[Buchvorstellung][Atlantis - Mythos] Murry Hope: Atlantis - Mythos oder Wirklichkeit

    • [Buchvorstellung][Atlantis - Mythos] Murry Hope: Atlantis - Mythos oder Wirklichkeit

      Murry Hope: Atlantis - Mythos oder Wirklichkeit

      Das Werk ?Atlantis ? Mythos oder Wirklichkeit?? von Murry Hope geh?rt heute zu den weiter verbreiteten Werken ?ber Atlantis in Deutschland. Nachdem es 1994 im Zweitausendeins-Verlag erstmals in deutscher Sprache erschienen ist, wurde es 1999 bei Heyne unter dem Namen ?Atlantis? erneut aufgelegt. Leider ist dieses Buch ein typischer Vertreter einer Gattung von Atlantis-B?chern, die ihr Thema methodisch und inhaltlich in wenig geeigneter Weise aufbereiten. Deshalb lohnt es sich, dieses exemplarische Werk einer entsprechend exemplarischen Analyse zu unterziehen.


      Werke der alternativen Arch?ologie



      Murry Hope: Atlantis ? Mythos oder Wirklichkeit

      von Thorwald C. Franke

      Inhalt

      I. Einleitung

      II. Konzeptionelle Kritik

      Platon wird nicht als Urquelle akzeptiert
      Suggestive Beeinflussung
      Suggestive Beeinflussung durch Dekonstruktion
      Suggestive Beeinflussung durch Abdr?ngung

      III. Methoden-Kritik

      Werbung f?r Grenz- und Au?erwissenschaftliches durch Stigmatisierung der Wissenschaft
      Beeindruckung durch Autorit?ten statt sachlicher Argumentation
      Willk?r und Beliebigkeit
      Systematisch fehlinterpretierte Mythologie
      Fehlinterpretiertes Kollektives Unterbewusstsein

      IV. Inhaltliche Kritik

      Murry Hope?s Atlantis-Theorie
      Geologisch-geographische Belege
      Belege zur fortgeschrittenen Technik auf Atlantis
      Sonstiges

      V. Literar-Kritik

      Stil
      Formalia

      VI. Politisch-Weltanschauliche Kritik

      Esoterisch-Metaphysische Schw?rmerei
      Atlantischer Sozialismus als bessere Vergangenheit ? und Zukunft
      Keine Brandmauer gegen Rassismus
      ?Gutmenschlicher? Charakter

      VII. Fazit
      Literatur

      I. Einleitung

      Das Werk ?Atlantis ? Mythos oder Wirklichkeit?? von Murry Hope geh?rt heute zu den weiter verbreiteten Werken ?ber Atlantis in Deutschland. Nachdem es 1994 im Zweitausendeins-Verlag erstmals in deutscher Sprache erschienen ist, wurde es 1999 bei Heyne unter dem Namen ?Atlantis? erneut aufgelegt. Leider ist dieses Buch ein typischer Vertreter einer Gattung von Atlantis-B?chern, die ihr Thema methodisch und inhaltlich in wenig geeigneter Weise aufbereiten. Deshalb lohnt es sich, dieses exemplarische Werk einer entsprechend exemplarischen Analyse zu unterziehen.



      II. Konzeptionelle Kritik

      Platon wird nicht als Urquelle akzeptiert

      ?Atlantis!? beginnt Murry Hope ihr Werk ?Atlantis ? Mythos oder Wirklichkeit? im ersten Kapitel. Leider muss die Frage gestellt werden, ob das Thema ihres Werkes wirklich Atlantis ist, denn Platons Atlantisbericht in den Dialogen Timaios und Kritias wird von ihr nicht als Ausgangspunkt und Grundlage ihrer Betrachtungen gew?hlt. Dies w?re jedoch unerl?sslich, da die Kenntnis von Insel und Stadt Atlantis und des Namens ?Atlantis? selbst sich einzig auf Platon st?tzen k?nnen. Vielmehr z?hlt sie in Kapitel 1 diverse Mythen der Menschheit auf, von denen einfach behauptet wird, sie bez?gen sich auf Atlantis, um dann Platons Atlantisbericht lediglich als am ?anschaulichsten erz?hlt? vor den anderen vermeintlichen Atlantisberichten hervorzuheben (S. 23).

      Ohne mit der Wimper zu zucken werden im Verlauf der Darstellung wichtige Elemente des platonischen Atlantisberichts explizit beiseite geschoben: Auf S. 207 z.B. wird die gesamte platonische Darstellung atlantischer religi?ser Praxis negiert, indem sehr kurzschl?ssig argumentiert wird, diese Darstellung ?hnele ja sehr der kretischen Religion und sei deshalb vom Erfahrungshorizont Platons gepr?gt und damit verf?lscht. Auf S. 209 schreibt Murry Hope, sie sei ?immer der Meinung? gewesen, dass auf Atlantis eine Theokratie herrschte, und deshalb habe sie ?Platons ?K?nigen? und ihren Praktiken der Vetternwirtschaft immer skeptisch? gegen?ber gestanden. S. 210 schlie?lich f?hrt Murry Hope den Mythos des griechischen G?tterhimmels Olymp mit seinen 12 G?ttern auf das untergegangene Atlantis zur?ck und wischt damit beil?ufig die Zahl von 10 statt 12 bei Platon erw?hnten atlantischen K?nigen vom Tisch.

      Andere Elemente des platonischen Atlantisberichtes werden hingegen kaum, gar nicht oder falsch erw?hnt. So geht Murry Hope von einer einmaligen Weltkatastrophe aus, der die im platonischen Bericht erw?hnten ?berflutungen entspr?chen. Dass diese jedoch nicht einmalig sondern zyklisch aufgetreten sein sollen und dass ?gypten von diesen Katastrophen jeweils verschont worden sein soll, widerspricht ihrer Darstellung einer ?berschwemmung ?gyptens klar (S. 276 f.). Auch der Angriff der Atlanter auf ?gypten wird von Murry Hope kaum einer hinreichenden Erw?hnung f?r wert befunden. Die zahllosen Details, die Platon seitenweise schildert, kommen bei Murry Hope nicht im geringsten vor ? offenbar glaubt sie aufgrund ihrer Theorie eines kontinentalen Ur-Atlantis, das in einer kosmischen Katastrophe zugrunde gegangen sein soll, sich um solche ?Peanuts? nicht k?mmern zu m?ssen.

      Schlie?lich werden Platon sogar einige Dinge untergeschoben, die bei ihm gar keine Erw?hnung finden: Auf S. 266 z.B. bekommen wir zu h?ren, Platon habe eine Annahme dar?ber gemacht, wie nahe Atlantis an Afrika lag ? keine Spur davon im Originaltext. S. 46 f. nennt Murry Hope sogar ein tagesgenaues Datum, an dem die beiden Dialoge Timaios und Kritias gef?hrt worden sein sollen. Es soll sogar ein Stenograph zugegen gewesen sein! S. 68 werden Platon ?hochaufragende St?dte? und ?gro?e H?fen? auf Atlantis untergeschoben. In Wahrheit berichtet Platon nur von einer Stadt und einem Hafen: Eben von Atlantis.

      Suggestive Beeinflussung

      Murry Hope bekundet in ihrem Werk ?Atlantis ? Mythos oder Wirklichkeit? immer wieder, sie wolle darin alle Theorien zu Atlantis gleichberechtigt zu Wort kommen lassen und sich selbst mit ihren eigenen ?berzeugungen zur?ckhalten (z.B. Einleitung S. 14). Tats?chlich jedoch dient dieses Buch der Darstellung genau einer einzigen Theorie, n?mlich ihrer eigenen! Indem sie dies nicht klar ausspricht, sondern verschweigt und ? wie gleich gezeigt wird ? methodisch geschickt verbirgt, ger?t eine an sich zul?ssige Parteilichkeit zur suggestiven Beeinflussung unkritischer Leser. Ihre eigenen Erfahrungen, die sie gegen Ende des Buches darlegt, erscheinen dann wie ein Fazit des ganzen Buches, scheinbar best?tigt durch eine ?berf?lle von Fakten.

