Nachrichten aus Afghanistan

  • Nachrichten aus Afghanistan

    Hallo Leute !

    Gute Nachrichten aus Afghanistan

    Rundbrief des Vereins zur Unterstützung von Schulen in Afghanistan

    Afghanistan – ein Land der Misserfolge, beherrscht von Krieg, Terror, Korruption und wirtschaftlich hoffnungslos, abhängig von ausländischen Geldgebern und in Sorge um die Zukunft, insbesondere nach den Unregelmäßigkeiten bei der letzten Wahl ….?
    Das alles trifft zu, sicher. Aber es gibt eben auch unendlich viel anderes zu berichten: Von den Menschen und ih-rem Leben in den Städten und Dörfern. In den letzten Jahren hat sich viel getan: Viele große und kleine Straßen wurden gebaut, der Verkehr in den Städten beginnt nach Regeln zu funktionieren. Die Elektrifizierung erreicht immer mehr Orte und der Strom ist dort meist rund um die Uhr verfügbar. Wasser ist nach wie vor ein Problem, aber auch daran wird intensiv gearbeitet. Die Pumpstationen und Wasserleitungen vom Amu Darya bis in die Regi-on um Andkhoi sind fast fertig. Nun warten die Menschen auf das Folgeprojekt – die Leitungen bis in die Häuser. Dann werden sie endlich zumindest über Trinkwasser verfügen, das nicht versalzen ist. Auch das Wetter war gnädig in diesem Jahr, die Ernten sind gut. Das alles lässt hoffen –
    vorausgesetzt, die Sicherheitslage verschlechtert sich nicht noch weiter. Eine Entspannung ist nicht in Sicht, die vielen Kontrollposten an den Straßen sind eines der Zeichen dafür.
    In Andkhoi spüren die Menschen natürlich auch diesen Druck, aber im Augenblick ist dort die Situation immer noch ruhiger als anderswo. Überall wird gebaut: Häuser, Schulen, Straßen, Geschäfte und Tankstellen. Täglich wurde irgendwo eine Hochzeit gefeiert – Musik bis spät in die Nacht. Auch wir konnten an einer Hochzeit teilneh-men: Rahmanquls Sohn Mardan heiratete Hafiza aus Andkhoi und feierte dort mit vielen Freunden, – ein schönes Fest, mit vielen Gedanken an unseren unersetzlichen Freund und Regionaldirektor Rahmanqul. Besonders freute es uns, dass wir an diesem Tag erfuhren, dass nun endlich das Lycee Khancharbagh in Rahmanqul Shaheed Lycee umbenannt wird, ebenso wie zwei andere Oberschulen nach den anderen beiden ermordeten Schulleitern benannt wurden.
    Wir waren diesmal zwölf Tage in Andkhoi. So hatten wir Zeit genug, viele Schulen und Projekte zu besuchen. Ganz besonders beeindruckt haben uns die vielen jungen Menschen (130 Jungen, 60 Mädchen), die nicht nur die Schulen besuchen, sondern morgens ab 7 Uhr an Englisch- oder Computerkursen teilnehmen und nach der Schule in unserem Education Center (EC) Zusatzunterricht u.a. in den Fächern Dari, Englisch, Mathematik, Physik, Che-mie und Religion erhalten, um in drei Jahren den Unterrichtsstoff der letzten sechs Schuljahre zu vertiefen. Danach können sie noch ein halbes Jahr Extravorbereitung auf die Aufnahmeprüfung für die Universitäten erhalten. In zwei Treffen mit den Jungen und Mädchen erlebten wir sie unglaublich offen, wissbegierig, zielstrebig, kritisch und zugleich von Herzen dankbar für die Möglichkeit, sich mit der Hilfe unseres Vereins hier im EC auf ein Studium vorzubereiten. In den Händen solcher Jungen und Mädchen, die es im ganzen Land gibt, wird die Zukunft Afghani-stans sicher anders aussehen als die Vergangenheit.
    Wie nötig Hilfe noch weiterhin ist, konnten wir an den staatlichen Schulen sehen. In einigen Schulen leisten die Schulleiter hervorragende Arbeit, halten Lehrer und Schüler an, ihr Bestes zu geben, sorgen dafür, dass eine gute Atmosphäre unter allen Mitarbeitern herrscht, die Gebäude gepflegt werden und auch verschiedene kulturelle und sportliche Aktivitäten in Gang kommen. Leider gibt es aber auch noch viele Schulen, die zwar gute Gebäude haben, nicht aber für guten Unterricht sorgen. Schulbücher für die Älteren sind kaum angekommen. Mal fehlen Lehrer, mal sind sie sehr schlecht ausgebildet. Die meisten Abgänger aus der 12. Klasse werden sofort als Lehrer einge-stellt, wenn sie nicht zur Universität zugelassen sind. Der Lehrerbedarf ist gewaltig, denn immer noch steigen die Schülerzahlen. Da aber oft schon ihr Unterricht sehr dürftig war, gekennzeichnet durch mangelndes Lehrerwissen und mangelnde Schulbücher, können auch sie nicht viel mehr weitergeben, als das was in den Büchern steht. Wir trafen Lehrerinnen, die Englischunterricht gaben, ohne je Englisch gelernt zu haben. Diese jungen Lehrer müssen drei Jahre lang nach der Schule die Lehrerfortbildung besuchen und beziehen erst danach ihr volles Gehalt. Bei einem Treffen versprachen uns die Verantwortlichen der Schulbehörden in den vier Bezirken um Andkhoi und alle Schulleiter, sich noch intensiver um Hilfe aus Maimana (Schulamt der Provinz) und Kabul (Bildungsministerium) zu bemühen und auch die einzelnen Schulen stärker zu unterstützen. Sie waren sehr dankbar für die gerade einge-weihte Jungenschule, die wir mit Hilfe von MISEREOR errichten konnten.
    Kleinere Reparaturen werden jetzt schon von den Parents-Teacher-Associations (PTA) übernommen: Sie ersetzen Fensterscheiben, decken Dächer für den Winter mit einer neuen Lehmschicht, streichen Wände und flicken Mau-ern. Für manche Arbeiten baten sie uns um Hilfe für die Materialkosten. Große Reparaturen, wie die Erneuerung aller Fenster nach einem Termitenbefall, werden wir aber voll finanzieren müssen. In dem einen oder anderen Dorf sind auch Schulneubauten unbedingt nötig. In Galikhana etwa werden mehr als 400 Mädchen in 4 Klassenräumen unterrichtet, die sie selbst als Viehställe bezeichnen. Im Sommer sitzen sie unter den Bäumen. Während die Älte-sten in die 7. Klasse gehen, wurden gerade zwei neue 1. Klassen mit jeweils rund 50 Kindern registriert. Der sehr engagierte Schulleiter versprach, mit Hilfe des Dorfes eine Mauer um die zukünftige Schule zu bauen. Wir wollen versuchen, Geld für diese neue Schule zusammenzubekommen. Ähnlich ist es auch in einem weiteren Dorf. Auch dort wären alle Dorfbewohner sehr glücklich, wenn sie in den nächsten Jahren eine Schule bekämen und sie sichern ihre volle Unterstützung zu.
    In einigen abgelegenen Gebieten, wo sich früher die jungen Mädchen hinter ihren Tüchern versteckten, erlebten wir in Schulen und Homeschools sehr aufgeschlossene und wissbegierige Mädchen, die von ihren Lehrern mehr Unter-richt, mehr Material und mehr Unterstützung forderten. Einige von ihnen können jetzt, nachdem die Straßen ausge-baut sind, ab der 10.Klasse das Teacher-Training-College in Andkhoi besuchen, um dort in fünf Jahren zur Lehre-rin ausgebildet zu werden. Ganz offensichtlich haben sie dafür die Unterstützung ihrer Väter – was vor ein paar Jahren kaum denkbar gewesen wäre. Viele Mädchen, aber auch ihre Mütter und Tanten, kamen zum Frauentag am 8.10.2009 in unserem EC und genossen die vielen Möglichkeiten miteinander zu reden, zu spielen und Sport zu treiben. In einer sehr schön gestalteten Zeremonie erhielten danach Studentinnen der Homecourses, Computer- und Englischkurse ihre Abschlussdokumente.

