Beiträge von Hokioi

    läßt sich die Frage bereits jetzt beantworten: das was in so Fällen immer passiert. Die Mächtigen werden sich verbunkern, umgeben von einem Schutzschild aus gut bezahlten Loyalisten (im Prinzip ihre Privatarmee, also irgendwelche Securities), und darum eine möglichst weite Zone aus schlecht bezahlten Idioten, Überzeugungstätern. Leute die glauben daß der Aufschwung nur eine Frage der Zeit ist und so.

    Bei einem gewaltsamen Endgame ist das ganze ein bißchen anders, denn Geld kann in einer Krise Loyalität kaufen aber nicht in einem Krieg. Folgerichtig waren die Truppen die Berlin-Mitte verteidigten SS-Auslandsfreiwillige, die damit rechnen mußten, bei einer Gefangennahme nach Hause geschickt und dort wegen Hochverrats hingerichtet zu werden. Mit Reichsmark konnte man im April/Mai 1945 nun echt keinen mehr gefügig machen.

    Aber der Prozeß den wir aktuell haben, ist zu groß um in einem klassischen Krieg zu enden. Eher in etwas wo ein Abflußrohr und eine Büchse Haarspray eine bessere Waffe ergeben als eine Feldhaubitze.

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    Aber was wird aus dieser Macht, wenn plötzlich alles Stil steht?

    Wir werden es in nicht allzuferner Zukunft herausfinden. Aber hübsch wird es nicht sein.

    Vielleicht ist in diesem Zusammenhang relevant, daß von Treffen wie Davos, Bilderberger etc immer ein paar Bruchstücke von Informationen heraussickern, die für unkritisch gehalten werden, weil die Aufmerksamkeit der meisten Beobachter nicht so weit reicht. Aber seit ein paar Jahren - ungefähr 2003-2005 herum fing das an - scheint es so zu sein, daß in dieser Szene Zerwürfnisse auftreten. Leute die früher beim Diner nebeneinander saßen, sitzen nun an entgegengesetzten Enden des Raums und so. Wenn gesagt wird: Person A unterhält sich mit Person C, heißt das auch: sie unterhält sich währenddessen nicht mit Person B. Ich weiß nicht wo es war (ich glaube Bilderberger '04), aber zumindest bei einem dieser Treffen haben sich die Anwesenden fast angeschrien, und ein US- oder NATO-VIP mußte den Abend daraufhin am Katzentisch verbringen. Obwohl es nur Gerüchte sind, klingen zumindest die nicht nach business as usual. Und für gezielt gestreute Fehlinformationen haben diese Geschichten einen viel zu kleinen Verbreitungsradius. Wenn ich Falschinformationen lancieren wollen würde, wäre meine erste Adresse Rense, danach Prisonplanet. Denn darüber würde die Info an viele Dutzend Millionen aufmerksame Leser weitergeleitet, nicht an eine Handvoll Millionen (wenn überhaupt) die irgendwelche Provinzkolumnen oder C-List-Blogs lesen, und von denen 90% vermutlich gar nicht groß drüber nachdenken was sie da grad gelesen haben.

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    Studien, die eine zunehmende Ölknappheit und weitere Verteuerung voraussagen, widerspricht der Branchenkenner: Der Preis ist gestiegen, weil bisher die Wirtschaft weltweit brummte, und nicht, weil es kein Öl mehr gibt."

    Ich habe ein paar Vorabdaten des Global Energy Outlook (momentan noch offiziell unter Verschluß bis November) zu sehen bekommen (fragt nicht nach, ich weiß selbst nicht so genau), und zumindest laut denen hat der Mann den Nagel auf den Kopf getroffen. Der Unterschied zu peak oil ist aber subtil und für Normalsterbliche irrelevant:

    Peak oil geht davon aus, daß eine Angebotslimitierung besteht. Also daß die Produktion einen Höhepunkt erreicht hat und im weiteren Verlauf absinkt.

    Das Szenario das hier gemeint ist, und das die IEA neuerdings vertritt (2002 waren sie noch anderer Meinung, aber da ignorierten sie nach eigenen Angaben den Faktor China) ist eine Angebotssättigung. Also daß die Produktion zwar weiter steigt, aber der Bedarf schneller steigt.

