Zitat
wenn also einer von euch erklären kann, warum die Zentralbank von der Klippe springen will, bzw. muss, dann bitte her damit.
Was wir hier haben kann man als "credit freeze" bezeichnen. Letzten Endes ist es so, daß in den postindustriellen westlichen Ländern das vermeintliche Wirtschaftswachstum der letzten ~15 Jahre größtenteils eine reine Gelddruckmaschine war: Profite ergaben sich primär aus der Erwartung künftiger Profite. Die Annahme daß eine Investition sich in der Zukunft rentieren würde, war Grundlage dafür daß sie sich am Ende tatsächlich rentierte: weil die Erwartung satter Profite den Aktienkurs eines Investors hochtrieb.
Man kann das mit Münchhausen vergleichen, der sich am eigenen Zopf aus dem Schlamm zieht, wenn man dazu noch Reise nach Jerusalem spielt, aber in jeder Rune einen Stuhl mehr dazustellt. Denn woher kriegt eine Bank das Geld, das nur durch die Erwartung gedeckt ist daß die Zukunft noch besser sein wird als die Gegenwart, um sich etwas zu kaufen von dem alle glauben daß es in Zukunft mehr wert sein wird als es momentan ist? Von anderen Banken. Da Geld ja nur eine universalisierte Transaktionseinheit ohne intrinsischen Wert ist, funktioniert das Ganze, obwohl es auf den ersten Blick wie völliger Schwachsinn aussieht. Zumindest funktioniert es, solange niemand versucht die im Umlauf befindlichen Summen in nennenswerter Weise in Realwerte umzusetzen, und solange am nimmerendenden Wirtschaftswachstum nicht im Rahmen des Systems gezweifelt wird. Klar weiß jeder, daß auf einem Planeten mit endlichen Ressourcen kein unendliches Wachstum möglich ist, aber solange man glauben kann, daß die Kapazitätsgrenze "irgendwo in der Zukunft" liegt, funktioniert es halt wie gehabt.
Was im Sommer 2007 passiert ist (man kann es an Aktienkursen ablesen: die fraktale Dimension der Kurse fast aller Investmentbanken ändert sich mit Bedinn der Suprimekrise. Schlagartig.) war ein bißchen von ersterem und eine Menge von letzterem. Eine Blase platzte. Und im Unterschied zu den bisherigen Malen wo das passierte sowohl eine sehr große Blase als auch - und das ist das Neue - eine Blase in einem finanziell von BushCo in Grund und Boden gewirtschafteten Staat.
Das Resultat sehen wir ja: jede "Wertberichtigung" killt sozusagen eine weitere Großbank.
Um die ursprüngliche Frage zu beantworten: wie reagiert man als Großbankenvorstand darauf? Man prüft intern die Bilanzen und hofft, die schlechten Neuigkeiten weitgehend verheimlichen zu können, denn sobald auch nur das geringste Bißchen davon öffentlich wird, kacken die Aktienkurse besagter Bank weiter ab, was zu weiteren "Wertberichtigungen" führen muß und so fort. Banken finden sich also in der Situation wieder, daß das Geld das sie glaubten zu haben und das sie in diuesem Glauben auch eifrig investierten und verliehen auf einmal nur noch aus Zahlen in irgendwelchen Spreadsheets basiert, aber nicht mehr real gedeckelt ist. Damit löst es sich in nichts auf, sobald irgendjemand die Frage nach der Deckung stellt. Damit möglichst niemand diese Frage stellt, sind besonders große Investmentbanken ganz ganz vorsichtig geworden, wem sie Geld leihen und überhaupt beim Investieren. "Credit freeze", der Begriff sagt eigentlich alles.
Die EZB kann darauf auf 3 Weisen reagieren:
1) das Problem ignorieren. Mittlerweile bedeutet das, einen kompletten zivilisatorischen Kollaps zu riskieren, weil alles was wir als "Wirtschaft" kennen abzusaufen droht: der Kaiser hat keine neuen Kleider, er ist ziemlich nackt. Das was wir als Zivilsdation kennen, basiert aber zu einem großen Teil auf der Annahme, der Kaiser habe Jahr um Jahr prächtigere Kleider; und wie gesagt, solange die kollektive Illusion hält, funktioniert das Ganze prächtig.