    Sehr viel Freude hatten wir in einem Dorf in Khancharbagh, wo wir 5 der 23 Familien besuchten, die an unserem ersten Hühnerprojekt teilnehmen. Nach ihrer theoretischen Ausbildung hatten sie jeweils 20 Hühner bekommen und für sie kleine Ställe aus Lehm gebaut. Die Frauen waren sehr glücklich, demnächst mit dem Verkauf von Eiern ein kleines Einkommen erzielen zu können. Weitere 100 Familien in verschiedenen Dörfern erhalten gerade ihre theoretische Ausbildung. Auch an diesem Tag hatten wir wieder vor Augen: Die Arbeit unseres Vereins lohnt sich, sie trägt Früchte, auch wenn es manchmal sehr langsam voran geht. Wir hoffen auf Ihre Unterstützung für weitere Projekte!
    In Mazar-e-Sharif konnten wir an drei Tagen 4 Schulen besuchen: In der Mittelschule Chooghdak wurde das noch im Rohbau befindliche neue Stockwerk bereits von mehreren Klassen genutzt. In den Pausen drängten sich die Kinder um die Spielgeräte, die im Frühsommer aufgebaut wurden.
    Der Schulleiter der fast fertigen Landwirtschaftsschule teilte uns begeistert mit, dass Behördenvertreter diese von uns gebaute und gut ausgestattete Schule mit dem neuen Internat für 80 Schüler besucht hätten. Sie waren sehr beeindruckt. Am Tag unseres Besuches hatte er gerade die offizielle Mitteilung erhalten, dass die Fachoberschule in ein Institut umgewandelt wird. Ab sofort können die Jungen – und das bisher einzige Mädchen – dort nach der 12. Klasse zwei weitere Jahre lernen. Danach können sie entweder direkt in der Landwirtschaft einen guten Job bekommen oder aber zwei weitere Jahre an der Universität studieren, ein großer Fortschritt für diese Schule und vor allem die Schüler.
    Eine weitere Schule, Maqsadullah Shaheed, deren zweistöckiges Gebäude mit unserer Hilfe und dem Geld vom Auswärtigen Amt (AA) noch in diesem Jahr fertig werden soll, beeindruckte nicht nur uns, sondern auch den Ver-treter des AA und seinen begleitenden Kultur-Offizier! Insbesondere konnten wir eine junge Lehrerin in ihrer Chemieklasse sprechen, die ganz offen ihre Probleme im Unterricht ansprach und um ein gutes Labor für die neue Schule bat. Das wäre eine sehr gute Investition an dieser Schule, in der wirklich ausschließlich gut ausgebildete Lehrer und Lehrerinnen arbeiten.
    Der Vertreter des AA begleitete uns noch zur Nahr-e-Top Mädchenschule, die für ihre mehr als 3000 Schülerinnen und 60 Lehrerinnen dringend ein neues Gebäude braucht. Das Land dafür ist vorhanden und die Schulleiterin ver-sprach auch hier, mit Hilfe der Gemeinde eine Mauer um das 6.000 m² große Schulgelände zu errichten, bevor die Schule gebaut wird.
    Für die vielen Projekte und neuen Schulen in Andkhoi werden wir in den nächsten Jahren noch sehr viel Geld be-nötigen. Auch wenn wir öffentliche Förderung erhalten, müssen wir meist 25 % der Kosten aus Spenden tragen. Wir verlassen uns dabei - wie immer - auf Ihre Unterstützung bei unserer Hilfe, die Schule macht!

    Mit besten Grüßen
    Marga Flader Tanja Khorrami

    beste Grüsse
  • RE: Nachrichten aus Afghanistan

    Dazu fällt mir dieser Text hier ein :