    Und zumindest die IEA behauptet ganz konkret (bzw. wird in einem halben Jahr ganz konret behaupten werden), daß spätestens 2020, vermutlich aber bis 2015, der für ein weiteres Weltwirtschaftswachstum wie wir es gewohnt sind notwendige Erdölbedarf nicht mehr gedeckt werden kann. Egal wie man es versucht. Bei weiter steigender Erdölproduktion.

    Daß wir also wenn nicht irgendetwas Unvorhergesehenes geschieht spätestens 2020 eine globale Rezession am Start haben werden, eine Weltwirtschaftskrise wie sie die Welt noch nicht gesehen hat.

    Soviel jedenfalls folgt aus den Daten der IEA. Sicher können die falsch sein. Aber dessenungeachtet wird das Thema diesen Winter ziemliche Wellen schlagen - vor allem weil es mit einem saisonal erhöhten (Heiz)Ölbedarf zusammenfallen wird -, und dann könnt ihr sagen: yo, ist mir bekannt, die Theorie geht nämlich soundso. Und da die Theorie relativ unkomplex ist, ist es ein nettes Partygespräch sozusagen.

    Aber, und das scheint der IEA nicht klar zu sein (ich habe nicht gefragt, aber zumindest bei Fatih Birol habe ich nicht den Eindruck daß er darüber bescheid weiß) - das Unvorhergesehene existiert. Es ist nur eine Frage der Umsetzung, die Umsetzbarkeit ist bewiesen. Theoretisch ist wirklich unendlich viel Erdöl vorhanden, auch ohne russische Tiefbohrungen.

    Irakkrieg. Es existiert eine Theorie, nach der der Bürgerrieg eine Show sei, die von den USA künstlich am Leben gehalten würde, um sich damit langfristige Stationierungsrechte zu ergeiern.

    Daß sie scharf auf die Stationierungsrechte sind, ist klar. Sie verfolgen das Thema (aktuell in den Nachrichten, denn das Mandat läuft Ende 2008 aus und momentan wird grad neu verhandelt - aber glaubt bloß nicht, daß es der Tagesschau auch nur eine 10-Sekunden-Meldung wert wäre, da werdet ihr Sschon Google News bemühen müssen um zumindest einen Ansatzpunkt für die Recherche zu haben).

    Aber der Preis den sie bislang zahlten war der, daß sie sich zur Gewährleistung ihres Kriegshaushalts extremst verschulden mußten - und nicht bei irgendwem, sondern insbesondere bei China. Und da falsifiziert die Theorie vom Scheinbürgerkrieg ziemlich gut. Denn wenn sie noch irgendeine Wahl hätten, würden die USA sich nicht an den Punkt verschulden, daß der Dollar gegenüber dem Euro unkontrolliert zu rutschen beginnt. Ein bißchen im Wert sinken ist gut in der momentanen Situation, bessere Außenhandelsbilanz etc. Aber in einem halben Jahr um ein Drittel an Wert verlieren ist ein bißchen riskant. Niemand in dessen Macht stünde das zu verhindern würde es zulassen, wenn sein Ziel nicht die Vernichtung der USA als Weltmacht wären.

    Fakt ist: wenn es der Regierung in Peking so gefällt, haben sie aktuell die Mittel, die USA wirtschaftlich zu vernichten. Sicher, es würde sie schwer anschlagen. Aber die USA würde es kaputtmachen. Innerhalb von 2 Wochen könnte Peking so viel von seinen Dollarreserven in harte Währungen umgetauscht haben, daß der Greenback vielleicht einen halben oder zehntel Euro-Cent wert ist. Die USA würden in eine Hyperinflation geschubst. In Lateinamerika und Südasien wie auch im eigenen Land hätten chinesische Produkte weiterhin einen Absatzmarkt, der so groß ist, daß sie auf die USA gelinde gesagt scheißen könnten.

    Soviel dazu. Und abgesehen vom Irak - die Tatsache, daß aus den USA, die sonst ganz vorne dabei sind (waren?) wenn es um Kritik an dem chinesischen Umgang mit Menschenrechten geht, zum Thema Tibet - und man darf nicht vergessen, daß bedeutende Teile der tibetanischen Unabhängigkeitsbewegung von der CIA aufgebaut und/oder finanziert wurden! - außer einem lauen "Ausdruck der Besorgnis" von Rice ungefähr gar kam, ist ich sag mal, interessant. Ich behaupte nicht, daß der Grund dafür ist, daß die Gläubiger den Schuldnern gesagt haben, daß sie sich allzu forsche Aussagen doch sehr verbitten würden, aber das was da lief war ungewöhnlich.