      Suggestive Beeinflussung durch Dekonstruktion

      Der L?wenanteil des Buches wird von Darstellungen anderer Theorien eingenommen. Diese werden jedoch nicht jeweils f?r sich mit ihrem eigenen Argumentationsgef?ge aufgezeigt, sondern nach Teilaspekten dekonstruiert. Die Aussagen der einzelnen Theorien zu diesen Teilaspekten werden dann ohne jeden Zusammenhang zur jeweils urspr?nglichen Theorie in einzelnen Kapiteln zusammengefasst, deren Titel z.B. ?Planetoiden, Monde und Achsenverlagerungen?, ?Kreisl?ufe, Zeitrechnungen, Daten?, ?Die V?lker von Atlantis? oder ?Wissenschaft und Religion auf Atlantis? lauten.

      ?ber weite Teile des Buches hinweg wird der Leser so mit ?hnlichen oder sich widersprechenden Teilaussagen einzelner Theorien regelrecht zugesch?ttet, die aufgrund des fehlenden Gesamtzusammenhanges ihrer jeweiligen Gesamttheorie gar nicht angemessen beurteilt werden k?nnen. Ohne ihren Zusammenhang werden die Teilaussagen der einzelnen Theorien zu begr?ndungslosen Behauptungen reduziert, f?r deren Annahme oder Ablehnung letztlich nur noch die Autorit?t des Urhebers herhalten k?nnte. Tats?chlich st?tzt sich Murry Hope immer wieder auf irgendwelche Autorit?ten (s.u.), ohne in eine Sachargumentation einzusteigen und Ordnung ins Chaos der einzelnen Theorien zu bringen, das sie selbst durch ihre Dekonstruktionsmethode noch potenziert.

      Aber nicht nur das: Unvermerkt kristallisiert Murry Hope aus dem Chaos der Theorienbruchst?cke die von ihr bevorzugte Version einer Atlantis-Theorie heraus, indem sie die unbewertbaren weil zusammenhanglosen Teilthesen ganz einfach subjektiv und h?chst irrational wertet, gewichtet, betont oder abschw?cht (s.u.). So kann sie es sich auch leisten, Teilthesen, die ihr zuwiderlaufen, unkommentiert stehen zu lassen, da sie im allgemeinen Durcheinander kaum auffallen und beim Leser auch keinen bleibenden Eindruck hinterlassen k?nnen.

      Suggestive Beeinflussung durch Abdr?ngung

      Die zweite Methode, trotz aller Beteuerungen klar parteilich vorzugehen, ist die der Abdr?ngung. Damit ist gemeint, dass Murry Hope bestimmte Theorien nicht in ihren Dekonstruktions-Mischmasch aufnimmt, der, wie gesagt, den L?wenanteil des Buches ausmacht, sondern in eigene Kapitel verbannt und dort kurz angebunden abtut.

      Die erste Theoriengruppe, die dieses Schicksal erleidet, ist jene, in der alle halbwegs wissenschaftlichen und vern?nftigen Theorien zu finden sind, nach denen Atlantis kein spektakul?r untergegangener Riesenkontinent war, der f?r den Gang der Menschheitsgeschichte von zentraler Bedeutung gewesen w?re. Diese Theorien werden im Kapitel 4 (?Wo lag Atlantis?) auf knapp 20 Seiten kurz abgehandelt, um gleich darauf den Leser in einem eigens daf?r vorgesehenen Kapitel, Titel: ?Der Atlantische Ozean?, auf den Ort einzuschw?ren, der Murry Hope einzig zusagt. S. 323 schreibt sie dann unzul?ssig vereinnahmend vom Atlantik als ?der allgemein akzeptierten Position f?r den Inselkontinent?.

      Die zweite Theoriengruppe, die abgedr?ngt wird, sind die Theorien ?paranormaler und anderer esoterischer Gesellschaften? (Kapitel 12) sowie die ?Berichte aus der Akascha-Chronik? (Kapitel 13). Als Grund hierf?r gibt Murry Hope an, dass sie rationale und esoterisch-irrationale Argumente in ihrem Buch strikt getrennt halten wolle (S. 14, 197, 299). Diese Trennung wird allerdings nicht wirklich eingehalten. So schreibt sie z.B. noch S. 197, dass sie Esoterisches auf sp?tere Kapitel verbannen will, aber schon S. 199 begegnen dem Leser ?Sensitive?, ?Zeitkapseln?, eine ?heilige Geometrie? und ?parapsychologische und transzendentale Aspekte?.

      Es dr?ngt sich vielmehr der Eindruck auf, dass das wahre Selektionskriterium daf?r, ob ein Argument in den Hauptteil des Buches oder in die speziellen Esoterik-Kapitel eingeordnet wurde, vielmehr darin bestand, ob dieses Argument mit Murry Hope?s Vorstellungen von Atlantis ?bereinstimmt oder nicht. Zum genannten Beispiel von S. 199 sagt Murry Hope: ?Es [ein Buch] enth?lt viele kluge Passagen ? ? Mir gefiel besonders ??. Ganz anderes ?u?ert sie auf S. 348 zu den Abdr?ngungskapiteln: ?..., dass ich den meisten Anschauungen, mit denen ich mich in diesem und dem letzten Kapitel befasst habe, recht distanziert gegen?berstehe.?

      Jedenfalls tut Murry Hope in diesen Abdr?ngungskapiteln etwas, was sie im ganzen Rest des Buches systematisch unterl?sst: ?berall dort, wo sie Widerspruch geben m?chte, ordnet sie Argumente, zeigt Widerspr?che auf und f?gt Kommentare an. So hei?t es z.B. S. 338 ?berraschend: ?All diese Informationen erfordern unbedingt einen Kommentar!?. Pikanterweise versieht sie ihre in den Abdr?ngungskapiteln z.T. sehr rationale Argumentation mit den Worten: ?Es ist schon erstaunlich, wozu sich Menschen hinrei?en lassen, um Beweise f?r ihre Lieblingstheorien zu finden!? (S. 68).

      III. Methoden-Kritik

      Die einzelnen von Murry Hope verwendeten Methoden m?ssen nat?rlich in einem engem Zusammenhang mit ihrer Grundkonzeption von Dekonstruktion und Abdr?ngung gesehen werden.

      Werbung f?r Grenz- und Au?erwissenschaftliches durch Stigmatisierung der Wissenschaft

      Systematisch und mit hohem Aufwand versucht Murry Hope, den Leser f?r die Akzeptanz grenz- und au?erwissenschaftlicher Denk- und Sichtweisen zu gewinnen. Dies geschieht jedoch nicht nur dadurch, dass sie von der Sache her f?r mehr Aufgeschlossenheit argumentiert ? was legitim w?re -, sondern insbesondere auch dadurch, dass die Repr?sentanten der etablierten Wissenschaft mehr oder weniger deutlich als charakterlich defizit?r und letztlich als irrational (sic!) stigmatisiert werden. Bezeichnend auch, dass diese Werbe- und Stigmatisierungspassagen immer zu Beginn der einzelnen Kapitel einsetzen; vermutlich, um den Leser auf das jeweils Folgende psychologisch geschickt vorzubereiten.

      Schon in der Einleitung auf S. 11 f. unterstellt sie ?Angst und Unsicherheit? und konstatiert: ?Dogmatische Ans?tze f?rdern die Vorurteilsbildung?. Die ?nach au?en abgeschlossenen Vorstellungen der herk?mmlichen Wissenschaftsdisziplinen? erscheinen ihr ?manchmal wie Zwangsjacken, von denen man sich nur gewaltsam befreien kann?. Murry Hope: ?Es ist erstaunlich, zu welch irrationalen ?u?erungen sich Menschen hinrei?en lassen, wenn sie etwas widerlegen wollen, das sie nur schwer akzeptieren k?nnen.?

      Zu Beginn des dritten Kapitels (S. 45 f.) legt Murry Hope dann eine detaillierte Klassifizierung ihrer Widersacher vor: Da gibt es ?Personen, die aufgrund innerer ?ngste oder Konflikte an pers?nlicher Unsicherheit leiden?. Oder ?gewohnheitsm??ige EntlarverInnen?. Oder ?Gelehrte, die ein geeignetes Vehikel zur F?rderung ihrer akademischen Karriere suchen.? Erst zum Schluss kommen dann ?ernsthafte ForscherInnen und KritikerInnen?.

