90000 Geheimdokumente zum Afghanistankrieg veröffentlicht

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    • 90000 Geheimdokumente zum Afghanistankrieg veröffentlicht

      Hallo,

      wieder einmal begann mein Tag mit einem Schmunzeln,
      da die Amerikaner, wieder auf großer Verrätersuche,
      von etwas eher unangenehmen überrascht wurden.
      Ein noch Unbekannter Verursacher hat Datenmaterial weitergeleitet,
      welches jetzt bei www.wikileaks.org veröffentlicht wurde.

      Es handelt sich dabei auch um viele geheimdienstliche Kommandounternehmen
      auch im deutschen Verantwortungsbereich. Sicher mal interessant hineinzusehen.
    • RE: 90000 Geheimdokumente zum Afghanistankrieg veröffentlicht

      Über den Herrn Ströbele kann man sicher denken was man will. Ich persönlich
      würde mich auch nicht zu dessen großen Freunden zählen, da er sehr gerne
      öfters die Eigenschaft hat völlig hirnrissige Forderungen zu stellen.
      Aber in Bezug auf das Thema ist das Interview mit ihm sicher interessant und
      die Frage was treibt die Taskforce 47 ist nicht unberechtigt.

      Hier das Interview:

      Hans-Christian Ströbele ist stellvertretender Fraktionschef der Grünen im Bundestag und Mitglied im Parlamentarischen Kontrollgremium zur Überwachung der Geheimdienste

      Die Internetplattform Wikileaks hat am Sonntag nahezu 92000 bislang größtenteils geheime Dokumente des US-Militärs über den Afghanistan-Krieg veröffentlicht. Bergen diese »War Logs«, soweit man das heute schon überschauen kann, neue Erkenntnisse? Oder steht da, wie Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg meint, nichts wirklich Neues drin?
      Vieles hat man geahnt, aber jetzt haben wir es schwarz auf weiß, vor allen Dingen viele Einzelheiten. Wir wissen z. B., daß die Zahlen, die uns immer als Erfolgsmeldungen genannt wurden, wonach immer weniger Zivilisten in dem Krieg in Afghanistan zu Tode kommen, geschönt sind. Die wahren Opferzahlen sind viel höher als offiziell angegeben wurde. Wir wissen aber auch, daß durch Geheimdienstoperationen der US-amerikanischen »Task Force 373« Menschen gezielt getötet werden. Auch das ist etwas, das viele ahnten, was aber von offizieller Seite immer bestritten wurde.

      Wie sind solche gezielten Tötungen juristisch zu bewerten?
      Das ist eindeutig extralegal. Wenn jemand auf so eine Liste kommt, ist das häufig sein Todesurteil, ohne Gerichtsverfahren. Diese Aktionen wurden bisher immer wieder bestritten. Andererseits war bekannt, daß diese US-Truppen der »Task Force 373« dort im deutschen Lager Masar-i-Scharif stationiert sind. Jetzt haben wir den Nachweis dafür, was sie wirklich tun.

      Wie bewerten Sie es juristisch, wenn das deutsche Feldlager als Basis für extralegale Todeskommandos dient? Leistet die Bundesregierung hier Beihilfe, und wenn ja – wozu?
      Erst einmal erscheint jetzt das, was vorher schon bekannt war, nämlich, daß die US-Truppen in Afghanistan im Verantwortungsbereich der Bundeswehr Aktionen durchführen, über die angeblich die Bundeswehr nur ganz, ganz allgemein und sporadisch informiert wird, in einem anderen Licht. Es gab etwa im Herbst 2009 eine Aktion, die mehrere Tage dauerte mit ständigem Bombadement von Dörfern und einer ganzen Gegend, von der die Bundeswehr auf Nachfrage mitteilte, sie wisse nicht, was die US-Truppen dort machen. Jetzt aber drängt sich auch die Frage auf: Was treibt eigentlich die »Task Force 47« – die geheime Einheit der Bundeswehr in Afghanistan? Beteiligt sie sich an solchen Aktionen? Dafür gibt es Anhaltspunkte.