    Und um den Bogen zu schließen: ich halte die Augen auf nach Informationen, die die Theorie daß China die USA mittlerweile politisch-wirtschaftlich erpressen kann falsifizieren. Natürlich wird niemand der es wüßte wenn es so wäre explizit sagen: es ist so. Aber die Reaktionen werden aussagekräftig sein: hält sich die US-Regierung bedeckt, wenn man aufgrund ihres bisherigen Verhaltens erwarten müßte, daß sie vör Zorn schäumend die Wände hochläuft?

    Bis dahin behaupte ich nicht, daß China die USA wirtschaftlich erpressen können, aber es reicht um zu sagen: es könnte so sein.


    Mit der ostentativen Rhetorik, man müsse Iran in eine nuklear verstrahlte Trümmerwüse verwandeln wenn man das dortige "Atomwaffenprogramm" nicht anders stoppen könnte ist es genauso. Ich habe irgendwann aufgehört zu zählen, aber mehr als 5mal wurden von "gut informierten" "Insidern" irgendwelche "sicheren" Termine genannt, an denen "die Bombardierung Teherans beginnt". hierzu ist nur zu sagen: solange die iranische Regierung das auf die leichte Schulter nimmt, sind solche Ankündigungen zumindest suspekt.


    Aber genug off topic. Vielleicht sind ein paar Punkte jetzt klarer.

    Und wenn nicht, dann die Kurzversion:
    Mathematicians hunt elephants by going to Africa, throwing out everything that is not an elephant, and catching one of whatever is left.

    Wenn ihr eure Erkenntnis zu Ende denkt, werdet ihr feststellen, dass man sich gegen dieses System der gezielten Manipulation und Fehlinformation nicht wehren kann.

    Falsch. Es gibt 2 erkenntnistheoretische Grundansätze: verifikationistisch und falsifikakionistisch. Du argmentierts verifikationistisch. Ich argumentiere falsifikationistisch. In den Naturwissenschaften insbesondere, aber eigentlich in jeder Wissenschaft, ist ein falsifikationistisches Vorgehen das populärere.

    Der Unterschied ist ganz einfach: Verifikationisten suchen Erkenntnis, indem sie nach der Wahrheit suchen. Falsifikationisten suchen Erkenntnis, indem sie Lügen suchen um diese als Unwahrheit auszuschließen.

    Ein reiner Falsifikationismus ist schwierig, weil sehr langwierig. Aber es lohnt sich (meiner Erfahrung nach), so oft wie möglich einen falsifikationstischen Ansatz zu verwenden. Es ist aufwendiger. Aber im Gegensatz zu Verifikationisten geht man nur sehr schwer git verpackten Lügen auf den Leim.

    Der Preis ist, öfter zu sagen: ich weiß es nicht. Aber das ist keine Schande, denn man kann dann auch sagen: ich weiß zumindest, wie es nicht ist.

    Ich weiß zum Beispiel, daß abiogenes Erdöl kein Gerücht ist. Es existiert. Aber ich weiß nicht, wie signifikant sie ist - kann durch das, was da in 1000 Jahren entsteht, der Erdölbedarf der Menschheit 1000 Jahre lang gedeckt werden, oder nur einen Tag lang?

    Aber: der eigentliche Wert von Tischlers Artikel liegt darin, daß er ein historisches Dokument darstellt. Sicher, seine Quellen sind veraltet. Aber sie beweisen, daß man sich seit 20 Jahren über die Sache Gedanken macht. Und soweit ich weiß, wurde insbesondere in Rußland eine Menge Geld investiert in der Hoffnung, daß die Theorie stimmt. Und soweit ich weiß - aber ich bin mir nicht sicher, denn ich habe keine Primärdaten - sind diese Investitionen ziemlich umfassend abgeschrieben worden. In abiogenes-Öl-Texten von vor 5 Jahren ungefähr ging es um angeblich angezapfte gigantische Lager von abiogenem Öl, die bis 2007-2010 herum Rußland immense Ölreserven bescheren sollten.