    http://www.egon-w-kreutzer.de/0Pad2010/2.html
    Kommentare zum Zeitgeschehen
    von Egon W. Kreutzer
    Paukenschlag am Donnerstag No. 2/2010 vom 14. Januar 2010
    Innere Angelegenheiten
    Die Aufregungen um die Äußerungen von Margot Käßmann über den Krieg in Afghanistan
    haben mich dazu gebracht, ein Thema aufzugreifen, das mich schon lange
    umtreibt. Es ist die Frage nach dem Selbstbestimmungsrecht der Völker und
    dem logischen Konterpart dazu, nämlich der Frage, ob es eine humanitäre Pflicht
    gibt, Hilfsleistungen zu erbringen, wo immer man die Notwendigkeit dazu sieht, und
    der Frage nach dem daraus abgeleiteten Recht, die humanitäre Hilfe auch mit Waffengewalt
    durchzusetzen.
    Das klingt alles sehr abstrakt. Greifbarer wird das Problem, wenn man den realen
    Fall betrachtet. Da wird im 21. Jahrhundert ein Krieg auch damit begründet, dass die
    Bevölkerung des bekriegten Landes von religiösem Wahn befreit werden muss:
    Bei Nikolaus Schneider, dem Präses der evangelischen Kirche im Rheinland, klingt
    das zum Beispiel so: am Hindukusch werden Recht und Gerechtigkeit im Namen einer
    "verblendeten und unmenschlichen Religiosität" mit Füßen getreten.
    und dass den Kindern, speziell den Mädchen, der Zugang zu einem - an Kultur und
    Werten der Invasoren orientierten - Schulunterricht ermöglicht werden soll.
    Da fragt man sich, wodurch - von ein paar Äußerlichkeiten abgesehen - sich die Befürworter
    dieses Krieges von jenen Eroberern unterscheiden, die einst - mit ein paar
    Missionaren im Tross - auszogen, um die Bewohner Nord- und Südamerikas gewaltsam
    zu bekehren und als Lohn für den göttlichen Reichtum, den sie den Wilden
    brachten, den irdischen Besitz der Bekehrten an sich brachten.
    Wäre es nicht in der Tat angebracht, wenn religiöse Exzesse, die es in Afghanistan
    zweifellos gibt, von den gemäßigteren Vertretern des Islam in der Türkei, im Iran, in
    Saudi Arabien verfolgt und angeprangert würden - genauso wie der Papst sich bemüht,
    die Auswüchse des christlichen Glaubens, soweit sie - wie zum Beispiel die
    Pius-Brunderschaft - in seinen Zuständigkeitsbereich fallen, zu beschneiden?
    Wie käme es uns denn vor, wenn ein islamischer Verband der Willigen in Deutschland
    einfiele, um uns von der verblendeten und unmenschlichen Religiosität der allgegenwärtigen
    Exorzisten und Päderasten zu erlösen, derer wir nicht selbst Herr
    werden? Um die Klostermauern einzureißen, Nonnen und Mönche zu befreien und
    um in einem geduldigen Umerziehungsprozess den kannibalischen Ritus auszurotten,
    der besagt, man müsse sich, um aller Sünde ledig zu werden, nur intensiv genug
    vorstellen, statt Brot und Wein das Fleisch und das Blut eines qualvoll Ermordeten zu
    sich zu nehmen, weil solche Fantasien ihrer wohlmeinenden Meinung nach noch gefährlicher
    seien, als das blutrünstigste Killerspiel?
    Da würden wir aber aufplatzen vor Freude über diese Hilfsaktion!
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    Aber, wie heißt es so schön und beruhigend: Das kann man nicht vergleichen.
    Schließlich sind wir im Recht. Und das schon immer!
    Klar ist: Wir Deutschen sind inzwischen vollständig abgestumpft, wenn es um Innere
    Angelegenheiten geht.
    Wer sich, ohne sich noch darüber zu erregen, auf der Autobahn alle paar Kilometer
    von Mautbrücken herab fotografieren lässt, wer weiß, dass er in den Innenstädten
    praktisch auf Schritt und Tritt von Videokameras verfolgt wird, hinter denen Software
    zur Gesichtserkennung treffsicher jeden Passanten identifiziert, wer weiß, dass der
    Aufenthaltsort seines Handys (und damit meist auch sein eigener) jederzeit ermittelt
    werden kann, wer weiß, wie viele Ämter, Behörden und Dienste auf Wunsch Einblick
    in seine Bankkonten erhalten, wer weiß, dass er auch ohne jedes eigene Verschulden
    zum Zielobjekt eines großen Lauschangriffs werden kann, wer sich klar macht,
    dass die Verbindungsdaten aller von ihm geführten Telefonate sowie alle seine Internetzugriffe,
    egal ob auf politische, literarische, fachliche oder pornografische Seiten,
    von den mehr oder minder geheimen Einrichtungen und mehr oder minder im Geheimen
    arbeitenden Mitarbeitern eines jedwede Intimsphäre ignorierenden Systems
    aufgezeichnet, gespeichert und immer wieder auf der Suche nach Indizien und Verdachtsmomenten
    ausgewertet werden, der hat jeden Begriff von der Unantastbarkeit
    seiner eigenen, persönlichen - durch Grund- und Menschenrechte geschützten --
    Angelegenheiten soweit verloren (oder verraten), dass ihm im größeren Maßstab die
    Einmischung eines Staates in die Inneren Angelegenheiten eines anderen Staates
    auch dann noch als ganz selbstverständlich erscheint, wenn diese Einmischung sich
    als Krieg oder als Drohung mit Krieg manifestiert.
    Dabei beginnt die Einmischung in Innere Angelegenheiten nicht erst, wenn Cruise
    Missiles am Regierungssitz einschlagen, auch nicht, wenn fremde Mächte gezielte
    Tötungen vollziehen, sie beginnt bereits, wenn Parteien, Regierungen, Wirtschaftsverbände,
    Vereine und Vereinigungen aller Art unterwandert und instrumentalisiert
    werden, um ein Land in einen erwünschten Zustand zu versetzen. Aus aktuellem
    Anlass hier noch ein Hinweis auf das Armenhaus der westlichen Welt, das vorgestern
    von einem verheerenden Erdbeben heimgesucht wurde, handelt es sich bei Haiti
    doch um ein Land, das seit Jahrhunderten von fremder Einmischung geformt und
    geschunden wurde. Nur ein kurzer Absatz aus der fürchterlichen Geschichte des Inselstaates
    sei hier aus Wikipedia übernommen.
    Nach der Verfassungsreform von 1987 putschte das Militär und regierte bis zu den Wahlen
    1990, bei denen Jean-Bertrand Aristide, an den sich viele Hoffnungen knüpften, mit überwältigender
    Mehrheit zum Präsidenten gewählt wurde. Aber schon 1991 wurde Aristide von dem
    Brigadegeneral Raoul Cédras wieder aus dem Amt geputscht.
    1994 konnte Aristide im Gefolge einer US-amerikanischen Intervention (Operation Uphold
    Democracy) in sein Amt zurückkehren, aber unter der Bedingung, dass er die Politik seines
    von Washington favorisierten Vorgängers übernehme, der in den Wahlen von 1990 nur 14
    Prozent der Stimmen erhalten hatte.
    (Davor unterminierten die USA das von der OAS nach dem Militärputsch gegen Haiti beschlossene
    Embargo, und unterstützten so insgeheim die mordende und folternde Militärjunta.).
    Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Haiti
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    Es war einst ein hehrer Grundsatz der Politik ehrbarer Staatsmänner, sich jeglicher