      Zu Beginn des vierten Kapitels (S. 63) zitiert Murry Hope Ian Wright: ?Naturwissenschaftler stehen h?ufig Ph?nomenen gegen?ber, die ihnen innerhalb der Grenzen ihrer traditionellen Wissenschaft unerkl?rbar erscheinen.? Nur Nonkonformisten und Amateure w?rden die Existenz von Atlantis bejahen. Daran ist zugegebenerma?en etwas wahres, aber Murry Hope selbst geh?rt zu denen, die das Thema Atlantis in einer solchen Weise pr?gen, dass kein etablierter Wissenschaftler sich mehr damit besch?ftigen mag. Damit liegt ein typischer Fall einer selffulfilling prophecy vor.

      Zu Beginn des achten Kapitels (S. 178) unterstellt Murry Hope ihren Kritikern, sie w?rden ??bersehen?, ?dass Beweise aus Mythen und Legenden ebenfalls stichhaltig oder authentisch sein k?nnen.? Mit dem hierauf folgende Satz sieht sie offenbar diese Sicht der Dinge als best?tigt an: ?Zahlreiche Gelehrte, Weise und andere gebildete Menschen haben in den unterschiedlichsten Zeiten an die Existenz von Atlantis geglaubt, auch wenn sie nicht an alle Details der Legende glaubten.?

      S. 282 hei?t es wenig schmeichelhaft: ?Diese Vorstellung scheint jedoch manche Menschen so sehr (und zweifellos schmerzhaft) in ihrem Ego zu verletzen, dass sie es blind ablehnen, empirische Beweise zu akzeptieren, die sie normalerweise zufrieden stellen w?rden.?

      S. 285 verlautet wieder: ?Die Behandlung dieses Themas erfordert allerdings etwas Vorsicht, da aus ihm Schlussfolgerungen gezogen werden k?nnen, die das Ego einiger Menschen verletzen. Vorbehalte gegen Psychokinese (PK) und ESP-Ph?nomene [...] beruhen im gro?en und ganzen auf Erfahrungen, die sich wie folgt kategorisieren lassen: ...?.

      S. 296 wird ?einigen VertreterInnen der etablierten Wissenschaften? in bezug auf Atlantis ?eine von Ironie getragene Skepsis? unterstellt. Sachliche Bedenken als Ursache f?r Skepsis werden dagegen nicht in Betracht gezogen.

      S. 363 f. konstatiert Murry Hope ein unterbewusst tief in jedem Menschen vorhandenes Atlantis-Bewusstsein, ?auch wenn wir versuchen, diese Erfahrung mit sogenannten vern?nftigen ?berlegungen zu verd?ngen?.

      S. 371 l?sst Murry Hope die Darstellung ihrer Kritiker in einer Karikatur gipfeln: Vorgestellt wird ein Australier, der in Stammtischmanier ihre Bedenken vom Tisch wischt ? ?Woraufhin er eine Dose Lagerbier herunterst?rzte und sich eine neue Zigarette anz?ndete.?

      Beeindruckung durch Autorit?ten statt sachlicher Argumentation

      Entgegen ihrer Polemiken gegen die etablierte Wissenschaft st?tzt sich Murry Hope selbst sehr gerne auf Autorit?ten, sofern diese ihr genehme Auffassungen vertreten. Es dr?ngt sich der Eindruck auf, Murry Hope wolle unkritische Leser nicht inhaltlich, sondern durch Autorit?t beeindrucken.

      Entsprechend der bereits vorgestellten Grundkonzeption der Dekonstruktion stehen die einzelnen Teilthesen, die Murry Hope darlegt, ohne den Zusammenhang ihres urspr?nglichen Argumentationsgef?ges da. Allein die Autorit?t des Urhebers ist noch mit der Teilthese verkn?pft und kann sie glaubw?rdig oder unglaubw?rdig machen. Statt also in eine Sachargumentation einzusteigen verschiebt sich bei Murry Hope das Gewicht in der Glaubw?rdigmachung einer Teilthese von der Sache weg hin zu der dahinter stehenden Autorit?t.

      H?ufig werden die Autorit?ten noch nicht einmal mit Namen genannt. Satzanf?nge wie ?Nach dem Glauben einer Gruppe von MetaphysikerInnen, Sensitiven, Grenz-WissenschaftlerInnen, ForscherInnen und anderen Menschen ?? (S. 163 f.) oder ?Einige Gelehrte, ForscherInnen und ExpertInnen ?? finden sich zuhauf im ganzen Buch.

      In ihrem Bestreben, ihre Aussagen durch Autorit?ten glaubw?rdig zu machen, widerspricht sie letztlich ihrer eigenen Skepsis gegen die etablierten Wissenschaften. So schreibt sie z.B. S. 325, ?Die Tatsache, dass auch viele andere Gruppen, Gesellschaften und Individuen auf der ganzen Welt etwas ?hnliches vermuten, verleiht dieser Vorhersage eine gewisse Glaubw?rdigkeit.?

      S. 326 versucht Murry Hope, dem ?Seher? Edgar Cayce eine wissenschaftliche Legitimation unterzuschieben, indem sie auf eine Doktorarbeit an der Universit?t von Chicago ?ber ihn verweist, ?die sein Leben und Werk zum Thema hatte?. Nach Auskunft der Universit?t Chicago gab es jedoch nur eine Ph.D. ? Thesis ?The charisma of the seer: A study in the phenomenology of religious leadership?, 1955, die ihrem Titel gem?? wohl weniger das Werk von Edgar Cayce im Auge hatte, als vielmehr die i.d.R. beklagenswerte Soziologie religi?ser F?hrer- bzw. Verf?hrerschaft.

      Auch das Urbild des Wissenschaftlers, Albert Einstein, muss f?r Murry Hope?s Thesen herhalten: S. 222 wird berichtet, Einstein habe in einer Biographie die Auffassung ge?u?ert, die Kernenergie sei lediglich wiederentdeckt worden. Bedauerlicherweise verzichtete der Herausgeber der Biographie auf diese Passage ?

      S. 223 berichtet Murry Hope von einem Nobelpreistr?ger, der ihr pers?nlich mitgeteilt habe, er sei in einem fr?heren Leben Schallwissenschafter in Atlantis gewesen. Nat?rlich bat er sie darum, seinen Namen nicht zu nennen, um seinen Ruf nicht zu gef?hrden, und Murry Hope tut ihm diesen Gefallen gerne.

      S. 278 f. berichtet Murry Hope vom Versuch des Physikers und Nobelpreistr?gers Luis Alvarez, die Pyramiden mit R?ntgenstrahlen auf Hohlr?ume zu untersuchen. Nachdem v?llig unerwartete Ergebnisse festgestellt worden seien, sei Alvarez wortlos verschwunden. Amir Gohed von der Universit?t Kairo ? und nicht etwa Luis Alvarez ? soll daraufhin ge?u?ert haben: ?Es widerspricht allen bekannten Gesetzen der Naturwissenschaft und der Elektronik?. Die Wahrheit ist jedoch ganz einfach: Da die Pyramiden nicht, wie vielfach f?lschlich angenommen, aus exakt gef?gten Steinen errichtet wurden, sondern Spalten und kleinere teils mit Schutt verf?llte Hohlr?ume keine Seltenheit sind, ist die R?ntgenmethode zur Auffindung verborgener R?ume leider unbrauchbar.

      Schlie?lich beruft sich Murry Hope nicht nur auf alle m?glichen Wissenschaftler und Grenzwissenschaftler, sondern insbesondere auch auf bereits erschienen B?cher zum Thema Atlantis, wie z.B. auf Ignatius Donnelly, Otto Muck oder Charles Berlitz. Da diese Autoren oft in ?hnlicher Weise wie Murry Hope falsche Schl?sse aufgrund falscher Methoden und Konzeptionen ziehen, ergibt sich somit eine Potenzierung der Irrt?mer in beliebige Weiten des M?glichkeitsraums menschlichen Irrens hinein.

