über Bord werfen, immer wieder zur geradezu babyhaften Neugier zurückkehren...
Schon mal Bücher von Hermann Meyer gelesen? (Die neue Sinnlichkeit, Der Jackpot des Lebens u.ä.) Heißer Tipp am Rande.
Von gediegener Tantra-Literatur einmal abgesehen...Herzliche Grüße,
nanabosho