Beiträge von TheIsland

    Hallöchen!
    Jo hat ja vorhin dankenswerterweise an das Thema erinnert, und da fielen mir kartonweise Dosen Bohnen und Linsen ein, die ich vor Jahren mal eingelagert hab :) nunja und die meisten gehen jetzt dem aufgedruckten MHD entgegen.
    Weiß jemand, ob die sich auf jeden Fall aufbeulen wenn die schlecht werden, oder ist das mehr so ne Glückssache? Weil ich will ja niemanden vergiften im Fall der Fälle...
    Wie macht ihr das eigentlich, bevorratet ihr auch Dosen und Gläser? Ich mach das weil man dabei zur Zubereitung kein Wasser und meistens nichtmal Hitze braucht. Hab nur halt das Problem, dass ich das Zeug in normalen Zeiten nicht oder nur sehr selten esse, und es dann halt irgendwann abläuft. Denke, ich werds jetzt den Tafeln schenken und dann erstmal Trockenware einlagern...
    Habt ihr da ein halbwegs wirtschaftliches System für Dosen und (Einmach-)Gläser?
    Ach und Jo, wie lange halten sich eigentlich so selbsteingemachte Sachen ungefähr durchschnittlich? Also Bohnen zb?

    LG,
    TheIsland

    Zitat von Odessa


    Wer Drittwelt-Menschen importiert...


    bah, du bist so widerlich, ich könnt jedesmal kotzen wenn ich deinen shit lese, du bist so stumpf, so ignorant, das geht auf keine Kuhhaut. Naja, es wird alles auf dich zurückfallen und du wirst sehr bald kriegen was du verdient hast.
    Und jetzt hör auf hier rumzunerven, troll dich und geh woanders spielen, wie man an deinen Äußerungen sieht kann man mit dir sowieso nicht ernsthaft und sachlich diskutieren. Die Bild hat doch bestimmt n Forum, da empfängt man dich sicher mit offenen Armen ... und da passt du auch viel besser hin, denn denen geht es auch nicht um die Wahrheit...

    odessa du checkst es einfach nicht, dass die Forschung fortschritte macht. In 2 Jahren kann sich da so einiges tun. Schau dir mal Studien oder Veröffentlichungen dieses Jahres an! Und ich empfehle dir, dich mal auf der Seite der Gesellschaft für Humangenetik umzusehen, dort kannst gerade du sehr viel lernen... http://www.gfhev.de

    Aber du bist zu schwach, als dass du dich über deine kognitive Dissonanz hinwegsetzen könntest. Du wirst weiterhin scheitern, und auch in deinem Leben wird sich alles wiederholen, woraus du die falschen Schlüsse ziehst... armer Kerl...

    Heya, xango, du sprichst mir aus der Seele, danke für den Beitrag, vielleicht verstehen sie´s ja so, aber ich fürchte cherub und odessa sind vollkommen lernresistent (wie man ja an deren Beiträgen sieht), jo ist auf nem guten Weg ;) und bei ultima-thule ist glaub ich auch noch nicht Hopfen und Malz verloren...;)

    Jo Dank dir auch für deinen Beitrag, besonders gut finde ich, dass du genau diese Stelle rot hervorgehoben hast. Und darauf sollten wir uns meiner Meinung nach konzentrieren, wovon wollen sie uns diesmal ablenken... (dennoch finde ich Goldseiten als Quelle stark bedenklich --> Interessen dahinter.)

    LG,
    The Island

    Zitat von jo


    ich benötige keine obstrusen Wissenschaften und keinen Sarrazin. ich habe Augen und Ohren und noch so einiges mehr.

    LG Jo

    ahso, verstehe. Halte ich für wenig zielführend, wenn man ganze Volksgruppen nur nach einigen wenigen subjektiven Eindrücken be- und verurteilt.

    Und von wegen Glaubensfrage: Ich glaube eher den Wissenschaftlern die nicht für Zeitungen sondern für Fachblätter schreiben, ich glaube eher den aktuellsten Studien (!), und ich glaube eher den Wissenschaftlern, die die in sich schlüssigeren und detaillierteren Texte - ohne viele Füllworte, professionell eben - schreiben.