      Willk?r und Beliebigkeit

      Die Willk?r und Beliebigkeit, die sich in Murry Hopes Werk manifestiert, steht in engem Zusammenhang mit ihrer Grundkonzeption der Dekonstruktion. Willk?r dient hier vornehmlich zur unvermerkten Gewichtung der vorgetragenen Teilthesen. S. 292 l?sst Murry Hope dabei jede Maske in bezug auf ihre Haltung gegen?ber einem vern?nftigen Umgang mit Argumenten fallen. Es hei?t da: ?Da Fakten in jede beliebige Theorie eingepasst werden k?nnen ??.

      S. 67 schreibt sie ohne jede Sachargumentation ?Ich selbst bezweifle sehr ? ? Es k?nnte eher ??. Und S. 191: ?Ich selbst habe den Eindruck ? ? Da ich dies nicht n?her belegen kann, mag hier jede bzw. jeder eigene Vermutungen anstellen.? S. 195 ?u?ert Murry Hope ohne jeden Grund ?Ich neige zu der Auffassung ?? S. 279 schreibt sie ebenfalls ohne Angabe von Gr?nden: ?Ich habe den Eindruck ??.

      S. 222 kommt sie nach der Darlegung, dass die Atlanter bereits Kernenergie gekannt h?tten, zu folgender Aussage: ?Mich pers?nlich begeistert die Idee von A- oder H-Bomben in Atlantis nicht besonders, und ich kann mir auch nicht vorstellen, dass die Landschaft von Atlantis mit riesigen Kernreaktoren ? ?bers?t war, ... Ich k?nnte mir denken, dass sie irgendeine andere Energieform entdeckt haben, die wirtschaftlicher war, ... und nicht zu so schrecklichen Umweltsch?den wie die heutige Kernenergie f?hrte?.

      Murry Hope verwickelt sich nat?rlich im Laufe ihres Buches in etliche Selbstwiderspr?che, wie es aufgrund ihrer Konzeptionen und Methoden auch gar nicht anders zu erwarten ist: S. 63 l?sst sie Ian Wright unkommentiert erz?hlen, nur Amateure und Non-Konformisten glaubten an die Existenz von Atlantis. Dies entspricht auch dem Tenor des ganzen Buches mit seinen Angriffen gegen die etablierte Wissenschaft. S. 364 jedoch schreibt Murry Hope v?llig ?berraschend: ?Die Tatsache, dass heute auch Menschen aus den Bastionen der herk?mmlichen Wissenschaft f?r Atlantis eintreten, ...?.

      S. 186 noch schreibt sie, ?Adam? solle ?der Rote? bedeuten. Aber schon S. 198 l?sst sie Donnelly unkommentiert zu Wort kommen, demzufolge ?ad-ami? die Bedeutung ?Volk von Ad? haben soll. S. 205 will sie die babylonische Sprachverwirrung als Folge der Atlantis-Katastrophe deuten. Dass der biblische Mythos von keiner solchen Katastrophe im Zusammenhang mit dem Turmbau zu Babel berichtet, scheint Murry Hope nicht zu st?ren. S. 237 argumentiert sie, Solon sei gerade deshalb ein Irrtum unterlaufen, weil die ?gypter ihr Wissen mit hoher Genauigkeit aufgezeichnet h?tten ? ein Widerspruch in sich! S. 218 argumentiert sie ?Die Menschen haben immer ihre Gottheiten nach ihrem eigenen Bild und ihrer Art gestaltet?, aber f?r Atlantis l?sst sie dies nicht gelten. S. 148 f. gibt Murry Hope eine tiefere Kenntnis historischer Klimaschwankungen zu erkennen, die jeder Treibhaushysterie den Wind aus den Segeln nehmen m?sste. Dass sie vor diesem Hintergrund auf S. 371 immer noch an die ganz gro?e Klimakatastrophe glaubt, sei deshalb ebenfalls als ein Selbstwiderspruch gedeutet.

      Willk?r zeigt Murry Hope auch im abrupten Abbrechen von Gedankeng?ngen. S. 219 f. stellt sie z.B. sehr sch?n dar, dass so manche Atlantis-Geschichte ?aus dem Bed?rfnis nach Utopien? entspringt. Weiterverfolgt wird diese These jedoch nicht. Warum? ? S. 321 deutet sie die Existenz paralleler Universen an, bricht dann jedoch ab: ?Eine solch tiefgehende Analyse ist aber in diesem Buch weder m?glich noch unbedingt erforderlich?. Falls es solche Paralleluniversen wirklich geben w?rde, w?re eine solche Analyse sehr wohl erforderlich!

      Auch wilde Spekulationen fehlen nicht. S. 54 z.B. wird in die Odyssee willk?rlich ein Seebeben hineininterpretiert. S. 56 f. r?tselt Murry Hope, warum Platons Dialog Kritias unvermittelt abbricht. Die wildesten Spekulationen werden angestellt, nur das naheliegendste bleibt au?en vor: Dass der Schluss im Laufe der ?berlieferung verloren ging. S. 172 ff. wird die Frage aufgeworfen, warum fr?here Kalender nur ein Jahr von 12?30 = 360 Tage kannten, und nicht 365 Tage. Dass die Gr?nde die schrittweise gewachsene Erkenntnis der wahren L?nge eines Jahres und eine offensichtliche Zahlensymbolik sein k?nnten, bleibt unerw?hnt. Statt dessen wird ?ber Erdachsenverlagerungen spekuliert, die das Jahr um f?nf Tage verl?ngert haben k?nnten. S. 233 f. schlie?lich bleibt die Funktion des Sirius als Anzeiger der j?hrlichen Nilschwemme au?er Betracht. Murry Hope gef?llt es vielmehr, ?ber l?wenartige Au?erirdische zu sprechen, die vom Sirius auf die Erde gekommen sein sollen (S. 244).

      Systematisch fehlinterpretierte Mythologie

      Murry Hope sieht mit Bob Quinn ?alle? Mythen letztlich als ?bedeutsame Berichte von alten Br?uchen oder Ereignissen? an (S. 229). Damit unterliegt sie nat?rlich dem Irrtum einer ?berinterpretation von Mythen. Zudem ist ihre Interpretation von Mythen h?ufig sehr kurzschl?ssig. Vor allem aber werden die einzelnen Mythen nicht innerhalb ihres urspr?nglichen Kontextes interpretiert, sondern jeweils aus ihm herausgerissen. Leider unterstellt sie ihren Kritikern, sie w?rden Mythen nur als M?rchen einstufen (S. 51).

      Beispiele f?r Fehlinterpretationen h?ufen sich in ihrem Werk. S. 190 z.B. werden die Neandertaler kurzerhand zu den Zwergen unserer M?rchen dekretiert. S. 195 m?ssen dann die biblischen ?S?hne Gottes? umstandslos als atlantische Matrosen herhalten, die sich mit den biblischen ?T?chtern der Menschen? verbinden. S. 209 werden Nektar und Ambrosia als entwickelte Lebensmittel der Atlanter gedeutet.

      S. 184 werden alle nur greifbaren Mythen zur Farbe Rot gewildert, ohne R?cksicht auf deren eigentlichen Sitz im Leben. S. 244 f. wiederum werden Tiermythen aller Sorte ausgeschlachtet, um die Existenz l?wenartiger Au?erirdischer zu ?belegen?. Sehr kurzschl?ssig auch die kaum hinterfragte ?bernahme der klassischen Zeitalterlehre (goldenes ? silbernes ? eisernes Zeitalter) bzw. der astrologischen Zeitalterlehre auf S. 151 ff. Leider baut sie auf diesen Zeitalterlehren so manches Argument ihres Buches auf.

      Wenn ein Mythos jedoch ihren Vorstellungen widerspricht, ist Murry Hope schnell bei der Hand, ihn sehr rational abzub?geln. So z.B. S. 68 f., wo afrikanische Mythen von untergegangenen St?dten aus ihrem Entstehungskontext heraus nicht als ?ernsthafte Atlantis-Anw?rter? gez?hlt werden.