    Der Prozeß ist nicht abgeschlosssen. Aber: es sieht momentan ganz und und gar nicht danach aus, als ob es so laufen würde.

    Und wenn eine Prognose sich nicht bewahrheitet, muß irgendwo in der ihr zugrundeliegenden Theorie der Wurm sein. Wenn Rußland riesige Mengen an billigem Erdöl hätte, wäre das in der momentanen geostrategischen Situation der Joker. Diese Karte jetzt nicht auszuspielen, hieße, daß sie auf alle Ewigkeit ihre Rekruten Kapusta anbauen lassen müßten, um ihre neuen Interkontinentalraketchen zu finanzieren - use it or lose it. Staaten, Personen und Konzerne haben in den letzten 1-2 Jahren angefangen, mit Öl zu geizen, auch wenn es in ihrem vitalen Interesse stünde es nicht zu tun. Noch nicht mal eine weltweite Verschwörung aller Ölproduzenten macht Sinn, denn auch für die hat der Preis den man für eine rein künstliche Ölverknappung zahlt - es hängt ja lediglich das daran, was wir umgangssprachlich als Zivilisation bezeichnen - den potentiellen Gewinn überschritten: eine rein künstliche Ölverknappung läuft mittlerweile Gefahr eine Weltwirtschaftskrise zu riskieren, nach der es schlicht und ergreifend keine Weltwirtschaft mehr gibt. Und dann ist all das gehortete abiogene Öl das irgendwo hypothetisch existieren würde ziemlich nutzlos; trinken kann man's ja nicht (obwohl, ein halbes Täßchen Erdöl ist soweit ich weiß ein wirksames wenn auch eher drastisches Abführmittel bei bestimmten Vergiftungen).

    So ungefähr. Nicht von actio auf eine vermeintliche reactio schließen, sondern erst mal nur die Reaktion betrachten, und daraufhin schauen ob die Aktion und/oder im Vorfeld abgegebene Prognosen dazu passen.

    Nach einem halben Jahrzehnt eklektischer Beobachtung wird man die ersten Ergebnisse erwarten können. Kaum früher. Aber die Ergebnisse sind die Wartezeit wert. Und 2012 hin oder her, es ist auf jeden Fall schwer anzuraten, so bald wie möglich zu beginnen, Ereignis"fäden" länger zu verfolgen als ihre mediale Halbwertszeit dauert.

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    Zu dem Artikel habe ich noch eine Frage

    Ich auch: gibt's das auch mit Quellen die einigermaßen neu sind?

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    Doch nach den Erkenntnissen der modernen Forschung ist das, was wir allgemein als Erdöl bezeichnen, vermutlich wenig mehr als das Ergebnis stofflicher Ausgleichung planetarer Massen.

    Dumm schwallen kann jeder Dr. phil.. Seine "moderne Forschung" ist ein Text der vor 15 Jahren veröffentlicht wurde, und das als Review, was bedeutet, daß die zugrundeliegende Forschung älter ist als viele Leute hier im Forum!

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    Wie sollen die Überreste von Lebewesen tausende Meter unter die Erdoberfläche gelangt sein?
    Wie sollen sich endliche Mengen von Tierüberresten in unendliche Ölvorräte verwandelt haben?

    Tischler offenbart, daß er vom Thema nicht die leiseste Spur einer Ahnung hat. Zum einen redet er über "tektonische Nahtstellen", aber wenn er auch nur ein Fitzelchen Ahnung von Plattentektonik hätte oder in ein in den letzten 60 Jahren veröffentlichtes Erdkundebuch auf Unterstufenniveau geschaut hätte, wüßte er, daß er hier die Antwort auf Frage 1 bekommt: Subduktion.
    Andererseits ist Tischler Kreationist. Dann ist natürlich alles möglich.

    Und "Tierüberreste" grenzt an einen arglistigen Versuch, den Leser zu täuschen. Oder Tischler ist wirklich unerträglich dumm.

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    Kenney und seine russischen Kollegen postulieren, dass sich alles Öl auf diese Weise bildet. Daraus ergibt sich, dass unerschöpfliche Vorräte darauf warten, entdeckt und produziert zu werden.

    Die Voraussagen von Kenney und seinen russischen Kollegen haben zu millardenschweren Fehlinvestitionen in der russischen Erdölindustrie geführt: sibirische Tiefbohrungen, die nach ein paar Jahren trockenfallen.