    Einmischung in die inneren Angelegenheiten fremder Staaten zu enthalten.
    Ein Grundsatz, dem zwar nie in aller Konsequenz gefolgt wurde, der aber doch dafür
    sorgte, dass die offiziell verpönte Einmischung sich nicht aller Gelegenheiten bedienen
    konnte, sondern stets mit äußerster Vorsicht und unter größter Geheimhaltung
    vollzogen werden musste.
    Erst die von Sicherheitsexperten in aller Welt postulierte Allgegenwart des internationalen
    Terrorismus hat die Einmischung in Innere Angelegenheiten anderer Staaten
    vom Makel des Unanständigen befreit - und sie zum Mittel der Wahl beim Kampf gegen
    eben diesen Terrorismus erhoben.
    Die Einmischung in Innere Angelegenheiten eines souveränen Staates abzulehnen,
    wird inzwischen als Unterstützung des Terrorismus angesehen.
    Um die Zulässigkeit der Einmischung in Innere Angelegenheiten unter den herrschenden
    Macht- und Bedrohungsszenarien beurteilen zu können, scheint es erforderlich,
    den Wert der Souveränität von Staaten neu zu bemessen und diesem Wert
    in einer verantwortungsvollen Güterabwägung das allgemeine Recht auf den totalen
    Krieg gegen den Terrorismus gegenüberzustellen.
    Vom Wert der Souveränität
    Wirklich souveräne Staaten sind auf dieser Welt selten geworden. Die grundsätzliche
    Unabhängigkeit von anderen Staaten, die äußere Souveränität, ist in einem Geflecht
    von internationalen Verträgen und freiwilligen Zusammenschlüssen, die jeweils
    mit einem teilweisen Verzicht auf Souveränität einhergehen, längst untergegangen.
    Ein Staat, der Mitglied der EU und Mitglied der NATO ist, kann zwar noch seinen eigenen
    Außenminister als Anführer von Wirtschaftsdelegationen durch die Welt reisen
    lassen, aber das Recht, in voller Souveränität seine bilateralen Beziehungen zu anderen
    Staaten zu gestalten, hat er aufgegeben.
    Der Versuch, diese Souveränität durch den Austritt aus internationalen Bündnissen
    und Vertragsgemeinschaften wiederzugewinnen, ist zumindest problematisch. Denn
    hinter allen Vertragswerken und Bündnissen steht das durch Verträge und Bündnisse
    nur mühsam gebändigte Recht des Stärkeren, das in den Bündnissen und Verträgen
    seinen bestimmenden Einfluss hinterlassen hat.
    Dass die innere Souveränität, also das freie Bestimmen aller, die eigene Bevölkerung
    betreffenden Regelungen, durch die Zugehörigkeit zu internationalen Bündnissen
    zwangsläufig ebenfalls verloren gehen muss, beweist am deutlichsten die Tatsache,
    dass der überwiegende Teil der dem Deutschen Bundestag zur Verabschiedung
    vorgelegten Gesetze lediglich noch die Umsetzung von EU-Recht in nationales Recht
    zum Gegenstand hat.
    Die UN ist seit 2005 der Auffassung, ein Staat habe, als letzte Pflicht aus dem ehemaligen
    Souveränitätsverständnis heraus, die Verpflichtung, für den Schutz seiner
    Bürger zu sorgen, und folgert daraus, wer dieser Verpflichtung nicht nachkommt,
    müsse dulden, dass die internationale Staatengemeinschaft diese Schutzverpflichtung
    übernimmt und Truppen entsendet.
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    Dieser zutiefst idealistische Gedanke, der in der Konkretisierung ja bedeutet:
    "Sofern ein Staat seine Bürger nicht selbst vor den Truppen eines anderen Staates
    (oder vor Terroristen) zu schützen vermag, geht die Rest-Souveränität, nämlich die
    Schutzverpflichtung, auf die UN über, die demzufolge Truppen zu entsenden hat, die
    diesen Schutz gewährleisten",
    hat allerdings einen unübersehbaren Pferdefuß:
    Dem kleinen, schwachen Staat und seiner Bevölkerung wird mit der Übernahme der
    Schutzverpflichtung faktisch jegliches Selbstbestimmungsrecht genommen - während
    der große, starke Staat, sollte es ihn gelüsten, als Aggressor aufzutreten, die UNTruppen
    nicht zu fürchten braucht, handelt es sich bei den Truppenstellern doch in
    aller Regel um "irgendwie abhängige" Staaten von qualitativ und quantitativ minderer
    militärischer Stärke.
    Nach jüngstem internationalem Rechtsverständnis ist die Souveränität eines Staates
    also wertlos, wenn er nicht in der Lage ist, seine Bevölkerung - wovor auch immer -
    zu beschützen. Das wiederum bedeutet:
    Der Wert der Souveränität bemisst sich nach derzeitigem internationalem
    Rechtsverständnis ausschließlich am verfügbaren Gewaltpotential eines Staates,
    an der Zahl und Effektivität seiner Soldaten, Panzer, Flugzeuge, Schiffe
    und Raketen einerseits, an der Zahl und Effektivität seiner Agenten, Abhöranlagen,
    Propagandasender und der von ihm korrumpierten Multiplikatoren andererseits,
    aus deren Zusammenwirken er den maximalen Schutz seiner Bevölkerung
    generiert.
    Souverän ist und darf bleiben, wer militärisch überlegen oder zumindest ebenbürtig
    ist. Alle anderen stehen vor der Wahl, entweder selbst militärisch immer weiter aufzurüsten,
    um souverän zu bleiben, nachzurüsten, um die Souveränität zurückzugewinnen
    oder sich mit dem Überlegenen zu verbünden.
    Dass sich die EU im Vertrag von Lissabon verpflichtet hat, die eigenen militärischen
    Fähigkeiten zu stärken, ist im Lichte dieser Betrachtungsweise gar nicht so sehr verschieden
    von den Rüstungsanstrengungen Chinas und den Bemühungen Nordkoreas
    und des Irans, sich atomar zu bewaffnen. Schließlich folgen alle - mit mehr oder
    minder großen Abstand - nur dem Beispiel der USA.
    Die USA stehen unangefochten an der Spitze der militärischen Macht auf dieser
    Welt. Die USA sind damit derjenige Staat auf dem Planeten Erde, der derzeit über
    das größte Maß an Souveränität verfügt. Die Souveränität der USA ist folglich ein
    sehr, sehr hoher Wert, den sich die USA von niemandem auf der Welt streitig machen
    lassen wollen. Daher können sie - auch nach offizieller Doktrin - nicht dulden,
    dass ein anderer Staat ihnen militärisch gefährlich werden könnte.
    Solange das gelingt, sind die USA als Staat der freieste Akteur auf der Weltbühne.
    Die USA sind dabei sowohl frei von fremdem Willen als auch frei, ihren eigenen Willen
    beliebig zu bilden und durchzusetzen.
    Die Freiheit aller anderen Staaten dieser Welt wird letztlich vom Willen der USA bestimmt
    und begrenzt.
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    Der Wert der Souveränität aller anderen Staaten dieser Welt bemisst sich daher
    direkt am Maß der Bevormundung und/oder der Bedrohung durch die USA.
    Ein Staat, den die USA - wegen Bedeutungslosigkeit oder erwiesener Bündnistreue -
    an der langen Leine laufen lassen, für den hat die tatsächliche Souveränität, so hoch