      Fehlinterpretiertes Kollektives Unterbewusstsein

      Murry Hope arbeitet mit einer Fehlinterpretation des ?Kollektiven Unterbewusstseins?. Dieses wird von ihr nicht als Sammlung evolutiv gewachsener Urbilder bzw. psychischer Strukturen gesehen, sondern als eine Art Ged?chtnis, das Erinnerungen an Einzelereignisse aus der Geschichte der Menschheit gespeichert haben soll! Dies ist nat?rlich Unsinn, da sich evolutiv nur immer wiederkehrende Standardsituationen einpr?gen k?nnen.

      Diese verfehlte Sichtweise wird auf S. 320 f. kurz dargelegt, kommt aber vor allem in den Erkenntnissen zum Ausdruck, die Murry Hope aus dem Kollektiven Unterbewusstsein gesch?pft haben will. Die Details und Vorg?nge, an die sich Murry Hope zu erinnern k?nnen glaubt, k?nnen unm?glich evolutiv in das Kollektive Unterbewusstsein eingedrungen sein.

      Anderes

      Unter der ?berschrift ?Andere historische Quellen? werden S. 61 f. nicht etwa historische Quellen zu Atlantis aufgef?hrt, sondern Vermutungen und Behauptungen von antiken Autoren, die sich selbst wiederum nur auf Platon st?tzen. Sie k?nnen nat?rlich nicht als eigenst?ndige Quellen gelten.

      Murry Hope h?lt es au?erdem f?r angebracht, die Erzeugnisse antiker Dichter als Quellen zu behandeln. So wird z.B. auf S. 58 eine Passage aus Ovids Metamorphosen als ?Bericht? dargestellt, der Platons Kritias zu Ende erz?hle. S. 211 werden Vergils Georgica und Tibulls Elegien als Best?tigung f?r sozialistische Zust?nde auf Atlantis herangezogen. S. 363 wird dann schlie?lich auch noch Seneca als Beleg daf?r vereinnahmt, ?dass Atlantis nach einer solchen Katastrophe wieder aus seinem feuchten Grab aufsteigen k?nnte.?

      Zwei Bilder, die ohne jeden Zusammenhang zum eigentlichen Text eingestreut wurden, muten ebenfalls seltsam an. Abbildung 3 auf S. 29 zeigt die Lage des Tangwaldes in der Sargassosee ? wozu? Abbildung 4 auf S. 35 zeigt stilisiert den Grundriss von Atlantis, allerdings mit einer Einzeichnung von Br?cken in Kreuzesform. Dieses ?Kreuz von Atlantis? wird in der Bildunterschrift als uraltes Symbol bezeichnet. Leider jedoch wird diese Br?ckenformation von Platon in keiner Weise erw?hnt ?

      IV. Inhaltliche Kritik

      Murry Hope?s Atlantis-Theorie

      Murry Hope?s Atlantis-Theorie l?sst sich in drei Kernthesen zusammenfassen: Atlantis war ein Kontinent im atlantischen Ozean, der f?r die Geschichte der Menschheit von zentraler Bedeutung war. Dieser Kontinent ist im Rahmen einer kosmischen Katastrophe untergegangen. Eine wichtige Rolle spielen l?wenartige Au?erirdische, die vom Sirius auf die Erde kamen. Au?erdem sieht Murry Hope eine ?hnliche Katastrophe auf die Menschheit zukommen (S. 244 f., 371 f.). Nebenbei wird dabei auch noch die Frage nach dem ebenfalls mutma?lich untergegangenen Kontinent Lemurien aufgegriffen (S. 136).

      Zur St?tzung ihrer Thesen bevorzugt Murry Hope vor allem zwei Quellen: Otto Muck und seine Theorie einer kosmischen Katastrophe, sowie das Oera-Lind-Buch. Ein halbwegs normales Geschichtsbuch findet sich in ihrer Literaturliste nicht. Leider unerw?hnt bleibt, dass das Oera-Lind-Buch, das im 19. Jahrhundert auftauchte, schon l?ngst als hoax entlarvt wurde ? wenigstens in den Augen der ?etablierten Wissenschaft?.

      Geologisch-geographische Belege

      Ihre geologisch-geographischen Belege erweisen sich ebenfalls als eine Aneinanderreihung von l?ngst aufgekl?rten Hoaxes:

      S. 75 f. tischt sie die Story von Tiahuanaco in Bolivien auf, das in den letzten 10000 Jahren um 3000 Meter von Meeresh?he hinauf in die Anden angehoben worden sein soll, was daran erkennbar sei, dass die Stadt einen Hafen habe. Die Hafenanlage von Tiahuanaco lag jedoch nicht am Pazifik, sondern am Titicacasee, und stammt wohl aus dem ersten nachchristlichen Jahrtausend.

      S. 94 f?hrt Murry Hope die besondere Oberfl?chenerstarrung von Tachylyten als Argument an, die von Vulkanausbr?chen stammen sollen und am Grunde des Atlantiks gefunden wurden: Diese Erstarrungsformen bildeten sich nur an der Luft, und nicht unter Wasser. Ehrlicherweise gibt sie selbst sogleich das sogenannte ?Hartung-Argument? an, nachdem diese Tachylyte von Eisbergen transportiert worden sein sollen, die ihre Fracht bei ihrem Abschmelzen auf den Meeresgrund absinken lie?en. Eine schl?ssige Entkr?ftung des ?Hartung-Arguments? gelingt ihr nicht. Auch bleibt die Meinung unerw?hnt, dass die besagten Erstarrungsformen durchaus auch unter Wasser entstehen k?nnen.

      S. 96 ff. wird die Story des britischen Handelsschiffes S.S. Jesmond und seines Kapit?ns David Robson referiert. Dieser habe auf einer kurzzeitig aufgetauchten Insel mitten im Atlantik bronzezeitliche Gegenst?nde gefunden. Leider wei? das Britische Museum, dem die Fundst?cke ?bergeben worden sein sollen, von nichts.

      S. 107 f. wird Athanasius Kirchers Karte von Atlantis als ?R?ckerinnerung? gedeutet. S. 292 ff. werden die Oronteus-Finaeus-Karte und die Piri-Reis-Karte besprochen. Auf beiden soll angeblich die Antarktis eisfrei eingezeichnet sein, woraus zu schlie?en sei, dass diese Karten auf atlantischen ?berlieferungen aufbauten. Tats?chlich jedoch legt Gregory McIntosh in seinem Buch ?The Piri Reis map of 1513? dar, wie beide Karten mithilfe unzul?ssiger Manipulationen ? z.B. willk?rliche Ma?stabsverzerrungen ? interpretiert wurden, um das gew?nschte Ergebnis zu erzielen.

      S. 100 ff. wird die Story des sowjetischen Forschungsschiffes Petrovskij vorgestellt. Dieses Schiff soll im Atlantik zuf?llig auf Mauern und Steinbl?cke gesto?en sein und diese fotographiert haben. Leider werden die Fotos unter Verschluss gehalten. Abdrucke der Fotos, die Murry Hope in den B?chern von Charles Berlitz gefunden haben will, seien leider sehr undeutlich. Tatsache ist, dass schon oft ganz nat?rliche Formationen irrt?mlich f?r Menschenwerk gehalten wurden. Zudem sollen die Fotos in der N?he der nordwestafrikanischen K?ste gemacht worden sein. Einen Beleg f?r einen versunkenen Inselkontinent gibt das keinesfalls ab. Murry Hope hingegen mutma?t, dass das sowjetische Forschungsschiff seine Aufnahmen m?glicherweise ganz woanders gemacht hat, weil es z.B. einen geheimen milit?rischen Auftrag verfolgt haben soll (S. 104).

      Schlie?lich m?ssen auch noch die Mammuts dran glauben: S. 123 ff. wird die angebliche Pl?tzlichkeit ihres vielbesprochenen Sterbens ein weiteres Mal gen?sslich verkostet. Die Gegenargumente sind so bekannt, dass sie hier nicht noch einmal dargelegt werden sollen.