    LG Island

    Ach hier noch ein sehr aufschlussreiches Interview mit dem Vorsitzenden der deutschen Gesellschaft für Humangenetik e.V., André Reis:

    "
    Herr Reis, in seinem neuen Buch behauptet Thilo Sarrazin, dass Intelligenz "zu 50 bis 80 Prozent erblich" ist. Liegt Intelligenz in den Genen?

    Zu einem gewissen Anteil wird Intelligenz vererbt. Je nach genetischer Studie liegt dieser zwischen 50 bis 80 Prozent. Allerdings gibt es kein einzelnes Intelligenz-Gen, sondern eine Vielzahl von genetischen Faktoren ist daran beteiligt. Da diese bei den Nachkommen immer wieder neu kombiniert werden, können weniger begabte Eltern auch begabte Kinder haben und umgekehrt. Man darf es sich also nicht so einfach machen.

    Sarrazin geht auch davon aus, dass ganze Volksgruppen aufgrund ihrer Gene weniger intelligent sind. Gibt es einen deutschen oder türkischen Volks-IQ?

    Das ist ein ausgemachter Unsinn. Man kann nicht behaupten, dass türkischstämmige Menschen generell dümmer sind. In allen Bevölkerungen findet sich eine Streuung - es gibt kluge Menschen und weniger intelligente. Das ist bei Deutschen nicht anders als bei Türken, Italienern oder Griechen. Allerdings spielen die wirtschaftlichen und sozialen Rahmenbedingungen durchaus eine Rolle. Wenn Migranten zu uns kommen, die weniger gute Voraussetzungen hatten, dann ist deren Bildung wahrscheinlich eher gering, wobei Bildung und Intelligenz zusammenhängen.

    Inwiefern?

    Fest steht, dass die Umwelt einen entscheidenden Einfluss darauf hat, ob ein Kind seine Fähigkeiten entwickeln kann oder nicht, ob bestimmte Gene aktiviert werden und wie sie zusammen wirken. Wenn wir keine Förderung haben, keine günstigen Rahmenbedingungen, die die Entwicklung von Intelligenz ermöglichen, dann ist das Potenzial auch nicht abrufbar. Wir dürfen die Gene im Grund nur als eine Option sehen. Ein bestimmtes Potenzial ist ererbt, dieses muss aber auch aktiviert werden. Dafür sind Umweltbedingungen wie die wirtschaftliche Situation der Eltern und ihr Bildungsstandard entscheidend.

    Könnte ein Experte - nur mit Blick aufs Erbgut eines Menschen - überhaupt erkennen, ob es sich um einen Deutschen oder einen Türken handelt?

    Volksgruppen unterscheiden sich zwar genetisch voneinander. Aus dem Erbgut ist zum Beispiel ablesbar, ob es sich um einen Menschen afrikanischer, asiatischer oder europäischer Abstammung handelt. Wir können es allerdings nicht mehr sauber trennen, ob jemand aus der Türkei oder aus Deutschland kommt. Zudem können die genetischen Unterschiede zwischen zwei Menschen in einer Bevölkerungsgruppe größer sein als zwischen zwei Menschen verschiedener Bevölkerungsgruppen. Es gibt also mitnichten ein Türken- oder ein Juden-Gen.

    Genau das behauptet Herr Sarrazin aber. In einem Interview geht er davon aus, dass alle Juden ein bestimmtes Gen haben. Oder alle Basken.

    Mit dieser Aussage hat sich Herr Sarrazin meiner Meinung nach disqualifiziert. Da ist er völlig auf dem Holzweg. Es gibt keine genetischen Merkmale, die eine einzelne Bevölkerungs- oder Religionsgruppe charakterisieren. Jeder Mensch hat ungefähr 25.000 Gene und jeder hat wirklich alle. Allerdings gibt es bei jedem Individuum unterschiedliche Varianten dieser Gene, die durch Mutation entstanden sind. Wobei, wie gesagt, ein Deutscher und ein Türke sich diesbezüglich mehr gleichen können als zwei Deutsche. Es gibt also so wenig ein Türken- oder Juden-Gen wie es ein Franken- oder Bayern-Gen gibt. Zwar können einzelne Merkmale wie blaue Augen oder rote Haare auf Varianten dieser Gene zurückgeführt werden, allerdings reicht das nicht aus, um zum Beispiel zu sagen, jemand der rothaarig ist, ist ein Ire. Hier sind die Menschen genauso wenig auf Gene reduzierbar wie bei der Intelligenz.