2) Geld drucken. Steigert die Inflation, und die ist in Europa teilwesie ein signifikantes Problem geworden (z.B. in Spanien)
3) Geld das vom Besitz der öffentlichen Hand gedeckt ist herausgeben. Das machen sie jetzt. Letztlich ist die Argumentation dahinter: "ach, diese Straße dort ist auch etwas wert; wir beziffern also diesen Wert und bringen die Summe in Umlauf".
Es ist also ein zweischneidiger Prozeß: einerseits werden (primär in den USA) Großbanken verstaatlicht wie noch nie zuvor. Andererseits wird (besonders in Europa, aber das 700-Milliarden-Dollar-Programm ging ja auch in die Richtung) Besitz der Allgemeinheit in liquides Kapital transformiert.
Es sind nicht unsere Steuergelder, es sind wir selbst: das Geld das die EZB da lockermacht kann unter anderem und zum Beispiel auch deshalb lockergemacht werden, weil es soundsoviele Menschen in der EU gibt, die eine soundso hohe Arbeitsleistung erbringen können. Es ist wie ein überschuldeter aber freier Kleinbauer im Mittelalter, der gegen Schuldenerlaß in Leibeigenschaft ging.
Die Frage ist: was kriegen wir dafür? Werden die Banken an die das Geld geht dann (teil)verstaatlicht? Das wäre ja noch etwas wert, denn als Dauerzustand ist das natürlich sinnlos; der Staat und die EU haben selbst Banken henug - aber das Geld, mit dem sich die Privatbanken dann später wieder freikaufen müßten, das würde jede Regierung gern haben (Die Demokraten-Variante des 700-Milliarden-Dollar-Pakets sah ja genau das vor). Es würde das Machtgleichgewicht gerade umkehren, zumindest wenn sich genug Menschen finden die der Regierung auf die Finger schauen und notfalls auch klopfen: die letzten 15-25 Jahre haben die Börsen die Politik nach ihrer Pfeife tanzen lassen. Wenn nun mit einem Mal namhafte Großbanken der Allgemeinheit gehören würden, wäre das eine interessante Entwicklung.
Aber es wird wohl ganz anders kommen. Ich fürchte, dieses Wochenende wurde Geschichte geschrieben, und ich sehe zu wenige Menschen, die der Herausforderung gewachsen wären. In Brasilien vielleicht. Aber nicht in Deutschland. In Österreich gewiß nicht - das probateste Mittel, daß Haider und Strache dazu einfällt, bestünde darin, irgendwelche "sozialschmarotzenden" Flüchtlinge (auf deren Armut sich unser Reichtum zum großen Teil gründet, lest we forget) auszuweisen und, weil das nicht funktionieren wird (es werden mehr und immer mehr Menschen aus Afrika etc fliehen; die ersnthaften Prognosen gehen von einer bis zu Verfünffachung bis Mitte des Jahrhunderts aus, und kein Berlusconi kann das stoppen) werrden sie irgendwann den Grenztruppen Schießbefehl geben müssen. Während die Leute die uns ins Unheil gestürzt haben, ihre fetten Ärsche breitsitzen und mit ihren Gspusis Jörgl und HC den Heurigen hinter die Binde gießen werden, statt mit ihrem Besitz für den angerichteten Schaden zu haften.
Denn eigentlich kann es nur eine einzige Antwort geben: Enteignung. Eine komplette Enteignung der Aufsichtsratsmitglieder, die das da angerichtet haben, auf Hartz-4-Niveau. Alles wegnehmen, Aktien, Häuser, Autos. In den Besitz der Allgemeinheit überführen, aber nur zur meistbietenden Versteigerung. Mit den Erlösen die Wirtschaft sanieren. Den Schlipsen kein Haar krümmen, aber sie zum Schlafen unter Brücken schicken; jeden lumpigen Cent aus ihnen herauspressen, bis sie gar nichts mehr besitzen als das was sie an Kleidung am Leib tragen. Eine radikale und konsequente Anwendung des Leistungsprinzip auf diejenigen die es am lautesten herauskrakeelen und sich am wenigsten daran halten.
Eionem Psychopathen gibt man keine Waffe in die Hand; einem Alkoholiker kein Auto. Einem Soziopathen kann man also auch schwerlich Geld zum Spielen in die Hand drücken und erwarten daß das gutgeht.