      Belege zur fortgeschrittenen Technik auf Atlantis

      Nach Murry Hope sei der Stand der Technik auf Atlantis ?unserem vergleichbar oder ihm sogar ?berlegen? (S. 61). S. 282 hei?t es: ?Die bisherige Erforschung der Pyramiden sollte uns davon ?berzeugen, dass irgend jemand in der fernen Vergangenheit Kenntnisse in der Mathematik, Geometrie und Astronomie besa?, die unseren gleichkamen oder sie sogar ?bertrafen.? S. 218 wird das astronomische Wissen der Atlanter als so gro? beschrieben, dass dieses Wissen ?durch zuk?nftige wissenschaftliche Entdeckungen lediglich wiederentdeckt werden? k?nne. Leider erweisen sich Murry Hopes Belege zu einer fortgeschrittenen Technik auf Atlantis ebenfalls als eine Aneinanderreihung von hoaxes.

      S. 221 wird der Mahabharata-Text erw?hnt, der angeblich den Einsatz einer Atombombe beschreiben soll. Tats?chlich finden sich im Mahabharata keinerlei solche Aussagen. Vielmehr hatte der Physiker Oppenheimer bei einem Atombombentest eine Assoziation zur Mahabharata-Zeile ?Heller als tausend Sonnen? ? die das Hindu-Paradies beschreiben soll. Diese Assoziation wird in Robert Jungks Buch ?Heller als tausend Sonnen? wiedergegeben. Daraus wiederum haben dann einige Scharlatane willk?rlich und sinnlos die Story kreiert, dass das Mahabharata einen Atombombeneinsatz beschreibe. Das Bhagavadgita, der Teil des Mahabharata, auf den Oppenheimer sich bezog, entstand ?brigens zwischen 300 v. Chr. und 600 n. Chr. Einige von Murry Hope erw?hnte Skelette mit erh?hter Radioaktivit?t k?nnen diesen ?Beleg? leider nicht retten.



      [Bild 03: Die vermeintliche Gl?hbirnendarstellung im Tempel von Dendera]

      S. 224 f. bringt Murry Hope die Story von dem fehlenden Ru? in den Pyramiden, und der Gl?hbirnendarstellung im Tempel von Dendera. Tats?chlich jedoch findet sich in den Pyramiden sehr wohl Ru?. Au?erdem fand man spezielle L?mpchen, die besonders ru?arm brennen. Und die ?Gl?hbirne? kann nat?rlich auch ganz anders gedeutet werden.

      S. 296 bezieht sich Murry Hope auf den Magnetostriktionseffekt, um zu demonstrieren, wie gro? uns noch unbekannte Kr?fte sein k?nnen. Daf?r ist dieser Mag-S-Effekt jedoch nicht geeignet, denn wenn er so stark w?re, w?rde er wohl l?ngst kommerziell in gro?em Stil erforscht oder bereits angewendet.

      Weitere Techniken auf Atlantis wie z.B. Schallenergie oder Laser werden von Murry Hope ohne substantielle Argumente behauptet. S. 283 geht sie noch kurz der Frage nach, warum denn von all diesen Techniken nichts mehr gefunden werden k?nne. Sie schreibt: ?Das einzige Material, das diese Zeit ?berdauern kann, ist Stein?.

      Sonstiges

      Ins Auge f?llt noch Murry Hopes falsches Verst?ndnis der Chaos-Theorie, mit dem sie gegen die etablierte Wissenschaft zu Felde zieht. S. 11 deutet sich ihr Irrtum zumindest an, als sie sagt, viele ?feststehende? Gesetze der Physik gerieten durch die Chaos-Theorie ins Wanken. Dies ist nat?rlich falsch. Gegenstand der Chaos-Theorie ist keinesfalls die Widerlegung physikalischer Gesetze, sondern vielmehr die Untersuchung vielteiliger ? chaotischer ? Systeme auf der Grundlage der bekannten Gesetze, wobei mit der Vielteiligkeit die Komplexit?t ansteigt und somit zus?tzliche Gesetze ?ber die Selbstorganisation solcher Systeme gefunden werden k?nnen.

      S. 361 f. offenbart sich ihr falsches Verst?ndnis der Chaos-Theorie endg?ltig. Ihre Schlussfolgerung aus der potentiellen Instabilit?t stabiler Zust?nde lautet n?mlich, dass es ?absehbar? sei, dass eine erneute atlantische Katastrophe eintr?te. Und genau dies sagt die Chaos-Theorie gewiss nicht aus.

      V. Literar-Kritik

      Stil

      Die Darstellung ?ber die von Murry Hope angewandten Konzeptionen und Methoden sagt eigentlich schon alles ?ber den daraus resultierenden Stil.

      Zusammenfassend bleibt festzuhalten, dass ihr Werk ein hervorragendes Beispiel f?r Textschrott ist. Seine Lekt?re bedeutet kein Vergn?gen, sondern permanenten Stress, da man sich st?ndig dazu herausgefordert sieht, die unkontrollierte Flut der zusammenhanglosen Informationen selbst zu ordnen und zu filtern. Wobei nach m?hsamer Kritik so gut wie keine Substanz ?brig bleibt.

      Zudem enth?lt Murry Hope?s Werk zahllose zumindest subjektiv vom Leser als solche empfundene Gedankenspr?nge, die dadurch verursacht werden, dass von einem zum n?chsten Thema gewechselt wird, noch bevor wirklich inhaltliche Substanz vorgebracht wurde ? wie es der Erwartungshaltung des Lesers entspr?che.

      Schlie?lich verwendet Murry Hope einige durchaus nicht allgemein gel?ufige Begriffe mit einer Selbstverst?ndlichkeit, die den Leser mit seinen Fragen sehr allein l?sst (z.B. ?Zeitverkapselung?).

      Das st?ndige Mitdenken, Umdenken und Dagegendenken ohne lohnendes Endergebnis macht die Lekt?re von Murry Hope?s ?Atlantis ? Mythos oder Wirklichkeit? zur Qual.

      Formalia

      Zumindest ungew?hnlich ist, dass sich Murry Hope in ihren Danksagungen auf S. 9 anscheinend selbst daf?r dankt, dass sie aus ihrem eigenen Buch zitieren darf. Es f?llt weiterhin auf, dass nicht die ?blichen Henricus-Stephanus-Nummern zur Stellenangabe im Werk Platons verwendet werden (z.B. Fu?note 1 zu Kapitel 2), sondern ? Seitenzahlen! Im Literaturverzeichnis findet sich leider keine Ausgabe des Oera-Lind-Buches, aus dem Murry Hope so viele Aussagen bezieht. S. 105 f. bemerkt man, dass ganz normale psychische Vorg?nge mit Worten wie ?Parapsychologie? und ?Psychokinese? belegt werden.

      Murry Hope ist eine Anh?ngerin der feministischen Binnen-I-Schreibweise. Dies ist ihr gutes Recht, macht die Lekt?re aber sehr schwerf?llig. Nicht angelastet werden darf ihr wohl, dass die vier theosophischen Weltkarten in den Abbildungen 29 bis 32 untereinander vertauscht sind. Die richtige Reihenfolge w?rde lauten: 32, 29, 31, 30. Sehr unangenehm f?llt dem Leser auch der Umgang mit dem Wort ?Beweis? auf, das ?ber das ganze Werk hinweg auch dort Anwendung findet, wo besser das Wort ?Indiz? verwendet worden w?re. Dies mag jedoch ein ?bersetzungsfehler sein.

      Zu loben ist an Murry Hope?s Werk, die enthaltene Platon-?bersetzung sowie das Stichwortregister, das einen leichten Zugriff auf alle von ihr erw?hnten Themen gew?hrt.

      VI. Politisch-Weltanschauliche Kritik

      Esoterisch-Metaphysische Schw?rmerei

      Murry Hope?s Weltbild ist zutiefst von esoterischen und metaphysischen Vorstellungen gepr?gt. Ihr Rationalismus ist somit nur als sehr partiell anzusehen. Bei Bedarf bleibt die Vernunft eben auch einmal auf der Strecke.

      Sie selbst glaubt, au?erirdisch zu sein (S. 351) und in immer wiederkehrenden Inkarnationen ewig fortzuleben. Sie w?hnt sich als Abk?mmling l?wenartiger Wesen vom Sirius (S. 244).