      Die Existenz dieser »Task Force 47« wurde doch vor nicht mal einem Jahr nur durch eine Panne bekannt – im Zuge der katastrophalen Bombardierung von zwei Tanklastzügen nahe Kundus, bei der weit über hundert Zivilisten getötet wurden.
      Ja. Bis zum Oktober des vergangenen Jahres war auch mir als Abgeordnetem die Existenz dieser Sondereinheit nicht bekannt. Nur weil dann rauskam, daß Oberst Georg Klein den Befehl für die Bombardierung mit den schrecklichen Folgen in Kundus von einem Befehlsstand der »TF 47« aus gegeben hatte und nicht vom üblichen Gefechtsstand der Bundeswehr, wurde überhaupt die Existenz der Einheit bekannt. Seitdem versuche ich herauszubekommen, was die da treiben. Wir wissen inzwischen, daß es sich um eine Sondereinheit, zusammengesetzt aus Soldaten mehrerer Bundeswehrtruppenteile, mit einer nachrichtendienstlichen Komponente handelt. Aber was die nun konkret tun, können wir nur ahnen. Ich vermute, daß sie ähnliche Aktionen durchführen wie auch die verwandte US-Truppe »TF 373«.

      Der Verteidigungsminister hat am Dienstag morgen im ZDF erklärt, die Abgeordneten, zumindest die Obleute in den zuständigen Ausschüssen, seien – unter Beachtung der Geheimhaltung – laufend informiert worden.
      Nein, das stimmt nicht. Gerade darüber, was diese geheime Einheit in Afghanistan macht, gibt es nur sehr spärliche und völlig unzureichende Informationen. Ich versuche immer wieder, mit parlamentarischen Anfragen mehr zu erfahren. Meist wird ausweichend geantwortet. Es gibt ein Kontrolldefizit: Auf der einen Seite wird gesagt, über diese Einheit wird im Verteidigungsausschuß und nicht im Parlamentarischen Kontrollgremium zur Überwachung der Geheimdienste informiert, weil das eine Sache der Bundeswehr ist. Auf der anderen Seite wird dann im Verteidigungsausschuß gesagt, die Informationen würden dem Parlamentarischen Kontrollgremium gegeben, weil es sich um eine geheime Einheit handelt. Ich glaube, hier muß auch gesetzgeberisch nachgebessert werden, um klarzustellen, daß es ein Recht auf vollständige Kontrolle für beide Gremien des Deutschen Bundestages geben muß.
    • RE: 90000 Geheimdokumente zum Afghanistankrieg veröffentlicht

      Heute als E-Mail bekommen:

      An unsere zeitkritischen, aufmerksamen, selber denkenden, initiativen und vernünftigen Leserinnen und Leser,

      "Wikis" = Angriffsziele für "das System" und seine Dirigenten und Manipuleure


      was am 25. Juli 2010 geschah war ein Paukenschlag in der Geschichte des investigativen Journalismus, so die einhellige Würdigung selbst seitens der Mainstream-Presse, die voll des Lobes war ob des Mutes von WikiLeaks und dessen Hauptfigur Julian Assange; dieser veröffentlichte anonym zugespielte Dokumente im Umfang von fast 100 000 Seiten zu den wahren Begebenheiten des Afghanistan-Krieges.

      Wir wünschten, dieser weltweit öffentlich verbreitete und nun eingeprägte Eindruck möge wahr sein, doch genau das Gegenteil steht zu befürchten: Allzu perfekt abgestimmt waren die Zuspielungen des Materials an die "New York Times", den "Guardian" und den "Spiegel"; die gespielte Empörung seitens des Pentagons und der "Administration" (will heissen: Verwaltung, nicht Regierung!) in Washington; die bereits tags darauf erfolgte Zustimmung des Kongresses zur Freigabe von zusätzlichen (sic) 60 Milliarden US-Dollar für die zusätzliche (sic) Aufrüstung im Afghanistan-Krieg und für "Programme" auf Haiti, in Pakistan, Irak.
      Weiter hier:
      http://initiativevernunft.twoday.net/stories/6448042/


      Die andere Verliererin, im Sinne eines Missbrauchsopfers, ist die wahre Idee "WikiLeaks": Es stand eigentlich seit der Gründung von WikiLeaks zu befürchten; nach Wikipedia, wann würde WikiLeaks einmal "vom System" geschluckt werden? Nun, am 25. Juli 2010 war es geschehen. Nur vier Jahre nach der Gründung 2006.

      Wir hoffen, die wahre Idee "WikiLeaks" möge sich von diesem augenfälligen Missbrauchsfall wieder erholen und rasch erstarken.
    • RE: 90000 Geheimdokumente zum Afghanistankrieg veröffentlicht

      Leider geschieht dies mit beinahe allen grösseren oder einflussreichen Organisationen, wonach sie nach einiger Zeit von innen her infiltriert werden, wozu es mehrere Methoden gibt (Maulwurf, Bestechung, Diskredition...).