    [color=#FF0000]Warum halten sich so absurde, wissenschaftlich längst überholte Thesen wie die, dass bestimmte ethnische Gruppen angeblich weniger intelligent sind als andere?

    Der Versuch, immer wieder wertende Eigenschaften im Vergleich zwischen Bevölkerungsgruppen in die Diskussion einzubringen, ist ein andauerndes Problem. Vielleicht verleitet die Tatsache, dass es äußerliche Unterschiede zwischen Menschen verschiedener Bevölkerungsgruppen wie Haut- oder Haarfarbe gibt, zu dem Kurzschluss, dass dann auch die Intelligenz unterschiedlich sein müsste. Allerdings sind das reine Vorurteile. Die sinnvolle Konsequenz aus der durch das Sarrazin-Buch erneut angestoßenen Integrationsdebatte müsste eigentlich sein, dass wir zugewanderte Menschen stärker fördern müssen, wenn dies nötig ist. Und nicht diskriminieren. "[/color]

    Das geht ja ziemlich gut auf alles ein.

    Erschienen am 1. September auf... STERN online (!?) aber bei dem Vorsitzenden der gfH mach ich mal ne Ausnahme :D (so beim recherchieren erweitert man übrigens immer wieder seine Medienkompetenz - zu empfehlen ;))
    Das wird natürlich nicht viel erwähnt in den Massenmedien - langsam sollte wirklich jedem klar sein woher der Wind weht - es ist eine geplante Kampagne, beruhend auf einem Konstrukt von Halbwahrheiten.

    jo hast du meinen Beitrag von vorhin überlesen? Das sind studierte Leute, und die haben - im Gegensatz zu den FAZ-Forschern sogar das passende Fach zum Thema Genetik studiert!

    zur Vereinfachung hier der entscheidende Abschnitt:
    "[color=#FF0000]Genetische Unterschiede und Intelligenz
    Dass es bei Volksgruppen genetische Unterschiede in Bezug auf Intelligenzleistungen geben könnte, ist nach dem gegenwärtigen Stand des Wissens nicht zu erwarten. Intelligenz wird von vielen Genregionen beeinflusst, die in jedem Individuum neu zusammengewürfelt werden. Das kann zu großen Unterschieden innerhalb einer Gruppe führen, wirkt aber gleichzeitig im Vergleich zwischen Gruppen wie ein Puffer. Wissenschaftlich formuliert: die Varianz innerhalb der Gruppe übersteigt die Unterschiede zwischen Gruppen bei weitem. Selbst wenn es zu lokalen Veränderungen der Häufigkeit von Genvarianten kommen sollte (wie z.B. durch Inzucht in Alpentälern), würden diese Verteilungsunterschiede im Falle von Rückkreuzungen schnell wieder ausgeglichen (dafür reicht bereits ein 1%-iger Genfluss). Es ist daher davon auszugehen, dass jede Volksgruppe grundsätzlich das gleiche genetische Potential für Intelligenzleistungen hat.
    Dass es auch messbare Unterschiede in Intelligenzleistungen gibt, liegt nur daran, dass die Intelligenztests durch kulturelle Vorerfahrungen beeinflusst werden. Jede Volksgruppe, die einen Intelligenztest auf der Basis ihrer eigenen Kultur entwickeln würde, würde feststellen, dass die meisten anderen Kulturen durchschnittlich schlechtere Leistungen zeigen als die Mitglieder des eigenen Kulturkreises. Da aber kulturelle Traditionen nicht genetisch festgeschrieben sind, können sie sich auch innerhalb einer Generation verändern. Die Großmutter ist dem Enkel bei Formulierung von handschriftlichen Briefen haushoch überlegen, während sie mangels einschlägiger Erfahrungen bestimmte (Intelligenz?) Leistungen am Computer nicht erbringen kann.
    [/color]"

    Find ich wesentlich schlüssiger und auch glaubhafter als irgendwas unbegründetes mit "50-80%"...