    Fazit: Tischler hat keine Ahnung was er sagt, und zur Beantwortung der Frage der abiogenen Erdölentstehung ist sein Pamphlet absolut ungeeignet. Schade um die dafür verschwendete Bandbreite.

    "Dr. phil. Siegfried Emanuel Tischler, Österreicher, Geowissenschaftler und Lehrer für Ethik der Wissenschaften, Gastprofessor an Universitäten in Österreich und Indonesien, hat über 25 Jahre in der Explorationsindustrie, als Regierungsbeamter und Akademiker auf fünf Kontinenten gearbeitet."

    Schade nur daß an wissenschaftlicher Literatur nur seine Dekontaminationspatente auffindbar sind. Lebenslauf und Referenzen sucht man auch vergeblich; es fällt aber auf daß Tischler seinen Dr. phil. ostentativ vorzeigt wie ein Typ mit winzigem Penis einen Porsche. Wenn man mal auch nur ein halbes Jahr mit Wissenschaftlern zu tun gehabt hat, gehen bei so was sämtliche Alarmglocken an. Titel hat man und läßt sie nennen. Wo hat er also promoviert und was ist der Titel und Inhalt seiner Doktorarbeit?

    Das ist, ich muß es mal anmerken, ein gängiges Problem: es braucht nur "die WAHRHEIT" dranzustehen oder "SIE belügen uns!!!1einself" und es wird jeder Mist geglaubt. So einfache Fragen wie: "wann und wo und von wem wurden die Quellen publiziert?" und "womit bezahlt der Autor seine Brötchen und von wem kommt das Geld?" sollten der erste Schritt sein, wenn man an irgendeine Quelle gerät, noch bevor man auch nur ein einziges Wort des Textes liest.

    Ich gehe da gar nicht weiter auf Details ein. Probiert es aus. Ich kann euch versprechen, ihr werdet im Laufe der Zeit Wahrheiten finden die euch vielleicht lieber verborgen geblieben wären. Denn welche bessere Methode gibt es, als Falschinformationen zu lancieren unter dem Deckmantel der Aufklärung?

    "Würden wir in einer Gesellschaft leben, in der wir uns wirklich dafür einsetzen, das Potential unserer Mitmenschen entlang unseres eigenden zu nutzen und uns wrklich zu helfen..."

    Ich kann dem nur uneingeschränkt zustimmen.

    Nein, das ist Humangenetik.

    Arier/Chasarer: das was du sagst, würde nur funktionieren, wenn 2500 Jahre lang keines Menschen Fuß den Kaukasus überquert hat von Süden nach Norden. Dann allerdings fällt die gesamte Theorie wie ein Kartenhaus zusammen. (Es kann sein, daß du dich daran aufhängst, daß der chasarische Staat irgendwann jüdisch geworden ist. Dazu nur soviel: was, wer, und wo waren sie 1000 Jahre vorher?)
    Russen/Mongolen: wenn das stimmt, was du sagst, warum sind Aleksandr Nevsky und Dmitry Donskoy dann keine unbekannte Randfiguren der Geschichte?

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    verzeih doch ich kann wetten das du dragunkin nicht gelesen hast

    Nein, ich habe Dragunkin nicht gelesen, nur Zusammenfassungen seiner Thesen und seiner Methodologie. Deswegen würde mich interessieren, ob er zu dem aufgezeigten Beispiel - daß wir bei "nassem Boden" von einem indoeuropäischen Sprachraum sprechen können, der gegen einen ostasiatischen klar abgrenzbar ist - irgendetwas zu sagen hat.

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    1. was sagten dazu die ahnen
    2.was sagen die gelehrten
    3.was sagt eigene erfahrung

    Ich versuche, erst über 1. hinauszugehen, wenn es absolut nichts mehr hergibt, oder wenn belastbare Quellen oder Artefakte nicht existieren. Denn die eigene Erfahrung ist zwangsläufig beschränkt, und Gelehrte... nun, da ich selber in der Szene verkehre, "Gelehrte" kann man recht billig auf dem freien Markt erwerben. Die Käuflichkeit von Wissenschaft ist ein großes Problem geworden.

    Was sagt Dragunkin zu den Tocharern?

