Als Schüler fiel mir im Geschichtsunterricht ein seltsamer Widerspruch auf: Auf allen Seiten der Kriegsführenden Nationen im 1. Weltkrieg gab es katholische Priester, die die Soldaten und ihre Waffen segneten. Daraus schloß ich kurzzeitig, dass Gott wohl ein Franzose, Engländer oder Amerikaner sein müsse, denn diesen Ländern wurde ja der Sieg "geschenkt". Nun gibt es ja dieses Gebot "Du sollst nicht töten" und da waren also diese Priester, die eben nicht die Möglichkeiten der international agierenden katholischen Kirche nutzten, um den Krieg zu verhindern! Und diese wurden mitschuldig am millionenfachen Tod ihrer Glaubensbrüder. Das fand ich seltsam. Ich habe etwas länger darüber nachdenken müssen, aber dieses Vorgehen macht Sinn, denn die Kirche gewinnt immer!
Bischöfe betreuen also die Regierungen der kriegsführenden Nationen. Die Priester segnen die Waffen. Ist der Krieg nun zu Ende, dann werden die Bischöfe der siegreichen Seite ihre Regierung darauf hinweisen, dass ja ihre spirituelle Unterstützung einen wesentlichen Anteil am Sieg brachte. Dafür wird dann eine Belohnung gefordert. Diese Belohnung besteht aus zwei Teilen. Zum einen dürfen Kirchengüter der unterlegenen Seite nicht für Reparationsleistungen herangezogen werden und zum anderen fordert die Kirche als Lohn die Übereignung von Staatsgütern der unterlegenen Seite in Kirchenbesitz. Bei dieser Verfahrensweise gewinnt die Kirche in jedem weltlichen Krieg. Die Toten unter den Glaubensschäfchen sind da dann ein Kollateralschaden den man für die "größere Sache", also den Gewinn der Kirche, in Kauf nehmen kann.
Dieses Vorgehen haben sich mittlerweile alle Machtblöcke zu eigen gemacht. Für uns sind immer nur Interessengruppen zu erkennnen, die gegen einander stehen. Im Hintergrund verstecken sich aber die eigntlichen Nutznießer einer Situation, in der Menschen gehindert werden sich friedlich zu einigen oder wirtschaftlich sinnvolle Lösungen zum Nutzen aller zu finden.