    LG

    aber trotzdem Danke für eure Beiträge und den Link, das zeigt, wie sich auch Wissenschaftler benutzen lassen - und wie ihr auf die große Kampagne hereinfallt. Der von dir rot markierte Text, jo, fällt übrigens schon allein dadurch als Propaganda/Meinungsmache/Manipulation auf, dass er ungenau und für den Laien schwer verständlich geschrieben ist - nur >"wissen wir, dass sich Intelligenzunterschiede von Menschen zu fünfzig bis achtzig Prozent durch genetische Faktoren aufklären lassen"< - das versteht jeder Bauer, das spricht sich rum.
    Naja, ihr werdet euch weiter verarschen lassen - kognitive Dissonanz...

    ok, die Psychologen geben ihm recht, die Genetiker machen sich über ihn lustig. Wenn mir jemand was erzählt und 50 % davon sind Müll, wende ich mich genervt ab und höre nicht mehr zu... So jemand kann nie ein Vorbild oder eine Autorität sein.
    Schade, dass es so viele menschliche Zombies gibt, sie haben´s nicht leicht und sie werden´s nicht leicht haben, denn sie wissen nicht wie man (über)lebt...

    LG

    :) scho klar nanabosho. Bedenke aber, dass die meisten von "denen" diesbezüglich ja eigentlich nur Stammtischparolen garniert mit Totschlagargumenten gut finden. Natürlich, die kann/soll/darf man auch nur gut finden. Wenn man sich Gedanken macht und mit der Bild und RTL zusammenarbeitet kann man "die" alles abnicken lassen, Debatten entstehen lassen, manipulieren. Und das ist es, worüber wir hier uns wirklich Gedanken machen sollten - wohin führt das ganze/ wohin soll das ganze Theater führen ?
    LG,
    TheIsland

    "Das tiefe Schweigen hat ein Ende.

    Die Debatte um Einwanderung und Integration wird schrill. Nach der großen Rezession schießt die Wachstumskurve steil in die Höhe. Ein Rückfall ist nicht ausgeschlossen. Die Finanzierung der sozialen Sicherheit scheint prekär – nach beispielloser Sozialisierung privater Verluste. Die parteipolitischen Lager erodieren. Neue Formationen zeichnen sich ab.

    Die Globalisierung, bisher für so zwingend und unaufhaltsam gehalten wie der Lauf von Ochs und Esel, erfährt Dämpfer. Der politische Liberalismus steht vor einer programmatischen Wende, um nicht zu sagen Spaltung.

    Um sich selbst zu retten, bereitet das eiserne Kanzleramt eine fundamentale politische Wende vor. Immer größere Teile der bisherigen Mittelschichten erleben oder befürchten den Abstieg und die Prekarisierung ihrer Lebensverhältnisse.

    In diese Zeit platzt eine Publikation, die dafür plädiert, der staatlichen Einheit vermehrte Anstrengungen der inneren Einheit folgen zu lassen. Der inneren Einheit steht manches im Wege. Gutmenschen zum Beispiel, sogenannte Philanthropen, sowie eine massive Einwanderung nicht integrationswilliger Menschen – mehr oder weniger Deutsch redende Orientalen, die auf ihren traditionellen Unterschieden beharren.

    Es sei höchste Zeit für einen Tabubruch. Der Instinkt der Massen habe eine schwere Gefahr für das neue deutsche Leben richtig erkannt.

    Die Rede ist nicht von Thilo Sarrazin und der von ihm herbeigefürchteten Abschaffung Deutschlands. Die Rede ist vom Berliner Antisemitismusstreit des Jahres 1879 und der folgenden Jahre. Der Autor der Streitschrift war der Historiker Heinrich von Treitschke.

    Sarrazins Kopftuchmädchen hießen bei Treitschke "strebsame hosenverkaufende Jünglinge".

