Wilhelm Reich: Die emotionelle Pest

  • Wilhelm Reich: Die emotionelle Pest

    Ich fand gerade diesen Text im Cloudbuster-Forum. Das Mitglied Bert hat ihn eingestellt.

    Reich zeigt hier sehr gut die tatsächliche Ursache vieler gesellschaftlicher Mißstände. Dieser Text stammt von 1933!

    #########################################################################

    Die emotionelle Pest

    Der Ausdruck »emotionelle Pest« ist keine
    diffamierende Bezeichnung. Er betrifft nicht bewußte Bösartigkeit,
    moralische oder biologische Degeneration, Unmoralität oder ähnliches.
    Ein Organismus, dem die Fähigkeit, sich natürlich fortzubewegen, von
    der Geburt an dauernd unmöglich gemacht wurde, entwickelt künstliche
    Formen der Fortbewegung. Er hinkt oder geht auf Krücken. Ebenso bewegt
    sich ein Mensch mit den Mitteln der emotionellen Pest im Leben fort,
    wenn ihm von Geburt an die natürlichen Lebensäußerungen der
    Selbstregelung unterbunden wurden. Der emotionell Pest­kranke hinkt
    charakterlich. Die emotionelle Pest ist eine chro­nische Biopathie des
    Organismus. Sie brach mit der ersten massenmäßigen Unterdrückung des
    genitalen Liebeslebens in die menschliche Gesellschaft ein; sie wurde
    zu einer Endemie, die die Erdbevölkerung seit Jahrtausenden peinigt. Es
    ist nicht anzunehmen, daß die emotionelle Pest hereditär von Mutter auf
    Kind übergreift. Sie wird, nach allem was wir wis­sen, im Kinde von den
    ersten Lebenstagen an eingepflanzt. Sie ist eine endemische Krankheit,
    wie die Schizophrenie oder der Krebs, mit dem Unterschiede, daß sie
    sich wesentlich im sozialen Zusammenleben äußert. Schizophrenie und
    Krebs sind Biopathien, die wir als Resultat des Wütens der
    emotio­nellen Pest im sozialen Leben betrachten dürfen. Die Wirkun­gen
    der emotionellen Pest sind im Organismus ebenso wie im sozialen Leben
    aufzusuchen. Die Pest pflegt periodisch aus dem endemischen in den
    epidemischen Zustand überzugehen, genauso wie irgendeine andere Seuche,
    die Bubonenpest oder die Cholera. Die epidemischen Ausbrüche der
    emotionellen Seuche äußern sich in umfassenden Riesendurchbrüchen von
    Sadismus und Kriminalität kleinen und großen Stils. Die ka­tholische
    Inquisition des Mittelalters stellte einen derartigen epidemischen
    Ausbruch dar, der internationale Faschismus des XX. Jahrhunderts einen
    anderen.

    Würden wir die emotionelle Pest nicht als eine
    Krankheit im strengen Sinne des Wortes betrachten, dann gerieten wir in
    Gefahr, den Polizeiknüppel statt Medizin und Erziehung ge­gen sie zu
    mobilisieren. Es ist ein Wesenszug der Pest, daß sie den Polizeiknüppel
    notwendig macht und derart sich selbst re­produziert. Trotz der
    Bedrohung des Lebens, die sie darstellt, wird sie niemals mit dem
    Polizeiknüppel bewältigt werden. Niemand wird sich beleidigt fühlen,
    wenn man ihn als herz­krank oder als nervös bezeichnet. Niemand kann
    sich belei­digt fühlen, wenn man von ihm sagt, daß er an einem »akuten
    Pestanfall« leidet. Es ist in den Kreisen der Sexualökonomen üblich
    geworden, von sich selbst zu sagen: »Heute ist mit mir nichts
    anzufangen, denn ich bin pestig.« Anfälle der emotio­nellen Pest werden
    in unseren Kreisen, wenn sie leichter Natur sind, dadurch bewältigt,
    daß man sich isoliert und ab­wartet, bis der Anfall von Irrationalismus
    vorübergeht. In schweren Fällen, wo rationales Denken und
    freundschaftli­cher Rat nicht helfen, räumt man vegetotherapeutisch
    auf. Man überzeugt sich, daß solche akuten Pestanfälle regelmäßig durch
    eine Störung des Liebeslebens hervorgerufen werden und verschwinden,
    wenn die Störung beseitigt wird. Der akute Pestanfall ist mir selbst
    und den Mitarbeitern des engeren Kreises ein so wohlvertrautes
    Phänomen, daß wir ihn in Ruhe hinnehmen und sachlich bewältigen. Es ist
    eine der wichtig­sten Forderungen der Ausbildung der Vegetotherapeuten,
    daß sie es lernen, akute Pestanfälle an sich selbst rechtzeitig
    wahrzunehmen, sich in ihnen nicht zu verlieren, sie nicht in der
    sozialen Umgebung Schaden anrichten zu lassen und mit­tels
    intellektueller Distanzierung das Abklingen abzuwarten. In dieser Weise
    gelingt es, schädliche Wirkungen in der Zu­sammenarbeit auf ein Minimum
    zu beschränken. Es kommt natürlich gelegentlich vor, daß ein solcher
    Pestanfall nicht be­wältigt wird und der Betreffende größeren oder
    geringeren Schaden anrichtet oder gar ausscheidet. Wir nehmen solche
    Unfälle in ähnlicher Weise hin, wie man eine schwere körper­liche
    Erkrankung oder das Hinscheiden eines lieben Arbeits­gefährten
    hinzunehmen pflegt.