    sie vergleichsweise auch sein mag, keinen hohen Wert. Die Vorteile des Arrangements
    überwiegen die Nachteile. Der Wert der Rest-Souveränität wird in Geld gemessen
    - und der Aufwand, sie zu erhalten ebenfalls. Per Saldo lohnt es sich meist
    nicht.
    Staaten, welche die Hegemonialansprüche der USA als Bedrohung für die eigene
    Identität begreifen, messen ihrer eigenen Souveränität einen hohen Wert zu. Für sie
    ist Souveränität ein Wert an sich, für dessen Erhalt jedes denkbare materielle und
    ideelle Opfer gebracht wird, weil wahre Souveränität nicht in Geld gemessen werden
    kann. Per Saldo lohnt sich jeder Aufwand.
    Fazit
    Auf dieser Welt und in dieser Zeit bemisst sich die faktische Souveränität eines Staates
    an seinen militärischen Fähigkeiten.
    Das Streben nach vollständiger Souveränität ist in den Staaten unterschiedlich stark
    ausgeprägt, womit auch der ideelle Wert der Souveränität höchst unterschiedlich
    eingeschätzt wird.
    Eine allgemeingültige Beurteilung des Wertes der Souveränität in der Abwägung gegen
    andere Interessen ist nicht möglich.
    Mit der Auffassung, die Souveränität eines Staates erlösche, wenn der Staat nicht in
    der Lage ist, seine Bevölkerung zu schützen, stellt sich die UN auf die Seite der Stärkeren.
    Vom Recht auf den Krieg gegen den Terrorismus
    Der Terrorismus ist kein Staat. Weder ein souveräner, noch sonst einer. Der Terrorismus,
    der hier und da Attentate verübt, kann auch nicht einfach einer bestimmten
    nationalen oder internationalen Organisation zugeordnet werden. Terrorismus ist ein
    taktisches Konzept, keine Organisation, kein Staat, keine Macht.
    Der Terrorismus als verdammenswerte "Macht" ist letztlich ein Gedankenkonstrukt,
    das von Geheimdiensten auf Basis von Informationen und Spekulationen entwickelt
    wird, um Stimmungen zu erzeugen, Meinungen zu lenken und Abstimmungen zu beeinflussen.
    Geheimdienste sind in der Lage "Terrorismus" in beliebiger Stärke auf
    jeden beliebigen Flecken dieser Erde zu projizieren und ihm jedes beliebige Gefahrenpotential,
    jedes beliebige Ziel zuzuschreiben.
    Wird ein Land von den Geheimdiensten als "Sitz des internationalen Terrorismus"
    identifiziert, dann haben alle Regierungen, die ihre Bürger dadurch bedroht sehen,
    die Pflicht ihre Bürger zu schützen -
    wollen sie nicht Gefahr laufen, von UN-Truppen besetzt zu werden :-))
    Man stelle sich vor, die UN wäre, unter Missachtung der Souveränität der USA,
    am 12. September 2001 mit Truppen und schweren Waffen in New York eingefallen,
    um die Bevölkerung der USA vor dem Terrorismus zu schützen :-))
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    Dabei ist die Gefahr, die vom internationalen Terrorismus ausgeht, für die meisten
    Staaten dieser Welt ausgesprochen gering. Selbst Staaten, in denen der Terrorismus
    seine Basen unterhält, sind vom Terrorismus zunächst einmal überhaupt nicht bedroht.
    Welches Interesse hätte eine Organisation, die ihre Ziele mit terroristischen
    Aktionen durchsetzen will, den Staat, in dem sie geheime Trainingslager unterhält,
    auf dessen Gebiet sie ihre Anschläge plant, gegen sich aufzubringen? Die wären ja
    verrückt! Terrorismus ist doch weiterhin keine Religion, keine Weltanschauung und
    kein Staatsziel. Terrorismus ist immer noch nur ein taktisches Mittel, mit dessen Hilfe
    man hofft, die geringen eigenen Mitteln so effizient einzusetzen, dass sie genug
    Furcht und Schrecken verbreiten, um dem Gegner, der sonst in keiner Weise zu fassen,
    auch nicht zu Gesprächen und Verhandlungen zu bewegen ist, die erwartete
    Änderung seiner Politik aufzuzwingen - und sei es nur, dass er ein Problem überhaupt
    zur Kenntnis nimmt. Dabei sind derzeit zwei Hauptqualitäten terroristischer
    Aktivitäten zu unterscheiden:
    a) Terrorakte, die dazu dienen sollen, die als Besatzung empfundene Anwesenheit
    fremder Truppen auf dem eigenen Territorium zu beenden und bei der
    eigenen Bevölkerung Furcht vor jeglicher Form von Kollaboration zu erzeugen.
    Da der Widerstand gegen Besatzungstruppen völkerrechtlich legitim ist, kann diese
    Qualität terroristischer Aktivitäten in der weiteren Behandlung des Themas "Einmischung
    in Innere Angelegenheiten" ausgeklammert werden.
    b) Terrorakte, die ein Fanal setzen, Aufmerksamkeit auf eine Sache, ein Ziel,
    eine Gruppe, einen Missstand lenken und zeigen sollen, dass für die Erreichung
    dieses Zieles Kampfbereitschaft und Opferwille vorhanden sind.
    Der herausragendste - und zugleich umstrittenste - terroristische Anschlag dieser
    Qualität war wohl der Angriff auf das World Trade Center, gefolgt von den Anschlägen
    auf die Pendlerzüge in Madrid und die U-Bahn in London. Unbestritten ist, dass
    auch die umfassendste Überwachung und die bestmöglichen Sicherheitsmaßnahmen
    im Zweifelsfall nicht ausreichen können, um einen terroristischen Anschlag zuverlässig
    zu verhindern - schon gar nicht, wenn die Attentäter den eigenen Tod dabei
    - als Teil des Planes - bewusst auf sich nehmen. Dass man folglich meint, dem Terrorismus
    durch vorbeugende Schläge auf jene Territorien, in denen man Ausbildungslager
    und Rückzugsgebiete vermutet, den Boden unter den Füßen wegbomben
    zu können, führt dazu, dass immer wieder auch massive militärische Gewaltanwendung
    auf dem Gebiet fremder Staaten für erforderlich gehalten wird. Der
    Einsatzbefehl fällt dabei umso leichter, je weniger Souveränität den betroffenen Staaten
    beigemessen - oder zugebilligt - wird.
    Fazit
    Die reale Bedrohung durch terroristische Akte ist gering. Der Aufwand zur Bekämpfung
    des Terrorismus ist immens.
    Durch technisches und menschliches Versagen sterben Jahr für Jahr weit mehr
    Menschen, ohne dass auch nur annähernd gleich große Anstrengungen unternommen
    werden, die Ursachen zu erforschen und abzustellen.
    Durch Hunger, verschmutztes Trinkwasser und fehlende sanitäre Einrichtungen verrecken
    Jahr für Jahr weit mehr Menschen, als bei allen Flugzeugabstürzen, Auto-
    Unfällen, Erdbeben, Vulkanausbrüchen und terroristischen Aktionen zusammen.
    Die Anstrengungen, dies zu verhindern, erschöpfen sich in schönen Reden und lächerlichen
    Almosen.
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    Die Abwägung
    Das Selbstbestimmungsrecht - nach innen und nach außen - das die USA für sich
    beanspruchen, muss, wenn Frieden herrschen soll, solange auch allen anderen
    selbständigen Staaten zugebilligt werden, wie nicht alle selbständigen Staaten freiwillig