      Ein kurzer Blick auf ihre Biographie ?The Changeling?, d.h. ?Der Wechselbalg?, gibt n?here Auskunft: Das Titelbild zeigt den Kopf von Murry Hope halb als Mensch, halb als L?wen vor einer kosmischen Szenerie. Der Aufmacher dieser Biographie verr?t folgendes ?ber den Inhalt: ?Spiritual teacher and author Murry Hope has had the most extraordinary life. As a being of Devic, rather than hominid origin, she has chosen (on two occasions, one in Atlantis and one now), to incarnate in a human body.?



      Abb. 4: Titelbild des Buches ?The Changeling? von Murry Hope

      Doch zur?ck zu ?Atlantis ? Mythos oder Wirklichkeit??. S. 223 bezeichnet sie den Tod als ?R?ckkehr in ein anderes Universum?. S. 285 glaubt sie, dass die Atlanter zur ??berschreitung der Grenzen von Zeit und Raum? f?hig waren, und dass es denkbar w?re, dass auch heute noch einige Menschen diese F?higkeit besitzen.

      Ihre Vorstellung von der Erde als Lebewesen (?Gaia-Theorie?) ?bersteigen ebenfalls einen vern?nftigen Rahmen. S. 367 und S. 372 wird Gaia unterstellt, Versuche zu unternehmen, sich der vermeintlichen Last der Menschheit zu erwehren. Da der S. 366 genannte Treibhauseffekt wohl auch in ihren Augen nicht f?r die ganz gro?e Katastrophe herhalten kann, muss Gaia sich ?fremde Hilfe? suchen, d.h. wieder einen kosmischen K?rper einfangen und auf ihrer Oberfl?che aufschlagen lassen (S. 367).

      Atlantischer Sozialismus als bessere Vergangenheit ? und Zukunft

      Murry Hope outet sich unmissverst?ndlich als eine Anh?ngerin des Sozialismus. S. 211 stellt sie f?r das Goldene Zeitalter von Atlantis, das ?Zeitalter des Kronos?, eine ?Art Sozialismus? fest, in dem der Konkurrenzgeist keine dominante Rolle gespielt haben k?nne. Freundschaft und Kameradschaft h?tten einen h?heren Wert besessen als alle ?weltlichen Reicht?mer?. Alles Land habe sich in Gemeinschaftsbesitz befunden. Kritiklos wohlwollend merkt sie dazu an, ?einige Forscherautorit?ten? s?hen in den r?mischen Kronos-Festlichkeiten ?eine Erinnerung an eine alte Demokratie?.

      Wie haben wir uns nun diese sozialistische ?Demokratie? auf Atlantis vorzustellen?

      S. 317 berichtet sie von den theosophischen Vorstellungen von Atlantis, nach denen es dort z.B. keine freie Berufswahl gegeben haben soll und der Staat f?r das Wohlergehen aller Einwohner sorgte. Von der Wiege bis zur Bahre. Freudig kommentiert Murry Hope: ?Phantastische Zust?nde! Wann geht der n?chste Flieger??

      Auch S. 349 nennt sie nach ihren eigenen ?Erinnerungen? die atlantischen Zust?nde wiederum eine ?Art Sozialismus?. Regierungsform sei eine Theokratie gewesen, und die wesentlichen Entscheidungen seien nicht etwa demokratisch sondern von Hohepriestern getroffen worden. Medizinische Versorgung sei kostenlos gewesen. Freie Berufswahl habe es in Atlantis nicht gegeben.

      Interessant auch ihre wiederholten Einlassungen dazu, dass die Wirtschaft in Atlantis auf der Basis einer Art von Tauschsystem funktioniert haben soll. S. 317 legt sie anhand der theosophischen Theorien von Atlantis dar, dass das Tauschsystem auf Atlantis auf der Zuteilung eines gerechten Anteils der Produktion f?r jeden Einwohner beruhte. S. 349 legt sie dann als ihre eigene ?Erinnerung? dar, dass die Atlanter die nat?rlichen Ressourcen unter sich aufteilten. Der Tauschhandel habe dergestalt funktioniert, dass jeder, der mehr Besitztum haben wollte, daf?r auch mehr arbeiten musste.

      Hinter diesen wiederholten Andeutungen eines Tauschsystems stehen nat?rlich keine alten ?berlieferungen, sondern h?chst moderne Theorien wie z.B. die ?Freigeld?-Theorie von Silvio Gesell. Diese ist in unseren Tagen in religi?s und sozial engagierten Kreisen virulent und nimmt konkrete Formen in lokalen Tauschring-Vereinen an, die auf der Grundlage einer sozialistischen Werttheorie eigene Tausch-W?hrungen kreieren (?Talente?, ?Kr?ten?, ?Batzen? usw.). Auch die ?Freiland?-Theorie Gesells findet eine Entsprechung in dem bereits erw?hnten Gemeinschaftsbesitz allen Landes.

      Die Wissenschaftsgl?ubigkeit Murry Hope?s grenzt an eine Verlegung der Heilserwartung vom Bereich der Religion in den Bereich der Wissenschaft. Diese nimmt nun selbst wiederum religi?se Z?ge an, wie dies bekannterma?en der sozialistischen Praxis entsprach. Ganz deutlich wird, dass ihre Vorstellungen von Wissenschaft von denen der ?etablierten Wissenschaft? abweichen. S. 62 formuliert sie einen wahren Hymnus auf die Wissenschaft in blumiger Wortwahl: ?Der dunkle Vorhang der Dummheit und Ignoranz ? ? ? ?So steigen wir heute aus den H?hlen der Unwissenheit ?? ? ?... im Licht einer Religion, deren Dogma die Logik ist und deren wei?gekleidete PriesterInnen ihren Dienst in den Laboratorien, Forschungseinrichtungen und weltlichen Universit?ten verrichten.? ? ?M?ge die ewige Flamme ihren Geist erleuchten.?

      Schlie?lich ist Murry Hope eine Verfechterin der Idee eines ?Paradieses auf Erden?. Auch hier erinnert ihre Schw?rmerei fatal an sozialistische Heilsbotschaften. S. 199 ff. legt Murry Hope dar, wie sehr Atlantis den mythischen Paradiesvorstellungen aller V?lker entspr?che. Zwar schw?cht sie die Idealit?t der heilen Welt von Atlantis etwas ab, doch der Grundtenor bleibt: Atlantis sei das ?Goldene Zeitalter? der Menschheit gewesen. S. 363 f. konstatiert Murry Hope ein unterbewusst tief in jedem Menschen vorhandenes Atlantis-Bewusstsein. S. 372 richtet Murry Hope ihren Blick in die Zukunft: Sie tr?umt von einer Zeit, in der alle Menschen auf der Erde vereinigt und gleich sind, und nur eine Regierungsform und eine Sprache kennen. Schon in der Einleitung S. 15 erhofft sie sich, ?dass die Wissenschaft letztlich den Zeitcode entschl?sseln wird? und die Zeit als Energie nutzbar wird. Sie sieht das ?Heraufd?mmern? einer ?gl?cklichen Zeit?.

      Keine Brandmauer gegen Rassismus

      Murry Hope?s Werk ?Atlantis ? Mythos oder Wirklichkeit? bietet zumindest Ansatzpunkte f?r rassistische Sichtweisen. S. 183 gibt sie kritiklos das Popul Vuh wieder, nach dem die Rassen der Menschheit ?unter der Regentschaft des wei?en Menschen in Harmonie zusammenlebten?. Sie f?gt hinzu, dass dies wohl vor der Zeit gewesen sei, als sich ?die Rassen vermischt hatten?. S. 187 wird von ?wei?en Besuchern? bei Indianerst?mmen Amerikas berichtet, die als Lehrer dieser V?lker aufgetreten sein sollen. S. 211 schreibt Murry Hope erneut: ?Das Erbgut der AtlanterInnen war noch nicht durch den Zustrom von EinwanderInnen aus anderen L?ndern verw?ssert, ...?