    Die emotionelle Pest steht der
    Charakterneurose näher als etwa der organischen Herzkrankheit, aber sie
    kann auf die Dauer zu Krebs oder Herzkrankheiten führen. Sie ist, wie
    die Charakterneurose, von sekundären Trieben gespeist. Sie
    un­terscheidet sich von körperlichen Defekten dadurch, daß sie eine
    Funktion des Charakters ist und als solche scharf vertei­digt wird. Der
    Pestanfall wird nicht wie ein hysterischer Anfall als ich-fremd und
    krank empfunden. Ist schon das charakter­neurotische Verhalten
    gewöhnlich glänzend rationalisiert, so gilt das in noch weit höherem
    Grade für die emotionelle Pest­reaktion: Die Uneinsichtigkeit ist weit
    größer. Man wird fra­gen, woran wir denn eine Pestreaktion erkennen und
    und von einer rationalen Reaktion unterscheiden. Die Antwort ist
    die­selbe, die für die Unterscheidung einer neurotischen
    Charak­terreaktion von einer rationalen Reaktion gilt: Sobald an die
    Wurzeln oder Motive der pestkranken Reaktion gerührt wird, tritt
    unweigerlich Angst oder Wut auf. Das wollen wir nun ge­nauer ausführen:
    Ein
    im wesentlichen pestfreier, orgastisch potenter Mensch entwickelt nicht
    Angst, sondern im Gegenteil lebhaftes Inter­esse, wenn etwa ein Arzt
    die Dynamik natürlicher Lebensvor­gänge bespricht. Der emotionell
    Pestkranke dagegen wird in Unruhe oder in Wut geraten, wenn von den
    Mechanismen der emotionellen Pest die Rede ist. Nicht jede orgastische
    Impo­tenz führt zu emotioneller Pest, aber jeder emotionelle
    Pest­kranke ist entweder dauernd orgastisch impotent oder er wird es
    kurz vor dem Anfall. Daran läßt sich die Pestreaktion von rationalen
    Reaktionen leicht unterscheiden. Weiter: Ein natürlich gesundes
    Verhalten kann durch keiner­lei Eingriffe echter Heilkunst gestört oder
    beseitigt werden. Es gibt zum Beispiel kein Mittel rationaler Art, ein
    glückliches Liebesverhältnis zu »heilen«, also zu stören. Aber man kann
    ein neurotisches Symptom beseitigen; ebenso erkennt man eine
    Pestreaktion daran, daß sie echter charakteranalytischer Heilkunst
    zugänglich ist und behoben werden kann. Man kann also etwa Geldgier,
    einen typischen Charakterzug der emotionellen Pest, aber man kann nicht
    geldliche Freigebigkeit heilen. Man kann hinterhältige Schlauheit, man
    kann nicht charakterliche Offenheit heilen. Die emotionelle
    Pest­reaktion ist klinisch der Impotenz vergleichbar, die man
    besei­tigen, also heilen kann. Dagegen ist genitale Potenz »unheil­bar«.
    Ein
    wesentlicher Grundzug der emotionellen Pestreaktion ist, daß Handlung
    und Begründung der Handlung einander nie­mals decken. Das wirkliche
    Motiv ist verdeckt, und ein schein­bares Motiv ist der Handlung
    vorgeschoben. In der natürlich gesunden Charakterreaktion fallen Motiv,
    Handlung und Ziel in eine organische Einheit zusammen; nichts daran ist
    verhüllt. Sie ist unmittelbar verständlich. Zum Beispiel: Der Gesunde
    hat für seine Sexualhandlungen keine andere Begründung als sein
    natürliches Liebesbedürfnis und als Ziel dessen Befriedi­gung. Der
    asketische Pestkranke dagegen begründet seine se­xuelle Schwäche
    sekundär mit ethischen Forderungen. Diese Begründung hat nichts mit der
    Lebenshaltung zu tun. Die Le­benshaltung der lebensverneinenden Askese
    ist vor der Begrün­dung da. Der Gesunde wird seine Lebensart niemandem
    auf­zwingen wollen; aber er wird heilen und helfen, wenn er um Hilfe
    ersucht wird und wenn er es leisten kann. Auf keinen Fall wird ein
    Gesunder dekretieren, daß alle Menschen »ge­sund zu sein haben«.
    Erstens wäre ein solches Diktat nicht rational, denn Gesundheit kann
    nicht anbefohlen werden; zweitens hat der Gesunde gar keinen Drang,
    seine Lebenshal­tung anderen aufzudrängen, da seine Motive der
    Lebensfüh­rung mit seinen eigenen und nicht mit fremden
    Lebensführun­gen verknüpft sind. Der emotionell Pestkranke
    unterscheidet sich nun vom Gesunden dadurch, daß er seine
    Lebensforderung nicht nur an sich, sondern vor allem an seine Umwelt
    rich­tet. Wo der Gesunde rät und hilft, wo er mit seinen Erfahrungen
    einfach anderen voranlebt und es ihnen überläßt, ob sie ihn zum
    Beispiel nehmen wollen oder nicht, dort zwingt der Pestkranke seine
    Lebensart anderen mit Gewalt auf. Pest­kranke dulden Anschauungen
    nicht. Der Gesunde empfindet nur Freude, wenn er von den Motiven seiner
    Handlungen hört. Der Pestkranke gerät dabei in Raserei. Der Gesunde
    kämpft dort, wo andersartige Lebensanschauungen Leben und Arbeit
    stören, in rationaler Weise scharf für die Erhal­tung seiner
    Lebensweise. Der Pestkranke kämpft gegen andere Lebensarten auch dort
    an, wo sie ihn gar nicht berühren. Das Motiv seines Kampfes ist die
    Provokation, die andere Lebens­weisen durch ihre bloße Existenz
    darstellen. Die Energie, die die emotionellen Pestreaktionen speist,
    ent­stammt regelmäßig unbefriedigbarem Lusthunger, gleichgültig, ob es
    sich nun um sadistische Kriegstaten oder um Diffamie­rung von Freunden
    handelt. Die gestaute Sexualenergie hat der Pestkranke mit allen
    anderen Biopathien gemeinsam. Auf die Unterschiede werde ich sofort zu
    sprechen kommen. Der biopathische Grundcharakter der emotionellen Pest
    kommt darin zum Ausdruck, daß sie wie jede andere Biopathie durch
    Herstellung der natürlichen Liebesfähigkeit geheilt werden kann.
    nenn mich EO
    zu Ende denken
  • Wilhelm Reich: Die emotionelle Pest, Fortsetzung