    den Vereinigten Staaten von Amerika beigetreten sind - was in nächster Zukunft
    nicht zu erwarten ist.
    Daher ist jedes militärische Einschreiten Dritter auf dem Staatsgebiet eines souveränen
    Staates, auch wenn es vorgeblich oder tatsächlich dem Schutz der Bevölkerung
    dieses Staates dienen soll, ausnahmslos als unzulässige Einmischung in die Inneren
    Angelegenheiten eines souveränen Staates anzusehen, es sei denn, die legitime
    Regierung dieses Staates hat dem zugestimmt.
    Eine solche Einmischung sollte völkerrechtlich als Angriffskrieg - oder, im frühen Stadium,
    als Vorbereitung eines Angriffskrieges - eingestuft und entsprechend geahndet
    werden.
    Nur ein Hilfeersuchen einer rechtmäßig im Amt befindlichen Regierung - nicht aber
    das Hilfeersuchen einer Gruppe von Putschisten, innerhalb oder außerhalb der Regierung,
    nicht das Hilfeersuchen einer mit ausländischer Unterstützung ins Amt gehobenen
    Marionettenregierung - darf Dritte berechtigen, einen bedrängten Staat
    beim Schutz seiner Bevölkerung - vor inneren oder äußeren Feinden - zu unterstützen.
    Umfang und Dauer dieser Unterstützung dürfen jedoch alleine von dem um Hilfe
    ersuchenden Staat bestimmt werden.
    Solange nicht Afghanistan, sondern die USA und ihre Verbündeten bestimmen,
    wie lange wie viele ausländische Soldaten dort ihren Krieg gegen den
    Terror führen, kann es sich dabei - auch wenn Herr Karsai nicht wagt, zu protestieren
    - doch nach allen Gesetzen der Logik nicht um eine von Afghanistan
    erbetene Hilfeleistung, sondern nur um einen, Afghanistan und den Afghanen
    aufgezwungenen, Krieg handeln.
    Diese Forderungen lassen sich durchaus begründen:
    Souveränitätsverletzungen jeder Art schaffen Konfliktpotentiale. Um diese Konfliktpotentiale
    zu vermeiden, gilt:
    Jede "Bevölkerung" muss das Recht haben, innerhalb des eigenen Staates die Regeln
    des Zusammenlebens in jeder Hinsicht selbst zu bestimmen und ihre kulturelle
    Identität zu bewahren.
    Grundsätzlich ist jedem Staat das Recht zuzubilligen, selbst darüber zu befinden, ob
    er sich in der Lage sieht, seine Bevölkerung zu schützen. Jeder Staat muss daher
    das Recht haben, sich freiwillig Bündnissen anzuschließen oder sich von ihnen zu
    distanzieren.
    Selbst die Auseinandersetzung mit Inneren Feinden muss jedem Volk selbst überlassen
    bleiben. Die Italiener müssen mit der Mafia alleine fertig werden,
    die Spanier mit den Basken. Die Rumänen haben ihren Diktator Ceausescu selbst
    gestürzt. Dort herrscht jetzt Ruhe.
    8
    Den Irakern hat man diese Chance nicht gegeben. Kein Wunder, dass dort keine
    Ruhe einkehren will. In Afghanistan wird Hamid Karsai an der Macht gehalten...
    Nur die absolute Ächtung von Angriffskriegen aller Art durch die gesamte Staatengemeinschaft
    reduziert die Notwendigkeit militärischer Stärke zum Erhalt der Souveränität.
    Jedwede Ausnahme - auch die Option des Eingreifens aus humanitären
    Gründen - ist kontraproduktiv. Das sollte auch von der Vollversammlung und vom
    Sicherheitsrat der Vereinten Nationen bedacht werden, wenn von interessierter Seite
    auf die Erteilung eines "Mandats" gedrungen wird.
    Humanitäre Hilfe kann in aller Regel mit den verfügbaren Mitteln weitaus effizienter
    und effektiver geleistet werden, wenn man zu ihrer Verteilung nicht erst Krieg führt -
    und selbst, wenn es dann im einen oder anderen Land nicht möglich sein sollte, zu
    helfen, ist die Not auf dieser Welt doch insgesamt so groß, dass es noch längst nicht
    gelungen ist, allen ohne Krieg erreichbaren Bedürftigen zu helfen. Warum also nicht
    da anfangen, wo die Hilfe dankbar angenommen wird - mit genau so viel Geld, wie
    für den Krieg nötig wäre?
    Nachwort
    Dass es in diesem Paukenschlag nur um das geht, was man als "die kriegerische
    Form der Einmischung in Innere Angelegenheiten" bezeichnen könnte, hat seinen
    Grund darin, dass diese Form der Einmischung derzeit Hochkonjunktur hat. Noch
    immer hängt das Damoklesschwert eines Angriffs über dem Iran.
    Und je näher die Regimegegner ihren Zielen kommen, desto lauter werden die
    Stimmen, die sagen, dass man ihnen endlich zu Hilfe eilen müsse...
    Noch immer ist der Irak von fremden Truppen besetzt, noch immer werden in Afghanistan
    Bomben geworfen und in Pakistan Terroristen gejagt. Im Kurdengebiet sind
    Übergriffe der Türkei auf das Territorium des Irak beinahe selbstverständlich. In den
    Palästinensergebieten greift Israel permanent mit fast allen Mitteln in die Inneren und
    Äußeren Angelegenheiten der Palästinenser ein - und auch im Jemen sieht es sehr
    danach aus, dass es bald zu einer robusteren Einmischung kommen könnte.
    Die "sanfte" Einmischung, die uns Europäer zur Übermittlung von Bankdaten an die
    USA ebenso zwingt, wie zur Übermittlung von Fluggastdaten, vom Sammeln aller
    möglichen Daten aus allen möglichen elektronischen Kommunikationsmedien durch
    die NSA ganz zu schweigen, ist Einmischung in unsere Inneren Angelegenheiten, die
    wir schon gar nicht mehr wahrnehmen. Auch die Nacktscanner, die uns von der Terrorpanik
    der USA aufgezwungen werden, werden wir eines Tages ebenso selbstverständlich
    durchschreiten, wie heute die elektronischen Diebstahlpiepser an den
    Kaufhauseingängen.
    Das ist mehr Sicherheit. Warum denn nicht? Wir sind ja eh' schon nackt.
    Peinlich!
    Nicht jede Nacktheit ist lustig - erzwungene schon gar nicht.
    Die Wachmannschaft von Abu Ghraib lässt herzlich grüßen.
    9
    Einen weiteren, sehr wichtigen Artikel über die "sanfte" Einmischung in Innere Angelenheiten
    hat Gert Flegelskamp am 10. Januar online gestellt. Falls Sie noch nicht
    dort waren, folgen Sie diesem Link. Dort gibt es tiefe Einblicke.
    http://www.flegel-g.de/wieder-krieg.html
    und hier meine Auseinandersetzung mit den Käßmann-Kritikern und Einmischungsbefürwortern
    aus den letzten Tagen
    11. Januar 2010
    10.30 Uhr Der Krieg heiligt die Mittel
    Margot Käßmann, oberste evangelische Seelenhirtin der Republik, im Grunde von
    staatstragender Grundeinstellung, hat sich zu Neujahr mit der Aussage: "Auch nach
    den weitesten Maßstäben der Evangelischen Kirche in Deutschland ist dieser Krieg
    so nicht zu rechtfertigen.", zu weit aus dem Fenster gelehnt.
    Heute trifft sie den Verteidigungsminister zu einer Aussprache, über deren Inhalt vorab
    Stillschweigen vereinbart wurde.
    Als Mose auf dem Berge Sinai aus Gottes Hand die Gesetzestafeln entgegennahm
    war es durchaus noch Sitte, in Gottes Namen Kriege zu führen, und wenn es sein