    Eine Bekannte von mir ist litauische Heidin. Die lacht sich kaputt über Theorien wie die von Dragunkin und kommt einem mit König Mindaugas und den Pamariern. Mir ist das egal, mit einer Ausnahme: die Theorie die sie vertritt und die die du vertrittst schließen sich gegenseitig aus. Entweder die eine oder die andere oder keine ist wahr, aber beide gleichzeitig gehen nicht. Wäre es mir so wichtig daß ich mich entscheiden müßte, bräuchte ich Gründe die gewichtiger sind als "du hast keine Ahnung".

    Hier ein Weg, mit dem sich vermutlich die meisten Studien zum Thema auffinden lassen:

    Die Korrelation von Humangenetik und Geographie dümpelte vor sich hin, bis Cavalli-Sforza ihr den Weg zu allegmeiner Akzeptanz öffnete: jeder der aktuellen Studien zum Thema zitiert Cavalli-Sforza, oder zitiert eine Studie die ihn zitiert, oder zitiert eine Studie die eine Studie zitiert die ihn zitiert etc.

    Also Google Scholar-Suche nach "cavalli-sforza" und dann die "Cited by:"-Verknüpfungen nutzen. Du wirst nicht lange zu suchen brauchen, bis du in interessanter Literatur förmlich ertrinkst. Egal ob Forscher mit seinen Schlußfolgerungen übereinstimmten oder nicht, man kam nicht drumherum, ihn zu zitieren. Man kann ihn wirklich als "Vater der Humanphylogeographie" bezeichnen.

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    die die den gemacht haben, und den wohl auch iwo gesehn haben

    Zirkelschluß. Daß sie einen Stegosaurier gesehen haben, ist die Annahme, zu der die Darstellung als Indiz herangezogen wird. Es ist nicht die bereits bewiesene Tatsache, sonst bräuchten wir die Darstellung nicht, außer als weiteres Zeugnis der kunsthandwerlichen Fertigkeiten der proto-Khmer.

    Daß das Ding nicht aussieht wie ein Stegosaurier, legt nahe, daß es keinen Stegosaurier darstellt. Sondern irgendein anderes Tier.

    Die um die das Tier befindliche Schlaufe hat ebenfalls "Rückenplatten". Sind die nun ein Bestandteil des Tiers, oder ein Gestaltungselement?

    Bessere Fotos:
    http://img2.travelblog.org/Photos/29383/1…-Ta-Prohm-0.jpg
    http://cellar.org/2006/angkorwatstegasarus.jpg
    http://farm3.static.flickr.com/2055/1568264087_f9ea5bc982_o.jpg

    http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/0/04/Stenops.jpg ist eine Zeichnung eines nahezu vollständigen Stegosaurus stenops-Skeletts wie aufgefunden. Ähnliche Tiere kamen zumindest auf der gesamten Nordhalbkugel vor (möglicherweise ausgenommen Indien), z.B. Tuojiangosaurus in China. Schädel die kleine kompakte Masse rechts. Die Knochen zwischen Schädel und Vorderbeinen sind Halswirbel.

    Jeder Mensch, der einen lebenden Stegosaurier oder ein einigermaßen komplettes Skelett eines Stegosauriers gesehen hätte, würde diesen nicht mit einem Kopf darstellen der viel größer ist als die Füße. Es ist so absurd, als ob man eine Giraffe als Pferd mit überlangen Beinen aber normal langem Hals darstellen würde.

    Es gibt dazu ja tausende Publikationen. Um das was ich dazu bislang gesichtet (ein Dutzend der umfangreicheren Untersuchungen vielleicht) habe zusammenzufassen: es gibt bei Menschen die gleiche Sorte genetischer Unterschiede wie bei (anderen) Tiere, und sie weisen "die gleiche" Art geographisches Muster auf. " ", weil es insgesamt bei Lebewesen eine immense Spanne gibt, wie es denn nun mit Geographie zusammengeht.

    Ich sollte dazusagen, daß ich die Muster bei bei Kröten und Vögeln und Guppies und so weiter studiere. Was ich über Menschen gefunden habe, fällt nicht sonderlich aus dem mir gewohnten Rahmen.