    Die
    Neigung zur emotionellen Pest ist allgemein. Es gibt nicht Pestfreie
    hier und Pestkranke dort. So wie jeder Mensch ir­gendwo in der Tiefe
    seine Neigung zu Krebs, Schizophrenie und Alkoholismus hat, so hat
    jeder, auch der Gesündeste und Lebensfreudigste, die Neigung zu
    irrationalen Pestreaktionen in sich.
    Die Abgrenzung der emotionellen
    Pest von der genitalen Charakterstruktur ist leichter als ihre
    Abgrenzung von den einfachen Charakterneurosen. Die emotionelle Pest
    ist zwar eine Charakterneurose oder -biopathie im strengen Sinne des
    Wortes, aber sie ist auch mehr als das; und dieses Mehr unterscheidet
    sie von der Biopathie und Charakterneurose: Wir dürfen als emotionelle
    Pest dasjenige menschliche Ver­halten bezeichnen, das aufgrund einer
    biopathischen Charak­terstruktur sich in zwischenmenschlichen, also
    sozialen Bezie­hungen und in entsprechenden Institutionen organisiert
    oder typisch auswirkt. Der Wirkungsbereich der emotionellen Pest ist
    ebenso groß wie der Bereich der Charakterbio-pathie. Das heißt, überall
    dort, wo es Charakterbiopathien gibt, besteht auch zumindest die
    Möglichkeit einer chroni­schen Wirkung oder eines akut epidemischen
    Ausbruchs von emotioneller Pest. Umschreiben wir rasch einige typi­sche
    Gebiete, auf denen die Pest entweder chronisch wütet oder sich in
    akuten Schüben zu äußern vermag. Wir wer­den sofort sehen, daß es
    gerade die wichtigsten Lebensge­biete sind, auf denen sich die Pest
    betätigt: Mystizismus in seiner destruktiven Form; passive und aktive
    Autoritäts­sucht; Moralismus; Biopathien des Lebensnervensystems;
    parteiliches Politikantentum; familiäre Pest, die ich als »Familitis«
    bezeichnet habe; sadistische Erziehungsmetho­den, masochistische
    Duldung solcher Erziehungsmethoden oder kriminelle Rebellion dagegen;
    Tratsch und Diffamie­rung; autoritärer Bürokratismus; imperialistische
    Kriegs­ideologie; alles, was unter den amerikanischen Begriff »Racket«
    fällt; kriminelle Antisozialität; Pornographie; Geldwucher, Rassenhaß.
    Wir
    sehen, das Gebiet der emotionellen Pest deckt sich unge­fähr mit dem
    weiten Gebiet der sozialen Übel, die noch von jeder sozialen
    Freiheitsbewegung bekämpft wurden. Mit eini­ger Ungenauigkeit könnte
    man das Gebiet der emotionellen Pest mit dem der »politischen Reaktion«
    und vielleicht sogar mit dem Prinzip der Politik überhaupt
    gleichsetzen. Um dies in korrekter Weise tun zu können, muß man das
    Grundprinzip aller Politik, nämlich Sucht nach Macht und
    Übervorteilung, auf die verschiedenen Lebensgebiete übertragen, wo im
    ge­wöhnlichen Sinne des Wortes nicht von Politik gesprochen wird. Eine
    Mutter etwa, die sich der Methoden der Politik bediente, um ihr Kind
    dem Gatten zu entfremden, fiele unter diesen erweiterten Begriff der
    politischen emotionellen Pest; ebenso ein streberischer
    Wissenschaftler, der sich nicht durch sachliche Leistungen, sondern
    mittels der Methoden der In­trige zu einer hohen sozialen Stellung
    emporarbeitet, die in keiner Weise seinen Leistungen entspricht. Wir
    hatten früher bereits als gemeinsamen biophysiologischen Kern aller
    Formen der emotionellen Pest die biologische Se­xualstauung erkannt.
    Soweit unsere Erfahrung reicht, ist ein genitaler Charakter unfähig,