    musste verlieh Jahwe den Seinen die Fähigkeit, die unüberwindlichen Mauern der zu
    überfallenden Stadt mit nichts als Blasinstrumenten und Trittschall zu zerstören.
    Die einschränkende Interpretation des 5. Gebotes: "Du sollst nicht töten, es sei denn,
    es geht um die gerechte Sache", kann also vor dem Hintergrund eines "Auge-um-
    Auge-Zahn-um-Zahn-, und -die-Rache-ist-mein-Glaubens" durchaus angemessen
    erscheinen. Doch Margot Käßmann und Karl Theodor zu Guttenberg gehören keiner
    alttestamentarischen Glaubensgemeinschaft an. Jesus lehrte: "Liebet eure Feinde"
    und "vergeltet Gewalt nicht mit Gewalt" und "rechte Backe - linke Backe..." usw.
    Margot Käßmann und Karl Theodor zu Guttenberg leben zudem in einer Gesellschaft,
    in der die Trennung von Staat und Kirche Gesetz ist. Die saubere Lösung des
    Meinungsunterschiedes zwischen Staat und evangelischer Kirche sähe also so aus:
    Margot Käßmann ruft die evangelischen Soldaten auf, den Dienst an der Waffe in
    Afghanistan zu verweigern. Soldaten, die evangelisch genug sind, um das ernst zu
    nehmen, folgen dem. Der Staat muss damit im Rahmen der gültigen Gesetze umgehen.
    Ggfs. kann das BmVg die alte Tradition der Gewissenserforschung wieder aufleben
    lassen. Fertig.
    Vermutlich kommt aber etwas ganz Anderes raus, beim Vier-Augen-Gespräch. Man
    darf auf Margot Käßmanns nächste Äußerung zu Afghanistan gespannt sein.
    10
    12. Januar 2010
    09.30 Uhr Nichts ist gut in Afghanistan?
    Der Ortstermin ist anberaumt. Zu Guttenberg lädt Frau Käßmann zur Truppeninspektion
    ein. Das gestrige Gespräch scheint keine Annäherung der Standpunkte gebracht
    zu haben, denn die Formel: Beide Seiten seien sich darin einig, dass die ethische
    Dimension des Bundeswehr-Einsatzes in Afghanistan geeignet sei, dieses Thema
    "weiter in die Öffentlichkeit zu tragen und dort auch kritisch zu diskutieren", heißt ja
    nur, dass man sich weiter öffentlich streiten will - wobei jeder hofft, die Öffentlichkeit
    im offenen Schlagabtausch auf seine Seite ziehen zu können. Dass man sich zudem
    auch darauf einigen konnte, dass für Soldaten der Rückhalt der Gesellschaft
    wichtig sei, kann man auch von zwei Seiten sehen. Schließlich haben die Soldaten
    keinen unabdingbaren Anspruch auf den Rückhalt in der Gesellschaft - im Gegenteil,
    der Rückhalt wird maßgeblich vom Einsatz bestimmt, was eben auch heißt, dass
    Soldaten, die in einem von der Gesellschaft nicht gebilligten Einsatz stehen, keinen
    Rückhalt erwarten dürfen. Dieser Satz enthält Sprengstoff - könnte er doch -- mit etwas
    Fantasie -- sogar als vom Verteidigungsminister mitgetragener Aufruf zur Befehlsverweigerung
    ausgedeutet werden.
    Käßmann hat also gerade im schwammigsten Teil der nichtssagenden Verlautbarungen
    Punkte gesammelt. Später, in der ARD, ließ sie wissen, dass ein militärischer
    Einsatz nur zu rechtfertigen sei, wenn er der Sicherung des zivilen Aufbaus dient -
    und dass die evangelische Kirche bezweifle, dass die Sicherung des zivilen Aufbaus
    noch im Vordergrund stehe. Gratulation, Frau Käßmann! Die erste Runde ging
    zweifellos an Sie. Doch zu Guttenbergs Hilfstruppen formieren sich.
    • Der Vorsitzende des Bundeswehrverbandes trägt seinen Angriff auf der rein
    sprachlogischen Ebene vor, wenn er sagt, es sei nicht richtig, zu sagen,
    nichts ist gut in Afghanistan. Diesen Vorwurf, der keinerlei inhaltliche Position
    erkennen lässt, kann man nur ignorieren - darauf einzugehen führt nur in einen
    aussichtslosen, zermürbenden Grabenkrieg.
    • Der ev. Kirchenvorsteher im Rheinland, Nikolaus Schneider, fällt Frau Käßmann
    in den Rücken.
    Weil - wie er meint - am Hindukusch Recht und Gerechtigkeit im Namen einer
    "verblendeten und unmenschlichen Religiosität" mit Füßen getreten werden,
    dürfe der Einsatz militärischer Gewalt "nicht grundsätzlich" abgelehnt werden,
    Hauptsache es gibt klare Ziele, ein umfassendes Konzept und eine Ausstiegsgarantie.
    • Die brutalstmögliche Verteidigung kriegerischer Gewaltanwendung trug der
    evangelische Theologe Richard Schröder vor. Seine Aussage:
    "Der Glaube an die Allmacht der Gewaltlosigkeit ist ein Aberglaube",
    ist die glatte Abkehr von den Lehren Jesu und stellt den christlichen Glauben
    als Aberglauben hin.
    So weit ist es also gekommen, mit den Nachfolgern Luthers. Pfui!
    11
    17.30 Uhr Auf zum Kreuzzug nach Afghanistan
    Ein Besucher dieser Seite machte mich auf einen Artikel des Evangelischen Pressedienstes
    (epd) Nord aufmerksam, den ich auch Ihnen nicht vorenthalten will.
    Der epd berichtet, ein Pastor Rüß aus Hamburg, Vorsitzender der Konferenz Bekennender
    Gemeinschaften in Deutschland, habe in dieser Eigenschaft mit Bezug auf
    Margot Käßmann erklärt:
    "Wenn Repräsentanten der Kirche ihre politische Privatmeinung theologischreligiös
    überhöhen und verabsolutieren, ist das für viele Christen schlichtweg
    nicht hinnehmbar und ärgerlich.
    Außerdem übte sich Rüß mit mäßigem Erfolg im Spalten nicht vorhandener Haare,
    als er zum Besten gab, da die EKD keine Kirche sei, sondern lediglich ein Dachverband
    verschiedener Landeskirchen, habe Käßmann "kein Mandat, für die evangelischen
    Christen in Deutschland insgesamt zu sprechen."
    Aber dann kommt’s knüppeldick:
    "Frau Käßmann könnte wissen, dass der Krieg in Afghanistan gegen einen islamischen
    Terrorismus geführt wird, der die Welt bedroht, unendlich viele Menschenleben
    gefordert hat und die Menschenrechte missachtet." Dies sei eine Herausforderung,
    der mit Brunnenbau und verbesserter Infrastruktur nicht zu begegnen sei.
    Wenn man das hört, kommt der Verdacht auf, es müsse in der evangelischen Kirche
    ein Häuflein aufrechter Feuer-und-Schwert-Missionare geben, die den Katholen immer
    noch die glorreichen Heldentaten der Kreuzritter neiden. Ganz im Sinne von
    Ludwig Uhlands berüchtigter Schwabenstreiche-Glorifizierung:
    "Als Kaiser Rotbart lobesam, ins Heilge Land gezogen kam
    (...)
    Zur Rechten sieht man, wie zur Linken, einen halben Türken heruntersinken"
    Ein Blick in die Geschichtsbücher könnte sie eines Besseren belehren.
    Aber, wie heißt es so schön: Erfahrung ist erfahrungsgemäß nicht übertragbar.
    • http://www.epd.de/nord/nord_index_70950.html
    Der Artikel im Evangelischen Pressedienst Nord
    • http://www.boa-bw.de/downloads/frei/621/0/www.historischeswuerttemberg.
    de/kultur/kompon/uhland/kaiser.htm
    Das vollständige Uhland Gedicht
    Wohl bekomm's!
  • RE: Nachrichten aus Afghanistan