    Das 3-Rassen-Konzept kann man andererseits knicken. Entweder man muß allein im Kaukasusraum von 5 menschlichen Unterarten ausgehen, oder man sagt, man gibt es einfach dran und zieht die Sache ganz anders auf. Letzteres wird üblicherweise gemacht. Es ist einfach viel zu komplex, es anders anzugehen; die Mobilität von Menschen war bereits dann viel zu hoch, als es noch so wenige gab daß es einen fetten Unterschied für die Abstammungslinie machte, ob eine Großfamilie 500 km weiterzog. Außerdem möchte man seine Studie auch irgendwann fertigbekommen und nicht 30 Jahre dran sitzen.

    Die 150-300 Sentinelesen , die auf einer Insel im Golf von Bengalen leben, erfüllen die biologischen Voraussetzung als "Menschenrasse" bezeichnet zu werden vermutlich weit mehr als irgendwelche anderen Menschen.

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    Was genau soll denn mit der Hautfarbe nicht gehen?

    Einfache Mendelgenetik. Anhand der Hautfarbe, wenn sie nicht extrem hell oder extrem dunkel ist, Aussagen über die Vorfahrenschaft zu machen.

    Wie gesagt, vergleich die Hautfarbe von Halle Berry mit der von Pierce Brosnan.

    Offensichtlich strebt menschliche Hautfarbe mit der Zeit zu einem ortsspezifischen Optimum, und in Regionen mit relativ geringer Bevölkerungsdichte kann man überraschend schnell einen Effekt erkennen. Wenn man die Daten auf die Gegenwart übertragen kann, würde eine Gruppe Afrikaner, die an den Polarkreis ziehen (und nicht überwiegend Fisch und Robben essen), nach nur 20 Generationen eine deutlich hellere Haut haben, ohne daß Nordländer einheiraten.

    Dragunkin würden die meisten kaum als "Linguisten" bezeichnen. Er hat die unangenehme Eigenschaft, Ergebnisse zu publizieren ohne zu dokumetieren wie er dazu gekommen ist, und durch seine Arbeiten zieht sich ein einziger roter Faden: Slawen, speziell Ostslwanen (um nicht zu sagen: Russen) sind eine der bedeutendsten "Urkulturen" Eurasiens, wenn nicht die Mutter aller eurasischen Kulturen.

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    BawAria

    ? von Baiu-vari(a) oder Boiu-vari(a) -> ~"Land der Boier" und damit quasi "Land der Böhmer". Die Verbindung zwischen Boiern und Böhmen ist nicht ganz sicher, aber die Entstehung des Worts "Böhmen" ist vermutlich in irgendeiner Weise mit dem Stamm der Boier verbunden. Jedenfalls gibt und gab es in der Gegend nicht sehr viel, das passen würde.

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    pRussia [...] BoRussia

    Ziemlich sicher von den Prûßen (mit langem u)/Prûsi/B(o/u)rûsi. ? ~"Sumpfbewohner". Indoeuropäische Wurzel für "nasser/weicher Untergrund"; das gemeinsame Muster ist meist [b/m/p][a/o][l/r]-, und wer jetzt eine IPA-Tabelle zur Hand nimmt, versteht.

    Und wenn mir Dragunkin erklären kann, wie seine Theorie zu dem Umstand paßt, daß die das Gleiche bedeutende Lautfolge in ostasiatischen Sprachen generell [s/sch][e/i][b/d/t]- ist, ist er richtig gut. Wiederum hilft eine IPA-Tabelle.

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    da die slawen mir ariern verwandt sind

    Mongolen und Russen sind aber näher miteinander verwandt (OK, das ist unfair. Aber trotzdem wahr). Chasarer und Arier waren aus rein geographischen Gründen näher miteinander verwandt.


    Sonja:

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    hermannen

    Russisch hat kein "h" sondern benutzt "ch" oder "g". Wenn Russen russische Texte in andere Sprachen übertragen ist ein irrtümliches Ersetzen von g durch h ein häufiger Fehler. Also Germanen sind gemeint.

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    Sein Konzept war die Verschmelzung von Architektur und Ökologie

    Sein Konzept war naivutopistischer Technikfetischismus des frühen 20. Jahrhunderts, als "Ökologie" noch ein nettes Wort war aber nicht das was es ab den 1950ern wurde und heute ist.

    Wobei auch die Semantik sich geändert hat - das was er als "Arkologie" bezeichnete, heißt heute "Ökopolis".

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    sie werden diese monster bauen ohne energie, händisch?