      75-90'000 Seiten wurden von Wiki-Leaks aus uns unbekannten Quellen (wie zuverlässig sind die?) ausgerechnet an 3 ziemlich grosse Mainstream-Medien verteilt und kurz darauf auch schon die Rosinen herausgepickt, um sich infolge (angeblicher?) pakistanischer und iranischer Unterstützung der Taliban mit Waffensystemen eine Rechtfertigung für einen Kriegsangriff gegen diese beiden Länder über den US-Kongress einzuholen.

      Entgegen der sonstigen Gepflogenheit von Wiki-Leaks, die ihnen zugespielten Dokumente vor ihrer Veröffentlichung sorgsam zu prüfen, überliessen sie diese Arbeit (aus Kapazitätsmangel?) den drei grossen Zeitungsverlagen.

      Es reicht bis zum jetzigen Zeitpunkt allenfalls für sehr vorläufige Annahmen:

      - Wiki-Leaks wurde von den Quellen (Geheimdienste?) instrumentalisiert
      - die Organisation wurde von innen her unterwandert oder ihr Begründer korrumpiert
      - oder Wiki-Leaks wurde ein Opfer seines eigenen Erfolgs und erreichte mit seiner offenbar aufklärenden Aktion eine ungewollt kontraproduktive Wirkung, die jetzt von den Kriegshetzern schamlos ausgenutzt wird

      Die Seriosität von Wiki-Leaks hat jedenfalls eine heftige Schlagseite bekommen und erst die weitere Zukunft wird zeigen, wohin das "Aufklärungsschiff" hintreibt.

      Gruss
      suum quique
    • RE: 90000 Geheimdokumente zum Afghanistankrieg veröffentlicht

      Wikileaks (zur Zeit überlastet) veröffentlicht Zehntausende von Afghanistan-Dokumenten. Um eine breite Öffentlichkeit zu bekommen, tun sie das beim Guardian, bei der New York Times und dem deutschen Spiegel. Der Guardian bringt – wie gewohnt – hervorragend aufbereitete Berichte plus ein Einführungsvideo. Die Times bietet immerhin Überblicke und erste Auswertungen an. Beide bieten den Lesern an, interaktiv an der Aufbereitung der riesigen Datenmengen mitzuwirken.

      Und der Spiegel? Bringt ein Berichtchen, weist nicht einmal korrekt auf Wikileaks als Quelle hin (update: mittlerweile geändert) und macht sich Gedanken über den Wahrheitsgehalt der Daten. Auch andere deutsche Blätter spekulieren lieber über Wikileaks-Gründer Julian Assange und ergehen sich mild in der einen oder anderen Verschwörungstheorie. Erwähnung findet vor allem die außerordentliche Ablehnung, die die Aktion aus dem Weißen Haus erfährt.

      http://www.guardian.co.uk/media/wikileaks
      http://www.nytimes.com/2010/07/26/world/26wiki.html?_r=2
      http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,708516,00.html

      Da sieht man wieder guten Qualitätsjournalismus der Springer-Presse :)
    • RE: 90000 Geheimdokumente zum Afghanistankrieg veröffentlicht

      Etwas ist faul an WikiLeaks
      F. William Engdahl

      Seit WikiLeaks mit der Veröffentlichung von Filmaufzeichnungen des US-Militärs, die bei einem Luftangriff auf unbewaffnete Journalisten im Irak entstanden waren, erstmals weltweit Aufmerksamkeit erregte, genießt die Internetplattform hohe Glaubwürdigkeit als mutige Website, die brisantes Material an die Öffentlichkeit bringt, das ihr von Informanten in verschiedenen Regierungen zugespielt wird. Ihr jüngster »Coup« war nun die angebliche Enthüllung (leak) Tausender Seiten angeblich sensitiver Dokumente bezüglich amerikanischer Informanten in den Reihen der Taliban in Afghanistan und deren Verbindungen zu hochrangigen Vertretern im Umfeld des pakistanischen Militärgeheimdienstes ISI. Doch alles deutet darauf hin, dass es sich weniger um echte Enthüllungen handelt, als vielmehr um kalkulierte Desinformation im Interesse der Geheimdienste der USA und möglicherweise Israels und Indiens. Außerdem soll vertuscht werden, welche Rolle die USA und der Westen insgesamt beim Export von Drogen aus Afghanistan spielen.

      Mehr auf: http://info.kopp-verlag.de/hintergruende/enthuellungen/f-william-engdahl/etwas-ist-faul-an-wikileaks.html