Wir hatten eine Kneipe in der Stadt, in der sich die Schüler der höheren Klassen trafen. Dort hingen wir rum, wenn wir uns in der Stadt trafen. Bei einem dieser Treffen erlebte ich mit, wie einer meiner ehemaligen Klassenkameraden mit seiner Freundin Schluß machte. Er putze sie in aller Öffentlichkeit runter, machte sie so richtig zur Sau und lies sie stehen. Ich nahm mich diese Häufleins heulenden Elends an, redete mit ihr und brachte sie nach Hause.
Anja liebte es, ihre Aussteuer vorzuführen. Die Bettwäsche, die Damasttischdecken, das Silber, die Gläser und vor allem die Kerzenleuchter aus Swarowsky-Kristallen. Im Haus ihrer Eltern gab es ein Herrenzimmer, mit Hirschgeweih an den Wänden, einen repräsentativen Schreibtisch aus dunklem Holz in einer Ecke und einem Runden Tisch, an dem die Herren Karten kloppen konnten. Auch dieses Zimmer liebte sie wegen seiner repräsentativen Ausstrahlung. Ich kannte das in gewisser Weise auch aus meinem Elternhaus, hielt es aber für nicht so wichtig. Natürlich war ein Mädchen, das Aussteuer sammelte, schon etwas ungewöhnlich, aber ich dachte mir nichts dabei.
In der neuen Schule fand sich eine neue Klassengemeinschaft zusammen. Wir waren nur 43 im gesamten Jahrgang und die Schule bot nur die Oberstufe für Schüler an, die von der Realschule aus jetzt durchs Abi geführt werden sollten. Schon bald begann eine Zeit wunderbarer Parties. Anja hatte Vorstellungen und ein Ziel im Leben. Einmal machte sie mich betrunken, um mich zu verführen mit ihr zu schlafen. Es war ein Desaster. Ich schaffte es gerade noch so aus eigener Kraft nach Hause zurück und Anja war um eine Erfahrung reicher. In meiner Schule waren auch viele Schüler aus dem Umland und die hatten Moppeds bekommen für den Schulweg. Die fuhren die damals üblichen 50 ccm-Kisten von Zündapp und Herkules, die bis zu 110 km/h rannten. Anja bekam leuchtende Augen beim Anblick dieser Maschinen. Und beim Anblick des hünenhaften, blonden Freddie. Sie begann mir plötzlich vorzuschwärmen wie toll so ein Motorrad sei und wie stattlich, sie benutzte tatsächlich dieses Wort, Freddie auf seiner Maschine wirkte. Ich hatte eine 50 N Spezial Vespa, die 50 km/h lief. Ein Mopped zum rumgurken in der Stadt. Mein Vater hatte früher auch Vespa gefahren und dieses Ding war praktisch und billig. An eine Klasse 4 Maschine war nicht zu denken. Nicht die Anschaffung war das Problem, sondern die 1300 DM jährliche Versicherung. Meine Eltern konnten die nicht aufbringen und ich hatte keine Möglichkeit mir diese Summe irgendwo zu verdienen. Und Anja schwärmte mir die Ohren voll von Freddie und seiner Maschine.
Und dann passierte etwas. Wir verbrachten unsere Samstag Abende in der Teeniedisco der örtlichen Tanzschule. Sie hatten im Industriegebiet eine neue Halle hingestellt, die in ihrer Ausstattung ganz dem Stil der Zeit entsprach. Dort traf sich die Stadtjugend zum Tanzen. Und es war wirklich manchmal sehr dampfig, wenn die Mädels vorführten, dass sie Mädels waren.
Mir war Birgit schon mehrmals aufgefallen. Rund und knackig, vital mit einem expressiven Tanzstil. So eine richtige Mutter Erde mit ihren langen, dichten Haaren. Da stand ich nun mit meiner Anja, die mir von Freddie und seinem Motorrad vorschwärmte und Birgit warf ein Auge auf mich. Und während ich da noch bei Anja stand, begann sie schon mit mir Händchen zu halten. Es fiel mir leicht den Entschluß zu fassen. Ich sagte Anja, sie solle doch zu Freddie gehen, und holte mir meine Platten von ihr zurück. Es war aus und ich wechselte zu mit wehenden Fahnen zu Birgit.
Auch Birgit hatte ein Ziel, sie suchte einen Jungen, der zum ersten Mal mit ihr schlief. Sie erzählte mir, wie sie sich versehentlich mit einer Tamponeinführhülse selbst entjungfert hatte und was das für eine Sauerrei gegeben hatte. Und nun wollte sie es einmal richtig versuchen. Sie hatte nur ein Problem. Es sollte im Dunkeln passieren, den sie ekelte sich vor dem Anblick des männlichen Geschlechtes. Sie hatte einen Bruder, mochte ihn aber nicht nackt sehen, weil - es ist ja ekelig, wie das da alles so raus hängt! Ein technisches Problem mit erhöhtem Schwierigkeitsgrad? Wo blieb die Liebe? Konnte diese Einstellung wirklich die Grundlage einer dauerhaften und befriedigenden Beziehung werden? Sie ließ mir nicht viel Zeit zum Grübeln, sondern machte nach nicht ganz 6 Wochen Schluß mit mir, weil ich nicht zu Potte kam. Ich war am Boden zerstört und heulte wie ein Schloßhund. Ich traf aber auch eine Entscheidung. Ich wollte nie wieder wegen eines Mädchens weinen müssen. Und ich verhärtete mein Herz.
Birgit griff sich gleich den nächsten Jungen, der keine Bedenken hatte. Und Anja angelte sich einen Jungen aus dem Jahrgang meiner Schwester und war mit Ende 17 verlobt. Wie ich später hörte, hat er dann 3 Jahre später, kurz vor der Hochzeit gekniffen.