    sich der Methoden der emotio­nellen Pest zu bedienen. Das bildet einen
    großen Nachteil in einem sozialen Leben, das in so hohem Maße von
    Institutio­nen der emotionellen Pest beherrscht wird. Es gibt nun einen
    zweiten gemeinsamen Nenner aller Formen der emotionellen Pest: Die
    Einbuße an Fähigkeit zu natürlicher Sexualbefriedi­gung führt
    regelmäßig zur Entwicklung sekundärer, im beson­deren sadistischer
    Impulse. Dies ist eine klinisch wohlfundierte und gesicherte Tatsache.
    Wir sind daher nicht überrascht zu finden, daß die biopsychische
    Energie, die die emotionellen Pestreaktionen speist, regelmäßig von der
    Art der Energie der sekundären Triebe ist. In ausgesprochenen Fällen
    fehlt nie­mals der spezifisch menschliche Sadismus. Es ist nun
    begreiflich, daß Wahrhaftigkeit und Geradheit so seltene menschliche
    Charaktereigenschaften sind; mehr, daß man regelmäßig Staunen und
    Bewunderung begegnet, wenn diese vielgepriesenen Verhaltungsweisen sich
    hier oder dort durchsetzen. Vom Standpunkt der »kulturellen« Ideale
    müßte man erwarten, daß Wahrhaftigkeit und Geradheit alltägliche und
    selbstverständliche Haltungen wären. Daß sie das nicht nur nicht sind;
    daß sie bestaunt werden; daß man wahrhafte und gerade Menschen als
    Sonderlinge betrachtet, als irgend­wie mit einem Spleen behaftet; mehr,
    daß wahrhaftig und auf­richtig sein so oft mit sozialer Lebensgefahr
    verbunden ist, läßt sich in keiner Weise aufgrund der herrschenden
    kulturel­len Ideologie, sondern nur mittels der Kenntnis der
    organi­sierten emotionellen Pest begreifen. Nur so läßt es sich auch
    begreifen, daß die Triebfedern aller Freiheitsbestrebungen:
    Sachlichkeit und Wahrhaftigkeit, in Jahrhunderten schwerster
    Anstrengungen immer wieder unterlagen. Demzufolge ist es nicht
    anzunehmen, daß irgendeine Freiheitsbewegung Aus­sicht hat, ihre Ziele
    zu erreichen, wenn sie der organisierten emotionellen Pest nicht scharf
    und klar Wahrhaftigkeit gegen­überstellt.
    Die Unerkanntheit der
    emotionellen Pest war bisher ihr si­cherster Schutz. Demzufolge ist
    anzunehmen, daß die genaue Erforschung ihres Wesens und ihrer Dynamik
    diesen Schutz einreißen wird; dies wird von den Trägern der
    emotionellen Pest folgerichtig als tödliche Bedrohung ihrer Existenz
    aufgefaßt werden. Das wird sich an den Reaktionen der Pestträger und
    Pestverbreiter auf die folgenden sachlichen Darlegungen unweigerlich
    herausstellen. Wir werden an den zu erwarten­den Reaktionen genau
    diejenigen, von den anderen, die ihre Institutionen aufrechterhalten
    wollen, unterscheiden müssen und auch können. Es hat sich nämlich immer
    wieder gezeigt, daß sich das irrationale Wesen der emotionellen Pest
    regelmä­ßig gegen ihre Absicht enthüllt, sobald man ihm auf den Grund
    geht. Dies ist begreiflich, da doch die emotionelle Pest nicht anders
    als irrational zu reagieren vermag. Sie ist zum Unterliegen verurteilt,
    wenn sie schroff und klar dem rationa­len Denken und dem natürlichen
    Lebensgefühl gegenüber­steht. Sie gerät automatisch und mit Sicherheit
    in Raserei, wenn man die naturgegebenen Funktionen des Lebendigen
    sachlich und wahr beschreibt. Es gibt nichts, was sie mehr haßt als
    gerade dies.
    Wilhelm Reich, Charakteranalyse, 1933
    http://www.buecher.de/shop/Start/Reich-Wilhelm/Charakteranalyse