    Ich frage mich, warum so kluge Zeitgenossen wie Andrian Kreye in der Süddeutschen zu Michael Moore oder wie Jörg Wittkewitz zu Elias Canetti in die Ferne schweifen, wenn das Argumentationsmuster – oder sollte ich sagen: die historische Konstellation? – so frappierende Ähnlichkeiten in der deutschen Geschichte aufweist.

    Die große Mär des unaufhaltsamen Fortschritts und der Aufklärung bewahren nicht vor dem Rückfall in die Barbarei. Der Firnis der Zivilisation wird dünner.

    The Times They Are A-Changin´"

    Quelle

    LG,
    TheIsland

    Hier eine Stellungnahme des Verbandes Biologie, Biowissenschaften und Biomedizin in Deutschland e.V. zu Sarrazins Äußerungen. Lustig finde ich, dass sie ihm am Ende ein Genetik-für-Anfänger Buch empfehlen ;):

    "Thilo Sarrazin hat grundlegende genetische Zusammenhänge falsch verstanden
    Dr. Kerstin Elbing, Geschäftsstelle Berlin
    Verband Biologie, Biowissenschaften und Biomedizin in Deutschland e.V.
    02.09.2010 13:17

    Bundesbankvorstand Thilo Sarrazin hat bei der Vorstellung seines neuen Buches “Deutschland schafft sich ab - Wie wir unser Land aufs Spiel setzen” provokante Thesen aufgestellt, die eine kontroverse Diskussion ausgelöst haben. In Bezug auf die Aussagen Sarrazins zur Genetik verwehrt sich der Verband Biologie, Biowissenschaften und Biomedizin in Deutschland (VBIO e. V.) entschieden gegen jede Verfälschung und politische Instrumentalisierung biologischer Fakten. – Sei es durch Thilo Sarrazin selbst, sei es durch andere Teilnehmer der derzeit laufenden öffentlichen und medialen Debatte.
    Die genetischen Thesen von Herrn Sarrazin sind nicht mit den modernen Erkenntnissen zur Evolutionsbiologie des Menschen vereinbar.
    Evolutionsbiologisch gesehen ist der Mensch eine der genetisch homogensten Spezies die es auf der Erde gibt. Im Vergleich zu anderen Spezies sind die Unterschiede zwischen Populationsgruppen sehr gering. Tatsächlich sind die Unterschiede innerhalb von Populationsgruppen etwa 5-fach höher als zwischen ihnen.
    Das genetische Repertoire des heutigen Menschen geht auf eine Gründerpopulation von weniger als 50.000 Individuen zurück. Praktisch alle heute existierenden Genvarianten gab es bereits in dieser Population und diese sind in praktisch allen gegenwärtigen Volksgruppen zu finden. Die einzige signifikante Differenzierung die kürzlich gefunden wurde, ist die, dass sich nur die Vorgänger der Europäer und Asiaten mit Genmaterial des Neandertalers vermischt haben, nicht aber die Afrikaner. Genau genommen gibt es "genetisch reine" Menschen - aus evolutionsbiologischer Sicht allerdings ein unsinniger Begriff - daher nur in Afrika.

    Auf die Art des genetischen Unterschiedes kommt es an
    Genetische Unterschiede zwischen den heutigen Volksgruppen lassen sich im Wesentlichen nur mit Hilfe von neutralen genetischen Markern nachweisen, die per definitionem keine Rückschlüsse auf spezifische Eigenschaften erlauben. Neutrale genetische Marker verhalten sich – eben weil sie neutral sind - nach statistischen Zufallsprinzipien. Unterschiede zwischen Bevölkerungsgruppen sagen nichts anderes aus, als dass diese eine Zeit lang in unterschiedlichen Regionen gelebt haben. Wenn man eine Gruppierung von Volksgruppen mittels neutraler Marker durchführt, erhält man ein ungefähres Abbild der geographischen Verteilung.
    Darüber hinaus gibt es aber tatsächlich einige wenige funktionale Genregionen in denen Menschengruppen sich unterscheiden. Ganz offensichtlich gehören dazu die Gene, die die Hautfarbe bestimmen. Sie sind als lokale Adaptationen entstanden, aus der Balance zwischen Schutz vor UV-Strahlen und der Notwendigkeit über eine Lichtreaktion Vitamin D in der Haut zu erzeugen. Ein weiteres prominentes Beispiel ist eine bei Westeuropäern sehr häufige Genvariante, die es Erwachsenen erlaubt Milchzucker zu verdauen. Dies ist evolutionsbiologisch eine genetische Anpassung an die kulturelle Errungenschaft der Milchverarbeitung (am häufigsten ist diese Genvariante in Holland). Bei Japanern gibt es dafür genetische Anpassungen in der Darmflora, die es ihnen erlauben Nährstoffe aus Meeresalgen zu verwerten. Andere Unterschiede betreffen Resistenzen gegen Krankheitserreger, wie etwa die mittelalterliche Pest.