    Zu Egon W. Kreutzer's Text : Kommentar zum Zeitgeschehen fällt mir dieser Text ein:

    Zitat :

    Ein Kommentar im Journalismus ist ein Meinungsbeitrag zu einem Thema, der den Autor namentlich nennt. Bei Printmedien wird der Verfasser oft abgebildet, in Hörfunk und Fernsehen spricht der Autor den Kommentar meistens selbst. Besondere Formen des Kommentars sind Leitartikel, Glosse und Kolumne.

    Meinungsbeiträge in den Medien sind durch Artikel 5 des Grundgesetzes geschützt. Die Trennung von Meinung und Information soll Transparenz für den Leser herstellen. Im Boulevardjournalismus werden nachrichtliche (Bericht) und meinungsorientierte Darstellungsweise (Kommentar) jedoch auch innerhalb eines Beitrages vermischt.

    „Der Kommentar nimmt im Regelfall zu einer aktuellen Nachricht Stellung. Er erläutert die Wichtigkeit des Themas, interpretiert die Bedeutung, macht mit Zusammenhängen vertraut, stellt Kombinationen an, wägt unterschiedliche Auffassungen ab, setzt sich mit anderen Standpunkten auseinander und verhilft dem Leser dazu, sich ein abgerundetes Bild über das Ereignis zu machen.“[1] In einem guten Kommentar sollte der Hintergrund analysiert und erklärt, außerdem die Meinung des Schreibers argumentativ belegt werden. Er soll die Leser dazu anregen, sich eine eigene Meinung zum Thema zu bilden.

    Ist das was Egon W. Kreutzer schreibt tatsächlich als "Kommentar" zu bezeichnen ? Schade das Egon W. Kreutzer keine Kommentare schreibt, sondern wie so viele Kritiker sich darauf beschränkt , anzuklagen, ohne sich darüber Gedanken zumachen, wie die von ihm unüberschaubar, massenhaften aufgezeigten Missstände verbessert/behoben werden können.

    Das Internet ist prall gefüllt mit den klagenden, oft jammerenden Nihilisten die sich leider keine Gedanken darüber machen wie , die Probleme des "Zeitgeschehen" gelöst werden können.

    Vielleicht fehlt diesen Kritikern, auch eine realistische Betrachtungsweise des aktuellen Zeitgeschen. Afghanistan ist beherrscht von Krieg, Terror, Korruption und wirtschaftlich hoffnungslos, abhängig von ausländischen Geldgebern und in Sorge um die Zukunft. Daran lässt sich nur mit Kritik an den 'vermuteten' Verursachern nichts ändern !

    Mich erinnert dieser Egon W. Kreutzer, wie solche in den Medien, so übermässig zahlreiche andere, einseitige Kritiker daran....

    Ein sehr grosses Schiff mit Hunderten von Passagieren sendet einen Notruf aus. Die Führungscrew des Schiffes hat festgestellt das sich ein Leck irgendwo gebildet hat , meldet das Problem und ruft um Hilfe.
    Jetzt diskutiert die Crew und der Kapitän darüber wie dieses Leck entstanden ist , und wer das verursacht hat. Auch die Passagiere werden akribisch befragt , ob jemandem etwas ungewöhnliches aufgefallen sei. Und tatsächlich werden die Saboteure nach langen Ermittlungen endlich aufgespürt und festgesetzt. Plötzlich bricht das Leck so weit auf das abzusehen ist das , dass Schiff in 10 Minuten sinken wird.

    Die Crew stellt nun fest das nicht genügend Rettungsboote vorhanden sind und sendet erneut einen Notruf aus....
    Leider wurde die Zeit zu knapp um noch mehr Rettungsboote zum Ort des ' Geschehen' zu bringen. Leider überlebeten von 950 Menschen an Board nur 300, die dann auch gerettet werden konnten. Denn als bekannt wurde:" Das Schiff sinkt in 10 minuten, brach eine unkontrollierbare Panik aus , welche zahlreiche zusätzliche Opfer forderte, beim Streit darüber wer gerettet werden könne.

    P.S. : Umgangssprachlich bedeutet Nihilismus die Verneinung aller positiven Ansätze.

    gruss