    google.de/search?hl=de&q=emoti…st+reich&btnG=Suche&meta=

    "Bis
    heute ist dieses Rätsel nicht gelöst. Irgendetwas in der menschlichen
    Gesellschaft muß verhindern, daß wir die richtige Frage stellen, um die
    richtige Antwort zu bekommen. Der Alptraum der vergeblichen Suche zieht
    sich durch die gesamte Philosophie.
    Etwas, das ganz im Verborgenen
    wirkt, verhindert, dass die richtige Frage gestellt wird. Und
    irgendetwas ist gleichzeitig am Werk und lenkt erfolgreich unsere
    Aufmerksamkeit ab von dem sorgsam getarnten Zugang, auf den sich unser
    Augenmerk eigentlich richten müßte. Das Werkzeug, dessen sich dieses
    gut getarnte Etwas bedient, um die Aufmerksamkeit vom entscheidenden
    Rätsel abzulenken, ist die ausweichende Haltung der Menschen, wenn es
    darum geht, ihr Leben zu leben. Das verborgene Etwas ist die emotionale
    Pest des Menschen."
    Wilhelm Reich 1953
    projektpan.de/WR1.html
    nenn mich EO
    zu Ende denken

  • Die Einbuße an Fähigkeit zu natürlicher Sexualbefriedigung führt
    regelmäßig zur Entwicklung sekundärer, im besonderen sadistischer Impulse.


    das denke ich auch, da diese befriedigung leider meist ein ventil für diese impulse ist.
    aber ob dieses irrationale handeln, was hier sehr gut beschrieben wird, wirklich nur auf ein unzureichendes sexualleben zurüchzuführen ist, mag ich bezweifeln. es gibt genügend leute die keine, oder wenige solche sadistischen impulse in sich tragen, und deshalb auch nicht nach einem ventil im sexuellen suchen.

    grüsse vom maky
  • Ich denke, es geht nicht nur um eine "gesellschaftlich geregelte Sexualität", die natürlich auch zu einem Mangelzustand führt, sondern insgesamt um die Gängelung des Individuums. Es werden Verhaltensmuster verlangt, die den individellen Bedürfnissen widersprechen und von den Ausführenden nur akzeptiert werden, weil sie sich ein ferner Zukunft bei ausreichdem "Wohlverhalten" eine Belohnung (Anerkennung) versprechen. Gleichzeitig werden reichlich Ventilhandlungen angeboten, mit denen die Menschen ausgebeutet werden können.
    nenn mich EO
    zu Ende denken