    Genetische Unterschiede und Intelligenz
    Dass es bei Volksgruppen genetische Unterschiede in Bezug auf Intelligenzleistungen geben könnte, ist nach dem gegenwärtigen Stand des Wissens nicht zu erwarten. Intelligenz wird von vielen Genregionen beeinflusst, die in jedem Individuum neu zusammengewürfelt werden. Das kann zu großen Unterschieden innerhalb einer Gruppe führen, wirkt aber gleichzeitig im Vergleich zwischen Gruppen wie ein Puffer. Wissenschaftlich formuliert: die Varianz innerhalb der Gruppe übersteigt die Unterschiede zwischen Gruppen bei weitem. Selbst wenn es zu lokalen Veränderungen der Häufigkeit von Genvarianten kommen sollte (wie z.B. durch Inzucht in Alpentälern), würden diese Verteilungsunterschiede im Falle von Rückkreuzungen schnell wieder ausgeglichen (dafür reicht bereits ein 1%-iger Genfluss). Es ist daher davon auszugehen, dass jede Volksgruppe grundsätzlich das gleiche genetische Potential für Intelligenzleistungen hat.
    Dass es auch messbare Unterschiede in Intelligenzleistungen gibt, liegt nur daran, dass die Intelligenztests durch kulturelle Vorerfahrungen beeinflusst werden. Jede Volksgruppe, die einen Intelligenztest auf der Basis ihrer eigenen Kultur entwickeln würde, würde feststellen, dass die meisten anderen Kulturen durchschnittlich schlechtere Leistungen zeigen als die Mitglieder des eigenen Kulturkreises. Da aber kulturelle Traditionen nicht genetisch festgeschrieben sind, können sie sich auch innerhalb einer Generation verändern. Die Großmutter ist dem Enkel bei Formulierung von handschriftlichen Briefen haushoch überlegen, während sie mangels einschlägiger Erfahrungen bestimmte (Intelligenz?) Leistungen am Computer nicht erbringen kann.

    Subjektive Wahrnehmung von Unterschieden
    Dass wir neben den offensichtlichen Unterschieden in den Hautfarben überhaupt Ethnien unterscheiden können, liegt an den ausgesprochen hoch entwickelten kognitiven Fähigkeiten des Menschen, die für sie relevante Informationen aus der Umwelt akzentuieren. Deswegen können wir als Europäer auch sehr gut europäische Volksgruppen unterscheiden, asiatische aber viel schlechter. Umgekehrt ist es aber genauso - Asiaten können europäische Volksgruppen viel schlechter unterscheiden. Was uns subjektiv als großer Unterschied erscheint, muss daher nicht bedeuten, dass es auch tatsächlich einen großen genetischen Unterschied gibt.

    Fazit: Herr Sarrazin hat die grundlegenden genetischen Zusammenhänge falsch verstanden - seine Aussagen beruhen auf einem Halbwissen, das nicht dem Stand der Evolutionsforschung entspricht.

    Für Rückfragen steht Ihnen Prof. Dr. Diethard Tautz (tautz@evolbio.mpg.de), Evolutionsbiologe und Präsident des VBIO zur Verfügung

    *****
    Literatur zum Thema:
    Barbujani G, Colonna V (2010). Human genome diversity: frequently asked questions. Trends in Genetics 26: 285-295.

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