      Im Zusammenhang mit diesen Aussagen von Rassismus zu sprechen, w?re ?bereilt, denn Murry Hope ?u?ert sich nirgends dergestalt, dass sie aus dem mutma?lichen ?Sein? ein ?Sollen? ableitet. Ungl?cklicherweise jedoch legt die holzschnittartige Darstellung der Rassen und ihrer Bef?higungsunterschiede bei Murry Hope die Vermutung nahe, dass dies tats?chlich ihre Meinung ist.

      Schlussendlich bleibt festzuhalten, dass eine heilsame Abgrenzung Murry Hope?s gegen?ber einer Vereinnahmung ihrer Aussagen durch Rassisten fehlt. Angesichts der Tatsache, dass es historisch belegt ist, dass der National-Sozialismus seine rassistischen Ideen auch aus den Kreisen der Atlantis-Esoteriker bezog, ein zumindest grob fahrl?ssiges Vers?umnis.

      ?Gutmenschlicher? Charakter

      Murry Hope kann aufgrund ihres Buches weder als verschw?rerische Sozialistin noch als Rassistin gesehen werden. Als wahre Ursache f?r ihr weltanschauliches Denken m?ssen wir etwas ganz anderes in Betracht ziehen.

      Es f?llt auf, dass in ihrem Werk typische Modethemen einer ganz bestimmten ?Szene? in den Vordergrund treten. Vieles wurde schon angesprochen: Zum Beispiel der Treibhauseffekt, den sie zu einer Klimakatastrophe hochstilisiert, um sich hierauf in irrationale Rettungshoffnungen zu st?rzen. Oder die weltfremde Idee der Tauschwirtschaft im Sinne Silvio Gesells. Ihr Feminismus ist nicht zu ?bersehen. Nicht zu vergessen ihre Sympathien f?r politisch linksorientiertes Gedankengut.

      Murry Hope macht sich dabei stets zur emp?rten Vertreterin der jeweiligen Sache und entwickelt in keiner Weise ein kritisches Bewusstsein daf?r, dass auch diese scheinbar emanzipatorischen Auffassungen gewissen M?chten in die H?nde spielen.

      Dies alles entspricht jenem meist religi?s und sozial engagierten Milieu, das von Kritikern gerne als ?gutmenschlich? bezeichnet wird. Ein ?Gutmensch? im diesem Sinne ist jemand, der das Gute erstrebt, was an sich lobenswert ist, dabei aber einigen typischen Irrt?mern unterliegt:

      1. Der ?Gutmensch? hat oft recht einfach gestrickte Vorstellungen davon, was das Gute sei.
      2. Der ?Gutmensch? hat kein ausreichendes Bewusstsein daf?r entwickelt, dass man sehr h?ufig nicht zwischen Gut und B?se, sondern nur zwischen zwei ?beln w?hlen kann.
      3. Hinzu tritt ein eifernder Anspruch der Emp?rung gegen?ber jenen, die nicht dieselben Auffassungen ?ber Gut und B?se vertreten.

      Ursache f?r diese bedauerlichen M?ngel ist eine gewisse Naivit?t und fehlende rationale Disziplin, wodurch die Herausbildung eines differenzierteren Weltbildes verhindert wird. Besonders tragisch wirkt sich dies aus, wenn der ?Gutmensch? vor einem kleineren ?bel zur?ckschreckend ein gr??eres ?bel bevorzugt, weil er vor lauter Schrecken und Emp?rung ?ber die eine Alternative ?bersieht, dass damit nicht automatisch die andere Alternative besser, geschweige denn ?gut? ist.

      VII. Fazit

      Es bleibt festzuhalten, dass Murry Hope?s Werk ?Atlantis ? Mythos oder Wirklichkeit? nichts anderes als konzeptioneller, methodischer, literarischer, inhaltlicher und politisch-weltanschaulicher Textschrott ist. Leider st??t ihr Werk in unserer heutigen Mediengesellschaft weitgehend auf Kritiklosigkeit, statt auf eine angemessen distanzierte Toleranz.

      Murry Hope tr?gt durch ihr Werk mit daf?r Verantwortung, dass das Thema Atlantis von der Tagesordnung vern?nftig denkender Menschen weitgehend verschwunden ist und eine Besch?ftigung damit meist Spott statt Anerkennung findet.

      Nat?rlich w?re es falsch, Murry Hope aufgrund ihres Werkes b?se Absichten in politisch-weltanschaulicher, wissenschaftlicher, finanzieller oder anderer Hinsicht zu unterstellen. Nicht nur, dass dazu die Belege nicht ausreichend sind. Eine andere Erkl?rung k?nnte z.B. sein, dass ? wie die Erfahrung lehrt ? die Verrenkungen und inneren Widerspr?che kritikloser Geister schier unglaubliche Ausma?e annehmen k?nnen. Tats?chlich scheint Murry Hope tief in ihrer Gedankenwelt zu stecken, verwendet sie doch diverse allgemein kaum gel?ufige Begriffe wie selbstverst?ndlich. Leider ist ihr Werk dennoch gef?hrlich, indem sie bei weniger gelehrten Menschen den Boden f?r die Annahme gef?hrlicher Gedanken bereitet.

      Murry Hope reiht sich mit ihrem Werk ?Atlantis ? Mythos oder Wirklichkeit? ein in eine lange Reihe gleicher und ?hnlicher Werke, deren Rezension mit der hier vorliegenden bereits mit gegeben ist. Murry Hope zitiert selbst S. 82 Susemihl: ?Die Liste der Behauptungen ?ber Atlantis ist eine recht gute Unterlage f?r das Studium der menschlichen Dummheit.?


      Verwendete Literatur

      Charles Berlitz, Das Atlantis-R?tsel, Paul Zsolnay Verlag, Wien/Hamburg 1976.

      Ignatius Donnelly, Atlantis ? The Antediluvian World ? A modern Revised Edition, hrsg. von Egerton Sykes, Harper & Brothers 1949, published by Gramercy Publishing, New York.
      Vgl. auch http://digital.library.upenn.edu/webbin/gutbook/lookup?num=4032 Stand Februar 2004.

      Thorwald C. Franke, Zur Klassifizierung der Hypothesen zu Atlantis, Mysteria3000 1/2004.
      Vgl. http://www.mysteria3000.de/archiv/lc/atlantis_2.htm Stand Juli 2004.

      Murry Hope, Atlantis ? Mythos oder Wirklichkeit, Zweitausendeins Verlag, Frankfurt/M. 1994.

      Murry Hope, Atlantis, Heyne Verlag, M?nchen 1999.

      Murry Hope, The Changeling, The College of Psychic Studies, 1984.

      Otto Muck, Alles ?ber Atlantis, Econ Verlag, D?sseldorf/Wien 1976.

      Franz Wegener, Das Atlantidische Weltbild ? Nationalsozialismus und Neue Rechte auf der Suche nach der versunkenen Atlantis, Kulturf?rderverein Ruhrgebiet e.V., Gladbeck 2001.

      Stefan Wogawa, Von der alternativen Sicht auf die Geschichte zum Rassenwahn, Mysteria3000 1/2003.
      Vgl. http://www.mysteria3000.de/archiv/lc/liebenfels.htm Stand Juli 2004.

      Stefan Wogawa, Urkontinent Lemuria ? Von der wissenschaftlichen Hypothese zur okkultistischen Spekulation, Mysteria3000 2/2003.
      Vgl. http://www.mysteria3000.de/archiv/lc/lemuria.htm Stand Juli 2004.


      ?ber den Autor

      Thorwald C. Franke,
      Jahrgang 1971, ist Diplom-Informatiker und lebt in Frankfurt/M. Von Jugend an auf spielerische Weise mit der Kultur der R?mer und Griechen vertraut, besch?ftigt er sich in seiner Freizeit bevorzugt mit antiker Geschichte und Geisteswelt, z.Z. vor allem mit der Frage nach Atlantis.

      Mysteria3000, ISSN 1619-5744, Ausgabe 1/2005

      Copyright ? 08.01.2005, alle Rechte vorbehalten
      Weiterver?ffentlichung, auch auszugsweise, nur mit schriftlicher Genehmigung

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