    Das ist z.B. eines der Hauptprobleme. Der Standort ist aber vielleicht am allerwichtigsten. Aber die Forschung an diesen Themen ist momentan im Aufwind; in spätestens 10 Jahren wird es zumindest theoretisch möglich sein, eine nachhaltige Stadt zu bauen. Die ersten auf möglichst niedrigen Energie- und Ressourcenaufwand ausgelegten Großsiedlungen sind bereits in Arbeit. Aber wie gesagt, der Standort gibt den Ausschlag, und es ist noch viel Verbesserungsbedarf.

    Das mit dem "angehenden Wissenschaftler" ist primär insofern wichtig, als daß ich ein extremes Mißtrauen gegen Tertiät-, Quartär-, etc -Quellen habe. Ist ja in einigen Posts schon herausgekommen. Ich habe einfach in meiner Recherchetätigkeit (und ich grabe gern tief) keine guten Erfahrungen damit gemacht. Es ist ein unglaublicher Aufwand, aber ich bin nie sonderlich weit gekommen, wenn ich eine Quelle nicht bis zu ihrem Ursprung zurückverfolgt habe.

    Das Problem "werden wir gezielt in die Irre geführt?" ist dagegen ein Klacks. Man muß nur den Denkansatz nachvollziehen, der Bayes zu seinem Theorem geführt hat. Dann ist es meistens recht einfach, zumindest die möglichen Auflösungen so weit zu charakterisieren, um damit weiterarbeiten zu können.

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    trotzdem wüßte ich gerne, ob du noch mehr darüber weißt?

    Also, ich versuche so viel zu beobachten wie ich kann, und mein Hintergrundwissen zu erweitern. Aber könnte ich bereits ein klares, detailliertes Bild erkennen, wäre ich nicht hier.

    Ich kann nur sagen, daß ich angehender Wissenschaftler bin (und deswegen werde ich dem einen oder anderen sicher gewaltig auf die Füße treten - ist nicht böse gemeint, aber es gibt eben sehr unterschiedliche Ansätze wie man erkenntnistechnische Probleme angeht). Und da kommt man wissensmäßig schon ganz gut herum, kriegt Einblicke in Daten die die Öffentlichkeit sonst nicht so zu sehen bekommt, kriegt einigermaßen unzensierten Input von Leuten, von denen die Öffentlichkeit höchstens den Namen kennt. Ich sag mal: von Strippenziehern mittleren Niveaus.

    Naja, und mein Eindruck ist, daß eine Menge Leute ziemlich weit oben mittlerweile fast panisch sind. Das was momentan global abläuft, steht in keinem ihrer Lehrbücher. Sie fühlen sich nicht bedroht, aber es ist nicht wohlgesonnen, und sie wissen nicht, wie sie damit umgehen sollen.

    Oder um es zusammenzufassen: ja, wir kriegen vielleicht eine Neue Weltordnung. Zumindest entstehen gerade Ansätze. Aber es ist nicht die berühmt-berüchtigte NWO, und ich habe bislang nicht den Eindruck, daß irgendeine koordinierende Instanz dahintersteckt. Oder irgendeine Intelligenz. Am ehesten könnte ich es mit "fraktale Intelligenz" umschreiben.

    Aber vielleicht am deutlichsten wird die Sache so:
    http://www.newamericancentury.org/RebuildingAmericasDefenses.pdf
    Das ist der berüchtigte Bericht des PNAC von 2000. Nach 9/11 hatten sie mehr Ressourcen zur Umsetzung dieser Ziele zur Verfügung, als es je irgendein Staat, irgendeine Institution in der Geschichte der Menschheit jemals hatte, um irgendein wie auch immer geartetes Ziel umzusetzen.

    Und bei allen Göttern, sie haben es versucht.

    Aber wenn man sich das 8 Jahre später mal anschaut: sie sind nicht sonderlich weit gekommen. Selbst die Profite der Kriegsgewinnler sind zum größten Teil von der Inflation aufgefressen worden. Wenn ich mich richtig erinnere, hat Dick Cheney in einer halben Woche diesen Februar(?) ein Zehntel seines Vermögens verloren. Nicht durch Inflation - es war einfach weg, als hätte es nie existiert. "Wertberichtigung" nennt man das dann wohl.


    Und ich kann wie gesagt noch keine klare Linie erkennen. Aber eins ist sicher: normal ist das nicht.